{"id":892,"date":"2013-08-07T06:01:29","date_gmt":"2013-08-07T04:01:29","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=892"},"modified":"2013-08-07T06:15:21","modified_gmt":"2013-08-07T04:15:21","slug":"von-grossen-mauern-und-grossen-gefuehlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/08\/07\/von-grossen-mauern-und-grossen-gefuehlen\/","title":{"rendered":"Von gro\u00dfen Mauern und gro\u00dfen Gef\u00fchlen"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Manchmal muss man zuerst eine lange Durststrecke \u00fcberstehen, bevor man ein Ziel erreicht. Die Ankunft an diesem Ziel f\u00fchlt sich dann jedoch umso lohnender an. So erschien mir mein Aufenthalt in Beijing wie die gr\u00f6\u00dfte Entsch\u00e4digung f\u00fcr die \u00fcberstandenen Herausforderungen, die sich mir je h\u00e4tte bieten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Kurz vor Ende meines Aufenthalts in China hatte ich es endlich in dessen Hauptstadt geschafft. Nachdem ich in den vergangenen Wochen im Westen ein v\u00f6llig ungewohntes China erlebt hatte, kam ich nun gewisserma\u00dfen im Zentrum der chinesischen Kultur an. Kaum eine andere Stadt in der Volksrepublik birgt so viel schlechte Luft, \u00e4h, geschichtliche Reicht\u00fcmer und Bilder, die einem sofort in den Kopf schie\u00dfen, wenn man an China denkt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3169.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-913\" alt=\"SAM_3169\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3169-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3169-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3169-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3169.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3188.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-914\" alt=\"SAM_3188\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3188-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3188-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3188-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3188.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3189.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-915\" alt=\"SAM_3189\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3189-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3189-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3189-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3189.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Bereits an meinem ersten Tag tauchte ich in ein authentisches St\u00fcck klassischer chinesischer Wohnkultur ein, als ich die Hutong-Siedlung betrat, in der sich irgendwo mein Hostel befinden musste. Obwohl ich vor \u00dcberm\u00fcdung vermutlich langsam eine Gefahr f\u00fcr den Verkehr darstellte und nicht die leiseste Ahnung besa\u00df, wo genau sich dieses doofe Hostel versteckte, st\u00f6rte es mich nicht im Geringsten, mich in den Gassen dieses Wohnlabyrinths zu verlaufen. Daf\u00fcr machte dessen Erkundung n\u00e4mlich einfach viel zu viel Spa\u00df. Zu meinem gro\u00dfen Gl\u00fcck konnte ich hier h\u00f6chstens von einem schnaufenden Rikscha-Fahrer \u00fcber den Haufen gefahren werden, Autos wollten sich scheinbar kaum durch die schmalen Wege quetschen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Stattdessen waren die Stra\u00dfen gef\u00fcllt mit einer quirligen Mischung aus dutzenden Tante-Emma-L\u00e4den, kleinen Restaurants, aus denen allerlei verf\u00fchrerische D\u00fcfte drangen und gelassenen, freundlich grinsenden Menschen. Es fiel wirklich nicht schwer, sich umgehend willkommen zu f\u00fchlen, vor allem, da mir netterweise an jedem Stra\u00dfeneck ausf\u00fchrlich der Weg zu meinem sehns\u00fcchtig erwarteten Bett beschrieben wurde<span>\u00a0 <\/span>(auch wenn man mir in dem ersten Massagesalon, in dem ich mich erkundete, gleich den Weg zum Happy End im Hinterzimmerchen zeigen wollte). So schlenderte ich frohen Mutes von einer Kreuzung zur anderen, landete unverhofft auf einem gesch\u00e4ftigen Gem\u00fcsemarkt in einem Innenhof, wurde von tratschenden Omas angel\u00e4chelt und stolperte fast \u00fcber einen Jungen, dem man mitten auf der Stra\u00dfe die Haare schnitt. Herrlich. Memo an mich selbst \u2013 sollte ich irgendwann einmal nach Beijing ziehen, dann werde ich mich in einem Hutong einnisten. Zumindest wenn sie bis dahin noch existieren, denn viele dieser liebensw\u00fcrdigen Siedlungen m\u00fcssen zurzeit gnadenlos der Modernisierung der Stadt weichen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nachdem ich meine Unterkunft dank haufenweise hilfsbereiter Hutong-Bewohner endlich gefunden und mich ausgiebig von der Zugfahrt erholt hatte, wurde es f\u00fcr mich Zeit, meinen ersten Anlaufpunkt in Beijing und gleichzeitig DAS Touristenziel Chinas schlechthin zu besichtigen. Endlich w\u00fcrde sich das monatelange Training im n\u00e4chtlichen Mauerklettern bezahlt machen \u2013 heute f\u00fchrte mich mein Weg auf den Teil der Gro\u00dfen Mauer, den jedes zweite Cover eines China-Reisef\u00fchrers ziert! Aufgrund eines st\u00e4ndig stationierten Milit\u00e4raufgebots lie\u00df sich das Ganze fr\u00fcher um einiges schwerer bezwingen als der Zaun vor meiner Schule, aber heute gab es gl\u00fccklicherweise Touristenagenturen, die auch fremdl\u00e4ndische Barbaren mit Freuden auf die Mauer bringen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Da sich meine treuen Reisekumpanen leider damals noch irgendwo im Nirgendwo den Hintern wundsa\u00dfen, musste ich mich zum ersten Mal alleine auf Erkundungstour begeben. Doch wie ich mittlerweile ziemlich genau wusste, ist man immer nur so allein, wie man sich selbst f\u00fchlen m\u00f6chte &#8211; vor allem auf Reisen. Und da ich mich nur \u00e4u\u00dferst ungern alleine f\u00fchle, hatte ich bald einen netten Expeditions-Partner gefunden.