{"id":952,"date":"2013-08-13T12:27:37","date_gmt":"2013-08-13T10:27:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=952"},"modified":"2014-01-03T01:05:45","modified_gmt":"2014-01-03T00:05:45","slug":"epilog-mut-und-vertrauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/08\/13\/epilog-mut-und-vertrauen\/","title":{"rendered":"Epilog: Mut und Vertrauen"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Es gibt diese Tage, an denen hat man einen \u201eperfekten Lauf\u201c. Aus irgend einem Grund scheint sich einfach alles nahtlos zu f\u00fcgen, alles, was man sich vorgenommen hat, trifft ein und am Ende schafft man sogar noch mehr, als man sich vorgestellt hat. Einer jener Tage war mein letzter Tag in Wuhan.<\/p>\n<div id=\"attachment_951\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3662.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-951\" class=\"size-medium wp-image-951\" alt=\"Eine abendliche Tanzstunde\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3662-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3662-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3662-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3662.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-951\" class=\"wp-caption-text\">Eine abendliche Tanzstunde<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Meine finale Woche in Wuhan war bereits gepr\u00e4gt von einigen gar herrlichen Ereignissen. Zum Leidwesen von Flo und Hua Hua konnte ich nicht wiederstehen, endlich selbst einmal an einer Tanzstunde teilzunehmen, zu der sich die \u00e4lteren Damen jeden Abend versammelten. Sp\u00e4ter stand ich tats\u00e4chlich zum ersten Mal freiwillig mit beiden F\u00fc\u00dfen in den tr\u00e4gen Fluten des Yangtse und erlebte noch eine Ladies\u2018 Night im Helens, die den Erwartungen an einen explosiven Abschluss eindeutig gerecht wurde. Alles schien jedoch auf diesen einen letzten Tag hinauszulaufen.<\/p>\n<div id=\"attachment_945\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3690.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-945\" class=\"size-medium wp-image-945\" alt=\"Mit einer etwas m\u00fcde chinesische Prinzessin im Arm\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3690-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3690-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3690-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3690.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-945\" class=\"wp-caption-text\">Mit einer etwas m\u00fcde chinesische Prinzessin im Arm<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Er begann vielversprechend mit einer netten \u00dcberraschung, die mich im Lehrerzimmer erwartete. Eigentlich dachte ich, ich w\u00e4re dort der Einzige, denn immerhin dauerte es noch eine Weile bis zum Ende der Sommerferien. Stattdessen jedoch traf ich dort einen der Lehrer bei den Unterrichtsvorbereitungen, der zur Unterhaltung gleich noch seine Frau und deren Baby mitgebracht hatte. Und dieser Lehrer war kein anderer als derjenige, der mir am ersten Abend der Goldenen Woche vor einer halben Ewigkeit aufgetragen hatte, dass ich unbedingt sein T\u00f6chterlein in den Armen halten m\u00fcsse, sobald sie das Licht der Welt erblickte. Die letzte unerwartete Chance daf\u00fcr durfte nat\u00fcrlich nicht ungenutzt an mir vor\u00fcberstreichen und so \u00fcbergab die stolze Mutter die fr\u00f6hlich quietschende Xiao Xiao Yu in meine Obhut. Wenn es wirklich stimmte, dass sich die guten Eigenschaften der Personen, die das Kind ber\u00fchren, auf es \u00fcbertragen, so w\u00fcrde die Kleine in Zukunft vor allem eins haben: Gl\u00fcck. Denn davon wurde mir an meinem letzten Tag genug beschert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Zuversichtlich konnte ich daraufhin Tagesordnungspunkt Nr. 2 angehen: meinen halben Hausrat um die Welt schicken. Der einzige Haken an der Sache: von meinem mittlerweile beinahe leergefegten Zimmer und der China Post Office trennten mich ein paar Kilometer. Schwei\u00dfgebadet traf ich einige Zeit sp\u00e4ter an einer Postannahmestelle