{"id":627,"date":"2013-04-26T09:51:09","date_gmt":"2013-04-26T07:51:09","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=627"},"modified":"2013-04-26T10:00:08","modified_gmt":"2013-04-26T08:00:08","slug":"mr-kai-touristenfuhrer-part-1-alte-freunde-in-wuhan-und-der-fall-des-prince-of-the-dark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/04\/26\/mr-kai-touristenfuhrer-part-1-alte-freunde-in-wuhan-und-der-fall-des-prince-of-the-dark\/","title":{"rendered":"Mr. Kai, Touristenf\u00fchrer \u2013 Part 1: Alte Freunde in Wuhan und der Fall des \u201ePrince of the Dark\u201c"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nach sieben Monaten in Wuhan kann ich nicht nur behaupten, dass ich mich an den Alltag in China gew\u00f6hnt habe (es w\u00e4re ja auch ziemlich armselig, wenn man das in einer so langen Zeitspanne nicht auf die Reihe bekommt), sondern auch, dass ich unter dem meistens wei\u00df verschleierten Himmel der auf den ersten Blick ein wenig gesichtslosen, rasant wachsenden Industrie-Metropole ein neues Zuhause gefunden habe.<\/p>\n<div id=\"attachment_628\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0923.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-628\" class=\"size-medium wp-image-628\" alt=\"\u00c4sthetisches Gekritzel Nr. 1325: Zum Doktor gehen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0923-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0923-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0923-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0923.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-628\" class=\"wp-caption-text\">\u00c4sthetisches Gekritzel Nr. 1325: Zum Doktor gehen<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Woche f\u00fcr Woche versuche ich, meinen Sch\u00fclern wahlweise die deutsche oder englische Sprache mit allerhand merkw\u00fcrdigem, \u00e4u\u00dferst \u00e4sthetischem Gekritzel an der Tafel n\u00e4her zu bringen und verteile haufenweise Milka-Schokolade f\u00fcr die Sieger der Challenge des Tages. Im Lehrerzimmer kl\u00e4rt mich Chang E flei\u00dfig \u00fcber die neusten Ger\u00fcchte auf, w\u00e4hrend der franz\u00f6sische Franz\u00f6sisch-Lehrer Cedric flei\u00dfig mit Yang Hui flirtet und David flei\u00dfig \u00fcber seinen Chinesisch-Hausaufgaben br\u00fctet, was in mir wiederum ein konstant schlechtes Gewissen hervorruft. Dank meinen Freunden und zahlreichen anderen liebensw\u00fcrdigen Menschen bergen das Wochenende und sonstige freie Abende gewohnt fantastische Ausgleiche zur Arbeit und Gelegenheiten f\u00fcr das eine oder andere ausgelassene \u201eGanbei\u201c.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><span>\u00a0<\/span>Jeden Mittag oder Abend qu\u00e4le ich mich etwas widerwillig in die Kantine, besuche meine Lieblings-Fressbuden am Stra\u00dfenrand, erkunde neue Restaurants und g\u00f6nne mir bisweilen auch hin und wieder authentische, qualitativ hochwertige westliche K\u00fcche bei diversen Fastfood-Ketten. Ich wei\u00df genau, wo ich mich am besten mit frischem Obst ausr\u00fcste, wie ich mein Zimmer mit dem N\u00f6tigsten best\u00fccke und dass ich von meinem Stammfriseur jederzeit mit Freuden empfangen werde. Einen neuen Haarschnitt verpasst zu bekommen ist hier am Rande bemerkt eine ziemlich g\u00fcnstige Angelegenheit \u2013 f\u00fcr umgerechnet nicht einmal f\u00fcnf Euro erh\u00e4lt man im besten Fall sogar eine Kopfmassage und mehrmals gewaschene Haare. Leider muss man sich allerdings damit abfinden, dass das verwendete Shampoo in der exklusiven Flasche zwar ganz wunderbar duftet, aber manchmal einen h\u00fcbschen Juckreiz auf der Kopfhaut hervorruft, weil es gepanscht wurde.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Zudem darf ich mir danach wieder einmal kreative Spitznamen-Kreationen von meinem kleinen Lieblings-D\u00e4mon anh\u00f6ren wie \u201eWow, you look like an elf from Lord Of The Rings!\u201c. Danke, ich wei\u00df, dass ich meine Ohren nicht gerade mein unauff\u00e4lligstes Merkmal sind. Seit mir Chang E erkl\u00e4rt hat, dass gro\u00dfe Ohren in China das Gl\u00fcck anziehen, gefallen mir die beiden aber schon viel besser. Naja, und ein Elb ist immer noch besser als \u201eBambusstange\u201c oder mein Ehrentitel \u201ePrince of the Dark\u201c, den ich trage, weil ich gelegentlich nachts um den Schulhof jogge. Doch man gew\u00f6hnt sich ja an alles.