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Im Touribus, der uns aus der Stadt hinaus in die Berglandschaften um Beijing brachte, begegnete ich Rubens, einem jungen brasilianischen Restaurantbesitzer, der seit Jahren seinen wohlverdienten Urlaub dazu nutzte, alle m\u00f6glichen L\u00e4nder der Erde zu bereisen und auf seinem Trip nach Japan und Korea einen kurzen Zwischenstopp in der Hauptstadt einlegte. Gemeinsam lie\u00dfen wir uns im komfortablen Sessellift zur H\u00fcgelkuppe hinaufbringen, an die sich der Mutianyu-Abschnitt des urspr\u00fcnglich l\u00e4ngsten Bauwerks der Welt klammerte. \u00dcber 8000 Kilometer soll diese gigantische Konstruktion einmal gemessen haben \u2013 das entspricht der doppelten L\u00e4nge der Zugstrecke, die ich von Kashgar nach Beijing zur\u00fcckgelegt hatte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3209.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-916\" alt=\"SAM_3209\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3209-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3209-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3209-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3209.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3224.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-917\" alt=\"SAM_3224\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3224-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3224-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3224-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3224.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3238.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-918\" alt=\"SAM_3238\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3238-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3238-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3238-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3238.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3269.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-919\" alt=\"SAM_3269\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3269-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3269-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3269-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3269.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3307.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-920\" alt=\"SAM_3307\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3307-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3307-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3307-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3307.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Heute sind viele Teile der Mauer zwar Verwitterung und Erdbeben zum Opfer gefallen, Mutianyu gab nach flei\u00dfigen Renovierungsarbeiten jedoch ein ziemlich gut erhaltenes Bild ab. Wie ein steinerner Drache schl\u00e4ngelte sich die Mauer vor uns in dynamischen Wellen und Kurven durch das satte Gr\u00fcn der Bergew\u00e4lder und verschwand in der Ferne im Nebel. Dank des dramatisch mit grauen Wattewolken verhangenen Himmels wagten sich au\u00dferdem nur wenige Touristen auf die Spuren der chinesischen Soldaten, die hier vor vielen Jahrhunderten patrouillierten. Auf diese Weise wurden wir gl\u00fccklicherweise weder von fahnenschwingenden Touristenf\u00fchrern \u00fcberrannt noch wurden uns die Trommelfelle von schrillen Megaphonen weggeblasen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Ger\u00e4uschpegel beschr\u00e4nkte sich lediglich auf das Zwitschern der V\u00f6gel im Wald, Smalltalk in allen m\u00f6glichen Sprachen und dem entkr\u00e4fteten Schnaufen von <span>\u00a0<\/span>den armen \u00dcbergewichtigen, die sich dennoch die steilen Stufen hinauf qu\u00e4len wollten. Immerhin erhielt man als Gegenleistung f\u00fcr das lautstarke Kalorienverbrennen faszinierende Panoramen und am einen Ende des Abschnitts sogar einen Ausblick auf ein unber\u00fchrtes St\u00fcck Mauer. Hier waren es weniger mandschurische Barbaren, sondern die Natur, die die Mauer eroberte. \u00dcberall auf den alten G\u00e4ngen und Wacht\u00fcrmen sprossen B\u00e4ume und Str\u00e4ucher, sodass das Bauwerk langsam mit dem Berg zu verschmelzen schien.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auch wenn wir hier nicht weitergehen konnten (nicht, dass ich das erfolglos versucht h\u00e4tte), blieb uns immerhin noch genug Zeit um in entgegengesetzter Richtung eine Zeit lang weiter zu spazieren und uns ausgiebig zu unterhalten. So lernte ich auf der Gro\u00dfen Mauer mehr \u00fcber Brasilien als \u00fcber die Geschichte Chinas und erhielt als Erinnerung an unsere Begegnung sogar zwei Reais (brasilianisches Geld). Wer wei\u00df, vielleicht werde ich die ja irgendwann einmal in Rubens\u2018 Restaurant ausgeben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Viel zu sp\u00e4t erreichten wir schlie\u00dflich das Restaurant im Tal, in dem wir uns mit dem Rest der Touristengruppe treffen sollten. Mit den restlichen Versp\u00e4teten, einer unglaublich herzlichen italienischen Familie und zwei Spanierinnen versammelten wir uns um einen der runden Tische und erwarteten sehns\u00fcchtig unser vermutlich vollkommen mittelm\u00e4\u00dfiges Touristenessen. Denkste. Zu meiner gro\u00dfen \u00dcberraschung tischte man uns mir wohlbekannte, authentische Speisen auf, sodass ich umgehend begann, vorfreudig meine St\u00e4bchen von Sch\u00fcssel zu Sch\u00fcssel wandern zu lassen. Und daf\u00fcr etwas perplexe Blicke kassierte. Darf man in China wirklich einfach beliebig in jedem Teller herumstochern? Ups, da hatte ich wohl vergessen, dass hier wohl noch nicht alle so lange in China unterwegs waren wie ich.