{"id":139,"date":"2012-10-22T07:28:01","date_gmt":"2012-10-22T05:28:01","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/?p=139"},"modified":"2012-10-25T12:05:56","modified_gmt":"2012-10-25T10:05:56","slug":"eine-goldene-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/2012\/10\/22\/eine-goldene-woche\/","title":{"rendered":"Eine Goldene Woche"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_160\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1183a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-160\" class=\"size-medium wp-image-160\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1183a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1183a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1183a-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1183a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-160\" class=\"wp-caption-text\">Noch etwas sch\u00fcchtern: Son Wukung, Tripitaka, Pigsy und Sandy<\/p><\/div>\n<p>Graue, regenschwere Wolken ziehen tr\u00e4ge \u00fcber das kleine St\u00fcckchen Himmel, das man von meinem BBB aus sehen kann. Durch die ge\u00f6ffnete Balkont\u00fcr dringt entfernt der Verkehrsl\u00e4rm der \u00fcberf\u00fcllten Stra\u00dfen, auf denen gerade hunderttausende von Urlaubern heimkehren. Ansonsten herrscht eine ungewohnte Stille, die daher r\u00fchrt, dass die meisten Sch\u00fcler den letzten Tag ihrer Herbstferien zusammen mit ihren Familien verbringen. Ich selbst hingegen sitze allein an meinem Schreibtisch und reflektiere ein wenig vor mich hin. Doch halt, ganz alleine bin ich nicht. Neben meinem Laptop steht n\u00e4mlich ein winziges Aquarium, das seit Kurzem vier Goldfischen ein Zuhause bietet. Son Wukong, Tripitaka, Pigsy und Sandy (ja, es hat sich irgendwie angeboten, sie nach den Hauptcharakteren der Reise nach Westen zu benennen) ziehen eifrig ihre Kreise um den Sprudelstein und sorgen daf\u00fcr, dass sich ihr Besitzer an diesem Nachmittag nicht v\u00f6llig trist und gelangweilt in seinem Zimmer f\u00fchlt.<\/p>\n<p>Trist und langweilig waren die vergangenen Tage n\u00e4mlich mitnichten, was vermutlich damit zusammenh\u00e4ngt, dass ich nur den kleinsten Teil von ihr in meinem Zimmer sitzend verbrachte. Stattdessen habe ich w\u00e4hrend der sogenannten Goldenen Woche die Stadt weiter erkundet, eine richtige chinesische Hochzeit besucht, festgestellt das Bai Jiu ein f\u00fcrchterliches Mischgetr\u00e4nk ist und eine tolle Zeit mit Freiwilligen aus allen Ecken Chinas erlebt. Aber eins nach dem anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Startschuss f\u00fcr die Herbstferien in Wuhan setzte, nun ja, ein Startschuss. Und zwar der Startschuss zum Sportfestival unserer Schule, auf dessen Kommando die erste fahnenschwingende High-School-Klasse \u00fcber den Sportplatz der Wuhan University marschierte. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich eigentlich mit einer Flasche Cola und einer Packung Popcorn in den Zuschauerreihen sitzen und die Er\u00f6ffnungszeremonie bequem von einem schattigen Pl\u00e4tzchen aus genie\u00dfen. Dummerweise liegt die Betonung hier auf dem W\u00f6rtchen \u201ewollte\u201c, denn stattdessen trat ich in der prallen Sonne nerv\u00f6s von einem Fu\u00df auf den anderen und hielt dabei ein gro\u00dfes Schild mit der Aufschrift \u201e9. Klasse Deutsch\u201c in der Hand. Hinter mir standen in ordentlichen Reihen und breit grinsend die Sch\u00fcler ebenjener neunten Klasse und warteten gespannt darauf, endlich loslaufen zu d\u00fcrfen. Der Grund, warum gerade ich die muntere Meute anf\u00fchren sollte, lag in einem Deal, auf den ich mich zuvor \u2013 unvorsichtig, wie ich bin \u2013 eingelassen hatte.<\/p>\n<p>Da die H\u00e4lfte der neunten Klasse vor den Ferien f\u00fcr zwei Wochen mit Yang Xi nach Deutschland gereist war, hatte es an mir gelegen, den Rest w\u00e4hrend dieser Zeit bei Laune zu halten. Ich pers\u00f6nlich hielt es f\u00fcr eine ganz fabelhafte Idee, mit der nun \u00fcberschaubaren Sch\u00fclerschar das Lied \u201eEin Kompliment\u201c einzustudieren, um es dann den anderen nach deren R\u00fcckkehr vorzutragen. Leider hatten meine Sch\u00fctzlinge bereits andere Pl\u00e4ne geschmiedet (SPIELEN!!!), weswegen ich hart f\u00fcr mein gar nachhaltiges Unterrichtsziel k\u00e4mpfen musste. Im Laufe unserer Diskussion (w\u00e4hrend der die Kleinen zu meiner stillen Freude mehr und hemmungsloser deutsch sprachen als je zuvor) stellte sich jedoch irgendwann heraus, dass man noch verzweifelt nach zus\u00e4tzlichen L\u00e4ufern f\u00fcr den Staffellauf am Sportfestival suchte, weil so viele fehlten. Also einigten wir uns darauf, gemeinsam zu singen, wenn ich daf\u00fcr die Klasse beim Staffellauf unterst\u00fctzte. H\u00e4tte ich gewusst, dass mich im Anschluss etliche Soli hinter dem Lehrerpult erwarteten, h\u00e4tte ich mir das Ganze vielleicht noch einmal anders \u00fcberlegt.<\/p>\n<p>Jedenfalls war ich am Freitagnachmittag auf gut Gl\u00fcck zum Sportplatz aufgebrochen, da ich keine Ahnung hatte, wann der Staffellauf stattfand und wurde doch prompt angebettelt, das Klassenschild zu tragen. Als ich aus zwanzig Augenpaaren erwartungsvoll und auffordernd zugleich angeblickt wurde, fiel es mir recht schwer, dieser Bitte zu entsagen und so klammerte ich mich wenig sp\u00e4ter geehrt, ger\u00fchrt und ziemlich hilflos an dem Schild fest. \u00a0W\u00e4hrend ein triumphierend klingendes Instrumentalst\u00fcck in Endlosschleife \u00fcber das Gel\u00e4nde schallte, zog eine Gruppe nach der anderen an uns vor\u00fcber und ich fragte mich schon, ob wir \u00fcberhaupt irgendwann &#8211;\u00a0 \u201eLoslaufen!\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_161\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0953.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-161\" class=\"size-medium wp-image-161\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0953-300x168.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"168\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0953-300x168.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0953-500x281.jpg 500w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0953.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-161\" class=\"wp-caption-text\">Meine ganze Schule auf einem Bild<\/p><\/div>\n<p>Okay, klare Ansage. Wohin denn eigentlich? Ah, einfach einmal um den Sportplatz. Aber warum blieben die da vorne denn pl\u00f6tzlich stehen? Wunderbar, um mit dem vorgegebenen Takt ihres Anf\u00fchrers im Gleichschritt an der Jury vorbeizumarschieren. Halt, das stand aber nicht so im Vertrag! Zu sp\u00e4t \u2013 da hatten wir\u2019s mal wieder: Improvisieren (oder wohl eher Marschieren) geht \u00fcber Studieren. Und das funktionierte meiner Meinung nach ganz gut \u2013 auch wenn ich Chang E deutlich schadenfroh mit dem Fotoapparat aus der Zuschauermenge hervor lugen sah. Etwas milit\u00e4risch mutete das ganze Geschehen zugegebenerma\u00dfen an, aber als sich nach einigen Minuten tats\u00e4chlich die gesamte Sch\u00fclerschaft in Reih und Glied unter freiem Himmel versammelt hatte, war ich doch ziemlich beeindruckt von dieser riesigen Schulgemeinschaft.<\/p>\n<p>Letztendlich resultierte die Aktion darin, dass falls mich nicht ohne hin schon die ganze Schule kannte,\u00a0 genau das sp\u00e4testens nach unserem Aufmarsch der Fall sein musste. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich \u00e4u\u00dferst sportlich damit, zusammen mit meist weiblichen,\u00a0 aufgeregt kichernden Jugendlichen in diverse Kameras zu l\u00e4cheln. Des Weiteren unterrichtete ich einer gespannten Gruppe Unterstufensch\u00fclern, die mir durchschnittlich bis zum Bauchnabel reichten, zwischen Hochsprung und F\u00fcnfzig-Meter-Lauf ihre ersten Deutschvokabeln. Und zur Feier des Tages durfte ich sogar f\u00fcr einige Kinder deutsche Namen aussuchen und sie dann sozusagen taufen. Vorsorglich hielt ich mich dabei jedoch mit solch kreativen Ausw\u00fcchsen wie Bl\u00f6dmann, Ei oder Schwabbel zur\u00fcck und verewigte stattdessen lieber ein paar meiner Freunde aus der Heimat in China.<\/p>\n<p>Als am Abend noch immer jede Spur einer Stafette fehlte, hegte ich schon die Hoffnung, meinen Deal einfach dezent umgehen zu k\u00f6nnen. Mein nagendes schlechtes Gewissen zwang mich dennoch dazu, am n\u00e4chsten Tag abermals\u00a0 auf dem Sportplatz zu erscheinen, wo man sich just bei meiner Ankunft an der Startlinie versammelte. So ein Pech, \u00e4h, Zufall aber auch, dass ich wieder einmal genau den richtigen Moment erwischt hatte. Nicht, dass ich f\u00fcrchterliche Schwierigkeiten mit ein bisschen Rennen gehabt h\u00e4tte, aber angesichts der Tatsache, dass meine Konkurrenten ungef\u00e4hr drei Schritte f\u00fcr die Strecke brauchten, die ich mit einem einzigen Schritt zur\u00fccklegte, plagten mich doch einige Bedenken, was die Fairness meiner Teilnahme anging. Aber weil meine Klasse andernfalls gar nicht am Staffelauf h\u00e4tte teilnehmen k\u00f6nnen, wartete ich brav, bis mir ein atemloses M\u00e4dchen den Stab in die Hand dr\u00fcckte und joggte daraufhin so fair wie m\u00f6glich meine sechzig Meter. In der Zielgeraden wurde ich mit einem Jubel empfangen, als h\u00e4tte ich gerade erfolgreich einen Marathon absolviert. Meiner Meinung nach geb\u00fchrte dieser Jubel eher ebenjenen, die mich zuvor mit angestrengt verzerrten Gesichtern \u00fcberholen wollten und sich schlie\u00dflich ausgelaugt, aber gl\u00fccklich ins Gras fallen lie\u00dfen. Gewonnen haben wir am Ende \u00fcbrigens nicht, aber immerhin stand meinem kleinen Chorprojekt jetzt nichts mehr im Wege.