{"id":535,"date":"2013-03-17T17:00:46","date_gmt":"2013-03-17T16:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=535"},"modified":"2013-03-18T07:21:30","modified_gmt":"2013-03-18T06:21:30","slug":"quer-durch-china-part-4-mit-fliegenden-drachen-und-feuermagie-ins-jahr-der-schlange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/03\/17\/quer-durch-china-part-4-mit-fliegenden-drachen-und-feuermagie-ins-jahr-der-schlange\/","title":{"rendered":"Quer durch China Part 4: Mit fliegenden Drachen und Feuermagie ins Jahr der Schlange"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_514\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3227.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-514\" class=\"size-medium wp-image-514\" alt=\"Erster Blick auf Hongkong\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3227-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3227-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3227.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-514\" class=\"wp-caption-text\">Erster Blick auf Hongkong<\/p><\/div>\n<p>Graue Wolkenberge verschluckten die Spitzen der Wolkenkratzer, als Sandra, Simon und ich aus dem Turbojet stiegen. Nein, wir waren nicht mit einem Flugzeug in Hongkong gelandet, sondern hatten von Macau aus eine Hochgeschwindigkeitsf\u00e4hre genommen, mit der wir allerdings ebenfalls gewisserma\u00dfen \u00fcber die Wellen geflogen waren. Trotz des d\u00fcsteren Himmels konnte man aber dennoch nicht anders, als vom Puls der \u00fcber sieben Millionen Menschen starken Gro\u00dfstadt mitgerissen zu werden. Fu\u00dfg\u00e4ngerschw\u00e4rme \u00fcberquerten im Takt der schaltenden Ampeln die breiten Stra\u00dfen, auf denen Lamporginis die Motoren aufheulen lie\u00dfen. Eine belebende Brise fegte vom Fluss her durch die H\u00e4userschluchten, bauschte die perfekt drapierten Frisuren der des durchgestylten Stadtvolks auf und trug Wortfetzen in allen m\u00f6glichen Sprachen an mein Ohr. \u201eHey my friend! Need a watch? Good quality!\u201c, fragte ein arabischer Gesch\u00e4ftsmann mit \u00fcberheblichen L\u00e4cheln. \u201eHaschiiiischhhhh?\u201c, s\u00e4uselte mir sein Kollege ein paar Meter weiter ins Ohr. \u201eSollmerdonieberoderdono?\u201c Was zum Geier sollte das denn nun f\u00fcr eine Sprache sein? Erst zwei Blocks weiter d\u00e4mmerte mir langsam, dass das eben ein fetter schw\u00e4bischer Tourist gewesen war, der seine Frau nach dem Weg gefragt hatte. Mit so etwas hatte ich wohl selbst in einer derart internationalen Metropole nicht gerechnet.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr durften wir damit rechnen, \u00fcberall ganz wunderbar mit unseren Englischkenntnissen zurechtzukommen, denn bis 1997 galt Hongkong noch als englische Kolonie. Mittlerweile hat die Volksrepublik zwar wieder die Kontrolle \u00fcbernommen, aber unter der Doktrin \u201eEin Land, zwei Systeme\u201c genie\u00dft die Megacity an der M\u00fcndung des Perlflusses \u00e4hnlich wie ihr Schwesterherz Macau weiterhin ein gro\u00dfes Ma\u00df an Autonomie. Und wir als Touristen genossen die Tatsache, dass Englisch immer noch als Amtssprache z\u00e4hlt und ein Gro\u00dfteil der Hongkong-Chinesen dieser auch m\u00e4chtig ist. Luxus.<\/p>\n<div id=\"attachment_516\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3248.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-516\" class=\"size-medium wp-image-516\" alt=\"Das Bambustheater - eine verg\u00e4ngliche Sch\u00f6nheit\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3248-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3248-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3248-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3248.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-516\" class=\"wp-caption-text\">Das Bambustheater &#8211; eine verg\u00e4ngliche Sch\u00f6nheit<\/p><\/div>\n<p>Dennoch hielten wir es f\u00fcr angebracht, uns alsbald ins Vergn\u00fcgen der vollkommenen Verst\u00e4ndnislosigkeit zu st\u00fcrzen, indem wir uns der intensiven Beschallung durch Hongkongs zweite Amtssprache, n\u00e4mlich Kantonesisch, aussetzten. In allen m\u00f6glichen Tonarten, von denen wir zuvor teilweise gar nicht wussten oder w\u00fcnschten, dass sie nicht existieren. Nein, wir hatten uns nicht daf\u00fcr entschieden, ein chinesisches Dubsteb-Konzert zu besuchen &#8211; im Gegenteil, wir wollten unsere Trommelfelle schon ein bisschen stilvoller \u00fcberlasten. Kantonesische Oper stand auf dem Programm. Auf diese Schnapsidee waren wir einmal mehr durch Zufall gekommen, als wir die Stra\u00dfen nach Sehensw\u00fcrdigkeiten durchforsteten. Ein gro\u00dfes, zwischen den Glasbauten reichlich fehlplatziert wirkendes Geb\u00e4ude hatte unsere Aufmerksamkeit erregt. Bei n\u00e4herer Untersuchung fanden wir heraus, dass es sich dabei um ein Bambus-Theater handelte, das, wie der Name bereits sagt, vollkommen aus Bambus-St\u00e4ben konstruiert wurde. Da es nur f\u00fcr einen sehr begrenzten Zeitraum seine roten Banner wehen lie\u00df, entschlossen wir uns, die Gelegenheit beim Schopf zu packen.<\/p>\n<p>So fanden wir uns einen Tag sp\u00e4ter in der dank der komplizierten Bambus-Konstruktion sehr stimmungsvollen Halle wieder und \u00e4rgerten uns ein bisschen, dass wir unsere Operngl\u00e4ser mal wieder zuhause vergessen hatten. Um uns Ausl\u00e4ndern ein wenig mit dem Handlungsverlauf auf die Spr\u00fcnge zu helfen, konnte man n\u00e4mlich auf zwei Bildschirmen am B\u00fchnenrand die Untertitel mitlesen &#8211; von der letzten Reihe aus ein auf die Dauer sicherlich ziemlich anstrengendes Unterfangen. Dennoch sahen wir gespannt zu, wie sich der Vorhang zum Auftakt von \u201eGoddess of Luo River\u201c \u00f6ffnete und das traditionell eher minimalistische B\u00fchnenbild freigab. Das schien allerdings nicht alle so zu interessieren wie uns. Zahlreiche G\u00e4ste hielten es erst im Laufe der ersten zwanzig Minuten f\u00fcr n\u00f6tig, \u00fcber den knarrenden Boden zu ihren Sitzpl\u00e4tzen zu hasten. Andere verschwanden daf\u00fcr pl\u00f6tzlich wieder, weil ihr Handy die Stimmen der Darsteller \u00fcbert\u00f6nte.