<\/p>\n<div id=\"attachment_629\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/1-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-629\" class=\"size-medium wp-image-629\" alt=\"Der erste Abend in Wuhan\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/1-2-300x168.jpg\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/1-2-300x168.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/1-2-500x281.jpg 500w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/1-2.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-629\" class=\"wp-caption-text\">Der erste Abend in Wuhan<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Aller Gewohnheit zum Trotz erlebte ich vor einiger Zeit wieder einmal, wie man sich f\u00fchlt, wenn man als Ausl\u00e4nder zum ersten Mal mit meiner zweiten Heimat konfrontiert wird \u2013 und erhielt gleichzeitig die Chance zu testen, wie gut ich wirklich in der Stadt zurechtkam. Anfang M\u00e4rz erwartete mich n\u00e4mlich Besuch aus Deutschland. Ich hatte die Ehre, Jule, eine meiner fr\u00fchesten Kindheitsfreundinnen, Lukas, einen guten Kumpel und seine Mutter Christel, mit der ich in Deutschland zuf\u00e4llig im selben Chinesisch-Kurs gelandet war, in Wuhan willkommen zu hei\u00dfen. Zugegebenerma\u00dfen, zu Beginn traute ich meinen Augen gar nicht recht, als ich am Bahnhof im Stadtteil Hankou stand und pl\u00f6tzlich drei altbekannte Gesichter in der Menge wiederentdeckte. Aber die anf\u00e4ngliche Ungl\u00e4ubigkeit wich schnell der Wiedersehensfreude und der Begeisterung, die drei nach einiger vorausgegangener Planung endlich tats\u00e4chlich im gen Ausgang strebenden Menschenstrom begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Da ich meinen Freunden Wuhan einerseits von der besten Seite, andererseits m\u00f6glichst authentisch n\u00e4herbringen wollte, hatte ich schon zuvor einen kleinen Erkundungsplan ausgearbeitet, der die kulinarischen und touristischen Highlights der Stadt enthielt. W\u00e4hrenddessen bekam ich nicht nur selbst noch ein paar h\u00fcbsche neue Blickwinkel der Stadt zu sehen, sondern traf auch auf einige am\u00fcsante Unterschiede zwischen den Verhaltensweisen von Neulingen und \u201ealten Hasen\u201c in Wuhan. Etwa, als Lukas und ich uns auf das Bett im Hotel fallen lie\u00dfen und diese Erfahrung gleichzeitig mit \u201eWow, ist das hart!\u201c und \u201eWow, ist das weich!\u201c bewerteten.<\/p>\n<div id=\"attachment_623\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0887.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-623\" class=\"size-medium wp-image-623\" alt=\"Wie kommt man da wohl r\u00fcber?\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0887-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0887-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0887-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/SAM_0887.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-623\" class=\"wp-caption-text\">Wie kommt man da wohl r\u00fcber?<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Oder als wir das Risiko wagten, gemeinsam eine vielbefahrene, sechsspurige (bzw. im Notfall zehnspurige) Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren. Wie stellt man das wohl am besten an, ohne auf der Frontscheibe eines Autos zu landen oder f\u00fcr den Rest seines Lebens auf dem Mittelstreifen festzustecken? Die einfachste L\u00f6sung: die imagin\u00e4ren Scheuklappen anlegen, loslaufen und sich nicht anmerken lassen, dass man den Verkehr aus dem Augenwinkel genau beobachtet. Denn sobald man offensichtlichen Blickkontakt mit dem heranbrausenden Wagenf\u00fchrer aufnimmt, hat der keinen Grund mehr, anzuhalten, weil man ihn ja gesehen hat. Damit, dass man im Gegenzug f\u00fcr die gespielte R\u00fccksichtslosigkeit gelegentlich ausgehupt wird, muss man sich eben abfinden, wenn man zu faul ist, die Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke zu benutzen. So gesehen erscheint es mir ziemlich verst\u00e4ndlich, dass diese Strategie vor allem bei der armen Jule hin und wieder zu kleinen Beinahe-Herzinfarkten f\u00fchrte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Weiter ging der Spa\u00df mit unserem ersten Besuch in einem der