{"id":223,"date":"2012-12-10T11:01:28","date_gmt":"2012-12-10T10:01:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=223"},"modified":"2012-12-13T17:32:51","modified_gmt":"2012-12-13T16:32:51","slug":"das-paradies-auf-erden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2012\/12\/10\/das-paradies-auf-erden\/","title":{"rendered":"Das Paradies auf Erden"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich diesen Artikel schon l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlichen, aber Wuhan hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie es dazu kam, k\u00f6nnt ihr dann in meinem \u00fcbern\u00e4chsten Artikel nachlesen. Jetzt aber erst mal viel Spa\u00df mit diesem Exemplar hier!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Langsam sinkt die blasse Sonnenscheibe am gleichbleibend dunstig grauen Himmel, w\u00e4hrend sich der Schnellzug seinen Weg durch halb China in Richtung Wuhan bahnt. Darunter zieht die Landschaft in rasender Geschwindigkeit am Fenster vorbei. Qualmende Fabrikschlote und Hochspannungsleitungen, die sich bis zum Horizont erstrecken, verschwimmen mit sanften, bewaldeten H\u00fcgeln. Wo eben noch ein Bauer \u00fcber sein Reisfeld stolzierte, bauen sich im n\u00e4chsten Moment die anonymen Hochhausfassaden der hundertsten namenlosen Gro\u00dfstadt auf. \u201eTrain speed is 199 km\/h now\u201c, verk\u00fcndet die Laufschriftanzeige am vorderen Ende des Abteils &#8211; und im Moment f\u00fchle ich mich, als w\u00e4re meine erste Reise raus aus Wuhan \u00e4hnlich rasant vergangen. Ziel dieser Reise war eigentlich das Kulturweit-Zwischenseminar in der Megacity Shanghai, doch weil wir es einfach nicht erwarten konnten, uns alle wiederzusehen, traf sich beinahe die H\u00e4lfte der Freiwilligen zuvor im sch\u00f6nen Hangzhou. Eine ganz hervorragende Idee, wie sich gezeigt hat.<\/p>\n<div id=\"attachment_236\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1367.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-236\" class=\"size-medium wp-image-236\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1367-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1367-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1367-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1367.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-236\" class=\"wp-caption-text\">Menschenmassen auf dem Wuhaner Bahnhof<\/p><\/div>\n<p>So brachen auch mein Wuhaner Mitfreiwilliger Philipp und ich am Abend des neunten Novembers gen Hangzhou auf, nachdem ich in einer h\u00f6chst nervenkitzelreichen und zeitlich ziemlich knapp bemessenen Kaufaktion unsere Tickets ersteigert hatte. In China kommt man n\u00e4mlich erst zehn Tage vor Reiseantritt an die Fahrscheine heran und holt diese dann an einem Ticketschalter ab. Warum das so ist, wei\u00df ich nicht genau, aber vielleicht will man ja damit verhindern, dass planungsw\u00fctige Touris die besten Pl\u00e4tze bereits Monate im Voraus der oft eher spontan agierenden Bev\u00f6lkerung wegschnappen. Dass man zu allem \u00dcberfluss auch noch die Passnummern aller Passagiere, f\u00fcr die man einkauft, parat haben muss, stellte ich nat\u00fcrlich erst fest, als ich bereits der recht ange\u00f6det dreinblickenden Dame vom Schalter meine gesamten Reisepl\u00e4ne vorgeschw\u00e4rmt hatte. Vorsichtshalber nahm ich beim n\u00e4chsten Versuch lieber gleich Chang E mit ins Schlepptau, bevor man mich am Ende noch mit einem E-Bike anstatt einer E-Lok losschickte.<\/p>\n<p>Dank Chang Es tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung gelang es uns aber, zwei komfortable Betten im Softsleeper-Waggon des Nachtzuges zu ergattern. Wir freuten uns also auf eine angenehme Fahrt, an deren Ende wir ausgeschlafen und bereit zum Sightseeing in Hangzhou eintreffen w\u00fcrden. Allerdings hatten wir da die Rechnung ohne unsere Mitreisenden gemacht, die sich in Form einer Mutter mit Sohnemann und Baby pr\u00e4sentierten. Ein kleiner Schreihals, na prima!, dachten wir schon best\u00fcrzt, lagen aber vollkommen falsch. Wer uns letztendlich geh\u00f6rig den Schlaf raubte, war n\u00e4mlich die gute Frau, die bei der kleinsten unerwarteten Bewegung ihres Z\u00f6glings mit dem kompletten Entertainment-Arsenal ihres I-Phones aufwartete. