{"id":226,"date":"2010-10-16T17:02:45","date_gmt":"2010-10-16T15:02:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliagoeseast\/?p=226"},"modified":"2010-10-18T15:18:17","modified_gmt":"2010-10-18T13:18:17","slug":"das-highlight","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/juliagoeseast\/2010\/10\/16\/das-highlight\/","title":{"rendered":"Das Highlight!"},"content":{"rendered":"<p>Heute war der mit Abstand der beste Tag in Peking: Wir waren an der Mauer. Und hatten so einen Spa\u00df!<\/p>\n<p>Los ging es schon fr\u00fch. Patrick und ich haben uns um 8.00 Uhr am Dongzhimen zhan getroffen. Im Riesen-Peking hie\u00df das f\u00fcr mich: 6.00Uhr aufstehen, denn ich brauchte mit der Metro eine Stunde bis zu dieser Haltestelle. Mal wieder war etwas schwer, sich zu finden, obwohl wir uns am gleichen Ausgang verabredet hatten, aber dank voller Handykarte ging es. Daniel, ein ehemaliger KW-Freiwilliger erkl\u00e4rte mir den Abend davor haargenau, wie man den Busbahnhof findet (danke \ud83d\ude42 ) und deshalb war es f\u00fcr uns auch kein Problem dorthin zu gelangen. Im Prinzip war er genau beim Ausgang B der Metrostation, aber kann doch leicht \u00fcbersehen werden. Wir g\u00f6nnten uns noch schnell einen O-Saft bei McDonalds. Der Busbahnhof war eine gro\u00dfe Halle, an deren Ende die Busse abfuhren. Nach Huairou fuhr nur der 916er und bei dem gab es eine riesen Schlange. Sofort wurden wir von einer Frau angesprochen, die uns \u00fcberreden wollte, an das Mauerst\u00fcck in Jinshanling zu fahren. Sie war sehr freundlich und gar nicht aufdringlich; komisch eigentlich. Um nach Jinshanling zu kommen, h\u00e4tten wir mit dem Bus nach Miyun gemusst und dort mit einem Minivan ein ganzes St\u00fcck weiter. Der Preis des Minivans h\u00e4tte man aushandeln m\u00fcssen, aber da es sicherlich noch \u00fcber 100km gewesen w\u00e4ren, w\u00e4re er wohl ziemlich hoch gewesen. Au\u00dferdem stand kein Mensch an f\u00fcr den Bus nach Miyun. Das musste einen Grund haben und wir vertrauten eher der Masse, die mit uns nach Huairou wollte. Die Frau meinte es g\u00e4be f\u00fcr Miyun mehr Busse als f\u00fcr Huairou und nur Kinder und Alte w\u00fcrden nach Mutianyu fahren, was sich sp\u00e4ter als total falsch rausstellte. Die Schlange bewegte sich recht schnell voran und wir waren innerhalb von etwa 20 min im Bus. Und die meisten im Bus wollten gar nicht an die Mauer, was f\u00fcr uns gut war. Leider wusste dann auch keiner so recht Bescheid wo wir aussteigen mussten. Wir leider auch nicht&#8230;\u00a0 schade. Ich meinte es m\u00fcssste einfach der Busbahnhof sein, weil es anders f\u00fcr mich keinen Sinn ergeben w\u00fcrde. Wir fragten ein \u00e4lteres Ehepaar, die der Meinung waren wir h\u00e4tten schon einige Stationen fr\u00fcher aussteigen m\u00fcssen. Leichte Panik kam hoch. Andere Reisende konnten uns dann beruhigen; der Busbahnhof k\u00e4me noch. Und tats\u00e4chlich: Nach exakt 1 Std. und 40 min (wie in meinem LP beschrieben) kamen wir am Huairou qiche zhan an.