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach dieser Erkenntnis hatte ich die Ehre, den wissbegierigen Neuank\u00f6mmlingen einen kleinen Crashkurs in chinesischen Tischmanieren zu geben und stellte dabei wieder einmal fest \u2013 eigentlich muss man sich deswegen kaum Gedanken machen. Jeder nimmt von jedem, was man nicht mag, spuckt man einfach auf den Tisch und entgegen der Meinung zahlreicher Reisef\u00fchrer st\u00f6rt es meistens niemanden, ob man w\u00e4hrend dem Essen nie\u00dft oder sich schn\u00e4uzen muss (denn das l\u00e4sst sich zumindest in Wuhan teilweise bei der Sch\u00e4rfe des Essens kaum verhindern). Lediglich sollte man es meiden, einen Teller f\u00fcr sich zu beanspruchen \u2013 schlie\u00dflich m\u00f6chte man alles einmal ausprobiert haben. Ach, ich liebe die chinesische Esskultur!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als ich w\u00e4hrenddessen beobachtete, wie man rundum unfreiwillige St\u00e4bchenkunstst\u00fccke ausf\u00fchrte und den einen oder anderen leckeren Happen auf dem Weg zum Mund in den Scho\u00df fallen lie\u00df oder ihn quer \u00fcber den Tisch schoss, f\u00fchlte ich mich angenehm in meine ersten Wochen in China zur\u00fcckversetzt und konnte zufrieden dazu \u00fcbergehen, mitten in China den besten Burger meines Lebens zu essen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Diese Erfahrung verdankte ich meinem guten Freund Berlin, der seit einiger Zeit ein Praktikum in Beijing macht und sich Abend f\u00fcr Abend dazu bereiterkl\u00e4rte, mir ein paar sch\u00f6ne Flecken der Stadt n\u00e4herzubringen. Um ehrlich zu sein, hatte ich nach einem recht emotionalen Abschied in Wuhan bezweifelt, dass wir uns noch einmal in China treffen w\u00fcrden, doch manchmal scheinen sich die Wege zweier Freunde eben dennoch unverhofft zu kreuzen. Eine Tatsache, die mich zuversichtlich stimmte, dass dies auch f\u00fcr andere Freunde aus meiner Zeit im Ausland zutreffen konnte <span>\u00a0<\/span>&#8211; <span>\u00a0<\/span>und die sich in den folgenden Tagen mehrmals best\u00e4tigen sollte.<\/p>\n<div id=\"attachment_921\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3357.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-921\" class=\"size-medium wp-image-921\" alt=\"Eines der ber\u00fchmten Mao-Portraits\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3357-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3357-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3357.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-921\" class=\"wp-caption-text\">Eines der ber\u00fchmten Mao-Portraits<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Am folgenden Morgen durfte jedoch vorerst eine lang erwartete Freundin willkommen hei\u00dfen. Sonja traf nach ihrer eigenen Zugfahrt endlich auch in der Hauptstadt<span>\u00a0 <\/span>ein, die aufgrund einiger Komplikationen sogar noch l\u00e4nger gedauert hatte als meine eigene (die anderen hatten es mittlerweile bis nach Wuhan bzw. Guangzhou geschafft). Trotz Erholungsbedarf erkl\u00e4rte sie sich bereit, mit mir eine entspannte Tour durch die 798 Art Zone zu unternehmen, ein riesiges K\u00fcnstlerviertel, dessen Galerien und Caf\u00e9s stimmungsvoll in ausgediente Fabrikgeb\u00e4ude ihre T\u00fcren f\u00fcr Kunstbegeisterte \u00f6ffneten. Hier verbrachten wir den ganzen Nachmittag damit, verschiedene moderne Gem\u00e4lde, Skulpturen und Installationen zu interpretieren und stie\u00dfen sogar auf eine Ausstellung, in der die Mao-Portraits des K\u00fcnstlers hingen, der f\u00fcr das gro\u00dfe Bild vor Tiananmen verantwortlich war. Der gute Mann hatte tats\u00e4chlich seine ganze k\u00fcnstlerische Karriere damit verbracht, bis nach seiner Pension ausschlie\u00dflich Bilder von ein und derselben Person zu malen. Wenn jemand wei\u00df, wie viele Haare der Chairman auf dem Kopf trug, dann vermutlich diese Person!<\/p>\n<div id=\"attachment_911\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160723.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-911\" class=\"size-medium wp-image-911\" alt=\"Beim Abendspaziergang unter roten Lampions\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160723-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160723-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160723-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160723.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-911\" class=\"wp-caption-text\">Beim Abendspaziergang unter roten Lampions<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Nachdem wir ausgiebig f\u00fcr unser geistiges Wohl gesorgt hatten, sehnten wir uns allm\u00e4hlich danach, auch unseren Hunger aus der Magengegend zu stillen. Daf\u00fcr trafen wir uns ein letztes Mal mit Berlin, der uns zum Abschluss in eine besonders atmosph\u00e4rische Gasse f\u00fchrte. Zwischen lauschigen Bars, haufenweise Souvenir- und Spezialit\u00e4tenst\u00e4nden, rot leuchtenden Lampions und Stra\u00dfenh\u00e4ndlern schloss ich Bekanntschaft mit meinem bisher au\u00dfergew\u00f6hnlichsten neuen Freund \u2013 zumindest dem Aussehen nach zu urteilen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Verk\u00e4ufer, die von zuckers\u00fc\u00dfen Welpen \u00fcber K\u00e4tzchen, Wellensittiche, Streifenh\u00f6rnchen, Schildkr\u00f6ten, pr\u00e4chtigen Kampffische, bunte Fr\u00f6sche bis hin zu Miniquallen jedes erdenkliche Wesen f\u00fcr Spotpreise anbieten, sind in China keine Seltenheit. Zwar versetzt der Anblick der winzigen K\u00e4fige und teebeutelgro\u00dfen Wasserbeh\u00e4lter dem Tiersch\u00fctzer in mir immer wieder schmerzliche Stiche. Das von allem Krabbeltier faszinierte Kleinkind in mir l\u00e4sst sich allerdings genauso oft dazu hinrei\u00dfen, das farbenfrohe Get\u00fcmmel doch ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.