tausend Mini-Restaurants, die \u00fcberall wie Pilze aus dem Boden schie\u00dfen. Kann man da wirklich essen? Und wenn ja, wie lange werde ich es danach bereuen? Warum macht sich niemand die M\u00fche, mal \u00fcber den Boden zu wischen? Und warum zum Geier spucken die hier alles, was nicht schmeckt, auf den Tisch? Der wird doch danach sicher geputzt, oder? Beinahe h\u00e4tte ich vergessen, dass ich mir jene Fragen vor ein paar Monaten noch selbst gestellt habe. Mittlerweile wei\u00df ich, dass man der altbekannten Faustregel \u201eIss dort, wo viele andere Chinesen auch essen\u201c meistens trauen kann und der erste Eindruck (nach europ\u00e4ischem Ma\u00dfstab) oft mehr als t\u00e4uscht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Insbesondere bei der winzigen uighurischen Fressbude, zu der ich meine Besucher schleppte. Nach Tradition der muslimischen Minderheit bereitet der Laoban, der mich zu seinen treuen Stammg\u00e4sten z\u00e4hlt, jede Portion Nudeln aus frischem Teig zu. Und um ihnen eine besondere Bissfestigkeit zu verleihen (und die ausl\u00e4ndischen Zuschauer zu unterhalten) wird der Teig nicht einfach durch die Sp\u00e4tzlespresse gedr\u00fcckt, sondern immer wieder mit rhythmischen Bewegungen auseinandergezogen und lautstark auf den Tisch geschlagen, bis unser Laoban pl\u00f6tzlich wie durch ein Wunder ein paar astrein geformte Nudelstr\u00e4nge in den H\u00e4nden h\u00e4lt. Gerade in den muslimischen Restaurants kann man \u00fcbrigens davon ausgehen, dass auch So\u00dfen und Fleisch frisch sind aufgrund der religi\u00f6s bedingten Hygienevorschriften. Auch den Tisch putzt man normalerweise nach jedem Besuch ab (was nicht unbedingt hei\u00dft, dass man deswegen mit der Zunge dar\u00fcber schlecken sollte, doch die meisten Menschen versp\u00fcren dazu normalerweise sowieso kein allzu gro\u00dfes Bed\u00fcrfnis). So genossen wir bedenkenlos unsere ein wenig wie Spaghetti schmeckenden H\u00e4ufen Tomaten-Ei-Nudeln, ohne dass uns diese erste Begegnung mit der chinesischen Stra\u00dfenk\u00fcche sp\u00e4ter noch schwer im Magen liegen w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Auf dem Weg von einer Attraktion zur anderen wurden mir au\u00dferdem wieder einmal die feinen Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland und in Wuhan aufgezeigt. Erst als ich schon etwas perplex \u201eStimmt was nicht?\u201c gefragt hatte, fiel mir auf, dass sich die Busfahrt anf\u00fchlte, wie als h\u00e4tte man vergessen, die Federungen einzubauen und der Motor gelegentlich die Ger\u00e4usche eines sterbenden Schweins von sich gab. Genauso hatte ich mir schon lange keine Gedanken mehr darum gemacht, warum manche Leute hier die Funktion eines M\u00fclleimers nicht zu kennen scheinen oder ob die kleinen Kinder mit ihren Hosenschlitzen im Winter nicht ganz sch\u00f6n am Hintern frieren.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Lustigerweise sah ich mich w\u00e4hrend dem Besuch von Lukas, Christel und Jule am zweiten Abend selbst mit einem altbekannten Problem konfrontiert, das ich seit der goldenen Woche immer gekonnt gemeistert hatte. Nachdem wir gemeinsam Flos Geburtstag gefeiert und ich mich sehr gefreut hatte, sowohl mit einigen Freunden aus China und meinen deutschen Freunden in einer Original Wuhaner Bar anzusto\u00dfen, stand ich ein ums andere Mal vor meiner verschlossenen Schule. Da mir das im Durchschnitt zwei bis drei Mal pro<span>\u00a0 <\/span>Woche passiert, habe ich das heimliche \u00dcber-das-Tor-Steigen schon l\u00e4nger als festen Bestandteil in meinen Workout-Plan integriert und diverse geeignete Kletter-Stellen ausgekundschaftet.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Aus M\u00fcdigkeit w\u00e4hlte ich in jener Nacht die niedrigste Stelle \u2013 unwissend, dass die heute eine besondere Challenge bereithielt. Erst, als ich mich gerade gekonnt an der obersten Stelle \u00fcber die Mauer schwingen wollte, stellte ich fest, dass ich soeben in die Enden eines rostigen Eisenzauns gegriffen hatte, den man neuerdings wohl zum zus\u00e4tzlichen Schutz vor Einbrechern angebracht hatte. Wie f\u00fcrsorglich. Vor Schreck \u00fcber diese Entdeckung verlor ich daraufhin jedenfalls das Gleichgewicht und st\u00fcrzte (immerhin auf der richtigen Seite) zwei Meter in die Tiefe. Zaun: 