<\/p>\n<p>Wir hatten uns eine Taktik \u00fcberlegt ein g\u00fcnstiges Auto zu finden und teilten uns auf. Jeder sollte getrennt suchen, weil wir hofften, dass ich einen besseren Preis bekam als Patrick. Hat eigentlich auch gut geklappt, w\u00e4r aber nicht unbedingt n\u00f6tig gewesen. F\u00fcr 45 Yuan brachte uns dann ein Fahrer an die Mauer bei Mutianyu. Dort kauften wir Studenten-Tickets,\u00a0 was sich schwerer darstellte als vermutet. Wir zeigten zwar unseren Freiwilligenausweis vor, aber die Leute wollten unseren chinesischen Sch\u00fclerausweis sehen. Hatten wir nat\u00fcrlich nicht. Dann gab es eine l\u00e4ngere Diskussion \u00fcber unseren Status (Freiwillige kriegen keinen Rabatt, nur Sch\u00fcler) und ich versuchte sie davon zu \u00fcberzeugen, dass wir quasi Sch\u00fcler sind und kein Einkommen haben. Funtionierte leider nicht. Also z\u00fcckte ich meinen deutschen, schon l\u00e4ngst abgelaufenen Sch\u00fclerausweis und hielt ihr den unter die Nase. Sie meinte dann, dass sie das nicht lesen kann, woraufhin ich ihr Einiges \u00fcbersetzte und auf die englischen Bezeichnungen verwies. Sie gab nach \ud83d\ude00 und ich bekam den Studentenpreis von 25 statt 45 Yuan. Patrick wollte sie den nicht geben, weil er seinen Ausweis nicht dabei hatte. Aber wir quengelten so lange, bis auch er sein Ticket hatte. Anstrengend war&#8217;s. Und echt nervig den Leuten st\u00e4ndig erz\u00e4hlen zu m\u00fcssen, dass wir quasi Sch\u00fcler\/Studenten sind und einen Rabatt verdient h\u00e4tten. Daniel gab mir den Tipp, sich einen Sch\u00fclerausweis ausstellen zu lassen. Ich werde auf jeden Fall meine Schule drum bitten; das erspart doch viel M\u00fche und Zeit!<\/p>\n<p>Gl\u00fccklich \u00fcber das g\u00fcnstige Ticket machten wir uns zum Aufstieg. Wir kamen an einem total s\u00fc\u00dfen B\u00e4chlein vorbei, viel Natur und einer Quellh\u00f6hle mit Stalaktiten und Statagmiten, in der au\u00dfer uns kein Mensch war!!! Versucht mal so einen Ort an Chinas Sehensw\u00fcrdigkeiten zu finden! So viel Natur hatte ich lange nicht mehr gesehen. Viele Treppen sp\u00e4ter waren wir oben, an der Mauer. Welch ein \u00fcberragendes Gef\u00fchl! Wir kamen an der Sommerrodelbahn hoch und liefen Richtung Seilbahn, also in den l\u00e4ngeren Teil der Mauer. Wir hatten eine wunderbare Aussicht auf die Berge und den Verlauf der Mauer und auch das Wetter hat perfekt mitgespielt: Sonnenschein, 22\u00b0C! Besser h\u00e4tte es gar nicht sein k\u00f6nnen. Wir Gl\u00fcckspilze \ud83d\ude00<\/p>\n<p>Anstrengend war es schon. Die Mauer verl\u00e4uft ja nicht waagerecht einmal quer durchs Land, sondern passt sich dem Gebirgsverlauf an, der schon recht h\u00fcgelig war. Also ging es st\u00e4ndig bergauf oder bergab. Das ging echt in die Beine und es gab auch Passagen, bei denen es fast senkrecht hoch ging und man quasi eine Steinleiter hochkletterte. Dann gab es auch Passagen, die glatt runtergingen. Die sind wir am Ende einfach runtergelaufen, wie kleine Kinder, weil es so einfacher war f\u00fcr die m\u00fcden Beine. Man musste nur aufpassen, nicht vorn \u00fcber zu fallen. Vorbei an Kanonen, Treppen und Wacht\u00fcrmen, von denen einer bestiegen werden konnte, auf dem sich mal wieder ein Brautpaar fotografieren l\u00e4sst, kamen wir endlich an den interessanten Teil der Mauer an: die No-Tourists-Area. Wir