<\/p>\n<p>Das hinderte uns nicht daran, uns von der Oper verzaubern zu lassen. Zugegeben, die gesanglichen Darbietungen klangen f\u00fcr unsere Ohren doch bisweilen ein wenig besorgniserregend, vor allem wenn die Damen sich in h\u00f6here, sehr nasale und beinahe hysterisch zitternde Stimmlagen vorwagten und damit das Bambusger\u00fcst zum Vibrieren brachten. Die aufw\u00e4ndigen Kost\u00fcme jedoch waren selbst ohne Opernglas \u00fcberw\u00e4ltigend. Lange, wallende Gew\u00e4nder mit detailreichen Stuckmustern in allen Farben wurden komplettiert von imposantem Kopfschmuck, der die Gr\u00f6\u00dfe ihrer Tr\u00e4ger teilweise beinahe verdoppelte. Selbstverst\u00e4ndlich blieb hier nichts dem Zufall \u00fcberlassen. Jeder Bestandteil des Kost\u00fcms barg eine ganz individuelle Bedeutung \u2013 lange Fasanenfedern auf der Krone f\u00fcr den siegreichen Prinzen, eine prachtvolle, goldene Krone f\u00fcr die frisch verheiratete Prinzessin. Durch das ausdrucksstarke, perfekt aufgetragene Makeup und bis ins letzte Detail durchgeplante Bewegungsabl\u00e4ufe war es uns aber sogar ohne Opernglas verg\u00f6nnt, jedwede Gef\u00fchlsregung mit zu verfolgen. Und derer gab es\u00a0 in der tragischen Liebesgeschichte zuhauf.<\/p>\n<div id=\"attachment_522\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3324.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-522\" class=\"size-medium wp-image-522\" alt=\"Die beiden Prinzen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3324-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3324-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3324-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3324.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-522\" class=\"wp-caption-text\">Die beiden Prinzen<\/p><\/div>\n<p>Das unausweichliche Desaster beginnt noch recht romantisch, als sich der intelligente Cao Zhi, Sohn des Kaisers der Han-Dynastie, in die talentierte Zhen Mi verliebt. Doch der royale Papa hat andere Pl\u00e4ne f\u00fcr seinen Spr\u00f6ssling vorgesehen und so muss Zhi ungl\u00fccklich den Bund der Ehe mit einer adeligen F\u00fcrstentochter eingehen. Als sein \u00e4lterer Bruder Pi als Sieger aus einer Schlacht zur\u00fcckkehrt, erlaubt der Kaiser ihm, seine Braut frei zu w\u00e4hlen. Wie ehrgeizige Geschwisterpaare nun mal so sind, erw\u00e4hlt Pi die sch\u00f6ne Zhen Mi, um den j\u00fcngeren zu \u00e4rgern. Aus Angst, dass sich Zhi aus Rache gegen ihn wenden k\u00f6nnte, beschlie\u00dft Pi, seinen Bruder zu t\u00f6ten. Zhen Mi jedoch erf\u00e4hrt von diesem Plan und warnt ihren wahren Geliebten rechtzeitig. Obwohl die kaiserliche Familie den Verrat aufdeckt, gelingt es Zhi, ins Exil zu fl\u00fcchten. Dort fristet er ein trauriges Dasein und verliert vor Schmerz und Kummer seine poetischen und k\u00fcnstlerischen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_523\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3335.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-523\" class=\"size-medium wp-image-523\" alt=\"dadll\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3335-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3335-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3335-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3335.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-523\" class=\"wp-caption-text\">Ein neuer Kaiser<\/p><\/div>\n<p>W\u00e4hrenddessen erliegt der Kaiser seiner Krankheit und Pi besteigt den Thron. Gewillt, alle seine Feinde zu zerschlagen, zwingt er Zhen Mi, Zhi einen Brief zu schreiben und ihn so in die Hauptstadt zu locken. Obwohl der gefallene Prinz die Konsequenzen erahnt, kann er nicht widerstehen, Zhen Mi wiederzusehen. Da Pi wei\u00df, dass er Zhi nicht einfach umbringen darf, plant er eine Intrige gegen ihn. Er ordnet seinem Bruder an, einen siebenzeiligen Reim \u00fcber das Thema \u201eBr\u00fcder\u201c vorzutragen. Wenn er versagt, w\u00fcrde man ihn als Betr\u00fcger entlarven und verurteilen. Pi, dem wohl bewusst ist, dass sein Bruderherz seit dem Verlust von Zhen Mi auch seine Wortgewandtheit eingeb\u00fc\u00dft hat, glaubt bereits, dass sein Plan aufgeht. Zhi jedoch findet durch das erneute Treffen mit seiner Geliebten zur\u00fcck zu seiner urspr\u00fcnglichen Gewitztheit und erf\u00fcllt die Herausforderung mit Bravour.<\/p>\n<div id=\"attachment_524\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3343.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-524\" class=\"size-medium wp-image-524\" alt=\"Ein letztes Treffen auf dem Flussgrund\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3343-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3343-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3343-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3343.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-524\" class=\"wp-caption-text\">Ein letztes Treffen auf dem Flussgrund<\/p><\/div>\n<p>Dem\u00fctig und reuevoll l\u00e4sst Pi seinen Bruder unverletzt ins Exil zur\u00fcckkehren. Mit der Gewissheit, dass Zhen Mi ihren Prinzen nie wieder sehen wird, nimmt sie sich das Leben, indem sie von einem Felsen in den Luo Fluss springt. In der finalen Szene trifft der gebrochene Zhi im Traum auf seine von Nebeln verschleierte Flussg\u00f6ttin und muss sich damit abfinden, dass er den Rest seines Lebens in Einsamkeit verbringen wird, bis die beiden sich im Jenseits wiederfinden.