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden dr\u00f6hnten chinesische Kinderlieder durch das Abteil oder man ballerte lautstark mit Angry Birds um sich, sodass Philipp und ich unser Ziel am n\u00e4chsten Morgen recht, nun ja, verballert erreichten.<\/p>\n<div id=\"attachment_213\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1420.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-213\" class=\"size-medium wp-image-213\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1420-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1420-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1420-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1420.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-213\" class=\"wp-caption-text\">Das West Lake Youth Hostel &#8211; sehr zu empfehlen f\u00fcr alle Hangzhou-Reisenden<\/p><\/div>\n<p>Unsere Entbehrungen wurden jedoch belohnt, als wir in unserem Hostel angelangten, das praktischerweise nur ein paar hundert Meter vom ber\u00fchmten West Lake entfernt lag. Dort wurden wir von der freundlichen Belegschaft und dem wei\u00dfen Haushund Sunny sehr nett in Empfang genommen und waren froh, uns dieses Mal ohne hyperaktive Zimmergenossen von der anstrengenden Fahrt erholen zu k\u00f6nnen. Frisch gest\u00e4rkt fuhren wir am Abend zur\u00fcck zum Bahnhof, um den n\u00e4chsten Schwung Freiwilliger abzuholen. Milena reiste aus der Heimatstadt unser aller Lieblingsbiers Qingdao an, Malte stie\u00df aus Jiaxing zu uns und zum Schluss freute ich mich schlie\u00dflich sehr \u00fcber die Ankunft von Ruth, die ich seit wir am Flughafen gemeinsam in unser China-Abenteuer aufgebrochen waren, nicht mehr gesehen hatte.<\/p>\n<div id=\"attachment_227\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1424.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-227\" class=\"size-medium wp-image-227 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1424-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1424-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1424-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1424.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-227\" class=\"wp-caption-text\">Unser Kindergarten &#8211; mit sehr kinderfreundlicher Kriegsfassade im Hintergrund<\/p><\/div>\n<p>Gleich am n\u00e4chsten Tag hatten wir die Ehre, herauszufinden, warum man Hangzhou oft als das Paradies auf Erden bezeichnet. Weniger paradiesisch wurden wir allerdings erst einmal aus dem Schlaf gerissen und zwar indem wir auf die harte Tour lernten, was es hei\u00dft, einen Kindergarten nebenan zu haben. Viel zu fr\u00fch f\u00fcr uns Erholungsbed\u00fcrftige fand dort n\u00e4mlich der Morgenapell statt \u2013 und der qualvollen Ger\u00e4uschkulisse nach zu urteilen dr\u00fcckte man den Kleinen dazu einfach wahllos irgendwelche Instrumente in die Hand, die dann ausgesprochen begeistert ausgetestet werden mussten. Egal, so konnten wir wenigstens zu einer angemessenen Zeit mit unserer ersten Erkundungstour beginnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_224\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB110039.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-224\" class=\"size-medium wp-image-224 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB110039-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB110039-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB110039-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB110039.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-224\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs mit unseren Luxusfahrr\u00e4dern<\/p><\/div>\n<p>Als wir unser Hostel verlie\u00dfen, merkte ich zum ersten Mal richtig, wie sehr sich Hangzhou vor allem zu dieser Jahreszeit von Wuhan unterscheidet. Anstelle des von allen Seiten kommenden Dauerregens schien die Sonne warm von einem beinahe wolkenlosen Himmel, der gewohnte Dunstschleier hatte sich auf einen schmalen Streifen am Horizont zur\u00fcckgezogen und eine laue, erfrischende Brise relativ smogfreier Luft wehte vom See her\u00fcber. Einfach perfektes Wetter f\u00fcr ein bisschen Sightseeing! Nachhaltig, wie man als Kulturweit-Freiwilliger nun einmal denkt, stiegen wir f\u00fcr dieses Vorhaben allerdings nicht in einen Bus, sondern auf ein paar geliehene, klapprige, aber funktionst\u00fcchtige Fahrr\u00e4der. In Wuhan h\u00e4tte ich bei einer solchen Idee wahrscheinlich nur verst\u00e4ndnislos den Kopf gesch\u00fcttelt, da ich dort t\u00e4glich mitverfolgen kann, wie viele arme Radfahrer t\u00e4glich beinahe vom R\u00fcckspiegel eines Busses erschlagen werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_210\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1397.