{"id":24,"date":"2012-08-30T18:12:24","date_gmt":"2012-08-30T16:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=24"},"modified":"2013-12-29T16:12:54","modified_gmt":"2013-12-29T15:12:54","slug":"gut-reflektiert-ist-halb-gewonnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2012\/08\/30\/gut-reflektiert-ist-halb-gewonnen\/","title":{"rendered":"Gut reflektiert ist halb gewonnen"},"content":{"rendered":"<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p><!--[if gte mso 9]&gt;--><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Wattebauschf\u00f6rmige Wolken spiegeln sich in der leicht gekr\u00e4uselten Oberfl\u00e4che des Werbellinsees. Nur sp\u00e4rlich kann die Morgensonne mit blassgelben Strahlen den Dunst durchdringen. Im Schutz der Nebelschwaden, die aus dem Wasser emporsteigen, paddeln einige Enten zufrieden quakend an dem Steg entlang, der auf den See hinausf\u00fchrt. Doch mit einem Mal ist Schluss mit romantischer Sommer-Idylle, denn pl\u00f6tzlich wird die Stille durchbrochen von freudigem Gebr\u00fcll. Panisch bringen sich die Enten unter einer Trauerweide in Sicherheit \u2013 und das keine Sekunde zu fr\u00fch, denn im n\u00e4chsten Moment folgt ein lautes Platschen, wiederum begleitet von ausgelassenem Gequietsche. Als sich die Wellen wieder gegl\u00e4ttet haben, wird schnell erkenntlich, wer hier f\u00fcr so viel Aufruhr sorgt. Ein paar Jugendliche haben es gewagt, in aller Herrgottsfr\u00fche ins (wirklich noch ausgesprochen) k\u00fchle Nass zu springen. Und scheinbar denken sie gar nicht daran, wieder Ruhe einkehren zu lassen, denn wenig sp\u00e4ter h\u00f6rt man zwischen den hochmotivierten Schwimmz\u00fcgen Fragen wie \u201eAch, wer bistn du eigentlich?\u201c, \u201eKommsch du etwa auch ausm Schwabel\u00e4ndle?\u201c, \u201eWohin geht die Reise?\u201c, \u201eBist du Abiturient oder studierst du schon?\u201c und \u201eMit welcher Organisation bist du unterwegs?\u201c. Jetzt besteht kein Zweifel mehr: die unerwarteten Badeg\u00e4ste m\u00fcssen Kulturweit-Freiwillige sein, die vor dem n\u00e4chsten Programmpunkt ihres Vorbereitungsseminars noch einmal die vielf\u00e4ltigen Freizeitangebote ihres Seminargel\u00e4ndes nutzen wollen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Diesen Fragenkatalog h\u00f6rt man auf dem Seminargel\u00e4nde \u00fcbrigens gesch\u00e4tzte zehntausend Mal am Tag in der einen oder anderen Ausf\u00fchrung. Das ist nicht allzu verwunderlich, wenn zweihundertf\u00fcnfzig Freiwillige aus allen Winkeln Deutschlands aufeinandertreffen und das starke Bed\u00fcrfnis haben, neue Bekanntschaften zu schlie\u00dfen und sich zu vernetzen. Vernetzen gestaltet sich allerdings auch nicht gerade schwer, da der durchschnittliche Kulturweitfreiwillige aus meiner Sicht Kontaktfreude, Offenheit, Interesse am anderen und eine gewisse \u201esoziale Grundkompetenz\u201c mit sich bringt (Danke an Silke f\u00fcr diese auf der Zunge zergehende Formulierung). Scheinbar bin ich hier tats\u00e4chlich der Durchschnittsfreiwillige schlechthin \u2013 ich gehe nach China, bin noch ein unerfahrener, naiver Abiturient und stamme zu allem \u00dcberfluss aus Schwaben. Naja, oder zumindest sage ich letzteres immer, wenn ich danach gefragt werde, denn Hohenlohe kennt hier sowieso keiner und sobald man beim Sprechen eine H\u00e4ufung von \u201esch\u201c-Lauten aufweist, wird man eben als Schwabe eingestuft.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Neben Hohenlohisch, Schw\u00e4bisch und Bayrisch findet man hier noch ein buntes Gemisch aus Badisch (nein, das ist NICHT das Selbe wie Schw\u00e4bisch, habe ich mir sagen lassen), Hamburger Schnauze, S\u00e4chsisch, Saarl\u00e4ndisch, Plattdeutsch und weitere am\u00fcsante Unterakzente. Massig Stoff f\u00fcr Smalltalk jedenfalls und eine gute Gelegenheit, sich vor dem Auslandsaufenthalt noch ein paar neue Deutschvokabeln anzueignen. Meine pers\u00f6nlichen Highlights sind Mugges\u00e4ggele, was den letzten Rest Essen im Topf bezeichnet und das Hamburger \u00c4quivalent f\u00fcr Dingsbums, das da \u201eSchabutzki\u201c hei\u00dft. Dar\u00fcber hinaus wei\u00df ich jetzt, dass China nicht gleich China ist, sondern man in Deutschland je nach Herkunftsregion entweder nach Kina, China oder Schina gehen kann.