<\/p>\n<p>Kaum war das letzte Solo der bewegenden Geschichte \u00fcber die Macht von Liebe und Poesie verhallt, leerte sich das Theater beinahe fluchtartig. Kein anhaltender Applaus. Keine Standing Ovations. Die Schauspieler hatten ja nur ihre Arbeit getan. Etwas perplex \u00fcber diese Art, eine solche Leistung zu w\u00fcrdigen, blieben wir eine Weile mit zum Klatschen erhobenen H\u00e4nden sitzen. Eine alte Dame hatte unsere verwirrten Blicke bemerkt und erkl\u00e4rte sich netterweise dazu bereit, uns ein wenig aufzukl\u00e4ren. Nat\u00fcrlich hatten die Leute die Darbietung aufs H\u00f6chste genossen, meinte sie, aber scheinbar sei dies nur ein blasser Schatten von der Urauff\u00fchrung des St\u00fccks gewesen. \u00dcberrascht erfuhren wir, dass die meisten Darsteller bereits \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre alt waren \u2013 dabei hatten die sich doch so anmutig und grazil bewegt, wie es andere nicht einmal in der Bl\u00fcte ihrer Jahre verm\u00f6gen. Doch ebenso wie bei den Zuschauern fehlt es auch bei den Schauspielern an Nachwuchs. Die j\u00fcngere Generation versteht n\u00e4mlich wortw\u00f6rtlich von der klassischen Oper ebenso wenig wie wir. Jeder Satz, jede Zeile ist derart symbolisch aufgeladen, dass man die wahrhaftige Sch\u00f6nheit der Oper nur nach jahrelanger intensiver Besch\u00e4ftigung mit der Sprache begreift. Dementsprechend wird auch das Publikum immer \u00e4lter, da die Kinder heutzutage sprachlich weniger feinf\u00fchlig erzogen werden und den Sinn der Oper kaum noch nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In einigen Jahren wird die kantonesische Oper (genauso wie die anderen chinesischen Formen der Oper)\u00a0 mit ihren Zuschauern verschwinden \u2013 zumindest in ihrer urspr\u00fcnglichen Form. Na ein Gl\u00fcck hatten wir uns rechtzeitig daf\u00fcr entschieden, diese hohe Kunst mit eigenen Augen und Ohren mitzuerleben! Das freute nicht nur uns ungemein, sondern auch die nette alte Dame, die gar nicht so recht fassen wollte, dass so junge Ausl\u00e4nder wie wir der Oper etwas abgewannen. Andere Langnasen hatten das Theater n\u00e4mlich bereits zu Beginn der Handlung mit geringsch\u00e4tzigen Mienen verlassen.<\/p>\n<p>Um ehrlich zu sein, hatte ich mir eben das aber auch im Verlauf des St\u00fccks ernsthaft \u00fcberlegt. Nicht jedoch aufgrund eines \u00fcberstrapazierten Trommelfells, sondern weil ich zu einem wichtigen Termin aufbrechen wollte. Eigentlich war ich um acht Uhr zu einem Treffen vor dem Bambustheater verabredet, doch die unerwartete Tatsache, dass die Oper aus sieben Akten mit Umbaupausen bestand, brachte meine Pl\u00e4ne ein bisschen durcheinander. Als ich schlie\u00dflich um elf Uhr das Geb\u00e4ude verlie\u00df, erwartete mich dort trotz allem ein strahlendes M\u00e4dchen. Angel!<\/p>\n<p>Die junge Hongkong-Chinesin hatte mir auf meinem Flug nach China als Nebensitzerin beigestanden und nun traf ich sie tats\u00e4chlich wieder! Damit hatte ich lange Zeit nicht gerechnet, weil ich nicht davon ausgegangen war, irgendwann einmal ein Visum zu besitzen, mit dem ich w\u00e4hrend meines Aufenthalts ausreisen durfte. Doch die Besuche im Haus, das Verr\u00fcckte macht, hatten sich letztendlich gelohnt und so hatte ich an diesem sp\u00e4ten Abend die Ehre, meinen Schutzengel aus dem Flugzeug Sandra und Simon vorzustellen. Es stimmt eben doch, dass man alle Menschen zweimal trifft \u2013 zumindest, wenn man das auch wirklich will.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise war Angel bereits informiert gewesen, dass die Oper ein ganz kleines Bisschen l\u00e4nger dauern w\u00fcrde als gedacht \u2013 trotzdem verstand sie nicht, warum wir f\u00fcr so etwas derma\u00dfen viel Zeit verschwenden wollten, obwohl keiner versteht, was die da singen. Anstatt uns \u00fcber die dreist\u00fcndige Versp\u00e4tung b\u00f6se zu sein, machte sich die Gute viel mehr Sorgen dar\u00fcber, dass wir \u00fcber all dem Gesang sicher unser Abendessen vergessen hatten. Und damit lag sie mehr als richtig. Also f\u00fchrte sie uns in ein nettes Restaurant, in dem Hongkong Cuisine angeboten wurde. Auch hier machte sich das britische Erbe bemerkbar. Auf Buttertoast mit Bacon und Spiegelei folgte eine eher chinesisch schmeckende Nudelsuppe, abgerundet von Milchtee und einer undefinierbaren, doch schmackhaften Eierpampe. \u00a0Eine nette Mischung und eindeutig authentischer als das, was in Wuhan unter Western Style Food angeboten wird!<\/p>\n<div id=\"attachment_525\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3344.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-525\" class=\"size-medium wp-image-525\" alt=\"Eine exquisite Aussicht auf die n\u00e4chtliche Skyline\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3344-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3344-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3344-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3344.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-525\" class=\"wp-caption-text\">Eine exquisite Aussicht auf die n\u00e4chtliche Skyline<\/p><\/div>\n<p>Bei einem etwas versp\u00e4teten Dinner sollte es allerdings nicht bleiben, denn Angel hatte noch andere Pl\u00e4ne f\u00fcr uns vorgesehen. Die junge Chinesin lotste uns eine Weile durch die n\u00e4chtlichen H\u00e4userschluchten bis zu einem Wolkenkratzer an der Uferpromenade, in dem wir den Aufzug in das 28. Stockwerk nahmen. Was uns wohl dort oben erwartete? Nichts anderes als eine der besten Bars der Stadt! Angenehme Launch \u2013Musik, die eine wirklich nette Abwechslung zu\u00a0 den immer gleichen Playlists in diversen Helens, Feelings oder Burtons bot, begleitete uns auf unserem Weg zu einem geeigneten Sitzplatz. So etwas wie ungeeignete Sitzpl\u00e4tze gab es sowieso nicht \u2013 denn egal, wo man sich niederlie\u00df, \u00fcberall konnte man durch die Glasfassade eine gigantische Rundumsicht auf die Stadt genie\u00dfen. Die Skyline von Shanghai? Geradezu bescheiden gegen den Wall von Hochh\u00e4usern, der auf der anderen Seite des Flusses mit seiner Fr\u00fchlingsfest-Beleuchtung die Nacht zum Tage machte.<\/p>\n<div id=\"attachment_526\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3350.