{"id":361,"date":"2013-01-12T20:11:39","date_gmt":"2013-01-12T19:11:39","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=361"},"modified":"2013-01-16T05:03:00","modified_gmt":"2013-01-16T04:03:00","slug":"wettlauf-um-ein-weihnachtswunder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/","title":{"rendered":"Wettlauf um ein Weihnachtswunder"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sieben Freiwillige. Sechs Tage bis zur Deadline. Drei Transportmittel. Ein Ziel: gemeinsam Weihnachten unter den Palmen in Sanya feiern.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_349\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_1946\/\" rel=\"attachment wp-att-349\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-349\" class=\"size-medium wp-image-349\" alt=\"SAM_1946\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1946-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1946-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1946-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1946.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-349\" class=\"wp-caption-text\">Am Strand in Sanya<\/p><\/div>\n<p>Der Wind rauscht angenehm durch die Palmbl\u00e4tter \u00fcber mir und r\u00fcttelt schwach an den noch gr\u00fcnen Kokosn\u00fcssen. Etwas entfernt brechen sich die Wellen sch\u00e4umend am Strand. Nur kurz wird die Sonne verdeckt, allerdings nicht von einer Wolke, sondern von der millionenschweren Wampe eines russischen Touristen, der sich an mir vor\u00fcberschiebt. In der N\u00e4he lassen sich Flo und Simon von den ersten Schwimmz\u00fcgen im salzigen Nass trocknen. Zufrieden graben sich meine H\u00e4nde in den weichen, warmen Sand. Weihnachten kann kommen, denke ich und f\u00fchle, wie die Wuhaner K\u00e4lte allm\u00e4hlich von mir weicht. Doch pl\u00f6tzlich \u2013 Handyklingeln. Sandra! Sicher will sie uns nur sagen, dass sie jetzt im Zug nach Hainan sitzt, nicht wahr? \u201eFranzi, Maurice und ich sitzen in Guangzhou fest. Damit wir es noch irgendwie rechtzeitig nach Sanya schaffen, m\u00fcsste schon ein Wunder geschehen!\u201c<\/p>\n<p><strong>Vier Tage zuvor: 18. Dezember &#8211; noch sechs Tage bis Heiligabend<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wuhan, am Abend.<\/strong> Endlich ist es entschieden: wir werden unsere hart erk\u00e4mpften Weihnachtsferien in Sanya verbringen. Sanya, das ist die Hauptstadt der s\u00fcdlichsten Insel Chinas, ein recht tropischer und recht touristischer Flecken Erde. Bis zu 30 Grad k\u00fcndigt der Wetterbericht f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage an. F\u00fcr jemanden wie mich, der normalerweise jedes Jahr auf wei\u00dfe Weihnachten hofft, nicht unbedingt die idealen Voraussetzungen, um in Weihnachtstimmung zu kommen. Eigentlich braucht man dazu ein paar h\u00fcbsch dekorierte Marktst\u00e4nde, einen hei\u00dfen Gl\u00fchwein in der Hand und d\u00e4mmerige Abende, die man bei Kerzenschein und Pl\u00e4tzchen vor dem prasselnden Kaminfeuer verbringt, w\u00e4hrend die Welt drau\u00dfen vom ersten Schneegest\u00f6ber eingeh\u00fcllt wird.<\/p>\n<p>Nachdem ich jedoch meine letzten Pl\u00e4tzchen verputzt hatte, wurde das mit der weihnachtlichen Atmosph\u00e4re in Wuhan eher problematisch. Zwar wird man an jeder Ecke von blechern klingenden Weihnachtsliedern beschallt, aber \u201eIt\u2019s Christmas in my Heart\u201c h\u00f6re ich schon st\u00e4ndig, seit ich in der Stadt angekommen bin. Die Plastik-Tannenb\u00e4ume blitzen und blinken ebenso neonfarben wie die Leuchtreklame an den W\u00e4nden der Hochh\u00e4user und machen mehr Lust auf eine Rave-Party als auf besinnliche Stunden. Also dachten wir uns: wenn Weihnachten schon anders wird, kann es auch gleich richtig anders werden. Nach einigem Hin und Her, dutzenden E-Mails und Doodle-Umfragen fanden sich schlie\u00dflich sieben Teilnehmer am Experiment \u201eWeihnachten in Warmen\u201c und wir konnten endlich unsere Fl\u00fcge buchen. Fehlt nur noch eins \u2013 eine geeignete Unterkunft. Leichter gesagt als gefunden.<\/p>\n<p>\u201eNur im Stall, bei Ochs und Esel war noch Platz.\u201c Unwillk\u00fcrlich zuckt mir dieser Satz, den ich erst vor Kurzem meinen Sch\u00fclern vorgelesen habe, durch den Kopf. Seit Stunden durchforsten Flo und ich nun schon ein Online-Buchungs-Portal f\u00fcr Hostels und langsam schwindet die Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluss unserer Mission. Wer h\u00e4tte gedacht, dass so viele Menschen mit uns nach Sanya reisen wollen, obwohl Weihnachten nicht einmal ein offizieller Feiertag in China ist? Kaum finden wir einen m\u00f6glichen Kandidaten, m\u00fcssen wir feststellen, dass dort \u2013 oh Wunder \u2013 noch genau sechs Betten frei stehen. Der n\u00e4chste, bitte. Strandlage, g\u00fcnstige Preise, noch nicht ausgebucht. Mission erfolgreich? Leider nicht, denn das Geb\u00e4ude wird irgendwo im Nirgendwo von teuren Luxushotels ges\u00e4umt, fernab von jeder M\u00f6glichkeit, billig zu essen. Schade. Warum haben wir uns nicht fr\u00fcher darum gek\u00fcmmert? Doch pl\u00f6tzlich scheint die perfekte Location gefunden. Das \u201eCaptain\u2019s House\u201c bietet g\u00fcnstige \u00dcbernachtungsgelegenheiten, sowohl Strand als auch die Innenstadt sind innerhalb k\u00fcrzester Zeit erreichbar und da Beste \u2013 direkt an das Hostel schlie\u00dft sich eine Fischersiedlung mit authentischen Restaurants ohne Touristenpreise an. Zu sch\u00f6n, um wahr zu werden. Als Chang E f\u00fcr uns dort anruft, wird uns gesagt, dass das Hostel auf Wochen hin ausgebucht ist. Sh***.