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um das erfolgreich beendete Sportfest ausklingen zu lassen, hatte mich Chang E dazu eingeladen, den Abend mit ein paar anderen Lehrern bei ein paar Flaschen Bier ausklingen zu lassen. Zuvor wollte ich aber noch kurz ins Dormitory zur\u00fcckkehren und meine Waschmaschine leeren. Halb best\u00fcrzt, halb belustigt musste ich dabei feststellen, dass ich versehentlich eine ganze Packung Tempos mit gewaschen hatte, deren Inhalt sich nun in tausend kleinen Flusen auf meiner Kleidung verteilt hatte. W\u00e4hrend ich es daraufhin ein bisschen in meinem Zimmer schneien lie\u00df, klingelte pl\u00f6tzlich mein Handy: \u201eKai, where are you? All the leaders are already here in the restaurant!\u201c<\/p>\n<p>Sch**** &#8211; man h\u00e4tte mir ja ruhig etwas fr\u00fcher sagen k\u00f6nnen, dass es sich bei diesem Treffen um etwas \u201eOffizielles\u201c handelte. Also brach ich mein kleines privates Schneegest\u00f6ber ab und sprintete so schnell wie nie zuvor zu dem nahegelegenen Restaurant. Dort hatte man sich schon in einem reservierten Raum um einen runden Tisch versammelt, auf dem zahlreiche, unber\u00fchrte Gerichte verf\u00fchrerisch dampften. Etwas betreten nahm ich auf dem einzigen noch leeren Stuhl neben Chang E Platz. Ansonsten hatten sich noch Linc, der Mathelehrer Qing Xi, Xiao Yu (also Miss Singsong), Direktor Wang, ein Physiklehrer und ein Lehrer, der beim Basketballspielen immer eine Taucherbrille aufsetzte um unsere Tafelrunde versammelt.<\/p>\n<p>Noch ehe ich die Gelegenheit hatte, alle zu gr\u00fc\u00dfen, war mein Bierglas (wie hier \u00fcblich) bis zum Rand gef\u00fcllt. Biergl\u00e4ser sind in China, was ihre Gr\u00f6\u00dfe betrifft, nicht mit unseren deutschen Bierkr\u00fcgen zu vergleichen &#8211; dass man deswegen auch weniger trinkt, ist allerdings ein Trugschluss. Um genau zu sein, habe ich glaube ich noch nie zuvor eine Bierflasche so\u00a0 schnell geleert wie an diesem Abend. Was, aber ein gutes Bier muss man doch genie\u00dfen!, k\u00f6nnte man jetzt einwerfen. Dazu m\u00f6chte ich aber lieber nicht mehr sagen, als dass sich die Vorstellungen von einem guten Bier \u00a0eventuell von Ort zu Ort unterscheiden.<\/p>\n<p>Einfach am Gl\u00e4schen zu nippen stellte jedoch keine Option f\u00fcr mich dar. Insbesondere wenn man mit seinem Vorgesetzten trinken geht, gilt es in China einen Haufen Normen zu beachten, die mir Chang E zum Gl\u00fcck immer im richtigen Moment zufl\u00fcsterte. Die Prozedur geht dabei meist wie in den folgenden \u201eF\u00fcnf <strong>SNAPS<\/strong>-Regeln f\u00fcr angemessenes Ansto\u00dfen in China\u201c von statten:<\/p>\n<ol>\n<li><strong><span style=\"text-decoration: underline\">S<\/span><\/strong>tehen: Es geh\u00f6rt sich, sobald wie m\u00f6glich dem h\u00f6chsten Tier in der Runde klarzumachen, dass wir jetzt mit ihm ansto\u00dfen m\u00f6chten. Dazu suchen wir den Blickkontakt mit ebenjenem und stehen auf (m\u00f6glichst ohne dabei den Stuhl hinter sich umzukippen, nicht dass mir das beinahe passiert w\u00e4re).<\/li>\n<li><strong><span style=\"text-decoration: underline\">N<\/span><\/strong>etter Trinkspruch: Wenn sich auch der Trinkpartner erhoben hat, halten wir unser Glas mit beiden H\u00e4nden hoch und geben den Trinkspruch zum Besten, den wir soeben schnell auswendig gelernt haben. Meist besteht er aus einem guten Wunsch, wie zum Beispiel \u201eTian tian kai xing!\u201c (Jeden Tag gl\u00fccklich sein). Anders als in Deutschland wird dieser Toast nicht zum Anlass genommen, danach einfach die Gl\u00e4ser zu leeren, sondern meist durch einen weiteren Wunsch erwidert.<\/li>\n<li><strong><span style=\"text-decoration: underline\">A<\/span><\/strong>nsto\u00dfen: Kommen wir nun zum schwierigsten Teil der Prozedur. Da das Gegen\u00fcber in der Hierarchie h\u00f6her steht als wir selbst, achten wir darauf, mit dem eigenen Glasrand unter dem Glasrand des Trinkpartners anzusto\u00dfen. Eventuell wird der Trinkpartner daraufhin wiederum versuchen, sein Glas unter das unsere zu bringen, um uns seinen Respekt zu zollen. Das k\u00f6nnen wir nat\u00fcrlich nicht so stehen lassen und berichtigen die H\u00f6he unseres Trinkgef\u00e4\u00dfes abermals. Wir bem\u00fchen uns jedoch darum, diesen H\u00f6flichkeits-Schlagabtausch zu beenden, bevor wir mit unserem Bier in der Suppensch\u00fcssel auf dem Tisch landen.<\/li>\n<li><strong><span style=\"text-decoration: underline\">P<\/span><\/strong>rost: Nachdem wir dieses am\u00fcsante Spielchen \u00fcberstanden haben, d\u00fcrfen wir uns endlich einen Schluck Bier genehmigen. Selbstverst\u00e4ndlich beobachten wir genauestens, wie weit unser Trinkpartner sein Glas leert und folgen seiner Vorgabe. In den h\u00e4ufigsten F\u00e4llen hei\u00dft aber es schlicht \u201eGanbei\u201c, also auf Ex das Ganze.<\/li>\n<li><strong><span style=\"text-decoration: underline\">S<\/span><\/strong>etzen: Schlie\u00dflich passen wir noch auf, dass wir uns erst setzen, nachdem unser Vorgesetzter Platz genommen hat. Zuvorkommenderweise wird man sich schnellstens darum k\u00fcmmern, unser Glas aufs Neue zu f\u00fcllen. So k\u00f6nnen wir unsere eben erlernte Prozedur gleich mit dem N\u00e4chsten wiederholen und hoffen darauf, dass uns die Trinkspr\u00fcche nicht alsbald ausgehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Mithilfe der f\u00fcnf SNAPS-Regeln durfte ich reihum einen Becher nach dem anderen leeren, wodurch die Stimmung ziemlich schnell recht ausgelassen wurde. Dass ich mit deutschem Bier aufgewachsen war, kam mir hierbei eindeutig zugute, da der Alkoholgehalt des chinesischen \u201eQingdao\u201c-Biers deutlich unter dem gewohnten Level lag. Dennoch musste ich am Ende dem Physiklehrer versprechen, dass ich der Erste sein w\u00fcrde, der sein Kind in den Armen halten darf. Man sagt hier n\u00e4mlich, dass sich die Eigenschaften jener ersten Person auf das Kind \u00fcbertragen werden. Ich hatte demnach allen Grund, mich geehrt zu f\u00fchlen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine pers\u00f6nliche Belohnung f\u00fcr die erbrachten Anstrengungen der letzten Tage folgte bereits am Sonntag, auf den ich mich schon seit einiger Zeit freute. F\u00fcr die Ferien hatten ein paar Freiwillige geplant, uns in Wuhan zu besuchen und Theresa war bereits aus Zhenjiang eingetroffen, w\u00e4hrend ich noch meinen Marathon rannte. Wie ich selbst und verd\u00e4chtig viele andere Kulturweitler stammt Theresa \u00fcbrigens aus dem Schwabel\u00e4ndle, und um genau zu sein sogar aus Schw\u00e4bisch Hall. Nun wohnte sie allerdings einige Tage in Flos bewundernswert ger\u00e4umigem Apartment auf dem Campus der Wuhaner Bierschule &#8211; und da die anderen, des Hochdeutsch M\u00e4chtigen erst etwas sp\u00e4ter ankommen w\u00fcrden, musste der arme Flo f\u00fcrs Erste allein unser Gschw\u00e4tz ertragen.<\/p>\n<p>Zusammen quetschten wir uns in einen Bus, der aufgrund der angebrochenen Ferien &#8211; man h\u00e4lt es kaum f\u00fcr m\u00f6glich \u2013 noch mehr aus allen N\u00e4hten platzte als sonst \u00fcblich und besuchten den Guiyuan-Tempel, einen der gr\u00f6\u00dften buddhistischen Tempel in der Hubei-Provinz. Auf \u00fcber 46 900 Quadratmetern konnten dort Touristenstr\u00f6me ihren Glauben beziehungsweise Aberglauben ausleben \u2013 selbstverst\u00e4ndlich nicht, ohne vorher ein paar Scheine in eine der zahlreichen Geldb\u00fcchsen zu stecken. Aufgrund der kommunistischen Pr\u00e4gung des Landes sind zwar die meisten Han-Chinesen offiziell nicht religi\u00f6s \u2013 aber ein bisschen Vorsorge f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle kann ja bekanntlich nie schaden. Also verneigt man sich flei\u00dfig vor goldenen Buddha-Statuen, schl\u00e4gt f\u00fcr zehn Yuan ein paar Mal mit einem Kn\u00fcppel gegen eine eindrucksvolle Bronzeglocke oder z\u00fcndet den Ahnen zuliebe ein R\u00e4ucherst\u00e4bchen an.<\/p>\n<div id=\"attachment_141\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0986.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-141\" class=\"size-medium wp-image-141\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0986-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0986-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0986-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0986.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-141\" class=\"wp-caption-text\">Finde den Fehler!<\/p><\/div>\n<p>In einem etwas versteckt gelegenen Winkel hatten au\u00dferdem Tempelbesucher hunderte von verschiedenen pers\u00f6nlichen Schutzgottheiten (so vermute ich zumindest) hinterlassen, die sich dort in allen Farben und Formen stapelten. Wen \u00fcberraschte es da noch, dass zwischen Porzellanstatuen des fetten Buddhas, Shiva und verschiedenen Weisen \u00a0auch der Weihnachtsmann ein Pl\u00e4tzchen gefunden hatte. Da ich aber dummerweise meine Son Wukong-Pappaufsteller zuhause vergessen hatte, musste ich mich damit begn\u00fcgen, f\u00fcr mein Seelenheil M\u00fcnzen in ein daf\u00fcr vorgesehenes T\u00fcrmchen zu werfen. Aufgrund meiner ph\u00e4nomenalen Wurff\u00e4higkeiten, die ich mir in ganzen zwei Basketballstunden antrainiert hatte, schaffte ich es \u00fcberraschenderweise sogar, anstatt ins Gesicht eines anderen Geldschmei\u00dfenden mitten in das oberste Abteil des Turms zu treffen. Der erfolgreiche Verlauf der Ferien war somit definitiv gesichert.