{"id":4,"date":"2016-03-02T18:05:19","date_gmt":"2016-03-02T17:05:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/?p=4"},"modified":"2017-03-08T19:15:31","modified_gmt":"2017-03-08T18:15:31","slug":"la-milonga-auf-den-spuren-des-tangos-ein-annaeherungsversuch-rio-de-la-plata","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/2016\/03\/02\/la-milonga-auf-den-spuren-des-tangos-ein-annaeherungsversuch-rio-de-la-plata\/","title":{"rendered":"La Milonga &#8211; Auf den Spuren des Tango"},"content":{"rendered":"<h1>Ein t\u00e4nzerischer Ann\u00e4herungsversuch am R\u00edo de la Plata<\/h1>\n<h4>Text von Karoline M\u00f6ller und Josephine Taraschkewitz<\/h4>\n<h4>Fotografien: Josephine Taraschkewitz<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-15\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-1024x697.jpg\" alt=\"Scannen0007 (2)\" width=\"584\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-300x204.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-768x523.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-750x510.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Anfangsidee und Ausgangspunkt unseres Projekts ist der Tango &#8211; lebendiger Ausdruck und musikalische Manifestation der Einwanderungsbewegungen in S\u00fcdamerika. Diese Kultursch\u00f6pfung, die bis heute nicht an ihrer Lebendigkeit eingeb\u00fc\u00dft hat, zieht auch zeitgen\u00f6ssische Einwanderer, wie wir es als kulturweit-Freiwillige vor\u00fcbergehend ebenso sind, heute wie damals, in ihren Bann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-31 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-1024x695.jpg\" alt=\"Scannen0006 (2)\" width=\"584\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-300x204.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-768x521.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-442x300.jpg 442w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-750x509.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir, Karoline und Josephine, leben und arbeiten im Rahmen des kulturweit-Freiwilligendienstes f\u00fcr 12, beziehungsweise 6, Monate in der Region des R\u00edo de la Plata.\u00a0 Karoline ist 20 Jahre alt und hat 2015 ihr Abitur gemacht. Sie arbeitet in Buenos Aires an einer deutschen Schule. In ihrer Freizeit tanzt sie leidenschaftlich gern klassisches Ballett und andere Tanzstile. Josephine ist 25 Jahre alt und arbeitet in Montevideo f\u00fcr die Unesco Nationalkommission. Sie hat Kunstgeschichte studiert und geht seit vielen Jahren ebenso ihrem Hobby, dem Tanz, nach.<\/p>\n<p>Auf einem unserer Seminare sind wir \u00fcber Argentinien, Uruguay, Kultur und Tanz\u00a0 miteinander ins Gespr\u00e4ch gekommen. Nach einiger Zeit stie\u00dfen wir auf die Frage: Was ist eigentlich Tango? Ist er doch ein wichtiger Bestandteil der Kultur unserer Einsatzl\u00e4nder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-10 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1024x718.jpg\" alt=\"Scannen0005\" width=\"584\" height=\"409\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-300x210.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-768x539.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-750x526.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/p>\n<p>Neugierig, den Spuren dieser Fragestellung folgend, machten wir uns auf Entdeckungsreise in Buenos Aires und Montevideo, den zwei Metropolen der R\u00edo de la Plata Region. Mit unseren gegenseitigen Besuchen vollzogen wir geografische Blickwechsel, motiviert durch folgende \u00dcberlegungen: Wie viel erz\u00e4hlt der Tango von der argentinischen und der uruguayischen Kultur? Gibt es regionale Unterschiede in den beiden Gro\u00dfst\u00e4dten? Was bewegt die Menschen dazu Tango zu tanzen? Inwiefern gibt es feste Regeln im Tango oder ist er ein Tanz, der vielmehr von der Improvisation lebt?<\/p>\n<div id=\"attachment_8\" style=\"width: 594px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004.jpg\" rel=\"attachment wp-att-8\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8\" class=\"wp-image-8 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-1024x690.jpg\" alt=\"Scannen0004\" width=\"584\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-300x202.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-768x518.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-750x505.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8\" class=\"wp-caption-text\">Der R\u00edo de la Plata verbindet Argentinien und Uruguay. Am Horizont die Hochh\u00e4user Buenos Aires&#8216;.<\/p><\/div>\n<p>Begonnen haben wir unsere Reise in Buenos Aires, und zwar mit einer Recherche. Auf die Fragen \u201eWas ist der Tango?