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-526\" class=\"size-medium wp-image-526\" alt=\"Ein nettes Treffen mit meinem Schutzengel aus Hongkong\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3350-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3350-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3350-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3350.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-526\" class=\"wp-caption-text\">Ein nettes Treffen mit meinem Schutzengel aus Hongkong<\/p><\/div>\n<p>Sicher eigneten sich nur wenige Orte besser daf\u00fcr, mit \u00fcberheblicher Miene an einem exquisiten Cocktail zu nippen und auf die bisherigen Errungenschaften in der Gesch\u00e4ftswelt zur\u00fcckzublicken. Da derlei Errungenschaften in unserem Leben noch auf sich warten lie\u00dfen, verursachte der Erwerb eines solchen exquisiten Cocktails bei uns jedoch eher ein leicht unangenehmes Stechen in der Geldbeutel-Gegend. Dem wusste Angel schnell Abhilfe zu schaffen, als sie uns kurzerhand auf unsere Getr\u00e4nke einlud. Mit so einem wunderh\u00fcbschen Gratis-Drink in der Hand wirkten die flimmernden Leuchtreklametafeln vor der Glasfront doch gleich noch ein bisschen sch\u00f6ner! Nach einem sehr lustigen Abend hatte Angel ihrem Namen abermals alle Ehre gemacht und ich war unglaublich froh dar\u00fcber, sie in Hongkong wiedergetroffen zu haben.<\/p>\n<div id=\"attachment_515\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3228.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-515\" class=\"size-medium wp-image-515\" alt=\"Unser wundersch\u00f6nes Hostelzimmer - immerhin musste man sich beim Duschen nicht auf die Klobrille stellen\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3228-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3228-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3228-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3228.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-515\" class=\"wp-caption-text\">Unser wundersch\u00f6nes Hostelzimmer &#8211; immerhin musste man sich beim Duschen nicht auf die Klobrille stellen<\/p><\/div>\n<p>Die Skyline-Bar blieb allerdings nicht die einzige von Hongkongs kleinen \u00dcberraschungen, die wir im Verlauf unseres Aufenthalts entdeckten. Die eindeutig kleinste \u00dcberraschung war \u00fcbrigens definitiv unser Hostelzimmer mitten in einem der lebhaftesten Viertel der Stadt. Auf sechs Quadratmetern hatte man es geschafft, drei Betten, ein Klo und eine Dusche zu quetschen. Wer braucht schon Privatsph\u00e4re! Dazu sollte allerdings angemerkt werden, dass wir uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen konnten, w\u00e4hrend des Fr\u00fchlingsfests \u00fcberhaupt erfolgreich eine Unterkunft gebucht zu haben. Au\u00dferdem sollte sich unsere Wohnzelle sp\u00e4ter noch als echter Gl\u00fccksgriff erweisen und abgesehen davon verbrachten wir sowieso nicht allzu viel Zeit auf dem Zimmer.<\/p>\n<p>Stattdessen suchten wir in engen Gassen nach winzigen Tempeln, die einfach in Wohnh\u00e4user eingebaut waren und von den Anwohnern gepflegt wurden, tuckerten mit der an den fahrenden Ritter erinnernden Doppelstock-Stra\u00dfenbahn durch das Gesch\u00e4ftsviertel und entspannten uns gelegentlich in den gro\u00dfz\u00fcgig angelegten Parks und botanischen G\u00e4rten. Obwohl die Stadt einerseits als Chinas Shoppingparadies schlechthin vor konsumw\u00fctigen Chinesen \u00fcberquillt und zahlreiche wichtige Firmen hier einen Sitz haben, die eine F\u00fclle an gestressten Gesch\u00e4ftsleuten mit sich zieht, g\u00f6nnte die Stadt uns doch hin und wieder Ruhe vor der schnelllebigen Realit\u00e4t. Die beste Adresse, um die Seele baumeln zu lassen: das Chi-Lin-Frauenkloster mit dem Nan Lian Garden, die direkt neben einem gro\u00dfen Shoppingcenter liegen.<\/p>\n<p>Zwar nieselte es leicht, als wir das abgeschirmte Parkgel\u00e4nde betraten, doch dies verst\u00e4rkte die friedliche, nachdenkliche Atmosph\u00e4re umso mehr. Millionen Wassertropfen benetzten die akkurat zurechtgestutzten, teilweise in voller Bl\u00fcte stehenden Bonsai-B\u00e4ume. Leichte Windb\u00f6en kr\u00e4uselten die Wasseroberfl\u00e4che eines gro\u00dfen Teichs, in dem gem\u00e4chlich pr\u00e4chtige Kois ihre Bahnen zogen. Auf einer kleinen Insel thronte stolz eine goldene Pagode, zu der eine knallrote Br\u00fccke f\u00fchrte. Kein Stein lag dort aus Zufall, alles folgte einer genau vorherbestimmten Ordnung. Sicher ein Ort mit einer langen Geschichte. sieben Jahre, um genau zu sein. Gut gespielt, Stadtregierung von Hongkong!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3288.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-518\" alt=\"SAM_3288\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3288-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3288-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3288-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3288.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3296.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-519\" alt=\"SAM_3296\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3296-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3296-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3296-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3296.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ebenso war das Frauenkloster erst 1990 komplett renoviert worden, doch der Besuch lohnte sich trotzdem. Vom Park aus gelangten wir auf einer Steinbr\u00fccke \u00fcber einer vielbefahrenen Stra\u00dfe direkt in die idyllischen Innenh\u00f6fe der einheitlich aus dunklem Holz gestalteten Tempelanlage. In symmetrisch angelegten Steinbecken bl\u00fchten hier Seerosen in allen m\u00f6glichen Farben und das Gluckern der L\u00f6wenkopf-Wasserspeier lud dazu ein, in hochphilosophische Gedanken zu versinken. Diese Gedanken vertagten wir allerdings auf sp\u00e4ter, da wir uns ja noch einiges ansehen wollten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3298.