<\/p>\n<p>Zufrieden konnten wir schlie\u00dflich in die letzte Tempelhalle weiterziehen, wo sich uns ein interessanter Anblick bot. Hinter Glasfenstern blickten f\u00fcnfhundert goldene Arhats (Erleuchtete, die das Nirwana bereits erreicht haben) auf die Besucher herab, die ein gar seltsames Ritual vollzogen. W\u00e4hrend einige wie gewohnt mit dem Fotoapparat von einem Arhat zum n\u00e4chsten sprinteten, schienen andere langsam an ihnen vorbeizuschreiten, als w\u00fcrden sie irgendetwas z\u00e4hlen. Was sich dahinter verbarg, w\u00fcrden wir allerdings erst im Verlauf der n\u00e4chsten Woche herausfinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorerst aber lag es an mir, herauszufinden, wie denn eine chinesische Hochzeit abl\u00e4uft. Chang E hatte mich dazu eingeladen, sie zu einer solchen zu begleiten. Weil ich weder Braut noch Br\u00e4utigam je zu vor gesehen hatte, zweifelte ich ein wenig daran, wie gern man mich dort sah, doch wenigstens konnten wir sicher gehen, dass Chang E ein mehr als gerngesehener Gast war \u2013 und das nicht nur, weil sie als Brautjungfer auftreten w\u00fcrde. Mein kleiner D\u00e4mon feierte n\u00e4mlich in den Ferien eine Art Namenstag. Am f\u00fcnfzehnten Tag des achten Monats im chinesischen Mondkalender (dieses Jahr am 30. September) findet in China das sogenannte Mondfest statt, an dem sich die Familien vereinen und das an ein ber\u00fchmtes chinesisches M\u00e4rchen erinnert.<\/p>\n<p>Dieses M\u00e4rchen erz\u00e4hlt die Geschichte von Chang E und ihrem Ehemann Houyi, die als Unsterbliche im Himmel lebten. Eines Tages verwandelten sich die zehn S\u00f6hne des himmlischen Jadekaisers in gl\u00fchende Sonnen und fingen an, die Erde zu niederzubrennen. Selbst der himmlische Jadekaiser selbst war nicht in der Lage, seine feurige Brut zu stoppen und so bat er Houyi um Hilfe. Der erschoss neun der zehn S\u00f6hne kurzerhand mit seinem legend\u00e4ren Bogen und lie\u00df einen \u00fcbrig, um der Welt W\u00e4rme zu spenden. Houyis doch eher resolute L\u00f6sung des Klimaproblems begeisterte den Kaiser jedoch nicht sonderlich, sodass er den Sch\u00fctzen und seine Frau auf die Erde zu einem Leben als Sterbliche verbannte.<\/p>\n<p>Weil Chang E dar\u00fcber sehr traurig wurde, zog Houyi los, um die Unsterblichkeit zur\u00fcckzuerlangen. Die K\u00f6nigin Mutter des Westens hatte gl\u00fccklicherweise noch eine Unsterblichkeitspille in ihrem Nachtschr\u00e4nkchen f\u00fcr ihn bereit, von der man lediglich eine H\u00e4lfte ben\u00f6tigte, um ihre Wirkung zu sp\u00fcren. So kehrte er mit der Pille heim, verwahrte sie dort sicher in einer Truhe und wies seine Geliebte an, diese nicht zu \u00f6ffnen, bis er wieder von seiner n\u00e4chsten Reise zur\u00fcckk\u00e4me.\u00a0 Ganz im Stil ihrer Englisch unterrichtenden Namensvetterin vermochte es Chang E jedoch irgendwann nicht mehr, ihrer Neugier zu widerstehen und \u00f6ffnete die Truhe. Als im gleichen Moment ihr G\u00f6ttergatte heimkam, verschluckte sie vor Schreck die ganze darin liegende Pille und begann von der \u00dcberdosis zu schweben.<\/p>\n<p>Houyi wollte sie mit einem Pfeil erschie\u00dfen, brachte es aber nicht \u00fcbers Herz, sodass die arme Chang E immer h\u00f6her stieg, bis sie auf dem Mond landete. Dort spuckte sie eine H\u00e4lfte der Pille wieder aus und traf auf einen Jadehasen, der recht gut in Kr\u00e4uterkunde belesen war. Seit ihrer Ankunft versucht er, die andere Pillenh\u00e4lfte wieder herzustellen, doch bis heute muss Chang E ein unsterbliches, aber einsames Dasein als Prinzessin des Mondes fristen. Nur einmal im Jahr besucht sie Houyi, um nach dem Rechten zu sehen. In jener Nacht, der Nacht des Mondfests, soll der Vollmond dann besonders hell strahlen. Ende der ausgeuferten M\u00e4rchenstunde.<\/p>\n<p>Die Geschichte erkl\u00e4rt einerseits, warum die Chinesen in den Kratern des Mondes keinen Mann, sondern einen Hasen erkennen (versucht das ruhig auch mal, ich suche immer noch danach) und andererseits, warum im Kollegium alle so scharf darauf waren, einen Mondkuchen von unserer (also der noch mit beiden F\u00fc\u00dfen auf der Erde stehenden) Chang E zu erhalten. Wie gesagt \u2013 ein bisschen Aberglaube kann ja nie schaden. Die pappigen, mit Bohnenpaste, Eigelb oder sogar Trockenfleisch gef\u00fcllten S\u00fc\u00dfgeb\u00e4cke verschenkt man hier traditionell in den Wochen vor dem Mondfest (vergleichbar mit unseren Weihnachtspl\u00e4tzchen) und wer m\u00f6chte nicht eines davon von der Mondprinzessin pers\u00f6nlich geschenkt zu bekommen! Eine wunderbare Gelegenheit also f\u00fcr Chang E, mal wieder im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen.<\/p>\n<p>Heute jedoch, am chinesischen National-Feiertag, richtete sich alle Aufmerksamkeit auf die Braut, zu deren Wohnung wir um halb sieben morgens aufgebrochen waren. Im Apartment herrschte bereits reges Treiben, sodass der fremde Laowai gl\u00fccklicherweise kaum auffiel. Weil ich, vermutlich zum Wohle aller Beteiligten, keine allzu gro\u00dfe Lust hatte, den Brautjungfern beim Schminken der Braut zu helfen, setzte ich mich einfach so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich vor den Fernseher, wo gerade \u201eThe Voice of China\u201c ausgestrahlt wurde. Als ich gerade angefangen hatte, ins Gespr\u00e4ch mit Jenny, der kleinen, Kunst studierenden Schwester der Braut zu kommen, brach pl\u00f6tzlich vor dem Haus der Krieg aus. Oder so klang es zumindest, als die Trauzeugen des Br\u00e4utigams durch das Entz\u00fcnden eines Arsenals an Chinab\u00f6llern ihre Ankunft un\u00fcberh\u00f6rbar ank\u00fcndigten. In China herrscht n\u00e4mlich der Brauch, dass der Br\u00e4utigam am Hochzeitsmorgen zum Haus seiner Angebeteten geht, um sie abzuholen. Fr\u00fcher war (und heute ist es immer noch in l\u00e4ndlichen Regionen) ein schwerer Tag f\u00fcr die Familie des M\u00e4dchens, da es oft bedeutete, dass\u00a0 die Eltern ihre Tochter danach f\u00fcr eine sehr lange Zeit nicht wiedersehen konnten.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns jedoch hie\u00df das kleine Explosions-Arrangement lediglich, dass der Spa\u00df nun erst richtig losgehen w\u00fcrde. \u201eCome on, Kai, we will be the doorguards!\u201c, forderte mich ein Cousin auf. Was, ich hatte also auch eine tragende Rolle in der ganzen Prozedur? Also gut, aber was musste ich \u00fcberhaupt tun? Ganz einfach, im Grunde bestand unsere Aufgabe als T\u00fcrw\u00e4chter darin, dem Br\u00e4utigam das Leben ein bisschen schwer zu machen. Als er\u00a0 keuchend und bereits leicht angetrunken die Schwelle zur Wohnung erreichte, hielten wir ihm solange die T\u00fcr zu, bis er sich dazu erniedrigte, eine Liebeshymne \u00fcber seine Auserw\u00e4hlte zu improvisieren.<\/p>\n<p>Die wahre Folter begann f\u00fcr den Armen allerdings erst, als wir ihm und seinen Freunden schlie\u00dflich widerwillig Einlass gew\u00e4hrten. Denn auch der Zugang zum Zimmer der Braut war ebenfalls vorsorglich verschlossen worden und dahinter freute sich Chang E schon diebisch auf ihren Einsatz. An ihr lag es nun, den zuk\u00fcnftigen Ehemann mit allerlei schmerzhaften Fragen zu qu\u00e4len, um die Aufrichtigkeit seiner Liebe auf Herz und \u00a0zu pr\u00fcfen. Selbst als er verzweifelt br\u00fcllend gestanden hatte, eher seine Angebetete, als seine eigene Mutter vor dem Ertrinken zu retten, gab sich der kleine D\u00e4mon nicht zufrieden. Schlie\u00dflich musste man ja noch herausfinden, ob der Br\u00e4utigam \u00fcberhaupt in der Lage war, der Herzensdame ein angemessenes Leben zu bieten. Um dies zu beweisen, steckte er einen Hong Bao (rote, geldgef\u00fcllte Umschl\u00e4ge) nach dem anderen unter der T\u00fcr hindurch, bis eine kleine Ewigkeit sp\u00e4ter endlich das Klicken des Schl\u00fcssels im Schloss ert\u00f6nte.<\/p>\n<p>Ungest\u00fcm stie\u00df der Br\u00e4utigam die T\u00fcr zur Seite und stand zum ersten Mal an diesem Tag seiner Geliebten gegen\u00fcber. In ein wallendes wei\u00dfes Kleid sa\u00df sie auf dem roten Bett und versuchte, so ruhig und gelassen wie m\u00f6glich zu wirken. Das war allerdings gar nicht so einfach, denn auf einmal begann die gesamte Familie, einen Countdown zu z\u00e4hlen, auf den der junge Mann die Braut von ihrer Hand aus den Arm hinauf k\u00fcsste, bis sich endlich ihre Lippen ber\u00fchrten. Unter allgemeinem Jubel f\u00fchrte er sie dann gl\u00fccklich ins Wohnzimmer, wo die Eltern des M\u00e4dchens auf dem Sofa Platz nahmen. Voller Respekt kniete das Paar vor ihnen nieder und bot ihnen Tee in stilechten Plastikbechern an. \u00a0Das Pr\u00e4sentieren von Tee dient in China bis heute dazu, den Eltern, denen man so viel zu verdanken hat, eine Art letzte Ehre zu erweisen, bevor man sich in ein eigenst\u00e4ndiges Leben aufmacht. Ich h\u00e4tte das ganze Ritual zwar noch viel mitrei\u00dfender gefunden, wenn sich im Hintergrund nicht nach wie vor die Kandidaten von \u201eThe Voice of China\u201c gegenseitig angepl\u00e4rrt h\u00e4tten, aber den Rest der Anwesenden schien das nicht sonderlich zu st\u00f6ren.