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-210\" class=\"size-medium wp-image-210\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1397-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1397-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1397-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1397.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-210\" class=\"wp-caption-text\">Links die Wildnis&#8230;<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_228\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1395a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-228\" class=\"size-medium wp-image-228\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1395a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1395a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1395a-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1395a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-228\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;rechts die Metropole<\/p><\/div>\n<p>Auf unserer Route hielt sich die Gefahr, von etwas anderem als der Sch\u00f6nheit der Umgebung erschlagen zu werden, relativ in Grenzen. Ein breiter Fu\u00dfg\u00e4ngerdamm f\u00fchrte uns, von B\u00e4umen und bl\u00fchenden B\u00fcschen ges\u00e4umt, \u00fcber den Westsee, sodass sich links und rechts von uns meilenweit nur glitzernde Wasseroberfl\u00e4che erstreckte. Ein paar h\u00f6lzerne Boote man\u00f6vrierten sich unter den zahlreichen Br\u00fccken hindurch oder an den kleinen Inseln vorbei und machten dem pr\u00e4chtigen Drachenschiff Platz, das eben aus dem Hafen ausgelaufen war. Am fernen Ufer reflektierte die Skyline der Stadt im Sonnenlicht umgeben von gr\u00fcnen H\u00fcgeln, auf denen sich die Umrisse von Pagoden und Tempeln gerade so erahnen lie\u00dfen. Das Einzige, was die Idylle ein wenig st\u00f6rte, war die Tatsache, dass nicht alle so nachhaltig dachten wie wir. Stattdessen wurden wir immer wieder durch eine ohrenbet\u00e4ubende Hupmelodie aus dem Weg gescheucht und wenig sp\u00e4ter rauschte ein Touristenfahrzeug an uns vorbei. Darauf dr\u00e4ngten sich die Gehfaulen aneinander, selbstverst\u00e4ndlich mit gez\u00fcckten I-Phone, um die Fahrt mit ausdrucksloser Miene zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Nachdem auch wir ungef\u00e4hr alle hundert Meter Gebrauch von unseren Kameras gemacht hatten, erreichten wir irgendwann den Lotusbl\u00fctenpark auf der anderen Seite des Sees. Dieser konnte sich problemlos mit dem Nationalpark in Wuhan messen, bot jedoch den entscheidenden Vorteil, dass man hier keinen Eintritt zahlen musste. Nichts wie rein also! Hier sollen angeblich \u00fcber zweihundert verschiedene Arten von Lotus zu finden sein, die fr\u00fcher den gesamten Westsee bedeckten. Dass davon heute nicht mehr viel \u00fcbrig ist liegt an einem chinesischen Kaiser, der einen Gro\u00dfteil der Wasserpflanzen entfernen lie\u00df, aus Angst, dass sich unter den gro\u00dfen Bl\u00e4ttern Meuchelm\u00f6rder verstecken k\u00f6nnten.<\/p>\n<div id=\"attachment_226\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1408.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-226\" class=\"size-medium wp-image-226 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1408-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1408-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1408-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1408.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-226\" class=\"wp-caption-text\">Wer fotografiert hier wen?