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-520\" alt=\"SAM_3298\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3298-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3298-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3298-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3298.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3301.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-521\" alt=\"SAM_3301\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3301-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3301-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3301-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3301.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_527\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3405.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-527\" class=\"size-medium wp-image-527\" alt=\"Wolkenkratzer wie Dominosteine\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3405-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3405-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3405-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3405.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-527\" class=\"wp-caption-text\">Wolkenkratzer wie Dominosteine<\/p><\/div>\n<p>Beispielsweise Hongkong von oben &#8211; denn irgendwie muss man ja auf jede Stadt in China mal herabgeschaut haben. Hongkong bot daf\u00fcr auf der anderen Seite des Flusses eine ganz besonders elegante M\u00f6glichkeit: die sogenannte Peak Tram. Schneller, als es dem einen oder anderen Passagier lieb war, ratterte dieser kleine Gipfelst\u00fcrmer, eine original Schweizer Standseilbahn, den steilen H\u00fcgel hinter der Skyline zum Victoria Peak hinauf. Neben einer Filiale von Forrest Gumps \u201eBubbaGump\u201c-Shrimps-Restaurants bewunderten wir von hier aus den Wald von Hochh\u00e4usern und \u00fcberzeugten uns selbst davon, dass das Territorium tats\u00e4chlich nur zu 25 Prozent besiedelt war. Aufgrund des bergigen Reliefs der Region konnte n\u00e4mlich nur ein kleiner Teil effektiv bebaut werden \u2013 und daf\u00fcr umso dichter. Hongkong belegt hinter Monaco Platz 2 der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt, nicht zuletzt, weil viele reichere Chinesen in die Sonderverwaltungszone str\u00f6men, um die Ein-Kind-Politik zu umgehen.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter probierten wir dar\u00fcber hinaus eine andere, stimmungsvolle Art aus, einen Teil des H\u00fcgels zu erklimmen: die Central Midlevels Escalators. Um diese zu erreichen, \u00fcberquerten wir abermals den Fluss mit einer kleinen F\u00e4hre und stiegen von dort aus in ein System aus Fu\u00dfg\u00e4ngerwegen, das erh\u00f6ht gebaut war und eine zweite Ebene \u00fcber der Stra\u00dfe bildete. Auf diese Weise konnte man haufenweise Shopping-Malls abklappern, ohne ein einziges Mal mit dem Verkehr in Ber\u00fchrung zu kommen. Dieses praktische Bauprojekt schien nicht nur f\u00fcr Kaufbegeisterte attraktiv zu sein. Als wir durch die Anlage schlenderten, waren die ansonsten eher steril wirkenden G\u00e4nge gef\u00fcllt mit Leben. An den Seiten hatten sich \u00fcberall vornehmlich Filipino-Frauen auf Pappkarton niedergelassen und sich zum Teil richtige kleine Pappkarton-Festungen gebaut. Die Damen spielten hier Karten, kochten, schliefen oder warteten darauf, dass ihre M\u00e4nner von der Arbeit zur\u00fcckkamen.<\/p>\n<p>Am Ende dieses bunten Treibens konnte man schlie\u00dflich an H\u00f6he gewinnen, und zwar ganz bequem auf der Rolltreppe stehend. Mit 800 Metern L\u00e4nge und insgesamt 20 aufeinanderfolgenden Rolltreppen bilden die Midlevels Escalators das l\u00e4ngste \u00fcberdachte Rolltreppen-System der Welt \u2013 und einen Segen f\u00fcr die Anwohner des h\u00f6her gelegenen Bezirks Midlevels. Ges\u00e4umt werden die \u00fcbrigens von einem Haufen netter Bars und Restaurants, von denen viele aufgrund des nahenden Fr\u00fchlingsfests jedoch nicht ge\u00f6ffnet hatten.<\/p>\n<p>Am letzten Tag des alten Jahres im chinesischen Mondkalender trifft man sich n\u00e4mlich traditionell mit der gesamten Familie zu einem gro\u00dfen Festessen. Au\u00dferdem werden an die Kinder Hong Bao, (zur Erinnerung: rote, mit Geld gef\u00fcllte Umschl\u00e4ge) verteilt und Jiao Zi, gef\u00fcllte Teigtaschen, f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag vorbereitet. Um 23 Uhr \u00f6ffnet man schlie\u00dflich die Fenster, um das Gl\u00fcck des neuen Jahres ins Haus str\u00f6men zu lassen und begr\u00fc\u00dft das neue Jahr mit reichlich Geballer und Feuerwerk. Wie ich mir sp\u00e4ter habe sagen lassen, stand Wuhan von da an f\u00fcr einige Zeit unter Dauerbeschuss und der n\u00e4chtliche L\u00e4rm der Bauarbeiten wurde kontinuierlich durch detonierende Mega-Chinab\u00f6ller \u00fcbert\u00f6nt. Da diese Art willentlicher H\u00f6rsturz-Verursachung in Hongkong aufgrund von Brandgefahr verboten ist, begann das Jahr der Schlange f\u00fcr uns in der Nacht zum 10. Februar angenehm explosionsarm.<\/p>\n<p>Die Schlange ist \u00fcbrigens die f\u00fcnfte im Bund der zw\u00f6lf Tierkreiszeichen, die mit unseren westlichen Sternzeichen \u00fcberhaupt nichts gemeinsam haben. Deren Entstehung liegen wie immer ein paar h\u00fcbsche kleine Legenden zugrunde. Der ber\u00fchmtesten Sage nach entschied der himmlische Jadekaiser einst, dass es einen Weg geben sollte, Zeit zu messen. An seinem Geburtstag veranstaltete er ein gro\u00dfes Rennen unter den Tieren, die einen rei\u00dfenden Fluss \u00fcberqueren sollten. Nach der Reihenfolge der zw\u00f6lf Gewinner w\u00fcrden am Ende die Jahre benannt werden. Aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden erreichte zuerst die Ratte das andere Ufer, anschlie\u00dfend der Ochse, der Tiger, der Hase, der Drache, die Schlange, das Pferd, die Ziege, der Affe, der Hahn, der Hund und schlie\u00dflich das Schwein. Beinahe h\u00e4tte es au\u00dferdem ein Jahr der Katze gegeben, aber die listige Ratte hatte die Katze vor ihrem Sieg ins Wasser gesto\u00dfen. Das erkl\u00e4rt, warum Ratten und Katzen einander nicht ausstehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_534\" style=\"width: 209px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0020.