<\/p>\n<p>Mit der Zeit beginnt sich das B\u00fcro zu leeren und gleichzeitig schwinden auch die letzten Auswahlm\u00f6glichkeiten. Was nun? Die Fl\u00fcge sind bereits gebucht, es gibt kein Zur\u00fcck mehr. Als das Licht im Lehrerzimmer ausgeht, m\u00fcssen wir uns niedergeschlagen verabschieden. In meinem Zimmer, das mittlerweile endlich \u00fcber einen Internetanschluss verf\u00fcgt, wage ich ohne gro\u00dfe Hoffnungen noch einen letzten Versuch auf einer anderen Website \u2013 und traue meinen Augen kaum. Auf dem Bildschirm steht tats\u00e4chlich in wunderbar gr\u00fcnen Lettern, dass im Captain\u2019s House noch genau sieben Betten freistehen. Aber meinte der Hostelbesitzer am Telefon nicht, dass sie auf Wochen\u00a0 &#8211; ach, egal! Jetzt nur keine Zeit verlieren! Schnell mit Flo die frohe Kunde geteilt, die Formalit\u00e4ten ausgef\u00fcllt und die Buchung abgeschickt! Geschafft! Um ein Uhr nachts endet f\u00fcr mich und den Rest der Wuhan-Crew offiziell der Weihnachts-Stress. F\u00fcr die anderen f\u00e4ngt er leider gerade erst an.<\/p>\n<p><strong>21. Dezember \u2013 noch drei Tage bis Heilig Abend<\/strong><\/p>\n<p><strong>Jinhua, am Abend.<\/strong> Mit einer halben Stunde Versp\u00e4tung rollt der Zug im Bahnhof ein. Kein Problem, so leicht l\u00e4sst sich Franzi nicht aus dem inneren Gleichgewicht bringen. Siebzehn Stunden im Hard-Sleeper-Abteil liegen vor ihr. Kinderspiel! F\u00fcr ihr Langzeitprojekt ist sie bereits kreuz und quer durch ganz China gereist, von den paar St\u00fcndchen auf einem harten Bett umgeben von dutzenden Fremden kann man Franzi kaum noch einsch\u00fcchtern. Noch wei\u00df sie nicht, dass die bisher anstrengendste Reise noch vor ihr liegt.<\/p>\n<p><strong>Wuhan, am Abend.<\/strong> Gut gelaunt sehe ich zu, wie mein Koffer auf dem F\u00f6rderband davonf\u00e4hrt. Beim Check In hat es keine Probleme gegeben und nun bin ich das unhandliche Ding endlich los! Aber ein bisschen komisch f\u00fchlt es sich trotzdem an, nur mit ein paar T-Shirts, kurzen Hosen und Badesachen zu loszuziehen. So ganz kann ich es noch gar nicht glauben, dass es in Sanya so warm sein wird, dass ich meine frisch ersteigerten Winterkleider in Wuhan zur\u00fccklassen darf. Wir werden ja sehen. Weiter geht es zur Passkontrolle und zum Durchleuchtet werden. Seltsam. Das letzte Mal, als ich diese Prozedur vor einem Flug \u00fcber mich ergehen lassen musste, war ich furchtbar aufgeregt und abschiedsschmerzgeplagt. Alles, was ich nun empfinde, als ich Flo und Simon durch die Lichtschranke folge, ist die wachsende Vorfreude auf eine Reise mit meinen Freunden. Viel angenehmer!<\/p>\n<p>Ein wenig sp\u00e4ter nehmen wir in unserem Flugzeug Platz und ich sch\u00e4le mich aus meinen beiden Jacken. Die werde ich f\u00fcrs Erste hoffentlich nicht mehr so schnell wieder anziehen m\u00fcssen. Bald darauf setzt sich die Maschine in Bewegung und hebt ab in den wolkenverhangenen Nachthimmel, weg vom kalten, verregneten Wuhan einer Woche Sonnenschein entgegen.<\/p>\n<p>Auf Flugh\u00f6he angelangt mache ich eine gar schreckliche Entdeckung: das Einzige, was w\u00e4hrend der Reise zu essen gibt, ist eine Packung Erdn\u00fcsse f\u00fcr jeden Gast. Dabei liebe ich doch den \u00fcbersalzenen, feins\u00e4uberlich in \u00fcbertrieben vielen Plastikt\u00fcten eingeschwei\u00dften Flugzeug-Fra\u00df! Die eher d\u00fcrftige Mahlzeit kommt mir jedoch nur zugute, denn pl\u00f6tzlich dreht sich mein Magen um. Nicht jedoch, weil die Maschine ein ungewolltes Kunstst\u00fcck vollf\u00fchrt, sondern weil sich hinter uns jemand ganz leidenschaftlich aufst\u00f6\u00dft und sich lautstark von seinem Nasenschleim befreit. An das st\u00e4ndige Ausspucken werde ich mich wohl nie gew\u00f6hnen und wenn es noch so reinigend f\u00fcr den K\u00f6rper sein soll! Aber wo, zum Geier, hat der das denn jetzt hingespuckt? Doch nicht etwa auf den Gang, oder? Flo deutet mit \u00e4hnlich angewidert verzogener Miene auf die T\u00fcten hin, die vor uns in jedem Sitz klemmen. In China erh\u00e4lt das Wort \u201eSpuckt\u00fcte\u201c eine v\u00f6llig neue Bedeutung!<\/p>\n<p>Nachdem wir den Flug heil \u00fcberstanden haben, ohne selbst Gebrauch von einer solchen T\u00fcte machen, sammeln wir unser Gep\u00e4ck ein und machen uns auf den Weg in Richtung Taxi-Wartestreifen. Als wir das Flughafen-Geb\u00e4ude verlassen, scheint sich die Temperatur kaum zu \u00e4ndern. Mitten in der Nacht warten wir tats\u00e4chlich bei angenehmen 22 Grad auf Taxi, umgeben von Palmen und chinesischen Touristen in Hawaii-Outfit und Sonnenhut. Kaum zu glauben, dass ich vor wenigen Stunden meine F\u00fc\u00dfe vor lauter K\u00e4lter nicht mehr sp\u00fcrte! Jetzt w\u00fcrde ich am liebsten auf der Stelle meine Schuhe ausziehen und barfu\u00df weiterlaufen. Oder vielleicht auch nicht, denn der Boden ist \u00fcbers\u00e4t von seltsamen r\u00f6tlichen, breiigen Spritzern. Hat da etwa jemand die Erdn\u00fcsse nicht vertragen?<\/p>\n<p>\u201eTaxi?\u201c Auf einmal blicke ich in das grinsende Gesicht eines braungebrannten Einheimischen, der mit seinem Autoschl\u00fcssel wedelt \u2013 und zucke erschrocken zusammen. Seine Z\u00e4hne, die auf irgendetwas herum kauen, sind tiefrot eingef\u00e4rbt! Wie kann der noch so fr\u00f6hlich lachen, obwohl er sich gerade offenbar ordentlich gepr\u00fcgelt hat? Verwundert blicke ich zu den Wachm\u00e4nnern, die die kofferschleppenden Urlauber in die Warteschlange einweisen. Auch ihre Z\u00e4hne leuchten rot. Hat es hier gerade eine Massenschl\u00e4gerei gegeben? \u201eBeteln\u00fcsse.