<\/p>\n<div id=\"attachment_912\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160737.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-912\" class=\"size-medium wp-image-912\" alt=\"Tom die Tarantel beim Spaziergang auf meiner Hand\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160737-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160737-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/P1160737.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-912\" class=\"wp-caption-text\">Tom die Tarantel beim Spaziergang auf meiner Hand<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Dem Bann des besonders exotischen Ensembles, das wir irgendwann passierten, konnte ich mich nat\u00fcrlich nicht entziehen \u2013 und durfte alsbald mit den feilgebotenen Kreaturen auf Tuchf\u00fchlung gehen. Die Schlange, die sich wenige Augenblicke sp\u00e4ter um mein Handgelenk wand, lie\u00df mich noch einigerma\u00dfen unber\u00fchrt \u2013 was mir danach jedoch aus seiner Plastikbox entgegen grinste, trieb meinen Herzschlag in Sekundenschnelle auf ungeahnte Frequenzen. Als Tom, die Tarantel allerdings im n\u00e4chsten Moment tr\u00e4ge \u00fcber meine ge\u00f6ffnete Handfl\u00e4che spazierte, stellte ich jedoch fest, dass sich die beeindruckend gro\u00dfe Spinne gar nicht so b\u00f6sartig verhielt, wie sie wirkte. Wie sagt man so sch\u00f6n: man darf nie jemanden nach dem Aussehen beurteilen, selbst wenn er acht lange Arme, acht Augen und zwei fette Fangz\u00e4hne besitzt. Dass ich mich zu so etwas jemals \u00fcberwinden w\u00fcrde, h\u00e4tte ich dennoch selbst in China nicht vermutet, doch hier schloss ich eben Freundschaften aller Arten. Und von Berlin, einem meiner besten Freunde musste ich leider am selben Abend endg\u00fcltig Abschied nehmen \u2013nat\u00fcrlich aber mit dem Versprechen, dass wir uns in Deutschland wiedertreffen w\u00fcrden.<\/p>\n<div id=\"attachment_923\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3393.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-923\" class=\"size-medium wp-image-923\" alt=\"Skorpione, Seepferdchen und Seesterne - ein nahrhafter Snack f\u00fcr Zwischendurch\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3393-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3393-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3393-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3393.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-923\" class=\"wp-caption-text\">Skorpione, Seepferdchen und Seesterne &#8211; ein nahrhafter Snack f\u00fcr Zwischendurch<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Mit Sonja ging es an meinem letzten Tag in Beijing recht exotisch weiter. Unser aufgrund meiner bevorstehenden Weiterreise sehr eng gefasstes Kulturprogramm begannen wir in der Wangfujing Food Street, um uns ein paar Snacks zu g\u00f6nnen, die uns f\u00fcr den anstrengenden Tag st\u00e4rkten. Bereits bei meinen ersten Schritten durch das Eingangstor erkannte ich, dass diese Stra\u00dfe meine geliebte Hu Bu Xiang weit in den Schatten stellte. Hier versammelten sich mehr kuriose K\u00f6stlichkeiten, als ich je zuvor auf einem Haufen gesehen hatte \u2013 genau richtig f\u00fcr einen Chihuo (Feinschmecker) wie mich und den Abschluss meiner kulinarischen Entdeckungsreise durch China. Um meinen Magen vorsichtig einzustimmen, l\u00e4utete ich meine heutige H\u00e4ppchentour zuerst mit etwas Leichtem ein \u2013 Skorpion am Spie\u00df! W\u00e4hrend einer der scheren- und stacheltragenden Kameraden noch nichtsahnend \u00fcber die Schulter einer ebenfalls noch nichtsahnenden (dann recht \u00fcberraschten) Sonja stolzierte, lie\u00df ich mir seine frittierten Freunde schmecken. Und mit schmecken \u00fcbertreibe ich in diesem Fall tats\u00e4chlich nicht, denn wer Shrimps liebt, der wird auch von den w\u00fcrzigen Kreuzungen aus einer Spinne und einem Krebs durchaus angetan sein.<\/p>\n<div id=\"attachment_893\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3406a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-893\" class=\"size-medium wp-image-893\" alt=\"Knuspriger Gecko am Spie\u00df\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3406a-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3406a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3406a-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3406a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-893\" class=\"wp-caption-text\">Knuspriger Gecko am Spie\u00df<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Je weiter wir daraufhin in die Food Street vordrangen, desto spannender und teilweise auch fragw\u00fcrdiger erschienen die Delikatessen in den Auslagen: gekochte K\u00fcken, bleistiftlange Hundertf\u00fc\u00dfer, aufgerollte Schlangen, Seepferdchen, getrocknete Seesterne, gegrillte Grillen, fette Seidenkokons, Salamander und sogar die gebratenen Cousins von Tom der Tarantel. Bei einer derart gro\u00dfen Menge an nie gesehen Gaumenfreuden fiel es mir schwer, mich f\u00fcr mein Mittagsmal zu entschieden. Letztendlich fiel meine Wahl auf einen frittierten Gecko, der mich ebenfalls recht zufrieden stimmte. Das Ganze erinnerte n\u00e4mlich an irgendetwas zwischen Fisch und H\u00fchnchen \u2013 was evolutionstechnisch gesehen lustigerweise sogar ziemlich akkurat ist.<\/p>\n<div id=\"attachment_922\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3390.