4 \u2013 Prince of the Dark: 1. Eine verbogene Zaunspitze und vier klaffende L\u00f6cher in meiner rechten Hand. Das war mal eine Ausbeute! Nachdem ich erst einmal ein paar Minuten wie eine Schildkr\u00f6te auf dem R\u00fccken liegend die Ger\u00e4usche eines sterbenden Schweins von mir gab (das k\u00f6nnen offenbar nicht nur die Busse in Wuhan), kroch ich unter Veranstaltung einer ziemlichen Sauerei zu meinem Zimmer und beschloss, in Zukunft lieber rechtzeitig nachhause zu kommen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter hangelte sich mitten in der Nacht eine omin\u00f6se Gestalt in Form einer Bambusstange mit zwei fetten Verb\u00e4nden um die Finger \u00fcber den Zaun vor dem Sch\u00fclerwohnheim. China hat mir wohl nicht in allen Belangen Belehrbarkeit beigebracht. Am Tag nach meiner fehlgeschlagenen Einbruchs-Aktion bezahlte ich jedenfalls f\u00fcr meine Unaufmerksamkeit mit zwei unangenehm pochenden Fingern, die meinen ersten Besuch im Yellow Crane Tower \u00fcberschatteten. Dabei h\u00e4tte es so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen. Die Fr\u00fchlingssonne bescherte uns beinahe 30 Grad und wir hatten noch zwei zus\u00e4tzliche Begleiter. Sandra und ihr Freund, der sie gerade in China besuchte, machten auf ihrer Reise ebenfalls einen kurzen Abstecher nach Wuhan und wollten sich mit uns das Wahrzeichen der Stadt ansehen. Wehwehchen hin oder her, der Tower, der zu den sogenannten \u201eFour Great Towers of China\u201c z\u00e4hlt, wusste mich dennoch zu beeindrucken. Zwar wurde das gute St\u00fcck seit der ersten Errichtung im Jahre 223 n.Chr. zahlreiche Male zerst\u00f6rt und neu errichtet, aber selbst Version 10.0 von 1985 strahlte, hoch auf dem Schlangenberg gelegen, einen ehrw\u00fcrdigen Charme aus.<\/p>\n<div id=\"attachment_630\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4241.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-630\" class=\"size-medium wp-image-630\" alt=\"Der Yellow Crane Tower\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4241-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4241-199x300.jpg 199w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4241.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-630\" class=\"wp-caption-text\">Der Yellow Crane Tower<\/p><\/div>\n<p class=\"MsoNormal\">Warum er da oben steht und auf die Hu Bu Xiang, die Tan Hua Lin und den Yangtse hinabschaut? Der Legende nach wohnte in der N\u00e4he vor vielen Jahren einmal ein Wirt namens Xin, der eine Taverne besa\u00df. Eines Tages klopfte ein Mann in zerrissenen Kleidern an seine T\u00fcr und bat ihn um ein wenig Alkohol. Ohne ihn zu verurteilen, schenkte Xin dem seltsamen Gast eine Schale Wein und lie\u00df ihn dahinziehen. Von da an kam der Alte t\u00e4glich zu der Taverne und jedes Mal erhielt er seine Schale Wein ohne Umschweife. Sechs Monate sp\u00e4ter offenbarte er Xin: \u201eIch schulde dir viel, aber ich kann dich nicht in Geld bezahlen.\u201c<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Daraufhin holte er ein St\u00fcck Orangenschale aus seinem Korb und malte einen gelben Kranich an die Wand. \u201eKlatsch in die H\u00e4nde und der Kranich wird tanzen.\u201c, erkl\u00e4rte er, klatschte selbst in die H\u00e4nde und der Kranich l\u00f6ste sich tats\u00e4chlich von der Wand und begann, zu tanzen. Dieses Wunder machte Xins Taverne im ganzen Land bekannt, sodass er in den folgenden Jahren immer mehr Wohlstand anh\u00e4ufte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Als der Alte nach langer Zeit wieder zu Xin zur\u00fcckkehrte, bot der Wirt ihm an, ihn von nun an f\u00fcr den Rest seines Lebens zu unterst\u00fctzen. Der Mann hingegen l\u00e4chelte nur und sagte: \u201eNicht deshalb bin ich gekommen.\u201c Er spielte ein paar T\u00f6ne auf seiner Fl\u00f6te, woraufhin sich der Kranich ein letztes Mal von der Wand l\u00f6ste und sein Erwecker auf seinem R\u00fccken ins Himmlische Reich entstieg.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Erf\u00fcllt von Dankbarkeit \u00fcber die Taten des Unsterblichen erbaute Xin den ersten Yellow Crane Tower an der Stelle, wo der Kranich zu den Wolken aufgeschwebt war. China-Lektion Nr. 213: es zahlt sich immer aus, jemanden einen auszugeben! Manchmal lernt man dadurch wirklich beeindruckende Pers\u00f6nlichkeiten kennen. Nun ja, ob man deswegen aber vor lauter Freude gleich einen Turm bauen muss, bleibt jedem selbst \u00fcberlassen.