\u201c, lautet Flos Erkl\u00e4rung f\u00fcr das merkw\u00fcrdige Ph\u00e4nomen. Wie ich anschlie\u00dfend erfahre, sind die Fr\u00fcchte das Lieblingssuchtmittel der Bewohner von Hainan. Man kaut sowohl die Bl\u00e4tter als auch die N\u00fcsse, was leicht bewusstseinserweiternd wirkt und die charakteristische F\u00e4rbung verursacht. Die Reste werden anschlie\u00dfend nat\u00fcrlich einfach auf den B\u00f6den gespuckt, sodass die Stra\u00dfen von Sanya wunderbar illustrieren, wie gerne man in China spuckt.<\/p>\n<p>Und von einem Typen, der vermutlich unter Dauereinfluss der N\u00fcsse steht, werden wir jetzt zu unserem Hostel gebracht? Egal, uns bleibt sowieso keine andere Wahl und so genie\u00dfe ich entspannt den frischen Wind, der mir bei unserer Fahrt durch das n\u00e4chtliche Sanya entgegenschl\u00e4gt. Ein wenig entfernt vom Trubel der Innenstadt h\u00e4lt das Taxi schlie\u00dflich auf einer Anh\u00f6he an. Vor uns ragen die dunklen Silhouetten von zwei bewaldeten H\u00fcgeln in den Himmel, zu unserer Linken spiegelt sich hinter einigen Luxushotels der Mond in der Meeresbucht. Wir biegen jedoch rechts in eine kleine Stra\u00dfe ein, die den Hang hinunterf\u00fchrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_356\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_1964\/\" rel=\"attachment wp-att-356\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-356\" class=\"size-medium wp-image-356 \" alt=\"SAM_1964\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1964-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1964-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1964-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_1964.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-356\" class=\"wp-caption-text\">Das Captain&#8217;s House<\/p><\/div>\n<p>Dort steht es, das Captain\u2019s House, ein kleines blaues Geb\u00e4ude, das mit seiner spitz zulaufenden Terrasse ein bisschen an ein gestrandetes Schiff erinnert. Ein bisschen mulmig ist mir zumute, als wir dort eintreten, da die Rezeption schon lange geschlossen hat. Doch Tom, der mit seinem Bruder Robert das Hostel f\u00fchrt, empf\u00e4ngt uns l\u00e4chelnd im Schlafanzug und zeigt uns unser Dormitory in bestem Englisch. M\u00fcde, aber gl\u00fccklich klettere ich schlie\u00dflich in mein Hochbett und schlafe \u00fcber der Vorfreude auf den ersten Tag am Strand ein.<\/p>\n<p><strong>22. Dezember \u2013 noch zwei Tage bis Heilig Abend<\/strong><\/p>\n<p><strong>Guangzhou, am Morgen.<\/strong> Etwas benommen steigt Franzi aus dem Zug. Die Nacht war nicht sonderlich angenehm, aber nur eine von vielen. Menschenmassen tragen sie aus dem Bahnhofsgeb\u00e4ude, wo der wei\u00dfe, vom Dunst verschleierte Himmel ihre m\u00fcden Augen blendet. In zwei Stunden wird sie sich mit Maurice treffen, aber bis dahin muss sie die Zeit noch irgendwie totschlagen. Na dann, munter auf die Suche nach einem gem\u00fctlichen Ort mit einer Steckdose f\u00fcr den Laptop! Bei McDonald\u2019s und KFC wird offenbar f\u00fcrs Burgerbraten schon genug Strom verbraucht, denn nirgends findet sich ein Pl\u00e4tzchen f\u00fcr Franzis Notebook. Bis ihr ein netter Mitarbeiter endlich den Weg zum n\u00e4chsten Starbucks erkl\u00e4rt. Es ist der vorerst letzte hilfsbereite Chinese, dem Franzi begegnet.<\/p>\n<p>Als sie das Caf\u00e9 betritt, wird sie von verf\u00fchrerischem Kaffeeduft und weihnachtlicher Jazz-Musik empfangen. Endlich ein bisschen Entspannen. In den folgenden Minuten darf der Wachmann alle m\u00f6glichen Gef\u00fchlsextreme mitverfolgen, da sich die Ausl\u00e4nderin mit dem Laptop dazu entschlossen hat, den Film \u201eHachiko\u201c anzusehen. Als die Tr\u00e4nen haltlos ihr Gesicht herabrinnen, \u00f6ffnet sich pl\u00f6tzlich die T\u00fcre. Strahlend wie immer betritt Maurice den Raum und erl\u00f6st Franzi f\u00fcrs Erste gut gelaunt von der emotionalen Achterbahnfahrt. Beide sind sich einig: bevor sie ihren Zug nach Sanya nehmen, muss etwas zu essen her. Also schnell den Rucksack aufgeschnallt und los geht es hinaus in die reale emotionale Achterbahnfahrt.<\/p>\n<p>Ausger\u00fcstet mit ein bisschen Proviant von einem Stra\u00dfenstand kommen Franzi und Maurice am Bahnhof an \u2013 und erleben den ersten Schock ihrer gemeinsamen Reise. Der Zug, der sie eigentlich ins Warme bringen soll, blinkt rot auf der Anzeigetafel. Sh***, der Zug wird nicht fahren. Aber warum nur? Auch in der Tickethalle m\u00f6chte ihnen niemand den Grund f\u00fcr den Ausfall erkl\u00e4ren. Erst durch einige weiter Opfer des ausgefallenen Zuges erfahren die beiden, dass ein Taifun vor der K\u00fcste Hainans das \u00dcbersetzen auf die Insel verhindert. Was nun? Zwei Tage bleiben noch, um rechtzeitig anzukommen. Und die wollen genutzt werden.<\/p>\n<p>Mit dem gesamten Reisegep\u00e4ck auf dem R\u00fccken verlassen die Freunde den Bahnhof und st\u00fcrzen sich in das f\u00fcr tropische Verh\u00e4ltnisse ungewohnt kalte Guangzhou. Die Zugtickets sind schnell zur\u00fcckerstattet, aber nun wird es kompliziert. Internet muss her, m\u00f6glichst schnell, damit die beiden einen billigen Flug buchen k\u00f6nnen. Leider wei\u00dft ihnen dieses Mal kein netter Angestellter den richtigen Weg. Stattdessen m\u00fcssen sie eine geschlagene Stunde gegen unnachl\u00e4ssigen Wind ank\u00e4mpfen und werden von den ahnungslosen Leuten auf der Stra\u00dfe in alle m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Richtungen geschickt. Bis sie schlie\u00dflich unverhofft in einer sogenannten Wang Ba, einem Internet-Caf\u00e9 landen.