sahen uns nicht direkt als Touristen und ignorierten, wie alle, die mit uns auf diesem Mauerabschnitt waren, gro\u00dfz\u00fcgig die Verbotstafel. Ziemlich viele Chinesen sind mit uns weitergelaufen und der Teil dahinter war keineswegs eine Ruine. Es gab Holzz\u00e4une und Holztreppen und auch sonst schien es recht gut restauriert zu sein. Wie langweilig! Irgendwann kamen wir an das Ende der Mauer. Dachten wir jedenfalls, weil uns Wald und dichtes Geb\u00fcsch entgegen kam. Tats\u00e4chlich aber fing hier erst der beste Teil der Mauer an. Die Mauer ist ab dieser Stelle noch am ehesten in ihrem Originalzustand: verwittert und teilweise zerst\u00f6rt. Es wuchsen Str\u00e4ucher auf der Mauer, Gras machte sich \u00fcberall breit und die Mauer war nicht mehr vom umgebenen Wald zu unterscheiden. Es sei denn man ging an ihren Rand und sah doch, wie tief es runter ging: Ok, wir sind immer noch auf der Mauer! Ein kleiner Trampelpfad schl\u00e4ngelte sich durchs Geb\u00fcsch und verriet, dass wir nicht die Einzigen waren. Es kam uns sogar eine Wandergruppe von etwa 15 Frauen entgegen, die den ganzen alten Teil der Mauer abgelaufen sind. Wahnsinn! Leider dr\u00e4ngte die Zeit (es war schon 15 Uhr), denn ich wollte noch mit der Sommerrodelbahn den Berg hinunter, wobei wir eigentlich keine Ahnung hatten, wann sie \u00fcberhaupt schlie\u00dft. Wir hatten somit 3 Std. gebraucht zu dieser Stelle zu kommen. Patrick war davon \u00fcberzeugt, der R\u00fcckweg gehe schneller.<\/p>\n<p>Also machte ich noch ein paar Fotos dieses gro\u00dfartigen Mauerabschnitts und wir kehrten um. Wir h\u00e4tten es fr\u00fcher entdecken sollen; schade drum. Tats\u00e4chlich verlief der R\u00fcckweg schneller. Zuf\u00e4llig trafen wir auf eine deutsche Schulklasse aus Speyer, die gerade einen Chinaustausch machte. Wir r\u00fchrten kr\u00e4ftig die Werbetrommel f\u00fcr &#8222;kulturweit&#8220; und unterhielten uns \u00fcber das Stra\u00dfenessen und chinesische Toiletten. Wir brauchten noch eine R\u00fcckfahrgelegenheit nach Peking und so fragte ich eine der Sch\u00fclerinnen, ob in ihrem Reisebus noch zuf\u00e4llig 2 Pl\u00e4tze frei w\u00e4ren :). Sie schickte uns zu ihrer Lehrerin mit den Worten &#8222;Entweder liebt sie Euch oder sie hasst Euch.&#8220; Ersteres sollte sich bewahrheiten. Unsicher ob wir wirklich so dreist fragen sollten, verhielten wir uns einfach wie waschechte Chinesen und gingen hin. Was h\u00e4tten wir denn zu verlieren gehabt? Fragen kostet nichts und die sehen wir sowieso nie wieder. Also begr\u00fc\u00dfte ich die Lehrerin, eine Frau Fischer, mit den Worten &#8222;Hallo, wir haben Ihre Schulklasse getroffen und kommen auch aus Deutschschland.&#8220;\u00a0 Total baff, dass ich so fl\u00fcssig Deutsch spreche, war sie sofort interessiert und fragte uns woher wir genau k\u00e4men, was wir in China machen w\u00fcrden und wie wir \u00fcberhaupt allein zur Mauer gekommen w\u00e4ren. Wir erz\u00e4hlten viel von &#8222;kulturweit&#8220; und privaten Taxifahrern und sie kam aus dem Staunen nicht mehr raus. <em>Die Sache ist geritzt<\/em>, dachte ich ;). Als ich nach freien Pl\u00e4tzen im Bus fragten, war sie sofort einverstanden, wollte aber zur Sicherheit nochmal mit dem Busfahrer sprechen. Aber die Frau wirkte so, als w\u00fcrde sie alles durchkriegen und wir konnten einer sicheren R\u00fcckfahrt entgegen sehen :D.