<\/p>\n<div id=\"attachment_144\" style=\"width: 234px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0998a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-144\" class=\"size-medium wp-image-144\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0998a-224x300.jpg\" alt=\"\" width=\"224\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0998a-224x300.jpg 224w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0998a.jpg 765w\" sizes=\"(max-width: 224px) 100vw, 224px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-144\" class=\"wp-caption-text\">Der Br\u00e4utigam tr\u00e4gt seine hart erk\u00e4mpfte Geliebte aus dem Haus<\/p><\/div>\n<p>Wie dem auch sei, anschlie\u00dfend trug der Br\u00e4utigam sein M\u00e4dchen auf dem R\u00fccken in das geschm\u00fcckte Hochzeitsauto, begleitet von Konfettikanonen und einem durchaus professionell wirkenden Kameramann, der sein Objektiv auf den beiden fixiert hielt. Auch ich wurde in ein Auto gestopft und ab ging es zum Elternhaus des Br\u00e4utigams. Dort setzten sich unsere beiden Hauptattraktionen auf ein ebenfalls rotes Bett, um sich f\u00fcr die n\u00e4chste halbe Stunde im Blitzlicht zahlreicher Fotoapparate zu sonnen.<\/p>\n<p>Genug Zeit f\u00fcr Chang E, mir zu erkl\u00e4ren, dass meine Kleiderwahl, gelinde gesagt, ein Griff ins Klo war. Tats\u00e4chlich war mir bereits aufgefallen, dass ich neben dem Br\u00e4utigam so ziemlich als einziger ein Hemd trug. Das stellte eigentlich kein zu gro\u00dfes Problem dar, aber mein schwarzes h\u00e4tte ich mir besser f\u00fcr eine Beerdigung aufsparen sollen. Dass ich mir daraufhin schnell meine gr\u00fcne Sweatjacke \u00fcberwerfen wollte, machte die Sache nicht unbedingt besser. Ein gr\u00fcnes Kleidungsst\u00fcck k\u00f6nnte n\u00e4mlich indizieren, dass ich die Heiratenden beneidete. Na prima, das hatte ich ja mal wieder genau zur richtigen Zeit erfahren. Egal, es schien niemanden gro\u00df zu st\u00f6ren \u2013 bei dem Laowai dr\u00fcckte man eben gern ein Auge zu.<\/p>\n<p>Als man irgendwann oft genug die Ausl\u00f6ser diverser Kameras gedr\u00fcckt hatte, wiederholte sich die Zeremonie des Tee Pr\u00e4sentierens abermals f\u00fcr die Eltern des Br\u00e4utigams. Mit dem feinen Unterschied, dass sich nebenher nicht die Casting-Kandidaten auf dem Flatscreen die Seele aus dem Leib sangen. Stattdessen konnte man die gro\u00dfe Milit\u00e4rparade mitverfolgen, die jedes Jahr am Nationalfeiertag auf dem Tiananmen-Platz in Peking abgehalten wird. Gefeiert wurde \u00fcbrigens die Entstehung der Volksrepublik, die Mao Tse Tung 1949 ebenfalls auf dem Tiananmen ausgerufen hatte.<\/p>\n<p>Ein Grund f\u00fcr zahlreiche Paare, zu diesem besonderen Anlass ihre Liebe zu besiegeln. In dem exquisiten Restaurant, in das wir danach kutschiert wurden, fanden zur selben Zeit noch zw\u00f6lf weitere Trauungen statt. Dort hatte man einen gro\u00dfen Saal f\u00fcr uns pr\u00e4pariert, wo ich mich mit der Familie der Braut um einen der vielen runden Tische versammelte. Darauf befanden sich sogar, ganz ungewohnt, anstatt der sonst \u00fcblichen Papier-Taschent\u00fccher richtige Servietten, zu Bl\u00fcten geformt. Kurz nachdem ich Platz genommen hatte, wuselte eine Bedienung herbei und tauschte meine sch\u00f6ne Serviette gegen die gewohnte Packung Tempos aus. \u201eDie waren nur zur Zierde. Eigentlich sind die eh dreckig.\u201c, erkl\u00e4rte mir Jenny, die meinen perplexen Gesichtsausdruck bemerkt hatte.<\/p>\n<p>Als sich die ganze Hochzeitsgesellschaft versammelt hatte, erschallten pl\u00f6tzlich die ber\u00fchmten ersten Takte von Wagners Hochzeitsmarsch. Ergriffen verstummte die Menge, als die Braut in ein neues Kleid geh\u00fcllt, an der Hand ihres Vaters durch den Mittelgang zur B\u00fchne schritt. Begleitet wurden die beiden von zwei blumenwerfenden Kindern, einer mir unbekannten Brautjungfer und Chang E, die ausnahmsweise ihr schelmisches Grinsen gegen ein and\u00e4chtiges L\u00e4cheln ausgetauscht hatte. Auf der B\u00fchne empfingen sie ein nerv\u00f6ser Br\u00e4utigam und eine Art Moderator, der das Geschehen ziemlich leidenschaftlich kommentierte. W\u00e4hrend des eher westlich orientierten Teils der Hochzeit \u00fcbernahm letzerer die Rolle des Pfarrers, indem er ausschweifend \u00fcber die Wahrhaftigkeit der Liebe zwischen den Heiratenden berichtete. Mit der Zeit kam Jenny, die sich vorgenommen hatte, heute meine Dolmetscherin zu spielen, verst\u00e4ndlicherweise ganz sch\u00f6n ins Schwitzen.<\/p>\n<p>Nachdem wir in allen schillernden Details die Entstehungsgeschichte der Beziehung des Paars erfahren hatten, boten die beiden zum dritten Mal an diesem Tag allen verf\u00fcgbaren Elternteilen eine Tasse Tee an. Der Reihe nach gaben die stolzen M\u00fctter und V\u00e4ter mit zittriger Stimme ihren Segen &#8211; und dann gab der hei\u00dfer gelaufene Moderator endlich das Kommando zum gro\u00dfen Finale. Die Musik gipfelte sich dramatisch, tausende Seifenblasen glitzerten im rosa Scheinwerfer-Licht, und man schn\u00e4uzte ger\u00fchrt von all dem herrlichen Kitsch in sein Tempo-Taschentuch, als das Paar in einem leidenschaftlichen Kuss den Pakt der Ehe besiegelte.<\/p>\n<div id=\"attachment_145\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1006.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-145\" class=\"size-medium wp-image-145\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1006-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1006-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1006.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-145\" class=\"wp-caption-text\">Champagner f\u00fcr alle!<\/p><\/div>\n<p>Eine lange, hingerissene Welle des Applauses sp\u00e4ter lag es letztlich noch am verdattert dreinblickenden Br\u00e4utigam, einen neuen Besitzer f\u00fcr den Brautstrau\u00df zu finden. Und weil es ja furchtbar langweilig gewesen w\u00e4re, ihn schlicht in die Menge zu werfen, erhielt ihn am Ende jener, der dem jungen Mann am schnellsten ein Gl\u00fcckwunsch-SMS geschrieben hatte. Anschlie\u00dfend konnte das lang erwartete Festmahl p\u00fcnktlich um 12.38 Uhr beginnen (die Zahl Acht hat im Chinesischen eine \u00e4hnliche Aussprache wie das Wort Reichtum, deswegen bringt es Gl\u00fcck, wenn diese Ziffer in der Uhrzeit enthalten ist).<\/p>\n<p>Eine delikate Speise nach der anderen fand den Weg zu unserem Tisch und ich h\u00e4tte nie gedacht, das einmal sagen zu k\u00f6nnen, aber insbesondere an (nein, nicht den Tintenfisch, sondern) die Jakobsmuscheln vergab ich mein neustes Pr\u00e4dikat \u201eBesonders Schmackhaft\u201c. Besonders geschockt war ich allerdings \u00fcber die Suppe, die man mir eingoss. Leider kl\u00e4rte mich Jenny n\u00e4mlich erst nach dem letzten L\u00f6ffel dar\u00fcber auf, dass ich soeben die teure Spezialit\u00e4t Schildkr\u00f6tensuppe ausgeschl\u00fcrft hatte. Dabei hatte ich doch Marie, einer meiner Schildkr\u00f6tenliebenden Freundinnen, hoch und heilig versprochen, dass ich davon die Finger lassen w\u00fcrde! Zu sp\u00e4t\u2026<\/p>\n<p>Die einzigen, die keinen Bissen dieser grandiosen Gerichte abbekamen, waren der Br\u00e4utigam und seine Braut. Die beiden zogen, w\u00e4hrend wir uns die B\u00e4uche vollschlugen, mit zwei Schnapsflaschen von Tisch zu Tisch und stie\u00dfen mit allen G\u00e4sten an. Die Braut hatte sich dabei in ihr drittes Outfit geworfen, ein klassisches chinesisches Kleid in knalligem Rot, der an diesem Tag allgegenw\u00e4rtigen Farbe des Gl\u00fccks. Ziemlich rot leuchtete verst\u00e4ndlicherweise auch die Nase des Br\u00e4utigams, als Chang E und ich uns nach dem Essen verabschiedeten \u2013 die Braut hingegen strahlte noch immer frisch wie eh und je, weil sie sich heimlich Wasser in ihre Flasche gef\u00fcllt hatte.<\/p>\n<p>Eigentlich war die Zeremonie noch lange nicht vorbei \u2013 am Nachmittag w\u00fcrde man weiterziehen zu neuen Wohnung der frisch Verm\u00e4hlten, um die beiden durch ein paar Hochzeits-Spielchen zu scheuchen. Ein gemeinsames Abendessen im Restaurant sollte das Ganze letztendlich abschlie\u00dfen. Chang E aber musste den Zug in ihre Heimatstadt erwischen und ich selbst wollte die ohnehin ph\u00e4nomenale Gastfreundschaft der Familie nicht noch weiter strapazieren. Dennoch hatte ich einen detaillierten Einblick gewonnen, wie man sich in China heutzutage das Ja-Wort gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die wunderbar w\u00e4rmenden Sonnenstrahlen des n\u00e4chsten Morgens nutzte ich zusammen mit Theresa, Flo und Simon, um raus in die Natur zu fahren. Unser Ziel war der Nationalpark am Dong Hu, dem East Lake. Der liegt, um ehrlich zu sein, als gr\u00f6\u00dfter innenst\u00e4dtischer See immer noch mitten in Wuhan, aber als wir so im Bus die holprige Stra\u00dfe geradewegs \u00fcber den Dong Hu entlang zuckelten, hatte man beinahe den Eindruck, es ginge tats\u00e4chlich aufs Land hinaus. Die Zivilisation holte uns jedoch angesichts der gesalzenen Eintrittspreise unverhofft wieder ein.