<\/p>\n<p>Darunter darf man sich aber kein nettes Pl\u00e4tzchen vorstellen, wo man bei einer dampfenden Tasse Cappuccino und Launch-Musik seine Bachelor-Arbeit weitertippen kann. Stattdessen finden sich Franzi und Maurice in einem abgedunkelten Raum wieder, in dem man so wenig Zeit wie m\u00f6glich verbringen m\u00f6chte, da er dem Besucher die Lebensenergie zu entziehen scheint. Im Zwielicht sitzen reihenwei\u00dfe kettenrauchende Spiels\u00fcchtige, deren Gesichter kr\u00e4nklich von den breiten Bildschirmen beleuchtet werden. Durch ihre Headphones vom echten Leben abgeschirmt, haben manche von ihnen schon mehrere Tage ohne zu schlafen in der Internet-H\u00f6lle verbracht und ballern sich durch virtuelle Welten. Ihre ger\u00f6teten, blutunterlaufenen Augen starren willenlos auf den Monitor und nehmen keinerlei Notiz davon, dass sich gerade zwei Ausl\u00e4nder an ihnen vorbeidr\u00e4ngen. Selten haben sich die Freiwilligen so fehl am Platz gef\u00fchlt. Egal, was tut man nicht alles, um ans Ziel zu gelangen! Aber selbst nach intensiver Suche sind sie dem Ziel noch immer nicht n\u00e4her. Es gibt einfach keine preislich halbwegs akzeptablen Fl\u00fcge mehr! Niedergeschlagen rei\u00dfen sich die beiden von dem Computer los und eilen schleunigst aus der Wang Ba. Gerade noch rechtzeitig, um mitzuerleben, wie der v\u00f6llig wahnsinnig gewordene Zocker in der Ecke hysterisch zu lachen beginnt, w\u00e4hrend sein Alter Ego massenweise Menschen abmetzelt.<\/p>\n<p><strong>Auf der anderen Seite der Stadt, am Morgen.<\/strong> Zwei verpasste Anrufe blinken auf dem Handy, als Sandra aufwacht. Maurice und Franzi. Besorgt w\u00e4hlt Sandra die R\u00fcckruftaste und erf\u00e4hrt die unabdingbare Hiobsbotschaft. Keine Z\u00fcge nach Sanya. Einige Zeit sp\u00e4ter folgt die n\u00e4chste b\u00f6se \u00dcberraschung. Auch um die Fl\u00fcge steht es schlecht. Also bietet sie den anderen Gestrandeten wenigstens an, die Nacht bei ihr zu verbringen, um am n\u00e4chsten Tag weiter zu planen.<\/p>\n<p>Irgendwann am Nachmittag erreichen Franzi und Maurice endlich Sandras Wohnung. Der R\u00fccken schmerzt, die Kr\u00e4fte schwinden. Schweren Herzens ruft Sandra die anderen, bereits am Strand in der Sonne liegenden Freiwilligen an und verk\u00fcndet ihnen die schlechten Nachrichten. Um ein wenig Abstand von den deprimierenden Ereignissen der vergangenen Stunden zu bekommen, l\u00e4dt sie ihre Freunde auf die Lehrer-Weihnachtsfeier ihrer Schule ein. In einem exklusiven Restaurant tanken sie bei allerlei leckeren Gerichten und Karaoke wieder ein wenig Energie. Wirklich genie\u00dfen kann Franzi das Spektakel allerdings nicht, denn die Zeit tickt und im Ungewissen zu h\u00e4ngen ohne voranzukommen f\u00fchlt sich fast so schlimm an wie planlos durch Guangzhou zu laufen. Hoffentlich wird der n\u00e4chste Tag erfolgreicher verlaufen!<\/p>\n<p><strong>23. Dezember \u2013 noch ein Tag bis Weihnachten<\/strong><\/p>\n<p><strong>Guangzhou, am Morgen.<\/strong> Franzi hat das Weckerklingeln regelrecht sehns\u00fcchtig erwartet. Die Nacht war kurz und wenig erholsam auf der Campingliege, aber das h\u00e4lt sie nicht davon ab, mit den anderen schnellstm\u00f6glich zur Ticket-Office zu spurten. Doch der Wind wird ihnen abrupt aus den hoffnungsvoll gehissten Segeln genommen. Nicht einmal Stehtickets will man ihnen verkaufen. Wunderbar. Nun sitzen die drei wohl wirklich in Guangzhou fest. Resigniert schauen sich Franzi und Maurice in die Augen. Ein letzter Funken Kampfgeist erstrahlt in ihnen. Ruhig Blut, letzte Reserven b\u00fcndeln und erst einmal zu McDonald\u2019s, um einen Notfall-Plan zu erstellen. Gibt es \u00fcberhaupt noch eine realistische Alternative, rechtzeitig ans Ziel zu gelangen?\u00a0 Ein Taxi \u00fcberfallen und den Fahrer dazu zwingen, 900 Kilometer nach Sanya zu fahren! Waffen kaufen, ein Schiff kapern und selbstst\u00e4ndig \u00fcbersetzen. Ob Kulturweit solche Freiwilligen-Projekte akzeptieren wird? Wohl eher nicht. Innerlich kochend vor Wut \u00fcber die Ausweglosigkeit der Situation beginnt Franzi, eine SMS zu tippen, in der sie all ihren \u00c4rger b\u00fcndelt.<\/p>\n<p><strong>Sanya, am Vormittag.<\/strong> Eine sommerliche Brise weht \u00fcber den kleinen Balkon des Hostels in den mit Matratzen ausgelegten Aufenthaltsraum. Endlich auf Hainan!, denkt Julian, dessen\u00a0 Maschine in der vorigen Nacht auf der Insel gelandet ist. W\u00e4hrend sich manch anderer Freiwillige noch um den wohlverdienten Sonnenbrand k\u00fcmmert, macht er sich bereits \u00fcber Toast und Spiegeleier her. Strahlend wie immer reicht Robert ihm seinen Kokosnuss-Kaffee. Kai meinte ja, der solle wohl recht lecker schmecken. Tats\u00e4chlich, echt nicht schlecht, diese Kombination. Zufrieden an der Tasse nippend holt Julian sein Handy hervor \u2013 und staunt nicht schlecht \u00fcber die geballte Ladung an Frust, die ihm da entgegen geschleudert wird. \u201eSo eine verdammte ***. Wir haben alles, aber auch alles versucht. Ich bin 17 Stunden nach Guangzhou gefahren, um einen Tag herumzuirren bei *** Wind und *** Menschen, die uns in falsche Richtungen schicken, obwohl wir doch nur nach Sanya wollen. Diese (hier bitte besonders kreativen Kraftausdruck einf\u00fcgen) wollen uns Weihnachten versauen!\u201c<\/p>\n<p>Ach du liebe Zeit, da ist ja echt alles schief gelaufen, was nur schieflaufen kann. Besorgt erz\u00e4hlt Julian den anderen von Franzis Nachricht. Welchen halbwegs guten, hilfreichen Ratschlag kann man wohl darauf nur geben? Ein ums andere Mal h\u00e4lt Tom den Tipp des Tages bereit: Wie w\u00e4re es mit einem Fernbus?<\/p>\n<p><strong>Guangzhou, am Mittag.