ein und wuchtete dort erleichtert kiloweise B\u00fccher, chinesische Talismane, Porzellanstatuen, Kuscheltiere und andere undefinierbare Objekte auf den Tresen. Nicht jedoch, weil ich beschlossen hatte, zur\u00fcck in Deutschland einen chinesischen Importwarenladen zu er\u00f6ffnen \u2013 in den vergangenen Wochen war ich schlichtweg mit so vielen liebenswerten Abschiedsgeschenken \u00fcberh\u00e4uft worden, dass mein ohnehin eng gefasstes Reisegep\u00e4ck mehr als \u00fcberquoll. Begeistert sah ich dabei zu, wie der Angestellte mit h\u00f6chster Pr\u00e4zision Gegenstand f\u00fcr Gegenstand wohlplatziert in zwei Kartons verschwinden lie\u00df und damit ein kleines logistisches Wunder zustande brachte. Die Pakete w\u00fcrde ich zwar vorerst drei Monate lang nicht wiedersehen, aber immerhin kostete der Spa\u00df nicht das Verm\u00f6gen, das ich bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_946\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3695.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-946\" class=\"size-medium wp-image-946\" alt=\"Ein letztes Treffen mit meiner kleinen gro\u00dfen Schwester\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3695-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3695-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3695-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3695.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-946\" class=\"wp-caption-text\">Ein letztes Treffen mit meiner kleinen gro\u00dfen Schwester<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_949\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3698.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-949\" class=\"size-medium wp-image-949\" alt=\"Hotpot mit allen K\u00f6stlichkeiten, die man sich vorstellen kann\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3698-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3698-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3698-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3698.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-949\" class=\"wp-caption-text\">Hotpot mit allen K\u00f6stlichkeiten, die man sich vorstellen kann<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Entspannt wollte ich schlie\u00dflich zu der Verabredung \u00fcbergehen, auf die ich mich am meisten freute: ein letztes Treffen mit meiner kleinen gro\u00dfen Schwester Ami, die einzige meiner chinesischen Freundinnen, die noch nicht weitergezogen war. Urspr\u00fcnglich hatten wir geplant, noch einmal bei der Hu Bu Xiang in einem unserer Lieblingsrestaurants essen zu gehen und den Rest des Abends am Yangtse-Ufer zu verbringen. Leider arbeitete mein Schwesterherz jedoch gerade als Lehrerin in einem Sommercamp, von dem sie sich nicht allzu weit entfernen durfte \u2013 ein weiterer Gl\u00fccksfall, wie sich herausstellen sollte. Also brach ich in die vollkommen entgegengesetzte Richtung zu der gro\u00dfen Shoppingmall mit der Eislaufbahn auf. Nat\u00fcrlich nicht, um ein paar finale Pirouetten zu drehen, sondern um noch einmal einen \u00e4u\u00dferst reichhaltigen Hotpot zu genie\u00dfen. W\u00e4hrend wir wie immer in lebenswichtigen Diskussionen versanken, blubberten in dem Yin-Yang f\u00f6rmigen Topf vor uns Bambussprossen, Lotuswurzeln, Bacon-Streifen, Mu-Er-Pilze, Wachteleier und selbstverst\u00e4ndlich Garnelen, mein in diesem Jahr entdecktes Lieblingsmeeresgetier.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Vollkommen vollgefressen erinnerte ich mich dann an einen Plan, den ich schon vor L\u00e4ngerem in die Tat umsetzen wollte, aber es irgendwie nie auf die Reihe gebracht hatte. Nun schien jedoch der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein: wir befanden uns mitten in einem riesigen Shoppingcenter, in dem es alles gab, was das Konsumentenherz begehrt. Also musste es hier auch irgendwo einen Ort geben, an dem man sich einen Ohrring stechen lassen konnte! Fragte sich nur, wo man den unter f\u00fcnfhundert L\u00e4den finden sollte, die sich in einem un\u00fcbersichtlichen Labyrinth von G\u00e4ngen aneinanderreihten. Ich wollte schon die Hoffnung aufgeben, als uns endlich eine nette Verk\u00e4uferin einen hei\u00dfen und ich daraufhin endlich vor einem winzigen Laden irgendwo im hintersten Eck stand.