<\/p><\/div>\n<p>Einen Mordanschlag bef\u00fcrchteten wir an einem so friedvollen Ort eher weniger &#8211; und doch hatte es pl\u00f6tzlich jemand auf uns abgesehen. Denn nicht nur wir kamen hier voll auf unsere Kosten, sondern auch eine quirlige chinesische Touristengruppe. Die schienen sich genauso \u00fcber Ruths Blondschopf zu freuen wie ich damals in den ersten Minuten hinter der Zollschranke und zerrten die Gute mit sich vor das beste Panorama. Noch euphorischer wurde die Stimmung, als man entdeckte, dass sich im Jackpot heute noch eine weitere Ausl\u00e4nderin und diese drei hochgewachsenen Jungs befanden. F\u00fcr die n\u00e4chsten paar Minuten hielt man mit dutzenden Fotoapparaten gleichzeitig auf uns, bis wir schlie\u00dflich das dringende Bed\u00fcrfnis versp\u00fcrten, wieder auf unsere R\u00e4der zu steigen.<\/p>\n<p>Also lie\u00dfen wir ein paar selige Chinesen zur\u00fcck und radelten weiter zu der ufernahen Gu Shan Insel, auf der wir im Schnelldurchlauf ein paar Denkm\u00e4ler und Grabst\u00e4tten abklapperten. Um viele der geehrten oder beerdigten Personen ranken sich zahlreiche Legenden, von denen leider kaum eine ein gutes Ende findet. Besonders tragisch ist dabei die Geschichte von Su Xiaoxiao, deren Grab direkt am Zugang der Br\u00fccke liegt, die zu der Insel f\u00fchrt. Die ber\u00fchmte Poetin und Kurtisane hatte das Pech, sich unsterblich in einen ihrer Klienten zu verlieben. Zwar erwiderte er ihre Zuneigung und wollte seine Familie um die Erlaubnis bitten, seine Angebetete ehrenhaft zur Frau zu nehmen. Von dem Vorhaben zeigte sich die liebe Verwandtschaft jedoch nicht allzu begeistert, sodass der junge Mann nie wieder zu Su Xiaoxiao zur\u00fcckkehrte und die Arme vor lauter Kummer starb. Bis heute soll ihr ruheloser Geist den Westsee heimsuchen. Einem Spuk konnten wir w\u00e4hrend unserer Tour nicht beiwohnen, daf\u00fcr aber einem grandiosen Wasserspiel, das wir zuf\u00e4llig gerade zur rechten Zeit erreichten.<\/p>\n<div id=\"attachment_215\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1425.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-215\" class=\"size-medium wp-image-215 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1425-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1425-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1425-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1425.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-215\" class=\"wp-caption-text\">Fast wie zuhause &#8211; mal abgesehen von der Bohnenpaste im Schokocroissant<\/p><\/div>\n<p>Und der Tag barg noch weitere \u00dcberraschungen. Zum Beispiel eine franz\u00f6sische B\u00e4ckerei, die neben delizi\u00f6sem S\u00fc\u00dfgeb\u00e4ck und Cappuccino, der sogar Kaffee-Junkie Ruth \u00fcberzeugte, echte, ofenfrische K\u00f6rnerbr\u00f6tchen verkaufte. F\u00fcr euch in Deutschland klingt das sicher reichlich unbeeindruckend, aber nach zwei Monaten fast ausschlie\u00dflich chinesischen Essens erwiesen sich diese Leckereien als sehr willkommene Abwechslung f\u00fcr mich und meinen Magen. Unser Fr\u00fchst\u00fcck und Reiseproviant war jedenfalls definitiv gesichert.<\/p>\n<p>Doch noch mehr staunten wir, als wir unsere Fahrr\u00e4der gegen Abend schweren Herzens wieder abgegeben hatten und uns im Bus in Richtung Abendessen befanden. W\u00e4hrend das Fahrzeug gerade losfuhr, um eine Haltestelle zu verlassen, klopfte es pl\u00f6tzlich an der Scheibe. Etwas verwirrt schauten wir uns um, wer uns da gr\u00fc\u00dfen wollte \u2013 und erblickten tats\u00e4chlich die fast vollst\u00e4ndige Shanghaier Freiwilligen-Crew auf ihren gemieteten Fahrr\u00e4dern. Was f\u00fcr ein Zufall! Dummerweise konnten wir nicht mehr rechtzeitig anhalten und sahen Lien, Anika und Christina in der Ferne verschwinden. Wie ich sp\u00e4ter in einem Telefonat mit Lien erfuhr, hatten die drei sich genau zur selben Zeit wie wir in Hangzhou eingemietet, verlie\u00dfen die Stadt jedoch noch am selben Abend, sodass wir uns mit einem richtigen Wiedersehen noch bis zum Zwischenseminar gedulden mussten. Wiedersehensfreude sollte es an diesem Tag dennoch genug geben, da endlich die restlichen Mitglieder unserer Reisegruppe eintrafen. Die hatten n\u00e4mlich noch ein Seminar \u00fcber das Deutschbuch, das ich nie im Unterricht benutze, besucht und konnten deshalb erst sp\u00e4ter in den Urlaub fahren.