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-922\" class=\"size-medium wp-image-922\" alt=\"Touristenstr\u00f6me auf dem Weg zum Tiananmen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3390-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3390-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3390-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3390.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-922\" class=\"wp-caption-text\">Touristenstr\u00f6me auf dem Weg zum Tiananmen<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Gerne h\u00e4tte ich noch ein paar andere Snacks ausprobiert, doch die Zeit dr\u00e4ngte und wir hatten noch einiges vor uns. Vor uns hatten wir bei unserer Ankunft am Tiananmen, dem Zugang zur Verbotenen Stadt, vor allem eines: Millionen von Touristen. Kein Wunder: das Wochenende war angebrochen, die Sonne schien, der Himmel strahlte trotz Beijings Smogproblem in sch\u00f6nstem Blau und wir wollten die ber\u00fchmteste Attraktion Chinas<\/p>\n<div id=\"attachment_896\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3415.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-896\" class=\"size-medium wp-image-896\" alt=\"Vor dem ber\u00fchmten Mao-Portrait am Tiananmen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3415-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3415-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3415-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3415.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-caption-text\">Vor dem ber\u00fchmten Mao-Portrait am Tiananmen<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">schlechthin besichtigen. Das wir da nicht die Einzigen waren, war so vorprogrammiert wie der Stau zur Rush Hour in Wuhan. Egal, dann erlebte ich auf meine alten Tage in China eben noch einmal richtig sch\u00f6nen chinesischen Touristen-Tumult.<span>\u00a0 <\/span>Und da marschierten sie auch schon auf, die Touristenf\u00fchrer mit ihren F\u00e4hnchen und Megaphonen, gefolgt von Horden einheitlich M\u00fctzentragender Chinesen. Wunderbar \u2013 alles, was mir w\u00e4hrend der letzten Reisewochen erspart geblieben war, erhielt ich heute als geballte Ladung. Auch ich selbst musste mich jedoch zum Hochleistungs-Touristen entwickeln angesichts meiner n\u00e4her r\u00fcckenden Abfahrt. Schnell ein Bild vor dem Eingangstor mit dem ber\u00fchmten Mao-Portrait geschossen und daraufhin nichts wie rein in die Verbotene Stadt. Mindestens sechs Stunden hatte Berlin f\u00fcr die Besichtigung der Anlage anberaumt, was durchaus angemessen f\u00fcr einen 720 000 Quadratmeter gro\u00dfen Komplex mit 980 Geb\u00e4uden erschien. Ich schaffte das Ganze letztendlich in eineinhalb Stunden, obwohl ich nat\u00fcrlich viele Dinge dabei nicht zu Gesicht bekam. Trotzdem erhielt ich einen Eindruck davon, wie m\u00e4chtig die Kaiserfamilien gewesen sein mussten, die den Bau eines derart gigantischen Palastes angeordnet hatten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wir arbeiteten uns durch m\u00e4chtige Torb\u00f6gen, \u00fcber ausladende Pl\u00e4tze, angesichts deren Gr\u00f6\u00dfe sich sogar die vielen Besucher sich irgendwie verteilen zu schienen, vorbei an knallrot get\u00fcnchten Bauten bis hin zum kaiserlichen Garten. Dort verabschiedete ich mich von Sonja und verlie\u00df die Verbotene Stadt durch den Hintereingang, um meinen letzten Akt in Beijing anzutreten. In Rekordgeschwindigkeit joggte ich auf die Anh\u00f6he im Park hinter dem Palast, genoss f\u00fcnfzig Sekunden lang den Ausblick auf die orangenen D\u00e4cher der perfekt viereckigen Verbotenen Stadt, lie\u00df ein Erinnerungsfoto von mir schie\u00dfen (Titel: \u201eFreiwilliger dehydriert vor grandiosem Panorama\u201c) und hastete den H\u00fcgel ebenso schnell wieder herunter.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3434.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-900\" alt=\"SAM_3434\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3434-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3434-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3434-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3434.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3428.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-898\" alt=\"SAM_3428\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3428-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3428-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3428-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3428.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3433.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-899\" alt=\"SAM_3433\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3433-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3433-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3433-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3433.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3452.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-901\" alt=\"SAM_3452\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3452-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3452-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3452-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3452.