<\/p>\n<div id=\"attachment_947\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3707.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-947\" class=\"size-medium wp-image-947\" alt=\"Nur ein kleiner Piekser...\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3707-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3707-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3707-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3707.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-947\" class=\"wp-caption-text\">Nur ein kleiner Piekser&#8230;<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Frage, ob ich das wirklich tun wollte, erledigte sich in dem Moment, als ich in der Auslage genau den Ohrring sah, den ich mir vorgestellt hatte: ein kleines silbernes Dreieck. F\u00fcr mich (aus einem auf diesem Blog hier nicht erw\u00e4hnenswerten Grund) das Symbol schlechthin f\u00fcr Mut \u2013 und Mut war einerseits der Grund, der mich zu meinem fantastischen Auslandsjahr getrieben hatte und andererseits eine Eigenschaft, an der ich in den letzten Monaten gewachsen bin wie nie zuvor. Au\u00dferdem w\u00fcrde es mich immer an die Freundschaft erinnern, die drei Menschen, n\u00e4mlich Berlin, Ami und mich, verband.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Trotz dass ich mir meiner Sache deshalb recht sicher war, zerquetschte ich vermutlich beinahe Amis Hand, w\u00e4hrend der etwas pummelige Piercer die Pistole an mein Ohr ansetzte und mir \u2013 zack \u2013 ein Souvenir meiner Zeit in Wuhan verpasste, das ich von da an dauerhaft bei mir trug. Ein ungleich schmerzlicheres Stechen als der kurze Piekser verursachte anschlie\u00dfend der Abschied von meiner kleinen gro\u00dfen Schwester, die sich wieder um ihre Sch\u00fctzlinge k\u00fcmmern musste. Mit glasigen Augen blickte ich dem Taxi hinterher, bis es im Get\u00fcmmel verschwunden war, wurde dann jedoch unverhofft von einer SMS aufgeheitert: \u201eAre you in Prison tonight?\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Prison, einer verrauchten und etwas abgenutzt anmutenden Bar befand ich mich zwar noch nicht, doch praktischerweise trennten mich davon gerade einmal f\u00fcnf Laufminuten. Wenig sp\u00e4ter traf ich mich dort mit Lorna, einem Wuhaner Urgestein, die schon einige Generationen von Auslandsstudenten \u00fcberstanden hatte und deshalb einigerma\u00dfen abgeh\u00e4rtet war, was das Verabschieden betraf. Weniger abgeh\u00e4rtet schien dagegen meine Pacific Family, die trotz massiver \u00dcberm\u00fcdung von der vergangenen Nacht etwas schlaftrunken zum Prison pilgerte. Nachdem wir mit einem guten Glas Tequila auf die vielen Abende, die uns miteinander verbanden, angesto\u00dfen hatten, sendeten mich meine Freunde mit den letzten guten W\u00fcnschen, Tr\u00e4nen und festen Umarmungen auf den Nachhauseweg.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nur mit dem h\u00f6chsten Ausma\u00df, das ich an Selbstbeherrschung aufbringen konnte, widerstand ich der Versuchung, den Shifu dazu anzuhalten, auf der Stelle wieder mit dem Taxi in Richtung Prison umzudrehen. So erreichte ich mit zittrigen Knien meine Schule, um ein letztes Mal \u00fcber die Mauer zu klettern. Mit einem nostalgischen L\u00e4cheln sah ich an meinem alten Feind, dem Zaun, hinauf in den sternenklaren Nachthimmel \u2013 genau in dem Moment, als die gr\u00f6\u00dfte und hellste Sternschnuppe \u00fcber das Firmament zuckte, die je gesehen hatte. Meistens rede ich mir ja recht erfolgreich ein, nicht an Zeichen zu glauben, aber nun, da der leuchtende Komet in der Dunkelheit vergl\u00fcht war, konnte ich nicht anders, als mir zu w\u00fcnschen, dass es in Deutschland f\u00fcr mich so weiterging wie es in China aufh\u00f6rte.<\/p>\n<div id=\"attachment_948\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3731.