<\/p>\n<div id=\"attachment_146\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1008.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-146\" class=\"size-medium wp-image-146\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1008-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1008-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1008-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1008.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-146\" class=\"wp-caption-text\">Muss sicher super aussehen, wenn dieser Lotusbl\u00fctenteich in voller Bl\u00fcte steht<\/p><\/div>\n<p>Sehns\u00fcchtig schauten wir am Eingang dem Fahrzeug hinterher, das die Touristen bequem auf die Spitze des Berges in der Mitte des Nationalparks brachte. Ebenso wie der Zugang zu den Tempeln war eine Freifahrt zum Gipfel nat\u00fcrlich nicht im Preis mit inbegriffen, sodass wir uns zu Fu\u00df auf den Weg machten. Auf diese Weise konnten wir wenigstens den Park in seiner ganzen Pracht genie\u00dfen. Fernab von dem nerv t\u00f6tenden Dauerhupkonzert in der Stadt \u00fcberquerten wir einen gro\u00dfen Teich, der keine Stelle besa\u00df, die nicht von Lotusbl\u00e4ttern bedeckt war. Auf engen Pfaden k\u00e4mpften wir uns durch ein kleines Auenw\u00e4ldchen, in dessen B\u00e4umen riesige knallbunte Spinnen ihr Netz webten und sogar ein schillernder Eisvogel an einem Weiher fischen ging. Schlie\u00dflich gelangten wir zum Fu\u00df des Berges, an dem sich eine gewundene Stra\u00dfe hinauf schl\u00e4ngelte. Aber wer will schon auf dem ausgeschilderten Rundweg bleiben, wenn man auch einfach querfeldein beziehungsweise \u2013auf klettern kann! Also nahmen wir eine lange und entbehrungsreiche Klettertour in Angriff und erfreuten uns daran, dass wir daran gedacht hatten, Wanderschuhe und eine Machete mitzunehmen. Oder zumindest h\u00e4tten wir das tun k\u00f6nnen.<\/p>\n<div id=\"attachment_147\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-147\" class=\"size-medium wp-image-147 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1015-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1015-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1015-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1015.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-147\" class=\"wp-caption-text\">Endlich oben angekommen!<\/p><\/div>\n<p>Zehn (wenn nicht sogar ganze zw\u00f6lf) Minuten sp\u00e4ter erreichten wir den Hintereingang des Turms auf dem Gipfel und erklommen schwer atmend die letzten Stufen zur Aussichtsplattform. Mit einem grandiosen Panorama wurde unser kleiner Survival-Trip schlie\u00dflich belohnt. Vor uns erstreckte sich von einigen sanften, bewaldeten H\u00fcgeln eingerahmt der Dong Hu und im Hintergrund verlor sich die Silhouette der Gro\u00dfstadt im Dunst der Mittagshitze. Trotz all dem Augenschmaus freuten wir uns nach all der Anstrengung wahnsinnig \u00fcber die vier Birnen, die wir uns mitgebracht hatten \u2013 und die zahlreichen Touristen freuten sich nicht minder \u00fcber ihr neues Fotomotiv f\u00fcr das Familienalbum: \u201eAusl\u00e4nder bei der F\u00fctterung vor malerischem Panorama\u201c So gew\u00f6hnten wir uns immerhin schon einmal daran, dass wir in den kommenden Tagen noch h\u00e4ufiger als sonst abgelichtet werden w\u00fcrden, denn so ein ganzes Rudel Laowais bekommt man eben auch nicht alle Tage vor die Linse. Doch dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<div id=\"attachment_162\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1029.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-162\" class=\"size-medium wp-image-162 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1029-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1029-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1029-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1029.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-162\" class=\"wp-caption-text\">Dieser Bonsai hat eindeutig l\u00e4nger gelebt als die in meinem Zimmer, die n\u00e4ch sp\u00e4testens zwei Monaten eingingen<\/p><\/div>\n<p>Frisch gest\u00e4rkt machten wir uns daraufhin wieder an den etwas leichter fallenden Abstieg und nahmen auf dem R\u00fcckweg zum Ausgang noch einen gut best\u00fcckten Bonsai-Garten, einen Haufen Pagoden und einen Holzsteg mit, der gewunden durch den Wald von Lotusbl\u00e4ttern f\u00fchrte. Insgesamt hatten wir ein paar recht nette Stunden verbracht, oder wie Theresa das Ganze treffend beurteilte: \u201eScho sch\u00f6n, aber nich gut genug, dass ich den Eintrittspreis vergessen konnte\u201c.<\/p>\n<p>Weil wir mittlerweile sowieso schon angefangen hatten, unsere Geldbeutel zu entleeren, zeigte ich den anderen daraufhin noch die Tan Hua Lin (Chang E sei Dank, dass wir die richtige Haltestelle erwischten und bereits beim ersten Versuch in die richtige Seitenstra\u00dfe einbogen). Dort genehmigten wir uns eine hei\u00dfe Schokolade in meinem Lieblingscaf\u00e9 mit den schwebenden Goldfischgl\u00e4sern und lie\u00dfen den Tag anschlie\u00dfend bei Flo ausklingen.<\/p>\n<p>Mit so viel Natur und frischer Luft h\u00e4tte es ein wirklich entspannter und erholsamer Tag sein k\u00f6nnen. H\u00e4tte \u2013 denn das Schlimmste stand mir leider noch bevor. Um halb zw\u00f6lf wurde mir klar, dass ich nun wirklich besser gehen sollte. Denn w\u00e4hrend Theresa und Simon bequem bei Flo \u00fcbernachteten, hatte ich noch einen drei\u00dfigmin\u00fctigen Fu\u00dfmarsch zum Dormitory zu bestreiten, was eigentlich nicht unbedingt ein Problem darstellte. Erst, als ich wieder einmal vor dem verriegelten Schultor stand, fingen die Dinge an, richtig schief zu laufen. Was nun? Weit und breit keine Jiao Jiao in Sicht, die mit Hu Shifu in Kontakt treten konnte. Kein Problem, klettern wir einfach \u00fcber den drei Meter hohen Zaun und hoffen, dass uns niemand f\u00fcr einen Einbrecher h\u00e4lt. Gedacht, getan.<\/p>\n<p>Zuversichtlich nestelte ich den Schl\u00fcssel zum Eingang des Wohnheims aus dem Geldbeutel. Dummerweise nur wollte der schlichtweg nicht passen! Da fiel es mir pl\u00f6tzlich wie Schuppen von den Augen \u2013 verdammt, welcher Knallkopf hatte denn das Schloss ausgetauscht? Ich hatte ja schon einmal bef\u00fcrchten m\u00fcssen, dass man mich hier als den Freiwilligen in Erinnerung behalten w\u00fcrde, den man im Wohnheim eingesperrt hatte. Nun w\u00fcrde ich wohl der Freiwillige sein, den man aus dem Wohnheim ausgesperrt hatte.<\/p>\n<p>Nachdem ich mich davon \u00fcberzeugt hatte, dass es ziemlich lebensgef\u00e4hrlich war, an der Dachrinne empor zu kraxeln, blieb mir schlie\u00dflich nichts anderes \u00fcbrig, als den armen Linc wach zu klingeln, der \u00fcber die Feiertage im Dormitory schlief. Verschlafen erkl\u00e4rte er mir, dass nur Hu Shifu den Schl\u00fcssel f\u00fcr das Schloss besa\u00df, weil die Lehrer normalerweise nicht so sp\u00e4t heimkehren. Wenig sp\u00e4ter schallten laute Rufe nach dem Hausmeister durch die G\u00e4nge, doch es schien, als habe sich Hu Shifu gerade heute vorgenommen, unauffindbar zu bleiben.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcbernachte doch einfach im Hotel!\u201c, schlug Linc schlie\u00dflich von der anderen Seite der Gittert\u00fcr aus vor. Weil ich in der Tan Hua Lin mein letztes Geld ausgegeben und meine EC-Karte vorsorglich in meinem Zimmer zur\u00fcckgelassen hatte, musste ich mir jedoch eine andere L\u00f6sung aus den Fingern saugen. Die fanden wir auch, aber sie gefiel mir noch weniger, als Hu Shifu mitten in der Nacht anzurufen. Egal, ich hatte keine andere Wahl, als zum W\u00e4rterh\u00e4uschen zu stiefeln und dort den Nachtw\u00e4chter aufzuwecken (ziemlich paradox, nicht wahr?). Der erschien nach einigem Gebrummel in Boxershorts an der T\u00fcr, woraufhin ich ihm mein Handy ans Ohr dr\u00fcckte. Linc erkl\u00e4rte ihm auf diesem Wege kurz, was er tun sollte und ich folgte ihm \u00fcber die Basketballfelder zum B\u00fcrogeb\u00e4ude. Dessen T\u00fcren waren nat\u00fcrlich auch bereits mit dicken Eisenketten verriegelt, aber der Pf\u00f6rtner verst\u00e4ndigte per Klopfen am Fenster den Kollegen im Inneren des Geb\u00e4udes. Wunderbar, rei\u00dfen wir doch mal wieder wegen dem Ausl\u00e4nder die ganze Schulbelegschaft aus ihren seligen Tr\u00e4umen!<\/p>\n<p>Wie auch immer, die Ketten rasselten, der Nachtw\u00e4chter zog kopfsch\u00fcttelnd von dannen, ich stieg hundem\u00fcde die Treppe zum Lehrerzimmer hinauf und machte es mir darin auf Lincs Liege bequem. So bequem zumindest, wie man es sich mit 1,90 Metern auf einer 1,70-Liege machen kann. Wie ich sehr schnell herausfand, teilte ich mir mein neues Schlafgemach mit einer Heerschar blutdurstiger Schnaken \u2013 und weil Chang Es Wundermittelchen sicher im Dormitory auf mich wartete, artete der Rest der Nacht in einer gar epischen Schlacht zwischen den Moskitos und ihrer \u00fcberm\u00fcdeten Beute aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Einzige, was mich am n\u00e4chsten Morgen davon abhielt, den ganzen Tag in meinem richtigen Bett zu verbringen, war die Aussicht, dass heute die restlichen Freiwilligen eintreffen w\u00fcrden. Etwas ger\u00e4dert traf ich bei Flo ein, wo es sich bereits Sandra und Fanny aus Guangzhou und Maurice und Flo aus Shenzhen auf Flos superbequemen Sofa bequem gemacht hatten. Besser h\u00e4tte es nicht kommen k\u00f6nnen: nun bestand unsere Reisegruppe also aus drei M\u00e4dels mit langen, blonden Haaren und f\u00fcnf Jungs, ebenfalls entweder blond und\/oder weit \u00fcber der chinesischen Durchschnittsgr\u00f6\u00dfe. Eines stand somit fest &#8211; die Kameras w\u00fcrden uns lieben! Daran hatten wir uns mittlerweile alle gew\u00f6hnt, doch manche Kommentare der staunenden Chinesen brachten mich immer noch zum Schmunzeln. Insbesondere Fannys wallende, goldene Haare und ihre blauen Augen resultierten ihren Erz\u00e4hlungen zufolge hin und wieder in geradezu anhimmelnden Ausrufen (\u201eOH MY GOD, you are so beautiful! I can\u2019t believe it!!!