<\/p>\n<div id=\"attachment_230\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1430.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-230\" class=\"size-medium wp-image-230\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1430-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1430-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1430-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1430.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-230\" class=\"wp-caption-text\">Auf der Insel<\/p><\/div>\n<p>Gl\u00fccklich vereint mit unseren Neuank\u00f6mmlingen Flo, Simon, Sandra, Fanny, Maurice und Franzi aus Dalian setzten wir am n\u00e4chsten Morgen unsere Erkundungstour des Westsees fort. Dieses Mal ging es tats\u00e4chlich mitten auf den See hinaus, und zwar mit einem der h\u00fcbschen Holzschiffe, auf dessen Au\u00dfenbank die gesamte Freiwilligenschaft Platz fand. Im Vergleich zu unserer letzten gemeinsamen Bootsfahrt \u00fcber den Yangtse in Wuhan f\u00fchlte sich diese beinahe wie ein Wellnesstrip an. Anstatt f\u00fcr die Weltmeisterschaft im Luftanhalten zu trainieren, genossen wir hier die frische Seeluft, w\u00e4hrend das vergleichsweise klare Wasser sanft an uns vorbeirauschte und die Herbstsonne angenehm unsere Gesichter w\u00e4rmte. Nach einiger Zeit legten wir an einer Insel an, auf der die \u201eDrei Teiche, die den Mond wiederspiegeln\u201c lagen. Das Spiegelbild des Mondes entdeckten wir logischerweise in keinem der drei Teiche, daf\u00fcr aber die fettesten Kois, die ich je gesehen habe. Zu meiner gro\u00dfen Freude ragte au\u00dferdem eine Steinformation aus einem der Teiche, bei der es sich aus irgendeinem Grund lohnte, sie mit M\u00fcnzen zu bewerfen. Wenn man schon keinen Eintritt f\u00fcr die Insel bezahlte, musste man sein Geld ja irgendwie anders loswerden. Durch einen \u00e4u\u00dferst sorgsam durchdachten Wurf sicherte ich mir wieder einmal den erfolgreichen Verlauf der Reise, w\u00e4hrend zahlreiche andere Leute daf\u00fcr sorgten, dass die fetten Kois weiterhin genug Bares zum Verdauen hatten.<\/p>\n<div id=\"attachment_231\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1438.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-231\" class=\"size-medium wp-image-231\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1438-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1438-300x168.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1438-500x281.jpg 500w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1438.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-231\" class=\"wp-caption-text\">Leider ein wenig schwer erkennbar &#8211; die drei Steinlaternen vom Ein-Yuan-Schein<\/p><\/div>\n<p>Bares z\u00fcckten aber auch zuhauf die etwas weniger abergl\u00e4ubischen Touristen, denn das Motiv des Ein-Yuan-Scheins lag hier sozusagen direkt vor unserer Nase \u2013 und wer m\u00f6chte sich nicht gerne einen Schein haltend mit dem Original im Hintergrund ablichten lassen! Das Motiv besteht \u00fcbrigens aus drei gro\u00dfen, steinernen Laternen, die im Wasser vor der Insel ein Dreieck formen. Wozu genau die Bauwerke gut sind, konnte mir Wikipedia zwar nicht sagen, aber man erz\u00e4hlt sich, dass sie die b\u00f6sen Geister auf dem Grund des Sees unter Kontrolle halten.<\/p>\n<div id=\"attachment_225\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1374.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-225\" class=\"size-medium wp-image-225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1374-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1374-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1374-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1374.