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-534\" class=\"size-medium wp-image-534\" alt=\"Ein L\u00f6wenmonster, das ich an einem Tag fotografiert habe, an dem ich nicht meine Kamera zuhause vergessen hatte\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0020-199x300.jpg\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0020-199x300.jpg 199w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0020.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-534\" class=\"wp-caption-text\">Ein L\u00f6wenmonster, das ich an einem Tag fotografiert habe, an dem ich nicht meine Kamera zuhause vergessen hatte<\/p><\/div>\n<p>Als wir jedenfalls am Morgen des 10. Februars erwachten, konnte die Magie des Fr\u00fchlingsfests auch f\u00fcr uns beginnen, allerdings vorerst ohne Feuerwerk und Tinitus. Als wir uns ins allt\u00e4gliche Get\u00fcmmel st\u00fcrzten, rauschten Menschen in L\u00f6wenkost\u00fcmen an uns vorbei und wir mussten unter einem chinesischen Drachen wegtauchen, der gerade an St\u00e4ben in einen Transporter geladen wurde. \u00dcberall auf den Stra\u00dfen traf man kleine chinesische Prinzen und Prinzessinnen, die k\u00f6niglich von den Schultern ihrer Eltern auf das Geschehen unter den roten Lampions herabsahen und sie in Richtung von aufbrausendem Trommelwirbel kommandierten. Auch wir lie\u00dfen uns von den eing\u00e4ngigen Trommelschl\u00e4gen leiten und trafen alsbald auf eine Menschenmasse, die gebannt auf eine Ansammlung von Stelzen starrte. Pl\u00f6tzlich sprangen zwei riesige L\u00f6wenmonster auf die Stelzen, b\u00e4umten sich auf und starrten mit blinzelnden Augen zu den Zuschauern hinunter. Mit punktgenauen, fl\u00fcssigen Bewegungen tanzten sie von einer Stelze zur anderen und eines der beiden kletterte schlie\u00dflich auf einen hohen Mast, von dessen Spitze es einen roten Umschlag und einen gr\u00fcnen Gem\u00fcseball pfl\u00fcckte.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatten wir es hier nicht mit echten L\u00f6wen zu tun, sondern mit jeweils zwei unglaublich talentierten Martial-Arts-K\u00fcnstlern, die sich unter einem bunten Kost\u00fcm tarnten \u2013 keinesfalls weniger beeindruckend als ihre tierischen Gegenst\u00fccke! Der L\u00f6wentanz wird traditionell von renommierten Martial-Arts-Schulen am Fr\u00fchlingsfest vor H\u00e4usern und Gesch\u00e4ften aufgef\u00fchrt und erfordert disziplinierte und akribische Vorbereitung. Das Pfl\u00fccken des roten Umschlags soll finanziellen Erfolg bringen, der Gem\u00fcseball Gl\u00fcck, da Gl\u00fcck und Gem\u00fcse im Chinesischen dieselbe Aussprache haben (ein Grund mehr, immer sch\u00f6n auch die gr\u00fcne Beilage zum Schnitzel zu essen). Fr\u00fcher mussten die L\u00f6wen dazu auf bis zu zwanzig Meter hohe Masten klettern und oft traten mehrere Martial-Arts-Schulen gegeneinander an. Der Ruf der Schulen stand auf dem Spiel und der Sieger wurde mit einem gro\u00dfz\u00fcgigen Geldbetrag belohnt. Wir fanden das Spektakel allerdings auch ohne Wettk\u00e4mpfe \u00fcberw\u00e4ltigend genug.<\/p>\n<p>Der wahre Zauber des Fr\u00fchlingsfests entfaltete sich allerdings erst, als die Sonne l\u00e4ngst hinter dem Hafen versunken war. Zahlreiche Stra\u00dfen waren abgesperrt und leerger\u00e4umt, die Gehwege hingegen f\u00fcllten sich mit mehr und mehr Menschen. Auf was die wohl alle warteten? Und wo waren wir in dem Geschehen? Nirgendwo sonst als in unserem kuscheligen Hostelzimmer. Aber w\u00fcrden wir dort nicht den ganzen Spa\u00df verpassen, auf den die Leute in den H\u00e4userschluchten warteten? Im Gegenteil \u2013 zuf\u00e4llig hatten wir mit unserer Wahl des Hostels gleichzeitig Logenpl\u00e4tze f\u00fcr die allj\u00e4hrliche Neujahrsparade ergattert, die direkt an der Stra\u00dfe vor unserem Wohnkomplex vorbeimarschieren sollte. W\u00e4hrend man sich unten also auf die Zehenspitzen stellen musste, um \u00fcberhaupt etwas zu sehen, konnten wir uns einfach bequem aus dem Panoramafenster lehnen und nebenbei noch eine Chips-Packung nach der anderen leeren.<\/p>\n<p>Endlich stolzierte die erste herzallerliebste Gruppe an der Zuschauermenge vor\u00fcber. Ein Haufen kleiner M\u00e4dchen in bunten Umh\u00e4ngen tanzte ein paar h\u00fcbsche Formationen und rief den Menschen lautstark \u201eGonxi Facai!\u201c (Gl\u00fcck und Reichtum!) zu. Weiter ging es recht beschaulich mit einer Blasmusikkappelle, die Lady Gaga astrein neu interpretierte, Ziehharmonika- und Dudelsackspielern, und einigen Jojo-Spezialisten, die neben ihren beeindruckenden Kunstst\u00fcckchen sogar noch Zeit hatten, zu den drei Deutschen hinauf zu winken. Wahre Profis.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend spiegelten Auftritte von zahlreichen Nationen den internationalen Charakter der Metropole wieder. Stelzen-M\u00e4nner und T\u00e4nzerinnen mit riesigen, knallbunten Schmetterlingsfl\u00fcgeln und wogenden Pfauenfedern verbreiteten einen Hauch vom Karneval in Rio. Grazile Ballerinen wurden von leidenschaftlichen Salsa-Rhytmen abgel\u00f6st. Eine Prozession Kimonotragender Damen und M\u00e4nner in mit Schriftzeichen bemalten M\u00e4nteln und Stirnb\u00e4ndern schritt mit exakt aufeinander abgestimmten Bewegungen zu den Kl\u00e4ngen japanischer Instrumente voran. Ihr markersch\u00fctternder Call-and-Response-Gesang weckte vor allem in Sandra und mir Fernweh nach dem Land der aufgehenden Sonne.