<\/strong> Von neuer Hoffnung angetrieben kehren die drei Festsitzenden zur\u00fcck in Sandras Wohnung, um das Reisegep\u00e4ck aufzuschnallen. Auf gut Gl\u00fcck nat\u00fcrlich. Aber man wei\u00df ja nie. Anschlie\u00dfend hasten die Freunde ein letztes Mal zum Bahnhof, nur f\u00fcr den Fall, dass vielleicht wenigstens Sandras Zug wie geplant eintreffen wird. Doch selbst am Ticketschalter und im Infocenter wei\u00df keiner dar\u00fcber Bescheid. Nur die Putzfrau ist felsenfest \u00fcberzeugt: der Zug f\u00e4hrt. Immerhin etwas. Leider will man ihnen auch daf\u00fcr keine zwei zus\u00e4tzlichen Fahrscheine verkaufen. Nicht mal auf dem Gang m\u00f6chte man Maurice und Franzi mitfahren lassen. Wenig f\u00f6rderlich f\u00fcr die allgemeine Stimmung.<\/p>\n<p>Letzte Chance: der Fernbus! Aber wo befindet sich nur der Kartenschalter? Ein scheinbar wissender Chinese f\u00fchrt die drei mitten \u00fcber eine stark befahrene Stra\u00dfe durch mehrere Hausflure bis zu einer dubiosen Garage in einem Hinterhof. Sehr vertrauensw\u00fcrdig! Ob der Typ wohl richtig verstanden hat, was die drei kaufen wollen? Eher nicht. Nichts wie zur\u00fcck zum Hauptbahnhof \u2013 und siehe da, dort befindet sich der richtige Schalter. Warum hat den nur vorher niemand gesehen? Das Schicksal scheint heute echt zu Scherzen aufgelegt! Jetzt muss es dort nur noch Tickets geben. Oh Wunder, es sind welche \u00fcbrig. Aber halt, das w\u00e4re doch ein wenig zu einfach gewesen! Zwei Tickets, mehr geht nicht! Verflucht!<\/p>\n<p>Sandra fasst eine Entscheidung: sie \u00fcberl\u00e4sst den beiden anderen die Fahrscheine. Immerhin besitzt sie ein g\u00fcltiges Zugticket und die Aussage der Putzfrau, woher auch immer die so genau Bescheid \u00fcber die Fahrpl\u00e4ne wei\u00df.<\/p>\n<p>So verabschiedet sich Sandra mit einem unguten Gef\u00fchl im Magen von Franzi und Maurice und l\u00e4uft zum Bahnsteig. Nun wird sich zeigen, wer auf das richtige Pferd bzw. Transportmittel gesetzt hat! Wird die mysteri\u00f6se Putzfrau recht behalten? Wenigstens steht der Zug auf der Anzeigetafel angeschrieben. Und tats\u00e4chlich: mit der gewohnten halben Stunde Versp\u00e4tung trifft Sandras einzige M\u00f6glichkeit, Weihnachten in Sanya zu verbringen, im Bahnhof ein. Ist das Schlimmste \u00fcberstanden? Weit gefehlt! Ihr winziges Pl\u00e4tzchen im Hard-Seat-Abteil muss sie sich mit ihrem Koffer und ihrer Handtasche teilen und am Gang rennen st\u00e4ndig Leute an ihr vorbei. Der Vorsatz, sich w\u00e4hrend der Reise von den Strapazen des Tages zu erholen scheitert hoffnungslos.<\/p>\n<p>Aber \u2013 es geht voran! Raus aus Guangzhou der S\u00fcdk\u00fcste entgegen! Bis der Waggon mitten in der Nacht irgendwo in der Pampa stehen bleibt. Ein \u00dcberfall? Nach zwei Stunden angespannten Wartens setzt sich das Abteil auf einmal wieder in Bewegung. \u00dcber eine Stahlbr\u00fccke geht es in den Bauch einer riesigen F\u00e4hre! Deshalb werden auf den Karten im Internet also keine Br\u00fccken zwischen Hainan und dem Festland angezeigt. Es gibt n\u00e4mlich einfach keine. Wer mit dem Zug zur Insel will, wird am Hafen in ein Schiff verladen. So zerlegt man den gesamten Zug in drei Teile und schraubt das Ganze auf dem Boden des gigantischen Frachtraums fest. Aufs Deck laufen, um die Aussicht zu genie\u00dfen darf aber niemand. Stattdessen muss Sandra auf ihrem \u00e4u\u00dferst bequemen Sitz ausharren, ohne dass sich zumindest optisch etwas \u00e4ndert. Doch pl\u00f6tzlich heulen die Triebwerke auf und alles beginnt zu schwanken. Man f\u00fchlt also, dass man sich auf einem Schiff befindet, ohne es jemals wirklich zu sehen. Und trotzdem, auch wenn Sandra unter Deck keinerlei \u00dcberblick \u00fcber die Au\u00dfenwelt hat, wei\u00df sie doch, dass Sanya immer n\u00e4her kommt! Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie die anderen endlich wiedersehen darf.<\/p>\n<p><strong>Zur\u00fcck in Guangzhou, am Nachmittag.<\/strong> Erwartungsvoll steigen Maurice und Franzi in den hart erk\u00e4mpften Fernbus, in dem sich drei enge Reihen Doppelstockbetten vor ihnen erstrecken. Am Ende eines Labyrinths aus Koffern, Taschen und ausgestreckten Beinen erwarteten sie ihre eigenen h\u00f6chst komfortablen Holzbetten, auf denen sie ihr gesamtes Gep\u00e4ck abstellen m\u00fcssen. Ratternd f\u00e4hrt der Bus an. Was blubbert denn da so seltsam aus der Fahrerrichtung? Perplex sieht Franzi dabei zu, wie der Busfahrer sich eine selbstgebastelte Bong anz\u00fcndet und mit seinen beiden Kumpels lachend einen Zug nach dem anderen nimmt. Oh nein, auf was hat sie sich da nur eingelassen? Leider war das erst der Anfang.<\/p>\n<p>Nach mehreren lebensgef\u00e4hrlichen \u00dcberholman\u00f6vern und dubiosen Rasten h\u00e4lt der Bus schlie\u00dflich auf einem Schlachthof an. In der Dunkelheit der Nacht jaulen Hunde herzerweichend und Kisten, die verd\u00e4chtig nach gammligem Fleisch stinken, werden in den Gep\u00e4ckraum geladen. Was geht hier nur vor? Trotz der Absurdit\u00e4t der Situation fallen die beiden \u00fcberanstrengten Reisenden in einen unruhigen Schlaf.<\/p>\n<p>Um 1.30 Uhr werden Maurice und Franzi pl\u00f6tzlich unsanft aus den fiebrigen Tr\u00e4umen gerissen. Der Bus bremst abrupt ab, ohne Vorwarnung geht das Licht an und zu allem \u00dcberfluss schreit der Busfahrer aggressive Kommandos in den Schlafraum hinein. Alles st\u00fcrmt nach drau\u00dfen und muss sich dort milit\u00e4risch in zwei Reihen aufstellen. Eisige K\u00e4lte l\u00e4sst Franzis erm\u00fcdete Glieder erzittern. Zu ihrer Linken klatschen die Wellen des Meeres an den Kai. Tickets werden ihnen in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt und im n\u00e4chsten Moment werden die Passagiere von ihren Sklaventreibern in eine Halle gelotst. Zehn Minuten herrscht eine angespannte Ruhe vor dem Sturm. Dann bricht das totale Chaos los. Die gestresste Menge rennt in Richtung Ausgang, mitten unter ihnen zwei arme Freiwillige, die sich f\u00fchlen wie der Sektkorken in der Flasche.