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-225\" class=\"wp-caption-text\">Die Leifang-Pagode<\/p><\/div>\n<p>Als wir wieder ans Festland zur\u00fcck gekehrt waren, hielten wir uns weiterhin an den Westsee. Dort konnte man n\u00e4mlich wunderbar entlang spazieren und Brautpaare beim Hochzeitsfoto-Shooting begaffen, bis wir an der Leifang-Pagode in der N\u00e4he unseres Hostels ankamen. Das Original wurde auf Gehei\u00df des K\u00f6nigs Qian Chu im Jahre 975 n.Chr. errichtet, um die Geburt seines Sohnes Huang Fei zu feiern. Zur Zeit der Ming-Dynastie bildeten sich jedoch ein paar japanische Piraten ein, dass in dem pr\u00e4chtigen, f\u00fcnfst\u00f6ckigen Turm Waffen lagerten. Anstatt vorher erst einmal vorsichtig nachzuschauen, brannten sie die Pagode der Einfachheit halber gleich vollkommen nieder. Dass wir unsere zwanzig Yuan Eintritt nicht f\u00fcr einen Haufen verkohlter Holzsp\u00e4ne zahlen mussten, haben wir der Stadtregierung zu verdanken, die 1999 beschloss, das Geb\u00e4ude m\u00f6glichst originalgetreu zu rekonstruieren. Besonders entz\u00fcckte uns, dass man dabei sogar Huang Feis Lieblings-Rolltreppe wiedererrichtet hatte, die auf den H\u00fcgel mit der Pagode f\u00fchrt und sich einfach perfekt in das romantische Landschaftsbild einf\u00fcgt. Eine ideale Gelegenheit f\u00fcr einige wundersch\u00f6ne Erinnerungsfotos: \u201eFreiwillige entdecken die Transportmittel des K\u00f6nigs\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_218\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1464a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-218\" class=\"size-medium wp-image-218 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1464a-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1464a-300x168.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1464a-500x281.jpg 500w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1464a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-218\" class=\"wp-caption-text\">Abendd\u00e4mmerung \u00fcber dem Westsee<\/p><\/div>\n<p>Mit dem ebenfalls \u00e4u\u00dferst authentischen k\u00f6niglichen Glasaufzug fuhren wir komfortabel ins Obergeschoss des Turms und durften uns auf dem Aussichtsrondell austoben. Als die Abendsonne den Himmel in zarte Pastellfarben tauchte, die sich auf der glatten Oberfl\u00e4che des Sees wiederspiegelten, fiel es nicht schwer, der Entstehungsgeschichte des Gebiets Glauben zu schenken. Der Legende zufolge fanden der Jadedrache und der goldene Ph\u00f6nix vor langer Zeit ein St\u00fcck reiner wei\u00dfer Jade am Silberfluss im Himmelreich. Nach vielen Jahren gelang es ihnen, daraus eine perfekte Jadeperle zu schmieden. Wo immer die Jadeperle ihren Glanz erstrahlen lie\u00df, gediehen B\u00e4ume und die sch\u00f6nsten Blumen begannen zu bl\u00fchen. Als die himmlische K\u00f6nigin von dieser unsch\u00e4tzbar wertvollen Kostbarkeit erfuhr, ordnete sie ihren Wachen an, die Perle in ihren Besitz zu bringen. Weil der Drache und der Ph\u00f6nix ihren Schatz allerdings nicht widerstandslos hergeben wollten, brach eine gro\u00dfe Schlacht aus, bei der die Jadeperle auf die Erde st\u00fcrzte. Beim Aufprall ergoss sie sich in kristallklares Wasser, das den Westsee formte und den Ph\u00f6nixberg auft\u00fcrmte. Seitdem wacht der Ph\u00f6nixberg \u00fcber die verwandelte Jadeperle. Herrlich, diese Erz\u00e4hlung, nicht wahr?<\/p>\n<div id=\"attachment_219\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1470.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-219\" class=\"size-medium wp-image-219 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1470-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1470-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1470.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-219\" class=\"wp-caption-text\">eingelegte Schlange<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_220\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1474.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-220\" class=\"size-medium wp-image-220\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1474-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1474-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1474-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1474.