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-948\" class=\"size-medium wp-image-948\" alt=\"Vor dem Boarding am Wuhaner Flughafen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3731-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3731-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3731.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-948\" class=\"wp-caption-text\">Vor dem Boarding am Wuhaner Flughafen<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Abrupt endet das Lied, das mich in Gedanken versinken lie\u00df und rei\u00dft mich aus den Erinnerungen an meinen \u201ePerfekten Lauf\u201c. Es ist Zeit f\u00fcr mich, aufzubrechen. Mechanisch bewege ich mich \u00fcber die Eingangshalle des Wuhaner Flughafens in Richtung Security Check. Obwohl meine F\u00fc\u00dfe mich nur widerwillig forttragen wollen, reihe ich mich in die Schlange ein, die sich dort mittlerweile gebildet hat. Mit einem Mal wird mir klar, dass es kein Zur\u00fcck mehr gibt, sobald ich die Durchleuchtungsschranke passiert habe. Pl\u00f6tzlich w\u00fcnsche ich mir nichts sehnlicher, als in diesem Moment nicht alleine zu sein. Und mit einem Mal tauchen sie vor meinem inneren Auge auf, all jene Menschen,<span>\u00a0 <\/span>die mir w\u00e4hrend des Jahres so ans Herz gewachsen sind. Als ich langsam durch ihre Reihen laufe, sehe ich in der Menge das schelmische Grinsen meines kleinen D\u00e4mons, ich sehe Spencers charakteristische Baskenm\u00fctze, Berlin und Ami mit den vierbl\u00e4ttrigen Kleebl\u00e4ttern, die ich ihnen hinterlassen habe, das B\u00e4renkost\u00fcm meines russischen Brother Bears, ich h\u00f6re ausgelassenes \u201ePazifisches Gel\u00e4chter\u201c, das klingt wie Wellen, die sich am Strand brechen und die letzten Ganbeis und Abschiedsworte im Raum verhallen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie vor einem Jahr muss ich erneut zahlreiche liebe Freunde zur\u00fccklassen, nun jedoch auf unbestimmte Zeit. W\u00e4hrend ich durch die Sicherheitsschranke trete, f\u00fchle ich, wie hei\u00dfe Tr\u00e4nen \u00fcber mein Gesicht laufen. Doch wieder einmal bin ich nicht so allein, wie ich denke: kaum habe ich mich vor dem Gate in den Wartebereich gesetzt, klingelt mein Handy. Ami. Spencer. Chang E.<\/p>\n<div id=\"attachment_950\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3738.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-950\" class=\"size-medium wp-image-950\" alt=\"Ein erster und letzter Blick von oben auf Wuhan\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3738-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3738-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3738-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3738.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-950\" class=\"wp-caption-text\">Ein erster und letzter Blick von oben auf Wuhan<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Einige kraftspendende Gespr\u00e4che sp\u00e4ter schaffe ich es, in den Flieger nach Beijing zu steigen und mich dort auf meinem Platz am Fenster einzufinden. Die Sicherheitshinweise gehen gekonnt an mir vor\u00fcber, da ich mir meine Earphones in die Ohren gesteckt habe. Schlie\u00dflich setzt sich die Maschine in Bewegung, hebt ab und gew\u00e4hrt mir einen ersten und gleichzeitig letzten Blick von oben auf die Stadt, die beinahe zw\u00f6lf Monate lang mein Zuhause war. W\u00e4hrend ich meine finale Reise zur\u00fcck in den Westen antrete, werde ich ausnahmsweise nicht vom Titanic-Soundtrack begleitet.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Der hat mir immerhin auf dem Hinflug genug Schrecken eingejagt und die w\u00e4hrend meines Auslandsjahrs aus irgendeinem Grund st\u00e4ndig wiederkehrende Melodie von \u201eMy Heart will go on\u201c lie\u00df mich mit der Zeit doch ein wenig stutzig werden. Das Ganze gipfelte sich zu allem \u00dcberfluss vor ein paar Monaten mit dem Umbuchungsbeleg f\u00fcr meinen Heimflug. Der war mysteri\u00f6serweise nicht an Mr. Kai, sondern an einen gewissen Jack Zwettler adressiert. Wollte das Schicksal mir damit verk\u00fcnden, dass mein Herz auch nach meinem Jahr im Reich der Mitte weitergehen w\u00fcrde? Oder