<\/p>\n<p>Von gebr\u00fcllten Befehlen begleitet str\u00f6men die Reisenden auf eine F\u00e4hre, wo man sie in einer weiteren Halle zusammendr\u00e4ngt. Lautsprecher, die ein ohrenbet\u00e4ubendes Informationsgewirr verk\u00fcnden und die grelle, unnat\u00fcrliche Beleuchtung lassen die ganze Szenerie beinahe surreal erscheinen. Maurice und Franzi retten sich ersch\u00f6pft an die Reling und sehen zu, wie die K\u00fcste von der Nacht verschluckt wird. Hoffentlich f\u00e4hrt das Schiff \u00fcberhaupt nach Hainan und nicht auf einen illegalen Sklavenmarkt!<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden setzen die Triebwerke aus. Kein Land in Sicht. Wie beruhigend. V\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet gehen die beiden zur\u00fcck in die laute Halle und kauern sich in eine Ecke. Komaschlaf \u00fcbermannt sie in Sekundenschnelle.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich wacht Maurice erschrocken auf. Irgendetwas stimmt nicht \u2013 und es wird schnell klar, was. Die gesamte Halle ist leergefegt. Zu Tode geschockt sprinten die Freunde hinunter in den ge\u00f6ffneten Frachtraum, wo gerade die Motoren dutzender Motoren aufheulen. Wo zum Geier steckt ihr Bus? Sie sind jetzt so weit gekommen, man kann sie doch jetzt nicht einfach hier zur\u00fccklassen! Ihr ganzes Gep\u00e4ck befindet sich schlie\u00dflich noch da drin! Geh\u00f6rt das etwa alles zum Plan? Oh nein, die ersten Busse und LKWs setzen sich bereits in Bewegung! Mit bis zum Halse klopfenden Herzen st\u00fcrzen sich die beiden ins Chaos. So schnell wie m\u00f6glich zw\u00e4ngen sie sich an anfahrenden Unget\u00fcmen vorbei und werden von ihrem giftigen Qualm eingeh\u00fcllt. Ein falscher Schritt und sie werden von den R\u00e4dern dieser l\u00e4rmenden Monster zerquetscht. Panik und Todesangst schn\u00fcrt Franzi die Kehle zu, w\u00e4hrend sie durch den nebeligen, quietschenden, hupenden Irrgarten rast. Sonnenschein. Sie haben es nach drau\u00dfen geschafft! Wer br\u00fcllt denn da so? Der Busfahrer! Dem Himmel sei Dank! Nichts wie rein ins Fahrzeug! Jetzt m\u00fcssen sie nur noch die letzten f\u00fcnf Stunden \u00fcberstehen.<\/p>\n<p><strong>24. Dezember \u2013 Heilig Abend\u00a0<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_355\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2170\/\" rel=\"attachment wp-att-355\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-355\" class=\"size-medium wp-image-355\" alt=\"SAM_2170\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2170-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2170-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2170-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2170.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-355\" class=\"wp-caption-text\">Auf dem schicksalhaften Busbahnhof in Sanya<\/p><\/div>\n<p><strong>Sanya, am Morgen.<\/strong> Nach neunzehn vollkommen abgedrehten Stunden stolpern Maurice und Franzi aus dem Bus. Ger\u00e4dert und mit Tr\u00e4nen in den Augen schreit Franzi in einem letzten, wohlverdienten Gef\u00fchlsausbruch das in der Ferne verschwindende H\u00f6llenfahrzeug an. Die beiden k\u00f6nnen es kaum fassen \u2013 sie sind endlich in Sanya. Am 24. Dezember kommen sie endlich an.<\/p>\n<p>Um 8 Uhr morgens vibriert mein Handy. Pl\u00f6tzlich hellwach sch\u00e4le ich mich aus dem Bett in unserem wundersch\u00f6n rosa gestrichenen Dormitory und renne gespannt die Treppe zur Rezeption hinunter. Unten auf dem Sofa vor der ge\u00f6ffneten Eingangst\u00fcr sitzt ein M\u00e4dchen mit einem Koffer und einer Handtasche. \u201eSandra!!!\u201c Strahlend fallen wir uns in die Arme. Unglaublich, dass wir uns nach allem, was geschehen ist, wirklich treffen. Jetzt fehlen nur noch Maurice und Franzi.<\/p>\n<p>Doch nicht mehr lange, denn am Nachmittag werden die beiden tats\u00e4chlich von ihrem Taxi im Captain\u2019s House abgesetzt. Verst\u00e4ndlicherweise wirken sie ein wenig wie zwei Schiffbr\u00fcchige, die nach Wochen auf hoher See endlich das sichere Ufer erreichen, aber die Wiedersehensfreude bleibt ungebrochen. Endlich f\u00e4llt die Anspannung der letzten Tage von uns ab. Sonderlich nervenaufreibend war es ja nicht wirklich f\u00fcr mich, tatenlos mit gebundenen H\u00e4nden am Strand herumzuliegen, mitgefiebert habe ich nat\u00fcrlich trotzdem aufgeregt. Doch wir haben es geschafft \u2013 wie geplant sind alle sieben Freiwilligen im Captain\u2019s House versammelt. Jetzt kann Weihnachten wirklich kommen!<\/p>\n<div id=\"attachment_351\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2082\/\" rel=\"attachment wp-att-351\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-351\" class=\"size-medium wp-image-351\" alt=\"SAM_2082\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2082-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2082-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2082-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2082.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-351\" class=\"wp-caption-text\">Im VIP-Bus<\/p><\/div>\n<p>Als der Abend unseres ersten gemeinsamen Tages \u00fcber Sanya d\u00e4mmert, machen wir uns mit Tom und einigen anderen netten Deutschen, die wir im Hostel kennengelernt haben, auf den Weg in die Innenstadt. F\u00fcr umgerechnet f\u00fcnf Euro ersteigert uns Tom einen VIP-Bus, der uns zu einer riesigen Halle voller Tische und Kochstellen bringt. Hier werden wir also unser Weihnachtsessen einnehmen. Auf meine Verantwortung. Bevor wir aufgebrochen sind, hat Tom mich n\u00e4mlich zum Gruppenleiter ernannt und ich darf nun h\u00f6chst demokratisch die Entscheidungen \u00fcber den Kopf der anderen hinweg f\u00e4llen. Vertrauensvoll dr\u00fccken mir alle Gruppenmitglieder siebzig Yuan in die Hand, mit denen ich dann einkaufen gehen soll. Na, wenn das mal gut geht! Anstatt ganz normal ein paar verschiedene Gerichte zu bestellen, f\u00fchrt mich Tom in den etwas abgeschirmten,\u00a0 hinteren Teil der Halle.