\u201c).<\/p>\n<p>\u00dcbrigens hielt sich der Anteil der S\u00fcddeutschen trotz Verst\u00e4rkung mit dem Rest die Waage. Wie Theresa und ich sorgten n\u00e4mlich auch Sandra und Fanny von Zeit zu Zeit mit l\u00e4ndletypischem Vokabular f\u00fcr verst\u00e4ndnislose Gesichter \u2013 aber Simon bef\u00fcrchtete ja bereits seit dem Vorbereitungsseminar, dass meine Sch\u00fcler mein Gebabbel nicht verstehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nachdem sich alle vollends h\u00e4uslich bei Flo eingerichtet hatten, stand unserer Wuhan-Sightseeing-Tour nichts mehr im Wege. Eigentlich hatten wir geplant, zum noch einmal zum Guiyuan-Tempel zu fahren, aber beim Suchen einer geeigneten Bushaltestelle entdeckten wir, dass die gro\u00dfe daoistische Tempelanlage heute keinen Eintritt kostete. Dann nichts wie rein ins Gratis-Vergn\u00fcgen, dachte sich nicht nur der schw\u00e4bische Teil unserer Reisegruppe. Sogar f\u00fcr diejenigen, die die Tempelanlage schon einmal besichtigt hatten, lohnte sich der Besuch. Einerseits kl\u00e4rte uns Maurice zu Fannys Missfallen dar\u00fcber auf, dass es Gl\u00fcck bringe, den Schildkr\u00f6ten im Teich Geld auf den Kopf zu werfen (\u201eDes ist gar net so luschtig! Was w\u00fcrdet ihr denn sagen, wenn euch pl\u00f6tzlich jemand nen Stein aufn Kopf schmei\u00dft?\u201c).<\/p>\n<div id=\"attachment_148\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1036.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-148\" class=\"size-medium wp-image-148\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1036-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1036-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1036-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1036.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-148\" class=\"wp-caption-text\">Ausblick von der Pagode<\/p><\/div>\n<p>Abgesehen davon gab es da noch eine hohe Pagode am Hang, zu deren Besichtigung wir beim letzten Mal zu faul gewesen waren. Es stellte sich bereits am ungef\u00e4hr 1,70 Meter hohen Eingang heraus, dass uns ein noch abenteuerlicherer Aufstieg bevorstand als im Nationalpark. Man hatte den Turm n\u00e4mlich konzipiert, ohne daran zu denken, dass vielleicht eines Tages ein paar ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Touristen dessen Spitze erreichen wollen. Vielleicht hatte sollte es aber auch beim Erreichen eines h\u00f6heren geistigen Zustands helfen, sich st\u00e4ndig den Sch\u00e4del anzuschlagen oder auf den engen, glatten Stufen auszurutschen. Wenigstens wurde diese Gehirnzellen gef\u00e4hrdende Klettertour mit einem weiteren spektakul\u00e4ren Ausblick belohnt. Zwar konnten wir uns nicht wieder auf einer gro\u00dfz\u00fcgigen Aussichtsplattform austoben, sondern mussten uns auf einen be\u00e4ngstigend kleinen und wackeligen Balkon quetschen. Daf\u00fcr \u00fcberblickte man den gesamten Tempel mit seinen geschwungenen, orangefarbenen D\u00e4chern und vielen wogenden B\u00e4umen sowie die modernen kantigen Hochh\u00e4user der Gro\u00dfstadt, die \u00fcbergangslos an die Anlage ankn\u00fcpften.<\/p>\n<div id=\"attachment_143\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0991a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-143\" class=\"size-medium wp-image-143\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0991a-300x187.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0991a-300x187.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0991a-480x300.jpg 480w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0991a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-143\" class=\"wp-caption-text\">Nein, das sind keine Steine, sondern Schildkr\u00f6ten, die um einen Platz in der Sonne k\u00e4mpfen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_150\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1059.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-150\" class=\"size-medium wp-image-150 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1059-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1059-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1059-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1059.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-150\" class=\"wp-caption-text\">Unsere Reisegruppe vor dem Schildkr\u00f6tenteich (von links.: Sandra, Simon, Maurice, Shenzhen-Flo, Wuhan-Flo, Theresa, Fanny, ich)<\/p><\/div>\n<p>Auch der Guiyan-Tempel, zu dem wir nach einem leicht lebensgef\u00e4hrlichen Abstieg weiterzogen, hatte noch einiges Neues zu bieten. Zum Beispiel einen Teich, der f\u00f6rmlich von Schildkr\u00f6ten \u00fcberquoll. Den hatten wir bereits beim letzten Besuch bemerkt, aber damals wussten wir ja noch nicht, dass es Gl\u00fcck brachte, ihre Sch\u00e4del mit M\u00fcnzen zu bombardieren. Wer h\u00e4tte gedacht, dass dies selbst bei einer Rate von ungef\u00e4hr vierzig Panzertr\u00e4gern pro Quadratmeter trotzdem gar nicht mal so einfach ist! Was war blo\u00df aus meinen Wurff\u00e4higkeiten vom Basketballspielen geworden? Naja, so konnte uns Fanny immerhin nicht weiterhin der Tierqu\u00e4lerei bezichtigen (und auch Marie wird mir hoffentlich zur Begr\u00fc\u00dfung keinen Stein an den Kopf werfen, wenn ich wieder aus China zur\u00fcckkomme).<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hatten wir uns dank Professor Google rechtzeitig informiert, was genau die Leute in der Halle der f\u00fcnfhundert goldenen Arhats Mysteri\u00f6ses trieben. Dahinter steckte folgendes Geheimnis: wenn man so viele Statuen abz\u00e4hlte, wie man Jahre alt ist, wird man seinen pers\u00f6nlichen Arhat finden. M\u00e4nner m\u00fcssen dabei am Eingangstor nach links gehen, Frauen nach rechts. Selbst Gleichaltrige gelangen meist nicht zum selben Arhat, weil sich der Gang mehrmals verzweigt. Das Schicksal jedoch soll den Z\u00e4hlenden am Ende zu einem vorgesehenen Erleuchteten f\u00fchren, anhand dessen man den Verlauf der Zukunft ableiten kann. Das klingt doch sehr vielversprechend, nicht wahr?<\/p>\n<div id=\"attachment_149\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1039.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-149\" class=\"size-medium wp-image-149\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1039-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1039-225x300.jpg 225w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1039.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-149\" class=\"wp-caption-text\">Mein pers\u00f6nlicher Arhat<\/p><\/div>\n<p>Also schw\u00e4rmten alle alsbald aus, ihren eigenen Arhat kennenzulernen. Ich landete am Ende bei einem besonders breit und schelmisch grinsenden Exemplar, was auch immer das bedeuten mochte. Wenigstens war ich nicht zu dem gelangt, der seine Augenbrauen h\u00fcftlang trug. \u00dcber den Drachenreiter oder den, der friedlich in seinem Bettchen tr\u00e4umte, h\u00e4tte ich mich aber ebenfalls nicht beschwert.<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck konnte ich aber ohne den schlafenden Arhat davon ausgehen, dass ich in naher Zukunft wieder ein richtiges Bett zur Verf\u00fcgung haben w\u00fcrde. Nach dem unfreiwilligen Abenteuer in der vergangenen Nacht hatte ich n\u00e4mlich endg\u00fcltig vor der Schloss-und-Riegel-Politik unserer Schule kapituliert und als achter im Bunde bei Flo Asyl gesucht. Auf diese Weise kam ich am n\u00e4chsten Morgen in den Genuss eines ungewohnt \u201edeutschen\u201c gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fccks. Entgegen der weit verbreiteten Annahmen kann man in China sehr wohl Brot kaufen, und zwar beim B\u00e4cker um die Ecke. Das hat zwar in keinster Weise etwas mit richtigem Schwarzbrot zu tun, doch es eignet sich durchaus, um mit tonnenweise Butter, Marmelade und Honig beschmiert zu werden. Und wenn man dazu noch ein ordentliches R\u00fchrei, ein Glas Milch und ein bisschen Obst genie\u00dft, kann der n\u00e4chste Ferientag beginnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ersten Programmpunkt des Tages setzten wir uns ein bisschen mit Chinas Geschichte auseinander. Eines der wichtigsten Ereignisse der j\u00fcngeren Vergangenheit hatte n\u00e4mlich in Wuchang (das ist der Distrikt, in dem ich wohne) seine Wurzeln. Auf dem damals noch eigenst\u00e4ndigen Stadtgebiet formte sich 1911 der Wuchang-Aufstand, der den Auftakt zur Revolution gegen die Qing-Dynastie bildete. Jene Dynastie hatte f\u00fcr viele Jahrhunderte das Reich regiert und wurde schlie\u00dflich erfolgreich gest\u00fcrzt. Als Resultat des Umsturzes wurde die erste chinesische Republik ausgerufen und man ernannte den ber\u00fchmten Revolution\u00e4r Sun Yatsen zum \u00dcbergangspr\u00e4sidenten, der den abgedankten, letzten Kaiser ersetzte.