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Anschlie\u00dfend d\u00fcste ich zur\u00fcck zum Hutong, rannte durch die Gassen bis zum Hostel, um meine sieben Sachen abzuholen und stellte beim Einsteigen in die Metro gerade rechtzeitig fest, dass ich eigentlich zu einem anderen Bahnhof musste und nicht zu dem, an dem ich angekommen war. Als ich in die dritte U-Bahn umsteigen wollte, wurde mir siedend hei\u00df bewusst, dass man diese von meiner Haltestelle aus gar nicht erreichen konnte, obwohl es so auf dem Plan stand. Also fuhr ich die gesamte Strecke wieder zur\u00fcck und erreichte schlie\u00dflich gerade rechtzeitig den richtigen Bahnhof, an dem mir vor lauter Umsteigen und Herumrennen erst einmal ordentlich der Kopf schwirrte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Immerhin durfte ich im G-Zug in Richtung Taiyuan, wo ich meinen Freund Samu besuchen wollte, f\u00fcr ein paar Stunden entspannen, bevor die n\u00e4chste Nervenprobe anstand. Samu, der au\u00dferhalb der Ferien in Wuhan studiert, hatte es irgendwie geschafft, einen Ferienjob als Lehrer mitten in der Pampa zu ergattern. So war ich, als ich sp\u00e4tabends in Taiyuan eintraf, noch immer weit entfernt von meinem <span>\u00a0<\/span>eigentlichen Ziel, der Kleinstadt Xiaoyi mit ca. 430 000 Einwohnern. Und die konnte man nur mittels Privat-Taxi erreichen, was sich als wahre Herausforderung an meine erlernten Handelsf\u00e4higkeiten erwies.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">500 Yuan wollten die freundlich grinsenden Taxifahrer dem ahnungslosen Laowai abkn\u00f6pfen \u2013 das fand der aber komischerweise \u00fcberhaupt nicht lustig und beschwerte sich lauthals dar\u00fcber, dass man einen armen Studenten doch nicht so das Geld aus der Tasche ziehen k\u00f6nne. Irgendwann sa\u00df ich wartend in einem Taxi, dass ich ungewohnt dickk\u00f6pfig auf 150 Yuan heruntergehandelt hatte und fragte mich, wo denn der Besitzer steckte, der noch einmal auf Kundenfang gegangen war. Nach einer halben Stunde riss schlie\u00dflich mein normalerweise recht langer, in jener Nacht aber ausgereizter Geduldsfaden<span>\u00a0 <\/span>und ich machte mich auf die Suche nach einem anderen Anbieter. 150 fand ich sowieso noch \u00fcbertrieben. Dumm nur, dass ich jetzt wieder ohne Mitfahrgelegenheit an der Stra\u00dfe stand. Vermutlich h\u00e4tte ich in Taiyuan \u00fcbernachten m\u00fcssen, w\u00e4re ich nicht zuf\u00e4llig zwei anderen Chinesen begegnet, die nach Xiaoyi wollten. Mit deren Hilfe ergatterten wir uns ein Taxi f\u00fcr 90 Yuan und traten eine Fahrt an, die viel l\u00e4nger dauerte, als ich mir vorgestellt hatte. Xiaoyi lag, wie ich sp\u00e4ter herausfand, n\u00e4mlich 132 Kilometer von Taiyuan entfernt. Da hatten sich die umgerechnet zehn Euro aber gelohnt.<\/p>\n<div id=\"attachment_906\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3542.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-906\" class=\"size-medium wp-image-906\" alt=\"Obst und Gem\u00fcse frisch aus dem Karren\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3542-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3542-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3542-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3542.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-906\" class=\"wp-caption-text\">Obst und Gem\u00fcse frisch aus dem Karren<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_907\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3580.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-907\" class=\"size-medium wp-image-907\" alt=\"Der Medizinmann pr\u00e4sentiert die Zutaten seines Wundermittels\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3580-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3580-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3580-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3580.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-907\" class=\"wp-caption-text\">Der Medizinmann pr\u00e4sentiert die Zutaten seines Wundermittels<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Immerhin konnte ich mich anschlie\u00dfend zum ersten Mal w\u00e4hrend meiner Reise ordentlich von dem ganzen Stress erholen. In Xiaoyi gab es n\u00e4mlich nichts zu sehen. Das hie\u00df: kein straffer Zeitplan, kein fr\u00fches Aufstehen, kein l\u00e4stiges Herumgekurve von Attraktion zu Attraktion. Auch mal nett. Und dass es nichts zu sehen gab, stimmte ebenfalls nicht wirklich. Zwar erwarteten mich hier keine Naturwunder oder jahrhundertealtes Kulturerbe, aber stattdessen authentisches chinesisches Kleinstadt-Flair. \u00dcberall auf den Stra\u00dfen wurde Obst und Gem\u00fcse frisch von der Ladefl\u00e4che kleiner Karren verkauft und abends baute man auf den Gehwegen und gro\u00dfen Pl\u00e4tzen Grills und Fressst\u00e4nde auf. Einmal trafen wir sogar auf einen Wanderzirkus, dessen \u201eMedizinmann\u201c gerade vor hunderten staunenden Gesichtern sein Wundermittel anpries. Nein, er \u00fcberzeugte die Menschen hier nicht von der Wirksamkeit von hei\u00dfem Wasser, sondern f\u00fchrte der Menge eine omin\u00f6se, alkoholgef\u00fcllte Tonne vor. Aus der holte er dann unter den \u00fcberraschten Ausrufen der Menge eine konservierte Boa, eine riesige eingelegte schwarze Echse, einen Pfeilschwanzkrebs und ein Kn\u00e4uel aus f\u00fcnfhundert Schlangen. Bei so vielen guten Zutaten musste es ja helfen \u2013 auch wenn da meiner Meinung nach eine Prise Hirschgeweih und luftgetrocknete Schildkr\u00f6te vom Basar in Kashgar fehlte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wie dem auch sei, die wahre Sehensw\u00fcrdigkeit der der Stadt entdeckte ich, als ich meinen samoanischen Kumpel beim Unterricht in der Sommerschule begleitete. Anders als ich durfte er n\u00e4mlich keine Teenager, sondern Grundsch\u00fcler und Kindergartenkinder im m\u00fcndlichen Englisch auf die Spr\u00fcnge helfen. Das verlangte nach einem vollkommen anderen Unterrichtsstil, wenn man die Aufmerksamkeit der Kleinen wecken wollte. So m\u00fchte sich Samu teilweise die ganze Stunde lang damit ab, den Kleinen f\u00fcnf neue Worte auf verschiedenste Weisen beizubringen, bis die Aussprache schlie\u00dflich (zumindest bis zur n\u00e4chsten Stunde) stimmte, sprach mit jedem Sch\u00fctzling einzeln einen Dialog durch und sorgte mit vielen kleinen Spielen f\u00fcr Ruhe.