<\/p>\n<div id=\"attachment_352\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2085\/\" rel=\"attachment wp-att-352\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-352\" class=\"size-medium wp-image-352 \" alt=\"SAM_2085\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2085-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2085-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2085-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2085.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-352\" class=\"wp-caption-text\">Ein Riesen-Restaurant in einer alten Turnhalle<\/p><\/div>\n<p>Der entpuppt sich als Fischmarkt, auf dem alle nur erdenklichen Meeresbewohner zum Kauf feilgeboten werden. Nat\u00fcrlich lebendig, versteht sich. Und woher soll ich bittesch\u00f6n wissen, was davon lecker schmeckt? Von der Vielfalt etwas erschlagen, laufe ich an einem Aquarium nach dem anderen vorbei. Es hilft alles nichts \u2013 Probieren geht \u00fcber Studieren! Also zeige ich auf gut Gl\u00fcck auf irgendwelche Tierchen und versuche einigerma\u00dfen abzusch\u00e4tzen, wie viel man denn davon braucht. Den gl\u00fccklichen Auserw\u00e4hlten wird allerdings nicht gleich der Hals umgedreht, das w\u00e4re ja langweilig. Stattdessen steckt man sie in einen wassergef\u00fcllten Beutel und \u00fcberl\u00e4sst diesen dann dem K\u00e4ufer. Wie in der Zoohandlung \u2013 mit dem kleinen Unterschied, dass man die Tiere nicht kauft, um sie m\u00f6glichst lange am Leben zu halten. Nach einiger Zeit f\u00e4ngt das Ganze sogar an, mir Spa\u00df zu machen. Ich ziehe fachm\u00e4nnisch an den Tentakeln von auf den Trockenen liegenden Tintenfischen, sch\u00e4tze mit meinem ge\u00fcbten Kennerblick ab, welcher der bunt gef\u00e4rbten Krebse wohl das beste Fleisch hergibt und beschwere mich wissend \u00fcber die viel zu teuren Garnelen.<\/p>\n<div id=\"attachment_353\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2087\/\" rel=\"attachment wp-att-353\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-353\" class=\"size-medium wp-image-353\" alt=\"SAM_2087\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2087-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2087-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2087-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2087.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-353\" class=\"wp-caption-text\">Gef\u00fcllte Seeigel &#8211; weniger spannend, als sie aussehen<\/p><\/div>\n<p>Bevor ich vollends in den Kaufrausch verfalle, steuern wir, \u00fcber und \u00fcber mit zappelnden Beuteln beh\u00e4ngt, eine der Kochstellen an. Dort darf ich noch entscheiden, ob ich die einzelnen Gerichte gebraten, ged\u00e4mpft oder gekocht haben m\u00f6chte und setze mich dann zufrieden zu den anderen an den gro\u00dfen, runden Tisch. Kurze Zeit sp\u00e4ter wird unser Festmahl endlich aufgetischt. Drei Platten Auberginen, Tomaten-R\u00fchrei, zwei Kilo Shrimps, drei Tintenfische, zwei Teller Muscheln, ein gro\u00dfer, undefinierbarer Meeresfisch, vier Seeigel und sechs Krabben t\u00fcrmen sich vor uns zu einem der besten Abendessen meines bisherigen Freiwilligendiensts auf. Zwar vermisse ich bei dem Ganzen ein bisschen meinen traditionellen Weihnachts-Truthahn, doch die geballte Ladung delizi\u00f6ser Meeresfr\u00fcchte vertritt den gef\u00fcllten Puterich ausnehmend gut. Ich h\u00e4tte nie gedacht, das mal zu sagen, aber selbst die Tintenfische zergehen f\u00f6rmlich auf der Zunge. Nicht dass ich jemals ein Problem mit meinen achtarmigen Freunden gehabt h\u00e4tte, versteht sich.<\/p>\n<p>Die folgenden Minuten besch\u00e4ftigen wir uns eingehend damit, dutzende Garnelen zu h\u00e4uten (naja, zumindest diejenigen, die die Geduld daf\u00fcr haben), Krebse auseinanderzunehmen und die \u00fcberraschend unspektakul\u00e4ren Stacheltr\u00e4ger auszul\u00f6ffeln. Als pers\u00f6nliches Finale m\u00f6chte ich mich schlie\u00dflich \u00fcber das Backenfleisch des mittlerweile skelettierten, absolut k\u00f6stlichen Fischs hermachen. Entsetzt muss ich jedoch feststellen, dass mir bereits jemand zuvor gekommen ist. Tom, der meinen entt\u00e4uschten Blick bemerkt, meint tr\u00f6stend: \u201eAs group leader, you can still eat the brain of the fish. Wanna try?\u201c Aber sicher. Duck Head habe ich ja schon wohl oder \u00fcbel an meinem ersten Tag in Wuhan probiert. Warum dann nicht auch Fisch! Also knackt Tom den Sch\u00e4del f\u00fcr mich, damit ich dessen wunderbar pampiges Inneres ausschl\u00fcrfen kann. Was ist weihnachtlicher, als an Heilig Abend ein Gehirn zu verspeisen!<\/p>\n<p>Mit einem halben Aquarium im Bauch kehren wir ins Hostel zur\u00fcck und verabschieden uns von Tom und den anderen Deutschen. Sieben gl\u00fccklich vereinte Freiwillige\u00a0 laufen sodann hinunter zum Meer, um hier wie vor einer halben Ewigkeit beschlossen, den Heiligen Abend zu verbringen. Kein einziger Mensch teilt sich den Strand mit uns. Nur ein gelangweilter Wachmann schaut interessiert dabei zu, wie sich diese komischen Ausl\u00e4nder auf ihren Handt\u00fcchern niederlassen und ein paar Kerzen anz\u00fcnden. Unter uns der warme Sand, vor uns das rauschende Meer, hinter uns die Kokospalmen. Tausende Kilometer von uns entfernt unsere Familien. Es f\u00fchlt sich schon seltsam, ja bitters\u00fc\u00df an, Weihnachten zum ersten Mal nicht im heimatlichen Wohnzimmer zu verbringen. Ohne einen geschm\u00fcckten Weihnachtsbaum, Zimt-Duft, Weihnachtslieder und die liebe Verwandtschaft. So lernt man das, was man normalerweise gewohnt ist &#8211; das, was nun fehlt, immerhin richtig zu sch\u00e4tzen.