<\/p>\n<p>In der Sch\u00fclergruppe gab es eine Sch\u00fclerin, die mich total komisch angeguckt hat die ganze Zeit. <em>Was wollen die denn? Was f\u00e4llt denen ein, sich einfach in unseren Reisebus setzten zu wollen<\/em>. <em>So eine unglaublich dreiste Art habe ich noch nie erlebt. Die dr\u00e4ngen sich ja total auf und sowas ginge in Deutschland ja mal gar nicht. Warum sollten wir die \u00fcberhaupt mitnehnem? [&#8230;]<\/em> So oder \u00e4hnlich sah ihr Gesicht aus und es sprach B\u00e4nde&#8230; Aber wir sind in China. Sie wurde Zeuge einer typisch chinesischen Eigenschaft!<\/p>\n<p>Wir liefen dann mit einem Teil der Gruppe weiter Richtung Rodelbahn. Die meisten haben sich echt f\u00fcr uns und &#8222;kulturweit&#8220; interessiert. Irgendwann waren mir die zu langsam (ich musste ja die Rodelbahn noch kriegen), sodass Patrick und ich vorliefen. Wir kamen 10 vor 5 an, um 5 machen sie dicht. Nochmal Gl\u00fcck gehabt. Leider gab es keinen Studententarif, also verwendeten wir 50 Yuan f\u00fcr diese Rodelbahn. Ich beherzte den Tipp, meinen Vordermann ein gro\u00dfes St\u00fcck fahren zu lassen, bevor ich selbst loslegte. Als Patrick ne Zeit lang nicht mehr zu sehen war, fuhr ich los. Erst langsam, dann immer schneller und ich legte mich sch\u00f6n in die Kurven rein&#8230; bis ich pl\u00f6tzlich vor mir Patrick und eine weitere Chinesin vor ihm erblickte. <em>Warum ist die noch nicht unten? Die ist schon vor 5 Minuten losgefahren. <\/em>Ich musste stark abbremsen und entschied mit auf der Strecke anzuhalten und zu warten, bis beide nicht mehr zu sehen waren. Hinter mir kam dann noch ein weiterer Chinese an und wir beide warteten. Die Aufseher an den Seiten schrieen ein &#8222;zou, zou, zou&#8220;, was so viel bedeutete wie &#8222;fahrt, fahrt, fahrt&#8220;. Ich wollte schon wieder losfahren, aber der Chinese hinter mir meinte total gechillt &#8222;Lass die nur reden. ;)&#8220;. Sie konnten eh nichts machen. Wenn wir nicht weiterfahren, k\u00f6nnen sie uns schlecht die Bahn runterschieben. Also ignorierten wir beide grinsend die Aufseher. Dann ging die rasante Fahrt weiter und es war echt super! Zwar schrieen mir die Aufseher ein &#8222;Langsamer!&#8220; hinterher, aber da war ich auch schon hinter der n\u00e4chsten Kurve verschwunden. Hinter der letzten Kurve war die Bahn zu Ende. Das merkte ich aber erst als sich die letzten 5 m vor mir auftaten und fuhr volle Kanne in den Wagen vor mir, aus dem sich Patrick kurz zuvor retten konnte :D.<\/p>\n<p>Nach der kostenlosen Heimfahrt gingen wir richtig sch\u00f6n Essen, betrachteten Hochzeitsfotos, bei dem man uns f\u00fcr ein Paar hielt, und ein rundum gelungener Tag neigte sich dem Ende zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war der mit Abstand der beste Tag in Peking: Wir waren an der Mauer. Und hatten so einen Spa\u00df! Los ging es schon fr\u00fch. Patrick und ich haben uns um 8.00 Uhr am Dongzhimen zhan getroffen. 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