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-220\" class=\"wp-caption-text\">Alraunenwurzel &#8211; oder sowas \u00e4hnliches<\/p><\/div>\n<p>Nachdem wir uns lange genug verz\u00fcckt an der Szenerie erg\u00f6tzt hatten, wurde es Zeit, die Gefilde des Westsees f\u00fcrs Erste zu verlassen, um unseren Pflichten als Freiwillige nachzukommen. Die bestanden im Moment darin, Geschenke zu kaufen, da wir auf dem Zwischenseminar wichteln wollten. F\u00fcr dieses Vorhaben schien die Hefang Street schlicht wie geschaffen, denn hier dr\u00e4ngen sich Souvenirl\u00e4den und Teeh\u00e4user geradezu aneinander. Verpackt von h\u00fcbscher, auf traditionell getrimmter Architektur konnte man vom ber\u00fchmten Drachenbrunnentee \u00fcber F\u00e4cher, Essst\u00e4bchenkollektionen, Seide, Talismane bis hin zu Schwertern alles kaufen, was das Touri-Herz begehrte. In einer Apotheke fanden wir sogar in Alkohol eingelegte Schlangen und Alraunenwurzeln, allerdings hielt ich mich doch lieber weiterhin an die Mittelchen die Chang E mir empfohlen hatte.<\/p>\n<p>Alkohol gab es an dem Abend andernorts auch noch ohne zweifelhafte Zus\u00e4tze und reichlich billiger, um genau zu sein kostenlos. Wir trafen uns n\u00e4mlich nach einer erfolgreichen Wichtel-Shopping-Tour mit Luisa, die die beneidenswerte Ehre hatte, in Hangzhou als Freiwillige zu arbeiten. Die Gute lud uns ins Ellens ein, dass wir Wuhaner sofort als Pendant zu den beiden Helens und dem Feelings in der Heimatstadt erkannten. \u201eA unique Atmosphere enjoyed by people all over the World\u201c, stand in fetten Lettern \u00fcber der T\u00fcr. Zwar schien die Bezeichnung \u201eEinzigartig\u201c doch ein wenig fragw\u00fcrdig angesichts der Tatsache, dass die Inneneinrichtung und die bunt gemischte Kundschaft komplett unseren Stammkneipen in Wuhan entsprachen, daf\u00fcr jedoch bekam man ein bisschen das Gef\u00fchl, heimzukehren. Auch sch\u00f6n. Noch sch\u00f6ner: Bier wurde heute einfach mal f\u00fcr umsonst verteilt. Freibier f\u00fcr alle \u2013 ich m\u00f6chte nicht wissen, wohin eine solche Aktion in einer deutschen Bar gef\u00fchrt h\u00e4tte! Trotzdem verbrachten wir eine sehr am\u00fcsante Zeit mit Luisa und erhielten von ihr am Ende einen wertvollen Tipp f\u00fcr das folgende Tagesprogramm: Wandern auf den Stadtbergen.<\/p>\n<p>Bei nach wie vor verl\u00e4sslich scheinender Sonne fuhren wir zum Fu\u00df der bewaldeten H\u00fcgelkette und begannen unseren Aufstieg. In engen Serpentinen f\u00fchrten hunderte steinerne Stufen unter dem lockeren Bl\u00e4tterdach den Berg hinauf und nach einiger Zeit w\u00fcnschte man sich fast, dass hier ebenfalls irgendein K\u00f6nig auf die Idee gekommen w\u00e4re, eine Rolltreppe zu bauen. Aber man durfte sich eigentlich nicht beschweren \u2013 immerhin wurde man beim Erklimmen nicht st\u00e4ndig von den nervt\u00f6tenden Touristenbussen aus dem Weg gehupt.<\/p>\n<div id=\"attachment_233\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130271.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-233\" class=\"size-medium wp-image-233\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130271-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130271-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130271-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130271.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-233\" class=\"wp-caption-text\">Oben der Himmel, unten Hangzhou, wie Luisa zu sagen pflegt<\/p><\/div>\n<p>Das Gemecker war dar\u00fcber hinaus schnell vergessen, als wir den Gipfel erreichten, wo sich der Baumbestand lichtete und stattdessen (mal wieder) einem genialen Ausblick weichte. Oben der blaue Himmel, unten Hangzhou mit seinem Westsee, Parks, Tempeln, Pagoden, Hochh\u00e4usern und noch mehr gr\u00fcnen H\u00fcgeln im Hintergrund. Chinas Paradies auf Erden zu unseren F\u00fc\u00dfen. Von da an hangelten wir uns von einem Panorama zum n\u00e4chsten und knipsten uns ordentlich die Finger wund. Vielleicht h\u00e4tten wir uns mit dem exzessiven Beladen der Speicherkarten unserer Kameras allerdings etwas mehr beeilen sollen, denn wir hatten geplant, unsere Wanderung mit einem Besuch des Lingyin-Tempels abzuschlie\u00dfen. Der schloss seine Tore jedoch, wie die meisten Tempel und Museen in China, um punkt siebzehn Uhr. Nach den letzten Portrait-Fotos im Sonnenuntergang zeichnete sich \u00fcberdeutlich ab, dass wir das nicht rechtzeitig schaffen w\u00fcrden. Daf\u00fcr befand sich auf der letzten H\u00fcgelspitze ein kleines Kloster, in dem sich gerade die M\u00f6nche zum Beten versammelt hatten. Offenbar wollten die ihre Gebete in ganz Hangzhou publik machen, denn mitten \u00fcber dem Eingang des h\u00fcbschen Geb\u00e4udes ragte ein st\u00e4hlerner Sendemast in die H\u00f6he. Man muss eben auch im Kloster mit der Zeit gehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1488.