<\/p>\n<div id=\"attachment_354\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2097\/\" rel=\"attachment wp-att-354\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-354\" class=\"size-medium wp-image-354\" alt=\"SAM_2097\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2097-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2097-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2097-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2097.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-354\" class=\"wp-caption-text\">Vier Kerzen und ein Weihnachtsbaum &#8211; was braucht man mehr?<\/p><\/div>\n<p>Doch was fehlt, wird durch etwas Neues ersetzt. Und dieses Neue ger\u00e4t weihnachtlicher, als ich mir es mir je vorgestellt hatte. And\u00e4chtig verputzen wir Schokolade, Marzipan-Kartoffeln und den Nougat-Christstollen, den ich aus Deutschland zugeschickt bekommen habe. Er hat die Reise erstaunlich gut \u00fcberstanden. Sandra hat sogar ein kleines T\u00fctchen mit weihnachtlichen Gew\u00fcrzen mitgebracht, aus dem alle einmal inhalieren d\u00fcrfen. Im Kerzenschein singen wir um ein kleines LED-B\u00e4umchen versammelt \u201eO Tannenbaum\u201c und Simon gibt sogar mit unserer tatkr\u00e4ftigen Unterst\u00fctzung einige Weihnachts-Gedichte zum Besten. Gespannt wie kleine Kinder packen wir unsere Geschenke aus und freuen uns tierisch \u00fcber Mao-Anh\u00e4nger, Geldbeutel, noch mehr Schokolade, neue Teeflaschen, dazu passendem Tee und chinesische B\u00fccher. Nachdem jeder der Reihe nach seine kleine Bescherung hatte, fallen wir uns gegenseitig \u201eFrohe Weihnachten!\u201c w\u00fcnschend in die Arme und gehen zu einer vollkommen angebrachten Runde Flunky-Ball \u00fcber.<\/p>\n<p>Danach sind auch die letzten Kr\u00e4fte aufgezehrt, sodass wir uns einfach nebeneinander in den Sand fallen lassen. Die zufriedene, entspannte Stille wird nur unterbrochen von den Wellen, die sich leise am Ufer brechen. Ich sehe zu, wie eine Sternschnuppe \u00fcber den klaren Nachthimmel saust. Im Moment w\u00fcnsche ich mir nichts weiter, als hier zu sein. Auch wenn ich meine Lieben in Deutschland an jenem Abend besonders vermisse, bin ich gl\u00fccklich, dieses ganz besondere Weihnachten unter Palmen nicht alleine, sondern mit sechs Freunden teilen zu d\u00fcrfen. Irgendwie haben wir es alle geschafft, rechtzeitig an diesen Ort zu kommen. Es gibt eben doch noch Weihnachtswunder!<\/p>\n<div id=\"attachment_358\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2013\/01\/12\/wettlauf-um-ein-weihnachtswunder\/sam_2066\/\" rel=\"attachment wp-att-358\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-358\" class=\" wp-image-358\" alt=\"SAM_2066\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2066.jpg\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2066.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2066-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2013\/01\/SAM_2066-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-358\" class=\"wp-caption-text\">Achievement unlocked &#8211; Weihnachten unter Palmen<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr alle Leser, die jetzt immer noch nicht genug von Weihnachten im Januar kriegen k\u00f6nnen, habe ich hier noch ein kleines Video. In diesem singen die Kinder aus meiner Deutsch-AG und eine meiner Deutschklassen zwei Weihnachtslieder. Die haben wir dann auf der Weihnachtsfeier vorgetragen, die just an dem Tag stattfand, als Flo und ich endlich unser Hostel buchen wollten. Das Ganze haben wir Wuhaner Freiwilligen zusammen auf die Beine gestellt, um unseren Sch\u00fclern ein wenig besinnliche Atmosph\u00e4re und einen Hauch von Weihnachten in Deutschland zu vermitteln.<\/p>\n<p>Mit einer ausgew\u00e4hlten Anzahl von Sch\u00fclern im Schlepptau trafen wir uns an Philipps Schule. In dem sogar mit einem richtigen Weihnachstsbaum ausgestatteten H\u00f6rsaal trugen einige Sch\u00fcler von Simon Gedichte vor und Philipp bastelte Weihnachtssterne mit unseren Sch\u00fctzlingen. Anschlie\u00dfend erkl\u00e4rte Flo, wie man Vanillekipferl zubereitet und schlie\u00dflich warteten meine eigenen Sch\u00fcler mit &#8222;O Tannenbaum&#8220; und &#8222;Wir w\u00fcnschen euch frohe Weihnacht&#8220; auf. Zur Belohnung durften alle \u00fcber haufenweise Pl\u00e4tzchen, Lebkuchen und Spekulatius herfallen, die ich nach drei Stunden Suche in einem Supermarkt aufgetrieben hatte.<\/p>\n<p>Von dem zweiten Lied gibt es, wie man im Clip sieht, auch eine chinesische Fassung. Nat\u00fcrlich war ich felsenfest davon \u00fcberzeugt, dass die jeder kennt, aber da hatte ich mich wohl get\u00e4uscht. Das endete dann darin, dass ich tats\u00e4chlich vor versammelter Mannschaft auf Chinesisch vorsingen musste. Ein Gl\u00fcck gibt es davon kein Video!<\/p>\n<p>http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rF4sM4pJdsw&#038;feature=youtu.be<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben Freiwillige. Sechs Tage bis zur Deadline. Drei Transportmittel. Ein Ziel: gemeinsam Weihnachten unter den Palmen in Sanya feiern. Der Wind rauscht angenehm durch die Palmbl\u00e4tter \u00fcber mir und r\u00fcttelt schwach an den noch gr\u00fcnen Kokosn\u00fcssen. 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