<\/p>\n<p>Das wurde uns allerdings wohl oder \u00fcbel wieder ausgetrieben, als der Festwagen des lokalen Disneylands Micky Maus und seine Freunde zu einer Melodie eskalieren lie\u00df, die sich nach drei\u00dfig Sekunden unabl\u00e4ssig wiederholte. Bevor uns die Ohren zu bluten begannen, brachten einige Parcour-K\u00fcnstler den Boden sprichw\u00f6rtlich zum Gl\u00fchen. In die erloschenen Funken traten Feuerspeier und Akrobaten aus verschiedenen mittel\u00f6stlichen L\u00e4ndern, gefolgt von s\u00e4gefreudigen Zauberk\u00fcnstlern, zwei Meter hohen Rieseninsekten und Blumenm\u00e4dchen und Menschen in allen m\u00f6glichen farbenfrohen Outfits, die teilweise der traditionellen Landeskleidung entsprachen oder wirkten wie direkt aus Alices Wunderland entsprungen. Ein herrliches Durcheinander von unterschiedlichen Kulturen und kreativen Kost\u00fcm-Ideen.<\/p>\n<div id=\"attachment_529\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/Dragon-Snake2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-529\" class=\"size-medium wp-image-529\" alt=\"Release the Dragon!\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/Dragon-Snake2-300x188.png\" width=\"300\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/Dragon-Snake2-300x188.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/Dragon-Snake2-476x300.png 476w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/Dragon-Snake2.png 883w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-529\" class=\"wp-caption-text\">Release the Dragon!<\/p><\/div>\n<p>Nach einer nach einer Stunde neigte sich das fantastische Schauspiel dem gro\u00dfen Finale zu und erinnerte uns noch einmal deutlich daran, dass wir hier eigentlich das chinesische Neujahr feierten. Rote L\u00f6wenmonster kletterten an Masten empor, chinesische Weise gr\u00fc\u00dften erhaben in die Masse und eine lange Papierschlange wand sich, perfekt von einigen Martial-Arts-Sch\u00fclern an St\u00e4ben gef\u00fchrt, wie quicklebendig \u00fcber die Stra\u00dfe. Ich konnte den Blick beinahe nicht von der hypnotisierenden, lebhaften Choreographie abwenden &#8211; bis pl\u00f6tzlich ein gigantischer Drachensch\u00e4del um die H\u00e4userecke bog. Unter Jubel, Kampfschreien und wildem, blechernen Trommelwirbel zog er einen sicherlich beinahe vierzig Meter langen, rotgolden geschuppten K\u00f6rper mit sich und baute sich schlie\u00dflich vor uns zu seiner vollen L\u00e4nge auf. Mittels eines durchsichtigen Gasballons stieg sein Kopf allm\u00e4hlich immer h\u00f6her, bis seine respekteinfl\u00f6\u00dfenden Augen schlie\u00dflich direkt in unser Zimmer hinein starrten. F\u00fcr einen Moment hielt das Unget\u00fcm inne, als w\u00fcrde es uns im Stillen einen guten Start ins Jahr der Schlange w\u00fcnschen, dann wendete er sich ab und schob seinen gewaltigen schwebenden Schweif an unserem Fenster vorbei. So endete die Parade f\u00fcr mich mit einer ordentlichen G\u00e4nsehaut und der der unbeschreiblichen Freude dar\u00fcber, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein.<\/p>\n<p>An unserem letzten Tag in Hongkong erwartete uns endlich das hei\u00dfersehnte Feuerwerk. Ganz ohne kam man auch hier nicht aus. Immerhin gibt es einen ganz besonderen Grund, warum die Chinesen seit Urzeiten jedes Jahr aufs Neue tonnenweise Raketen in den Himmel jagen. Einmal j\u00e4hrlich erwacht n\u00e4mlich das Jahresmonster aus seinem Schlaf \u2013 und ihm hungert nach Menschenfleisch. Nur die Farbe Rot und ordentlich L\u00e4rm und Licht k\u00f6nnen es vertreiben und in seine H\u00f6hle zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Also wird selbst in Hongkong ordentlich geballert \u2013 und wir wollten uns die besten Pl\u00e4tze daf\u00fcr ergattern. Mit diesem Ziel setzten wir uns bereits am fr\u00fchen Nachmittag ausger\u00fcstet mit guter Lekt\u00fcre und Proviant an die Uferpromenade. Die w\u00fcrde gegen sp\u00e4ter abgesperrt werden und nur eine bestimmte Anzahl von Menschen durfte das Feuerwerk von hier aus genie\u00dfen.<\/p>\n<div id=\"attachment_530\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0051.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-530\" class=\"size-medium wp-image-530\" alt=\"Schokolade!\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0051-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0051-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0051-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0051.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-530\" class=\"wp-caption-text\">Schokolade!<\/p><\/div>\n<p>Ob wir hier nicht unsere Zeit verschwendeten? Keineswegs. Zum ersten Mal w\u00e4hrend unseres Aufenthalts in der Stadt w\u00e4rmte die Sonne unsere Gesichter und was wir so beim Warten zu sehen bekamen, war durchaus sehenswert. Menschen unterschiedlichster Herkunft str\u00f6mten an uns vorbei und genossen das sch\u00f6ne Wetter. Ein Inder mit wei\u00dfem Rauschebart und Turban, ein Scheich mit seiner vermummten Angetrauten, kleine chinesische Prinzen, ein athletischer Jogger, zahlreiche Selbstportrait-Fanatiker, ein eintr\u00e4chtig voran tippelndes grauhaariges Ehepaar, junge, eingehakte Verliebte \u2013 es geht doch nicht \u00fcber ein bisschen People Watching! Neben uns hatte sich au\u00dferdem eine chinesische Familie niedergelassen, die ebenso ausdauernd wie wir ausharrte. Nachdem der j\u00fcngste Spross der Familie mir stolz gezeigt hatte, wie erfolgreich er seinen Schokoriegel in der ganzen Handfl\u00e4che verteilt hatte, belohnte er uns f\u00fcr unsere Aufmerksamkeit sogar mit ein paar N\u00fcssen aus seiner Heimatstadt. Einfach putzig, dieser Kleine!<\/p>\n<div id=\"attachment_532\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0127.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-532\" class=\"size-medium wp-image-532\" alt=\"Epischer Sonnenuntergang hinter der Skyline\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0127-300x199.jpg\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0127-300x199.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0127-450x300.jpg 450w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_0127.