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auf Dauer konnte das Unterrichten zwar recht anstrengend werden, allerdings belohnten die Kinder die harte Arbeit mit einer grenzenlosen Herzlichkeit und einer vollkommen hinrei\u00dfenden Motivation beim Nachsprechen, Tanzen, Singen und Vorspielen. Man musste die Knirpse einfach lieben! Umso schwerer fiel es mir dann, die Kleinen nach wenigen Tagen bereits wieder zur\u00fcckzulassen und auch beim Abschied von Samu versp\u00fcrte ich einen fetten Klo\u00df im Hals. Der wird n\u00e4mlich nach Beendigung seines Studiums wieder nach Samoa heimkehren \u2013 und ob ich ihn dort jemals wiedersehen werde, steht wohl wirklich in den Sternen. In solchen F\u00e4llen bleibt einem wohl nichts anderes, als dankbar daf\u00fcr zu sein, dass man zumindest einen kurzen Abschnitt des Lebens teilen durfte und die sch\u00f6nen gemeinsamen Erinnerungen in Ehren zu halten (nicht wahr, Melli?). Doch wer wei\u00df schon, was die Zukunft bringen wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3538.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-905\" alt=\"SAM_3538\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3538-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3538-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3538-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3538.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3528a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-904\" alt=\"SAM_3528a\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3528a-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3528a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3528a-398x300.jpg 398w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3528a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3497.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-902\" alt=\"SAM_3497\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3497-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3497-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3497-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3497.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3500.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-903\" alt=\"SAM_3500\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3500-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3500-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3500-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3500.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Vorerst brachte sie mich zur letzten Station meiner Reise \u2013 und welche Stadt k\u00f6nnte ein besseres Finale darstellen als mein geliebtes Shanghai! Seit meinem zweiten Rendezvous mit der Metropole Anfang April hatte ich mir vorgenommen, dorthin noch einmal einen Abstecher zu machen. Immer wieder hatte ich den Termin aus verschiedensten Gr\u00fcnden verschoben, doch nun stand der Sache nichts mehr im Wege \u2013 au\u00dfer meiner letzten Nacht im Hardseater. Mit Freuden h\u00e4tte ich mir stattdessen ein Bett gebucht, immerhin galt es nun kein ehrgeiziges Projekt mehr zu anzustreben, allerdings war man mir da schon zuvorgekommen. Also hie\u00df es ein letztes Mal F\u00fc\u00dfe einziehen und Knie anwinkeln bis zum Sonnenaufgang und schlie\u00dflich etwas ger\u00e4dert nichts wie raus in das Get\u00fcmmel am Bahnhof.<\/p>\n<div id=\"attachment_908\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3608.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-908\" class=\"size-medium wp-image-908\" alt=\"Mit Yang Yang vor dem Shanghai Art Museum\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3608-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3608-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3608-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3608.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-908\" class=\"wp-caption-text\">Mit Yang Yang vor dem Shanghai Art Museum<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Scheinbar war das Ende meiner Reise gepr\u00e4gt von unerwarteten Wiedersehen, denn das n\u00e4chste lie\u00df nicht lange auf sich warten. Zuf\u00e4llig hatte ich erfahren, dass sich Yang Yang, eine Wuhaner Studentin, ebenfalls zum selben Zeitpunkt in Shanghai aufhielt. Zwar musste sie noch am selben Tag weiterfahren, doch wir nutzten die Gelegenheit, um gemeinsam essen zu gehen und uns anschlie\u00dfend den ehemaligen chinesischen Pavillon der Weltausstellung anzusehen. Besonders faszinierte mich im heutigen \u201eShanghai Art Museum\u201c ein vierhundert Meter langes, an die Wand projiziertes Gem\u00e4lde, das eine idyllische Stadt aus einer vergangenen Dynastie darstellte. Anders als beim tausend Jahre alten Original verweilten die Bewohner jedoch nicht an den vom K\u00fcnstler vorgesehenen Pl\u00e4tzen, sondern spazierten durch die Gassen, unterhielten sich miteinander, verkauften ihre Ware und sahen den Lotusbl\u00fcten nach, die auf dem Fluss entlang schwammen. Dem bunten Treiben, das sich sogar je nach Tages- oder Nachtzeit \u00e4nderte, h\u00e4tte ich stundenlang verfallen k\u00f6nnen, doch schon stand ein weiteres Treffen auf dem Plan. Meine hochgesch\u00e4tzte Mitfreiwillige Lien hie\u00df mich in ihrer Heimatstadt willkommen und in ihrer Wohnung erlebte ich noch eine zus\u00e4tzliche nette \u00dcberraschung: hier versammelten sich die Freiwilligen Robin aus Wuxi, Anton aus Nanjing, Christina aus Shanghai und Hui von der neuen Generation Ausgereister.<\/p>\n<div id=\"attachment_909\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3624.