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Manch aufmerksamem Leser wird sich nun sicher die Frage stellen, wo bei unserem Vorbereitungsseminar wohl die Vorbereitung bleibt. War das Ganze denn sonderlich nachhaltig? Haben die da \u00fcberhaupt was gelernt? Ich versichere an dieser Stelle \u2013 gelernt habe ich wirklich genug. Beispielsweise bin ich mittlerweile endlich in der Lage, eine Bierflasche mit einer anderen Flasche zu \u00f6ffnen (danke nochmal an Olli f\u00fcr die Geduld beim Zeigen) und ich musste wohl oder \u00fcbel herausfinden, wie man ein Slagline-Band aufspannt, nachdem man es beim ersten Benutzungsversuch zerst\u00f6rt hat. Dank der Kantine ist mir au\u00dferdem bewusst, dass jedes gute vegetarische Gericht unter allen Umst\u00e4nden Tofu enthalten sollte und dass Mandarinen im Salat eine Art von S\u00fc\u00df-Sauer ergibt, der ich in China hoffentlich nicht \u00fcber den Weg laufen werde. <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Spa\u00df beiseite, sonst glaubt mir echt keiner mehr, dass ich mich nach den zehn Tagen tats\u00e4chlich viel besser vorbereitet f\u00fchle als zuvor. Das liegt vor allem an unserer Lieblingsbesch\u00e4ftigung w\u00e4hrend des Seminars \u2013 dem Reflektieren. Reflektiert wurde haupts\u00e4chlich in den 21 sogenannten Homezones, auf die alle Teilnehmer per Zufallsverfahren aufgeteilt wurden. Zusammen reflektierten wir dort flei\u00dfig \u00fcber unsere Rolle als Freiwillige, \u00fcber unsere Perspektiven im Einsatzland, \u00fcber unsere Erwartungen und Ziele, \u00fcber \u00c4ngste und Unsicherheiten, \u00fcber m\u00f6gliche Projekte und sogar dar\u00fcber, was in einem Blog zu stehen hat und was man sich besser sparen sollte (beispielsweise die Bezeichnung \u201egelbe Gefahr\u201c \u2013 naja, zu sp\u00e4t\u2026). <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Dar\u00fcber hinaus fanden au\u00dferhalb der Homezone zahlreiche seminarinterne Seminare statt, besonders davon im kollektiven Ged\u00e4chtnis geblieben das Nachhaltigkeitsseminar, seitdem das Wort Nachhaltigkeit im Wortschatz der Freiwilligen fast so beliebt scheint wie Reflektieren (das d\u00fcrfte die geh\u00e4ufte, mal mehr, mal weniger angebrachte Verwendung ersteren Ausdrucks in diesem Blogeintrag erkl\u00e4ren). Wer wei\u00df, nachdem schon die Vorbereitungswoche unter dem Stern der Nachhaltigkeit stand, starte ich vielleicht auch in meinem Einsatzland irgendein Nachhaltigkeits-Schabutzki, zumindest falls in Wuhan daran Interesse besteht.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Am letzten Abend erholten wir uns schlie\u00dflich vom vielen angestrengten Reflektieren und \u00fcbten uns stilvoll in deutscher Feierkultur, um letztendlich auch diese authentisch im Ausland zu repr\u00e4sentieren. In der Disko des Seminargel\u00e4ndes wurden die letzten Homezone-Gruppenfotos geschossen, es wurde getanzt, gelacht, getrunken, auf die vor uns liegende Zeit angesto\u00dfen. Naja, und am Ende hatten ein paar leider nicht ausreichend reflektiert, wie viel sie wohl vertragen, sodass sich jene Freiwilligen nicht allzu freiwillig das Abendessen durch den Kopf gehen lie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Seit meiner Ankunft zur\u00fcck im beschaulichen Rot am See geht mir allerdings vor allem eines durch den Kopf: die nahende Abreise. Habe ich alles \u00dcberlebensnotwendige in meinen Koffer gepackt? Habe ich alle wichtigen Dokumente in den Rucksack gesteckt? Habe ich alles getan was ich vor dem Flug tun wollte? Bei alledem f\u00fchle ich mich immer noch ein bisschen benommen vom vielen Verabschieden. In einer Woche habe ich so viele inspirierende und liebe Menschen getroffen wie nie zuvor in so wenigen Tagen, sodass es wirklich schmerzte, f\u00fcrs Erste schon wieder auseinander zu gehen. Ich habe sehr viel gelernt und mich seelisch und moralisch auf den Aufenthalt in China vorbereitet. Es war eine sch\u00f6ne Zeit am Werbellinsee \u2013 aber die aufregendste Zeit liegt nun direkt vor mir. Die Spannung steigt.<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"line-height: normal\"><span style=\"font-family: 'Arial','sans-serif'\">Genug reflektiert \u2013 jetzt kann es losgehen!<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wattebauschf\u00f6rmige Wolken spiegeln sich in der leicht gekr\u00e4uselten Oberfl\u00e4che des Werbellinsees. Nur sp\u00e4rlich kann die Morgensonne mit blassgelben Strahlen den Dunst durchdringen. Im Schutz der Nebelschwaden, die aus dem Wasser emporsteigen, paddeln einige Enten zufrieden quakend an dem Steg entlang, &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2012\/08\/30\/gut-reflektiert-ist-halb-gewonnen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":27,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,82,563,114,164,65],"tags":[99,19042,44208,19196,54974,54975,106,54970],"class_list":["post-24","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-deutschland","category-erlebnis","category-freiwillige","category-freiwilligenarbeit","category-kulturweit","tag-berlin","tag-dr-walter","tag-homezone","tag-kulturabend","tag-nachhaltigkeit","tag-schabutzki","tag-vorbereitungsseminar","tag-werbellin-see"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=24"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/24\/revisions\/26"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media\/27"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=24"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=24"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=24"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}