\u201c und \u201eWo kommt er her?\u201c haben wir folgende Antworten gefunden:<\/p>\n<p>Der Tango ist am R\u00edo de la Plata geboren:<em> ,,Er war das Resultat einer brodelnden Verschmelzung aufeinanderprallender Kulturen im \u00dcberlebenskampf entwurzelter Menschen in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts am M\u00fcndungsgebiet des R\u00edo de la Plata.&#8220;<strong>[<\/strong><strong>1]<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Die Immigranten aus Europa, die Bauern, die ihr Land verloren haben und die Sklaven trafen ab 1850\u00a0 in den Gro\u00dfst\u00e4dten S\u00fcdamerikas aufeinander und brachten ihre eigenen Musikinstrumente, Rhythmen und Kulturen mit. Sie vereinte jedoch die Sehnsucht, der Schmerz und die Sorgen um das Dasein. Das Leben in der Gro\u00dfstadt war hart und h\u00e4sslich. Die Menschen suchten Trost und N\u00e4he. Auf diese Art entstanden die ersten T\u00f6ne und Schritte des Tangos. Die T\u00e4nzer umarmten sich, suchten die N\u00e4he des anderen und schritten so eng miteinander verbunden in den Stra\u00dfen von Buenos Aires.<\/p>\n<p>Nachdem der Tango in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts seine Bl\u00fctezeit erlebte, begleitet von einem sehr hohen musikalischen Niveau, ver\u00e4ndert sich die Musikkultur Buenos Aires\u00b4 in den 70er und 80er Jahren. Durch den Beginn der Diktatur und den Einzug des Neoliberalismus verlieren nationale, kulturelle Ph\u00e4nomene an Bedeutung und der Tango sowie die, der argentinischen Kultur eigenen Folkloremusik, b\u00fc\u00dfen an Zuspruch ein. Der Rock\u00b4n\u00b4Roll breitet sich aus und \u00fcberlagert wertvolle nationale Kulturformen. Es folgen 30 Jahre des Vergessens seiner reichen Ausdrucksformen. Seit circa 15 Jahren ist man sich in Argentinien wieder des Tangos bewusster.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-11\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11 alignleft\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1-300x203.jpg\" alt=\"000012 (1)\" width=\"300\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1-300x203.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1-768x519.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000012-1-750x507.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Um uns erst einmal einen Eindruck \u00fcber die Bl\u00fctezeit des Tangos zu verschaffen, besuchten wir das Haus des ber\u00fchmten Tangos\u00e4ngers Carlos Gardel, welches heute ein Tangomuseum beherbergt. Wir bemerkten, was f\u00fcr eine goldene Zeit die 20er in Buenos Aires waren und dass die Musik und der Tanz zwar<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1.jpg\" rel=\"attachment wp-att-12\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-12 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1-300x203.jpg\" alt=\"Scannen0005\" width=\"300\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1-300x203.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1-768x519.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0005-1-750x507.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>zusammenh\u00e4ngen, aber doch auch eigenst\u00e4ndig betrachtet werden m\u00fcssen. Letztendlich verlie\u00dfen wir das Museum mit mehr Fragen, als Antworten und fuhren gleich weiter in das <em>Tanzstudio<\/em> <em>Din<\/em><em>zel<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das <em>Tanzstudio Dinzel<\/em> wurde 1988 von Carlos Rodolfo Dinzelbacher mit dem Ziel gegr\u00fcndet einen Raum f\u00fcr Tanzunterricht und der Vermittlung des Tangos in seiner popul\u00e4ren argentinischen Art zu schaffen &#8211; frei zug\u00e4nglich f\u00fcr jede Person, die es sich w\u00fcnscht.[2] In diesem kleinen, aber sehr besonderen Studio treffen sich Tangobegeisterte aus aller Welt, um frei zu tanzen, Tangounterricht zu nehmen oder einfach den gemeinsamen Moment bei einem Mate zu genie\u00dfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022.jpg\" rel=\"attachment wp-att-13\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-13 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022-1024x692.jpg\" alt=\"000022\" width=\"584\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022-300x203.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022-768x519.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000022-750x507.