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Da meine Hand und ich nach so viel Turmsteigen und weiteren Ausfl\u00fcgen ein bisschen Unstimmigkeiten \u00fcber meine k\u00f6rperliche Verfassung hatten, freute ich mich schon besonders auf einen gewissen Punkt auf dem Programm: Fu\u00dfmassage! Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hatte ich das selbst in meiner ganzen Zeit in China bisher noch nicht ausprobiert, obwohl sich massenhaft Gelegenheiten hierf\u00fcr boten. Um unsere erste Fu\u00dfmassage zu genie\u00dfen, hatte uns Chang E ein vollkommen vertrauensw\u00fcrdiges, 24 Stunden ge\u00f6ffnetes Etablissement empfohlen \u2013 ein unerwarteter Gl\u00fccksgriff, wie sich schnell herausstellte.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">F\u00fcr umgerechnet nicht einmal 11 Euro pro Person durften wir uns in einem abgesonderten Zimmer nebeneinander auf vier bequemen Liegen ausstrecken und wurden achtzig Minuten lang, \u00e4h, bearbeitet. Dass wir allerdings nicht die sanft Thai-Massage, sondern die medizinische Variante gew\u00e4hlt hatten, fand ich in dem Moment heraus, als ich mir den ersten Schmerzensschrei unterdr\u00fccken musste. Weil mir zwischendurch zu allem \u00dcberfluss der eine oder andere Lacher herausrutschte, dachte meine arme Masseuse am Ende wahrscheinlich, dass dem Laowai die gute Wuhaner Luft mittlerweile zu Kopf gestiegen war. Trotz allem konnte niemand leugnen, dass wir uns danach durchaus entspannt und gut gedehnt f\u00fchlten. Auf die Tipps meines kleinen D\u00e4mons war eben Verlass!<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Leider ist ebenfalls Verlass darauf, dass auf jedes Wiedersehen ein Abschied folgt. So lie\u00dfen wir an unserem letzten gemeinsamen Abend drei fliegende Laternen \u00fcber dem East Lake steigen, \u00fcberlegten uns im Stillen unsere W\u00fcnsche f\u00fcr die Zukunft und schlossen uns am Bahnhof ein letztes Mal in die Arme bis zu unserem n\u00e4chsten Wiedersehen in Deutschland. Durch den Besuch von Christel, Lukas und Jule hatte ich einerseits ein paar alte Freunde mitten in China getroffen und eine tolle Zeit mit ihnen verbracht \u2013 so eine Ehre wird wohl nicht jedem zuteil! Andererseits habe ich auch gemerkt, wie sehr ich mich zwar an das Leben hier gew\u00f6hnt habe, aber dass es nach all der Zeit immer noch unglaublich viel Spa\u00df macht.<\/p>\n<div id=\"attachment_631\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4251.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-631\" class=\"size-full wp-image-631\" alt=\"Danke f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit!\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4251.jpg\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4251.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4251-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/04\/IMG_4251-450x300.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-631\" class=\"wp-caption-text\">Danke f\u00fcr die sch\u00f6ne Zeit!<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach sieben Monaten in Wuhan kann ich nicht nur behaupten, dass ich mich an den Alltag in China gew\u00f6hnt habe (es w\u00e4re ja auch ziemlich armselig, wenn man das in einer so langen Zeitspanne nicht auf die Reihe bekommt), sondern &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/04\/26\/mr-kai-touristenfuhrer-part-1-alte-freunde-in-wuhan-und-der-fall-des-prince-of-the-dark\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":623,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,563,565],"tags":[170,669,55060,30203,55063],"class_list":["post-627","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-erlebnis","category-gastland","tag-alltag","tag-besuch","tag-massage","tag-wuhan","tag-yellow-crane-tower"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=627"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":635,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/627\/revisions\/635"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media\/623"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=627"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}