<\/p>\n<div id=\"attachment_151\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1071.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-151\" class=\"size-medium wp-image-151\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1071-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1071-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1071-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1071.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-151\" class=\"wp-caption-text\">Revolution\u00e4re<\/p><\/div>\n<p>Um in allen Details \u00fcber die Revolution zu erfahren, stellte das Wuhan Revolution Museum definitiv die beste Adresse dar. In dem raumschiffartigen Geb\u00e4ude konnte man den Verlauf der revolution\u00e4ren Aktivit\u00e4ten mitsamt allen Beteiligten genauestens verfolgen. Den gr\u00f6\u00dften Spa\u00df hatten wir jedoch glaube ich bereits auf dem gro\u00dfen Platz vor dem Museum. Dort stand ein imposantes Revolutionsdenkmal, das sich perfekt dazu eignete, um nachgestellt zu werden. Wieder einmal ein wunderbares und zugleich p\u00e4dagogisch wertvolles Fotomotiv f\u00fcr alle Umstehenden: \u201eAhnungslose Ausl\u00e4nder versuchen, die Geschichte der Republik durch ein Standbild zu verinnerlichen\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_152\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1081.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-152\" class=\"size-medium wp-image-152\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1081-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1081-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1081-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1081.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-152\" class=\"wp-caption-text\">Die Hu Bu Xiang<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_153\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1084.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-153\" class=\"size-medium wp-image-153\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1084-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1084-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1084-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1084.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-153\" class=\"wp-caption-text\">Chefkoch beim Cr\u00eapes-Werfen<\/p><\/div>\n<p>Nach so viel nachhaltiger Freizeitgestaltung hatten wir es uns redlich verdient, uns beim Verarbeiten des Informations-Overkills wenigstens ordentlich die B\u00e4uche vollzuschlagen. Und welcher Ort eignete sich daf\u00fcr besser als meine hei\u00dfgeliebte Hu Bu Xiang! In der wie immer brechend vollen Fressgasse zerstreuten wir uns erst einmal in alle Himmelsrichtungen und teilten am Ende stolz unsere Errungenschaften miteinander. Dabei stellte ich fest, dass ich beim letzten Mal nur einen Bruchteil des Delikatessen-Angebots ausprobiert hatte. Die Vielfalt unserer Beute reichte von gebackenen Bananen, pikanten Minikartoffeln und Fr\u00fchlingsrollen \u00fcber Maurices etwas fragw\u00fcrdige Sushir\u00f6llchen bis hin zu innen hohlen, s\u00fc\u00dfen Reisb\u00e4llchen und undefinierbaren, nach Karies schreienden Spie\u00dfchen. Als w\u00e4re das nicht genug, g\u00f6nnten sich alle noch eine Art gef\u00fcllten Cr\u00eapes, den der Koch recht spektakul\u00e4r durch die Luft wirbelte, bevor er schlie\u00dflich in der Pfanne landete. Allerdings h\u00e4tte man das Spektakel noch viel mehr genie\u00dfen k\u00f6nnen, w\u00e4ren da nicht die Bettelfrauen gewesen, die einem unabl\u00e4ssig ihre Klingelb\u00fcchsen in den Bauch rammten.<\/p>\n<p>Das mag vielleicht ganz am\u00fcsant klingen, ist es aber selbstverst\u00e4ndlich \u00fcberhaupt nicht. Weil die Altersvorsorge in China bei Weitem nicht so gut entwickelt ist wie in Deutschland, m\u00fcssen sich hier einige \u00e4ltere Leute, die nicht mehr arbeiten k\u00f6nnen, zum Betteln herablassen. Auf der anderen Seite gibt es viele zwielichte Untergrund-Organisationen, die Bettler aussenden und das gespendete Geld von ihnen einfordern. Eine richtige Verhaltensweise diesen Menschen gegen\u00fcber gibt es deshalb meiner Meinung nach nicht. Jedem bleibt selbst \u00fcberlassen, wie er darauf reagiert, doch in unserem Fall setzte Sandra dem Ganzen zu unserer Erleichterung mit einem energischen \u201eBU YAO!!!\u201c (Ich will nicht) ein Ende. Seitdem hat sich \u201eBu Yao\u201c \u00e4hnlich anhaltend in unseren Wortschatz eingebrannt wie unsere Lieblingsvokabeln \u201eNachhaltigkeit\u201c und \u201ereflektieren\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_155\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1094.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-155\" class=\"size-medium wp-image-155\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1094-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1094-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1094-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1094.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-155\" class=\"wp-caption-text\">Beim Training f\u00fcr die Weltmeisterschaft im Luftanhalten<\/p><\/div>\n<p>Mit bis oben hin gef\u00fcllten B\u00e4uchen rollten wir anschlie\u00dfend zum Yangtse-Ufer, um eine Bootsfahrt zu wagen. \u00dcber unsere Platzwahl h\u00e4tten wir dabei vielleicht etwas l\u00e4nger reflektieren sollen, denn sie entpuppte sich als nicht all zu nachhaltig. An der Heckseite der F\u00e4hre hatten wir zwar eine passable Aussicht, allerdings wurden wir von unertr\u00e4glich blechern klingenden Instrumentalst\u00fccken beschallt, die einem in den h\u00f6heren Tonlagen die Haare zu Berge stehen lie\u00dfen. Als w\u00e4re das nicht genug, nebelten uns nach dem Ablegen dauerhaft die Abgase des Schiffs ein, sodass ich bald dar\u00fcber nachdachte, Jacks ber\u00fchmte Zeilen \u201eYou jump, I jump!\u201c in die Tat umzusetzen. Angesichts der braunen Br\u00fche unter uns \u00fcberlegte ich mir mein Vorhaben doch noch einmal anders und stellte mich resigniert auf ein Leben mit Raucherlunge ein. Positiv denken &#8211; immerhin sprangen dabei ein paar nette Fotos bei uns heraus: \u201eFreiwillige trainieren vor ChangJiang Bridge f\u00fcr Weltmeisterschaft im Luftanhalten\u201c.<\/p>\n<div id=\"attachment_166\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0867.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-166\" class=\"size-medium wp-image-166\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0867-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0867-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0867-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_0867.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-166\" class=\"wp-caption-text\">Ein paar mutige Schwimmer<\/p><\/div>\n<p>Auf der anderen Seite angekommen, konnten wir endlich wieder durchatmen und staunten nicht schlecht, als wir ein paar Leute sahen, die sich vorgenommen hatten, Fische in der tr\u00fcben Pampe am Ufer zu angeln. Noch faszinierter waren wir allerdings von den mutigen Schwimmern, die tats\u00e4chlich den ganzen Fluss paddelnderweise \u00fcberquert hatten und nun (ohne ein zus\u00e4tzliches Set Arme oder ein mutiertes drittes Auge) auf den Strand hinaus watschelten. Da wir allerdings alle dar\u00fcber einstimmten, es ihnen lieber nicht nachzumachen, genehmigten wir uns stattdessen einen auf der ganzen Welt gleich guten sowie gleich teuren Drink bei Starbucks.<\/p>\n<div id=\"attachment_156\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1119.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-156\" class=\"size-medium wp-image-156\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1119-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1119-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1119-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1119.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-156\" class=\"wp-caption-text\">Bitte folgen Sie Ihrer Reisef\u00fchrerin mit dem gelben Luftballon!<\/p><\/div>\n<p>Als der Abend \u00fcber Wuhan hereinbrach, setzten wir unsere Tour auf dem mir bereits wohlbekannten Nachtmarkt fort. Das einzige, was wir dort letztendlich jedoch kauften, war ein Winnie-Puh-Luftballon f\u00fcr Fanny, damit die Arme nicht versehentlich in der Menge verloren ging. Aufgrund unserer doch eher mangelhaften Kauflust gingen wir dann jedoch bald, mit ein paar Flaschen Bier ausger\u00fcstet, zum interessantesten Teil des Abends \u00fcber: meiner zweiten Karaoke-Session \u2013 und wer h\u00e4tte gedacht, dass Kulturweit so viele musikalische Nachwuchstalente nach China geschickt hatte! Sandra brachte uns mit einer japanischen Pop-Hymne zum Staunen, Shenzhen-Flo wartete mit einem chinesischen Schlaflied auf und der Rest vergn\u00fcgte sich mit Linkin Park, Blue, Journey, den Backstreet-Boys und (mein pers\u00f6nlicher Favorit) sogar dem Opening von K\u00f6nig der L\u00f6wen.