warnte es mich, dass ich mich lieber von meinem Heimflug fern halten sollte? Nein, ich deute keine Zeichen. (Noch wei\u00df ich nicht, dass am n\u00e4chsten Tag ein Taifun \u00fcber Wuhan hereinbrechen wird , durch den ein geparktes, passagierloses Flugzeug in das Flughafengeb\u00e4ude krachen und den Flugverkehr vollkommen lahmlegen wird. Wenn es also so etwas wie ein Schicksal gibt, dann hat es mir einen riesigen Gefallen getan, mit dem Unwetter noch einen Tag l\u00e4nger zu warten). Wie auch immer, anstelle von James Horner beschallt mich passenderweise die g\u00e4nsehautverursachende Hymne \u201eInto the West\u201c aus dem Herrn der Ringe.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eYou have come to journey\u2019s end.\u201c, erkl\u00e4rt mir die tiefe, volle Stimme der S\u00e4ngerin \u2013 und recht hat sie. Mein China-Abenteuer ist nun endg\u00fcltig vor\u00fcber. Wuhan verschwindet aus meinem Blickfeld unter den Wolken. Werde ich es jemals wiedersehen?<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eWhat are these tears upon your face?\u201c Tr\u00e4nen des Abschieds und der Trennung. Tr\u00e4nen dar\u00fcber, dass der bisher aufregendste Abschnitt meines Lebens sich dem Ende zuneigt. Tr\u00e4nen der Ungewissheit, was nun kommt. Und Tr\u00e4nen der Dankbarkeit, dass ich so viele Freunde kennenlernen durfte, mir eine einzigartige Chance gegeben wurde und ich sie genutzt habe.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">\u201eAll of your fears will pass away.\u201c Tats\u00e4chlich. Als ich in Beijing ankomme, f\u00fchle ich mich innerlich wieder einigerma\u00dfen ausgeglichen. Ich antworte noch auf ein paar Abschieds-SMS von Hua Hua, Yang Xi, Samu und Berlin, bevor meine chinesische SIM-Karte ihren Dienst aufgibt und begebe mich dann zum Boarding f\u00fcr meinen Flug in meine alte Heimat. Im Bus, der mich zum Flieger bringt, sehe ich meine Silhouette, die sich in der Scheibe spiegelt. Aufrecht steht sie, und ein kleines silbernes Etwas blitzt an ihrem linken Ohr. Bestimmt wird man mich fragen, ob mich die Chinesen nicht ordentlich gef\u00fcttert h\u00e4tten. Doch, haben sie, werde ich dann antworten, denn so ges\u00e4ttigt an Eindr\u00fccken und Erfahrungen war ich noch nie zuvor.<\/p>\n<div id=\"attachment_957\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3758.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-957\" class=\"size-medium wp-image-957\" alt=\"Noch einmal einen tiefen Atemzug chinesische Luft inhalieren und dann ab in den Flieger!\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3758-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3758-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3758-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3758.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-957\" class=\"wp-caption-text\">Noch einmal einen tiefen Atemzug chinesische Luft inhalieren und dann ab in den Flieger!<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein letzter, tiefer Atemzug sommerlich warmer, schwerer chinesischer Luft auf der Gangway, dann schl\u00fcpfe ich mit den anderen Passagieren in die Maschine und warte darauf, dass ich in die alte Heimat getragen werde. Als ich tief in den Sitz gedr\u00fcckt den chinesischen Boden verlasse und die Lichter Beijings in der Dunkelheit erl\u00f6schen, bricht pl\u00f6tzlich eine epische Melodie aus meinen Earphones los, bei der mein Herz unwillk\u00fcrlich schneller schl\u00e4gt: \u201eHeart of Courage\u201c. In dem Moment zucken auf einmal zwei Worte durch meinen Kopf: MUT und VERTRAUEN.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Wie ich vor l\u00e4ngst vergangener Zeit erw\u00e4hnte, haben mir diese beiden Worte vor einem Jahr vier gute Freunde auf meiner pers\u00f6nlichen Seite der Abizeitung mit auf den Weg gegeben \u2013 und sie wurden zu meinen beiden wichtigsten Begleitern w\u00e4hrend meiner Zeit im Reich der Mitte.