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-221\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1488-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1488-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1488-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/SAM_1488.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>W\u00e4ren wir mit der Zeit gegangen, h\u00e4tten wir uns die n\u00e4chste unangenehme \u00dcberraschung sparen k\u00f6nnen. Eigentlich dachten wir n\u00e4mlich, uns nun bequem mit der Seilbahn vom Berggipfel ins Tal kutschieren zu lassen. Falsch gedacht! Dummerweise glitt die letzte Gondel doch tats\u00e4chlich direkt vor unserer Nase an uns vorbei und lie\u00df uns, ersch\u00f6pft und fu\u00dflahm, vor dem verschlossenen Eingang zur\u00fcck. Sh**! Als alle lange genug fassungslos der Gondel hinterher gestarrt und sich klar gemacht hatten, dass unsere Wanderung noch nicht zu Ende war, blieb uns nichts anderes \u00fcbrig, als den Abstieg zu Fu\u00df in Angriff zu nehmen. Egal, immer sch\u00f6n positiv denken, dachte ich mir. Dieser Vorsatz endete darin, dass ich beim darauf folgenden Gewaltmarsch zusammen mit Fanny und Sandra die Treppenstufen vor kunsthistorischem und gesellschaftlichem Hintergrund interpretierte. Sehr f\u00f6rderlich!<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck hatten wir noch eine ganze Nacht Zeit, um uns von unserem Wandertag zu erholen, bis uns wie gewohnt eine Horde wild musizierender Kinder aufweckte. Dann mussten wir bereits Abschied nehmen von der netten Hostelbelegschaft und dem Haushund Sunny, lie\u00dfen ein letztes Mal den Blick \u00fcber den Westsee schweifen und kauften den Reiseproviant in unserer franz\u00f6sischen Lieblingsb\u00e4ckerei, in die wir vorerst nicht zur\u00fcckkehren w\u00fcrden. Der spannendste Teil unserer Reise lag aber noch vor uns. Doch obwohl ich nat\u00fcrlich viele Erwartungen an unser Zwischenseminar hatte und auch ein bisschen aufgeregt war, konnte ich nach dem Besuch in Chinas kleinem Paradies ziemlich entspannt in den Zug ins zwei Stunden entfernte Shanghai steigen. Noch wusste ich nicht, dass ich dort einige der bisher besten Erfahrungen meines Auslandsjahrs sammeln durfte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130269.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-209\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130269.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130269.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130269-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/12\/PB130269-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollte ich diesen Artikel schon l\u00e4ngst ver\u00f6ffentlichen, aber Wuhan hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie es dazu kam, k\u00f6nnt ihr dann in meinem \u00fcbern\u00e4chsten Artikel nachlesen. Jetzt aber erst mal viel Spa\u00df mit diesem Exemplar &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2012\/12\/10\/das-paradies-auf-erden\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":925,"featured_media":218,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,341,563,114,581],"tags":[35727,98,55017,785,55019,462,55015,55016],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-ausflug","category-erlebnis","category-freiwillige","category-geschichte","tag-hangzhou","tag-hostel","tag-leifang-pagode","tag-paradies","tag-soft-sleeper","tag-wandern","tag-west-lake","tag-westsee"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/users\/925"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=223"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":238,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions\/238"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media\/218"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}