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-909\" class=\"size-medium wp-image-909\" alt=\"Unterwegs mit der Shanghaier Freiwilligen-Crew\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3624-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3624-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3624-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3624.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-909\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs mit der Shanghaier Freiwilligen-Crew<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Mit dieser netten Truppe genoss ich noch einmal die Dynamik und die unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten der internationalen Metropole, lernte einen Haufen aufsteigender, zielstrebiger Pers\u00f6nlichkeiten kennen und verfiel wie immer dem Puls der Stadt. Mein eigener Puls lief schlie\u00dflich auf Hochtouren, als ich mir am Morgen meiner viel zu baldigen Abreise noch unbedingt trotz gro\u00dfem Zeitdruck in den Kopf setzte, nicht gehen zu k\u00f6nnen, ohne mich vom Bund zu verabschieden. Auch der Bund schien sich jedoch von mir verabschieden zu wollen, denn bei meinem dritten Besuch bot sich mir in strahlendem Sonnenschein zum ersten Mal eine vollkommen klare Sicht auf meine Lieblings-Skyline. Umgeben von zahlreichen wild fotografierenden Touristen lie\u00df ich meinen Blick gen\u00fcsslich \u00fcber die hochmodernen Wolkenkratzer am anderen Ufer des Flusses schweifen und dachte zur\u00fcck an die wertvollen Erinnerungen, die mir meine Abstecher nach Shanghai eingebracht hatten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Dann drehte ich mich um, warf einen letzten, leicht wehm\u00fctigen Blick \u00fcber die Schulter zu den im Sonnenlicht reflektierenden Hochhausfassaden und machte mich schleunigst auf den Weg zum Bahnhof. Mir war wohl bewusst, dass ich mit meiner ausgiebigen Verabschiedungszeremonie ein gro\u00dfes zeitliches Risiko eingegangen war. Einerseits h\u00e4tte ich das allerdings niemals missen wollen, andererseits hatte ich auf meinen Reisen etwas Wichtiges immer wieder aufs Neue gelernt: Ruhe bewahren. Die Dinge werden schon so ausgehen, wie man sie sich vorstellt. Und wenn nicht, dann findet man eben eine Alternative.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In meinem Fall endete jedoch auch mein letztes Reise-Abenteuer gl\u00fccklich und mir blieb am Bahnhof sogar noch genug Raum, mir ein wohlverdientes Fr\u00fchst\u00fcck zu kaufen. Und pl\u00f6tzlich sa\u00df ich tats\u00e4chlich im Zug nach Wuhan und fuhr meinen letzten f\u00fcnf Tagen in China entgegen. Zur\u00fcckgelehnt in meinem bequemen Sitz konnte ich mir endlich klar werden, was mir meine letzte Reise alles eingebracht hatte. Ich hatte auf meine alten Tage ein v\u00f6llig anderes China erlebt und war mir erneut \u00fcber den unglaublichen Reichtum des Landes an Kultursch\u00e4tzen, faszinierenden Landschaften und unterschiedlichen Menschen klargeworden. Ich hatte neue Freunde gefunden und die Gelegenheit gehabt, viele alte Freunde abermals in die Arme zu schlie\u00dfen. Ich hatte mich einer der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen meines Freiwilligendienstes gestellt. Ich hatte mich in Beijing verliebt und meine Beziehung zu Shanghai vertieft &#8211; zwei St\u00e4dte, in die ich auf jeden Fall irgendwann einmal zur\u00fcckkehren m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Am meisten jedoch freute ich mich auf meine R\u00fcckkehr in eine Stadt, die weder mit einem so \u00fcberbordenden Kulturangebot wie Beijing noch mit dem internationalen Suchtfaktor Shanghais aufwartete \u2013 meine geliebte chinesische Heimatstadt Wuhan. Zwar blieben mir nur noch f\u00fcnf Tage dort, doch ich war mir sicher, dass Wuhan mich nicht entt\u00e4uschen w\u00fcrde.<\/p>\n<div id=\"attachment_910\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3645a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-910\" class=\"size-full wp-image-910\" alt=\"Die finale Station meiner Reise - der Abschied vom Bund in Shanghai\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3645a.jpg\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3645a.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3645a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/08\/SAM_3645a-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-910\" class=\"wp-caption-text\">Die finale Station meiner Reise &#8211; der Abschied vom Bund in Shanghai<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manchmal muss man zuerst eine lange Durststrecke \u00fcberstehen, bevor man ein Ziel erreicht. Die Ankunft an diesem Ziel f\u00fchlt sich dann jedoch umso lohnender an. So erschien mir mein Aufenthalt in Beijing wie die gr\u00f6\u00dfte Entsch\u00e4digung f\u00fcr die \u00fcberstandenen Herausforderungen, &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/08\/07\/von-grossen-mauern-und-grossen-gefuehlen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":916,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,341,563,114,565,299,138],"tags":[375,55008,37449,55120,55123,55126,646,55124,55121,223,55122,30203,55125,395],"class_list":["post-892","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ausflug","category-erlebnis","category-freiwillige","category-gastland","category-kulinarisch","category-reise","tag-beijing","tag-bund","tag-grose-mauer","tag-hutong","tag-mutianyu","tag-rueckkehr","tag-shanghai","tag-taiyuan","tag-tiananmen","tag-unterricht","tag-verbotene-stadt","tag-wuhan","tag-xiaoyi","tag-zug"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/892"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media\/916"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}