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mut habe ich auf der einen Seite gebraucht, um eine anfangs noch sehr fremde Kultur zu entdecken, alle m\u00f6glichen Dinge ohne Vorbehalte auszuprobieren und mich f\u00fcr teilweise recht unterschiedliche Denkweisen zu \u00f6ffnen. Weiterhin hat es oft eine ordentliche Portion Mut erfordert, mich von Zeit zu Zeit Hals \u00fcber Kopf in irgendwelche Unternehmungen zu st\u00fcrzen, und Gelegenheiten, die sich mir boten, nicht ungenutzt vor\u00fcberziehen zu lassen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Zu vertrauen habe ich auf der anderen Seite w\u00e4hrend meiner Reise gelernt. Darin, dass man \u00fcberall gute Freunde und hilfsbereite Menschen finden kann. In mein pers\u00f6nliches Potential und meine eigenen F\u00e4higkeiten. Darin, dass es f\u00fcr die meisten Probleme auch eine L\u00f6sung gibt. Und darin, dass die Entscheidungen, die ich treffe, die richtigen sind. Denn die bisher beste Entscheidung meines Lebens hab ich mit dem Antritt meines Auslandsjahrs bereits getroffen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">So hat mir mein Freiwilligendienst dabei geholfen, weiterzuwachsen, er hat mich nicht nur an unz\u00e4hlige faszinierende Orte, sondern auch zu mir selbst gef\u00fchrt und gleichzeitig hat er den Drang in mir ausgel\u00f6st, nie stehen zu bleiben und das, was ich anpacke, mit ganzem Herzen in die Tat umzusetzen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ein Aufheulen der Triebwerke k\u00fcndigt an, dass das Flugzeug zur Landung ansetzt. F\u00fcr ein paar Sekunden schaue ich aus dem Fenster. Am Horizont gl\u00fcht der erste Sonnenstreifen im Zwielicht. Ein neuer Tag beginnt. F\u00fcr mich beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich richte meinen Blick nach vorne. Schnell verliert der Airbus an H\u00f6he und ein sanfter Ruck l\u00e4sst mich wissen, dass ich nun auf deutschem Boden angelangt bin. Die Maschine kommt zum Stehen. Wie auf ein unh\u00f6rbares Kommando hin erheben sich die \u00fcberwiegend chinesischen Passagiere aus ihren Sitzen, kramen ihr Gep\u00e4ck hervor und in Windeseile leert sich das gesamte Abteil. Kurz nehme ich mir Zeit, Atem zu holen, laufe zum Exit und werde mir bewusst: meine \u201eJourney to the East\u201c liegt nun hinter mir. Was mich auf der anderen Seite des Ausgangs erwartet, wei\u00df ich noch nicht. Meine Familie? Alte Freunde? Neue Freunde? Meine Studienzeit? Eine R\u00fcckkehr nach China? Das n\u00e4chste Abenteuer? Ich bin gespannt, all meinen Mut und mein Vertrauen aufzubringen, um es herauszufinden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dies war der letzte Eintrag in meinen Blog. Vielen Dank an meine Familie, meine Freunde und alle anderen, die sich die Zeit genommen haben, mich auf meiner Reise zu begleiten und mich auf ihr in vielen Worten und Taten zu unterst\u00fctzten. Ich hoffe, dass der eine oder andere seinen Spa\u00df dabei hatte, meine teilweise etwas ausufernden Erlebnisse mitzuverfolgen und dass ich einen kleinen Einblick in das Leben in einer gro\u00dfen Nation bieten konnte. Nat\u00fcrlich blieben so einige hei\u00dfe Themen unerw\u00e4hnt und unbeachtet, doch was ich in meinem Blog umrissen habe, war meine ganz pers\u00f6nliche Auslandserfahrung! Und eine solche zu machen, kann ich nur jedem empfehlen, dem sich die Chance bietet.<\/p>\n<div id=\"attachment_955\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3757b.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-955\" class=\"size-full wp-image-955\" alt=\"Meine Journey to the East geht zu Ende - wohin wohl die n\u00e4chste Reise f\u00fchrt?\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3757b.jpg\" width=\"1024\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3757b.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3757b-300x168.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3757b-500x281.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-955\" class=\"wp-caption-text\">Meine Journey to the East geht zu Ende &#8211; wohin wohl die n\u00e4chste Reise f\u00fchrt?<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt diese Tage, an denen hat man einen \u201eperfekten Lauf\u201c. 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