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-532\" class=\"wp-caption-text\">Epischer Sonnenuntergang hinter der Skyline<\/p><\/div>\n<p>Gegen Abend wurde es allm\u00e4hlich immer voller auf der Promenade und Reihe f\u00fcr Reihe f\u00fcllte sich hinter der Br\u00fcstung. Mehr und mehr graue Wolken bedeckten den Himmel und der Wind frischte wieder auf. Als die Sonne schlie\u00dflich dramatisch zwischen den Hochh\u00e4usern versank und die ersten Lichter der Skyline aufleuchteten, verk\u00fcndete eine Stimme aus dem Lautsprecher, dass die volle Kapazit\u00e4t der Promenade nun erreicht war. Wer jetzt noch dazu stie\u00df, hatte Pech gehabt. Bald legte sich die Nacht vollends \u00fcber die Stadt und die Skyline am anderen Ufer blinkte so flei\u00dfig wie eh und je. Und pl\u00f6tzlich explodierte das erste Funkengest\u00f6ber \u00fcber den Wolkenkratzern. Direkt mittig vor uns. Zum zweiten Mal hatten wir es geschafft, uns genau die richtigen Pl\u00e4tze zu ergattern.<\/p>\n<p>Und das Warten hatte sich gelohnt, denn in den n\u00e4chsten zwanzig Minuten bewies man uns, dass China immer noch der ungeschlagene Meister der Pyrotechnik ist. Ohne Unterlass wurden dutzende Feuerbr\u00fcnste gleichzeitig von einigen Schiffen im Fluss aus abgeschossen. Der Himmel erstrahlte in Rot, Gr\u00fcn, Blau, Lila und Gold. Herzen, Sterne und die perfekt geformte Bl\u00fcte der Nationalflagge wuchsen f\u00fcr ein paar Sekunden in luftiger H\u00f6he und vergl\u00fchten wieder, um von der n\u00e4chsten Raketen-Armada abgel\u00f6st zu werden. Man konnte einfach nicht anders, als in das \u201eOoooh\u201c und \u201eAaaah\u201c der Menge einzustimmen. Wer da ebenfalls einmal mitmachen m\u00f6chte, kann sich das Spektakel hier selbst anschauen:<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iOtr0RgJMkc<\/p>\n<p>Und hier geht es weiter zum Finale:<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PbyQgee0lrU<\/p>\n<p>Als die letzten Lichtpunkte des grandiosesten Feuerwerks meines bisherigen Lebens mit einem nachhallenden Knistern erloschen, hatte sich das Jahresmonster sicher wieder im hintersten Eck seiner H\u00f6hle verkrochen \u2013 und Hongkong hatte uns vollends verzaubert. Nun konnte das Jahr der Schlange richtig beginnen! Doch viel Zeit, um den Zauber auf uns wirken zu lassen, lie\u00df man uns leider nicht. Wie auf einen stummen Startschuss hin st\u00fcrmte mit einem Mal die gesamte Zuschauermasse in Richtung Ausgang und auch wir mussten uns schleunigst auf den Weg machen, denn unser Zeitplan erlaubte keine Verz\u00f6gerungen. Unser Ziel: mit der U-Bahn zur Endstation am Hauptbahnhof in der Stadt Shenzhen fahren, von dort aus den letzten Zug nach Guangzhou erwischen und in derselben Nacht Sandras Wohnung erreichen. Challenge accepted!<\/p>\n<p>Mit unseren unglaublich handlichen Rucks\u00e4cken und Sandras Koffer hasteten wir durch den Menschenstrom. Schon waren wir am Ausgang der Promenade angekommen. Weiter ging es in Richtung der n\u00e4chstbesten U-Bahn-Station. Mist, die hatte man ja abgesperrt. Warum rannten denn dann alle dahin? Egal, Kommando zur\u00fcck. Eine Sackgasse war eigentlich nicht vorgesehen gewesen! Polizisten br\u00fcllten Befehle und versuchten, die Herde in die richtigen Bahnen zu leiten. W\u00e4hrend wir eine Fu\u00dfg\u00e4ngergruppe nach der anderen \u00fcberholten, f\u00fchlten wir uns ein wenig wie in einem Katastrophenfilm, in dem die Stadt wegen eines Angriffs des Jahresmonsters evakuiert werden musste. Unverhofft erschien ein ge\u00f6ffneter Zugang zur Metro vor uns. Nichts wie runter! Mit klopfenden Herzen stellten wir uns in die Schlange vor den Ticketautomaten, sprinteten zur Rolltreppe und quetschten uns in die hoffnungslos \u00fcberf\u00fcllte U-Bahn. Schritt 1 &#8211; \u00fcberstanden. Bisher hatte es das Schicksal in Hongkong immer gut gemeint mit uns: wir hatten unerwartet ein perfektes Hostelzimmer erwischt, eine kantonesische Oper gefunden, ich hatte Angel wiedergetroffen und wir hatten eine wunderbare Sicht auf das Feuerwerk genossen. Aber w\u00fcrde die Metro nun rechtzeitig in Shenzhen eintreffen, damit wir unsere Reise fortsetzen konnten?<\/p>\n<div id=\"attachment_517\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3253.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-517\" class=\"size-medium wp-image-517\" alt=\"Gongxi facai!\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3253-225x300.jpg\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3253-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/03\/SAM_3253.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-517\" class=\"wp-caption-text\">Gongxi facai!<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graue Wolkenberge verschluckten die Spitzen der Wolkenkratzer, als Sandra, Simon und ich aus dem Turbojet stiegen. Nein, wir waren nicht mit einem Flugzeug in Hongkong gelandet, sondern hatten von Macau aus eine Hochgeschwindigkeitsf\u00e4hre genommen, mit der wir allerdings ebenfalls gewisserma\u00dfen &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/03\/17\/quer-durch-china-part-4-mit-fliegenden-drachen-und-feuermagie-ins-jahr-der-schlange\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":536,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[563,565,581],"tags":[55047,52242,55049,55050,55048,55046],"class_list":["post-535","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-erlebnis","category-gastland","category-geschichte","tag-drache","tag-hongkong","tag-new-years-parade","tag-peak-tram","tag-skyline","tag-spring-festival"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=535"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":540,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/535\/revisions\/540"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media\/536"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=535"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=535"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}