<\/p>\n<p>Ehe wir jedoch dar\u00fcber nachdenken konnten, bei \u201eThe Voice of China\u201c zu landen, mussten wir f\u00fcr kurze Zeit bef\u00fcrchten, wieder auf der Stra\u00dfe zu landen. Maurice war n\u00e4mlich auf die glorreiche Idee gekommen, eine China-Flagge umgekehrt an einen Luftballon zu h\u00e4ngen. Einer der Mitarbeiter hatte dies mit Schrecken entdeckt und befahl uns nun energisch, diese Beleidung der Volksrepublik schnellstens zu unterlassen. Hier in China besteht eben noch ein anderes Verh\u00e4ltnis zwischen dem Volk und seiner Flagge. Zum Gl\u00fcck belie\u00df er es dabei, uns nicht rauszuwerfen, beobachtete jedoch penibel alle Freiwilligen, die aufs Klo gingen \u2013 nicht, dass wieder einer eine Fahne anschleppte.<\/p>\n<div id=\"attachment_157\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1133.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-157\" class=\"size-medium wp-image-157\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1133-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1133-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1133-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1133.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-157\" class=\"wp-caption-text\">Gangnam-Style!<\/p><\/div>\n<p>Jener unangenehme Zwischenfall vermochte jedoch nicht, unsere Stimmung zu tr\u00fcben, im Gegenteil \u2013 der Abend fand seinen am\u00fcsanten H\u00f6hepunkt, als alle gemeinsam vor dem Flachbildschirm zu \u201eGangnam-Style\u201c tanzten. Der seltsame Koreaner macht mit seinem bizarren Tanz zurzeit in China sogar Adele ordentlich Konkurrenz.<\/p>\n<div id=\"attachment_158\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1143.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-158\" class=\"size-medium wp-image-158\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1143-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1143-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1143-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1143.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-158\" class=\"wp-caption-text\">Am Ufer des Yangtse<\/p><\/div>\n<p>Ersch\u00f6pft von all dem albernen Herumgehopse verbrachten wir den Rest des Abends unter hell leuchtenden Sternen auf den Stufen der Uferpromenade am Yangtse. Moment mal \u2013 Sternenhimmel in Wuhan? Das ist ja wohl kaum m\u00f6glich! Richtig, denn das, was \u00fcber uns leuchtete waren tats\u00e4chlich auch keine Sterne, sondern etliche fliegende Lampions, die von den anderen Spazierg\u00e4ngern gen Himmel gesendet wurden. Den Spa\u00df durften wir uns nat\u00fcrlich nicht entgehen lassen und so ersteigerten wir uns kurzerhand ebenfalls zwei Lampions. Nach dem Hei\u00dfluftballonprinzip musste man im Grunde lediglich einen Brennk\u00f6rper entz\u00fcnden, dessen Hitze eine H\u00fclle aus Papier f\u00fcllte und das Lampion schlie\u00dflich zum Schweben brachte. Leichter gesagt als geflogen \u2013 das erste Lampion ging nach einigen Metern in Flammen auf und das zweite weigerte sich aufgrund eines Lochs in der Papierh\u00fclle vehement, in die L\u00fcfte zu steigen. So mussten wir uns damit zufrieden geben, den erfolgreicher gestarteten Gl\u00fchlichtern and\u00e4chtig hinterher zu sehen, bis und schlie\u00dflich die Nachtw\u00e4chter aus dem Park scheuchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_159\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1158a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-159\" class=\"size-medium wp-image-159\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1158a-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1158a-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1158a-400x300.jpg 400w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/SAM_1158a.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-159\" class=\"wp-caption-text\">Ein einsamer Autoputzer auf dem Berggipfel<\/p><\/div>\n<p>Leider brach am n\u00e4chsten Morgen bereits unser letzter gemeinsamer Tag an, in dessen erster H\u00e4lfte wir uns auf zwei getrennte Reisegruppen aufteilten. W\u00e4hrend Fanny und Theresa sich eine Massage g\u00f6nnen wollten, wagten wir uns zum\u00a0 Gui Shan, dem Schildkr\u00f6tenberg. Vermutlich h\u00e4tten wir uns allerdings ebenfalls besser ordentlich den R\u00fccken durchwalken lassen sollen, denn zum einen gab es dort gar keine Schildkr\u00f6ten und zum anderen begann es just nach unserer Ankunft zu regnen. Unsere letzte Hoffnung bestand in dem Fernsehturm auf dem Gipfel, den wir zuvor gegoogelt hatten. Dummerweise hatte uns Professor Google nicht verraten, dass der aus irgendeinem Grund seit vier Jahren geschlossen war. So ein Pech aber auch! Das einzig Spannende, das wir dort oben fanden, bestand in einem Mann, der mitten auf der H\u00fcgelspitze im str\u00f6menden Regen sein Auto wusch. Ob der wohl auch zehn Yuan Eintritt bezahlt hatte?<\/p>\n<p>Wie dem auch sei, nach diesem Schuss in den Ofen ging es etwas durchn\u00e4sst weiter zum Hubei Museum, wo wir auf unsere beiden beneidenswert entspannten Massage-Kolleginnen trafen. Das Museum hatte ich zwar bereits gesehen, doch ich vertrieb mir daf\u00fcr die Zeit damit, eine leckere, w\u00e4rmende S\u00fc\u00dfkartoffel zu verdr\u00fccken. Wenn der erste Hauch von Herbst in der Luft liegt, tauchen hier pl\u00f6tzlich \u00fcberall Stra\u00dfenverk\u00e4ufer auf, die diese Kartoffeln feilbieten. F\u00fcr gew\u00f6hnlich verbrennt man sich beim Versuch, die Knolle zu sch\u00e4len, erst einmal ordentlich die Finger, aber meiner Meinung nach lohnt sich das angesichts des delikaten, orangefarbenen Inneren durchaus.<\/p>\n<p>Unseren letzten Abend wollten wir noch einmal zusammen in Flos Wohnung genie\u00dfen. Zuvor allerdings verschwand ich kurz in den riesigen Tiermarkt, den ich zuf\u00e4llig in der N\u00e4he meiner Schule entdeckt hatte. Dort kann man, wie ich herausfand, so ziemlich jegliches vorstellbare Haustier kaufen. In schrecklich kleinen K\u00e4figen dr\u00e4ngten sich haufenweise herzerweichend traurig dreinblickende Welpen und Katzen aneinander und eine chinesisch sprechende Kr\u00e4he begr\u00fc\u00dfte mich von ihrer Stange aus. \u00a0Aus ein paar Terrarien starrten mich Leguane, Geckos und Taranteln mit ihren acht Augen an und in einem gro\u00dfen Becken schwammen sogar die eigentlich gesch\u00fctzten Drachenfische, f\u00fcr deren Haltung man in Deutschland bestimmte Einfuhrpapiere ben\u00f6tigt. Irgendwie schaffte ich es, der Verk\u00e4uferin klarzumachen, dass ich hier ein kleines Aquarium kaufen wollte, allerdings nicht f\u00fcr mich selbst, sondern f\u00fcr unseren Gastgeber, der sich ohne uns sicher sehr einsam in seinem gro\u00dfen Apartment f\u00fchlen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Mit vier Goldfischen im Schlepptau kehrte ich zur Bierschule zur\u00fcck, wo wir unser gar grandioses Gastgeschenk \u00fcberreichten und dann zum entspannteren Teil des Abends \u00fcbergingen. Naja, so entspannt zumindest, wie ein paar Runden Kings sein k\u00f6nnen, bei denen man st\u00e4ndig den grauenvollen Bai Jiu herunterw\u00fcrgen muss. Egal, zu Lachen gab es dabei trotzdem viel, als wir um das Goldfischglas versammelt Kinderlieder zum Besten gaben, Luftgitarre spielten und eine nachhaltig erheiternde Trinkregel nach der anderen erfanden. Au\u00dferdem versorgte uns Flo gro\u00dfz\u00fcgig mit dem \u201eZentrums-Bier\u201c, das seine Schule nach deutschem Reinheitsgebot herstellte. Weil das eine h\u00f6here Stammw\u00fcrze als das chinesische Bier besitzt (ja, ich hab auch schon was an der Bierschule gelernt), mundete es dementsprechend weniger w\u00e4ssrig als sein Pendant aus Qingdao.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch alle guten Dinge m\u00fcssen einmal enden und so nahm ich schweren Herzens Abschied von den anderen Kulturweitlern und zog wieder in meinem eigenen Schlafgemach ein. Immerhin habe ich mir, von Flos Gastgeschenk inspiriert, ein bisschen Gesellschaft verschafft, die mich auch in Zukunft an meine ersten Ferien und eine wahrlich goldene Woche in China erinnern wird. Weil mir Son Wukong und seine schuppigen Freunde allerdings auf Dauer etwas zu schweigsam sind, freue ich mich schon darauf, Yang Xi, Chang E und die anderen Lehrer im B\u00fcro und meine lieben Kulturweit-Kollegen sp\u00e4testens beim Zwischenseminar in Shanghai wiederzusehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_169\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/DSC01238a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-169\" class=\" wp-image-169 \" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/DSC01238a.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"767\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/DSC01238a.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/DSC01238a-300x224.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/journey\/files\/2012\/10\/DSC01238a-400x300.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-169\" class=\"wp-caption-text\">Sch\u00f6n war&#8217;s!<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: center\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Graue, regenschwere Wolken ziehen tr\u00e4ge \u00fcber das kleine St\u00fcckchen Himmel, das man von meinem BBB aus sehen kann. 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