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Hier bot sich uns die M\u00f6glichkeit, verschiedene Tangot\u00e4nzer zu interviewen, ganz individuelle und pers\u00f6nliche Antworten auf unsere Fragen zu bekommen als auch uns selbst im Tango tanzen zu \u00fcben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006.jpg\" rel=\"attachment wp-att-14\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-14 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-1024x696.jpg\" alt=\"Scannen0006\" width=\"584\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-300x204.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-768x522.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-750x510.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Ennio Fioramonti<\/strong><\/p>\n<p>Wieso der Tango ein Kind der Einwanderungsbewegungen S\u00fcdamerikas ist, erkl\u00e4rt sich uns im Gespr\u00e4ch mit Ennio Fioramonti. Ennio stammt aus der Schweiz, lebt jedoch seit sechszehn Jahren in Italien und ist derzeit f\u00fcr sechs Monate in Buenos Aires \u2013 wo er nun vielleicht f\u00fcr immer bleibt. Seine ganz individuelle Tangogeschichte beginnt mit einer gro\u00dfen Umbruchzeit in seinem Leben. Am \u00dcbergang von der Universit\u00e4t zum Beruf durchlebte er einen schwierigen Moment, durch den er auf der Suche nach Halt war. Zwischen dem Lebensabschnitt eines Studenten und dem Einstieg in das Arbeitsleben hat ihm der Tanz des Tangos eine Identit\u00e4t verliehen, die er in dieser Zeit dringend ben\u00f6tigte \u2013 er wurde wie eine Abh\u00e4ngigkeit f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Der Tanz des Tango scheint, den Menschen Halt zu geben, Entwurzelten eine Identit\u00e4t zu verleihen.<\/em><\/p>\n<p>\u201e<em>Was mich besonders am Tanz des Tango fasziniert, ist die non-verbale Kommunikation<\/em>. <em>Es geht nicht darum etwas nach Au\u00dfen zu zeigen, gut auszusehen oder eine Art Show darstellen zu wollen, sondern um das, was sich im Inneren abspielt.<\/em>\u201c Ennio spielt mit seiner Schilderung auch auf das Gesch\u00e4ft mit den Touristen in Buenos Aires an, das aus dem Tango eine Massenattraktion mit Verkaufswert zu machen versucht. Ennio sieht den Wert des Tangos aber in ganz anderer Hinsicht. Die Faszination daf\u00fcr, eine Verbindung mit einer anderen Person einzugehen, indem man eine gemeinsame K\u00f6rpersprache entwickelt. Diese Begeisterung f\u00fchrte dazu, dass Ennio seit circa 19 Jahren nicht mehr vom Tango lassen kann. Seit 1997 zieht sich der Tango durch sein Leben, mit mehr oder weniger intensiver Regularit\u00e4t. Als er nach Italien auswanderte, boten sich ihm an seinem neuen Lebensort wenig M\u00f6glichkeiten zu tanzen. Seine Tanzpraxis schlief ein. Nach dieser inaktiven Pause entschied Ennio vor einem Jahr, sich mehr sich selbst zu widmen und das gr\u00f6\u00dfte Geschenk, das er sich machen konnte, war es wieder intensiv Tango zu tanzen. So ist der Entschluss gefallen, f\u00fcr einige Monate nach Buenos Aires zu gehen, wo er nun Bestandteil des <em>Studio Dinzel<\/em> ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-15\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-15 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-1024x697.jpg\" alt=\"Scannen0007 (2)\" width=\"584\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-300x204.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-768x523.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-2-750x510.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Guillermo <\/strong><strong>Brizuela<\/strong><\/p>\n<p><em>Guillermo Brizuela<\/em> ist ebenso von dieser Verbindung fasziniert. F\u00fcr ihn ist die Umarmung im Tango das Wichtigste und gleichzeitig das Schwierigste. Man kann diese Umarmung nicht beigebracht bekommen, man muss sie f\u00fcr sich entdecken. Der <em>Abrazo<\/em> ist der elementare Baustein um sich auf den Tanz des Tangos einlassen zu k\u00f6nnen. Wenn man ihn gefunden hat, geht der Rest von alleine, denn dann ist man mit seinem Partner verbunden und besitzt die Freiheit, miteinander zu kommunizieren und einander zu folgen. Diese Umarmung ist seiner Meinung nach das Element, welches die Menschen seit Anfang des 19. Jahrhunderts an den Tango fesselt. &#8222;Damals wie heute&#8220; , so sagt Guillermo, &#8222;suchen wir alle <em>,,la profundidad&#8220; ,<\/em> das Tiefsinnige und Existenzielle&#8220;. Genau dieses Gef\u00fchl l\u00e4sst sich im Tango, in der Umarmung, finden, denn er sei Teil einer <em>,,cultura profunda que naci\u00f3 del alma y sentimientos profundos, como el amor, la pasi\u00f3n y la melancolia&#8220; \u2013 einer tiefgr\u00fcndigen Kultur, welche aus der Seele und aus tiefergehenden Emotionen, wie der Liebe, der Leidenschaft und der Melancholie, geboren sei. <\/em>Der Tango ist auch heute noch ein Gro\u00dfstadtph\u00e4nomen. Die Menschen in den St\u00e4dten scheinen, sich selbst mehr zu verlieren. Wir f\u00fchlen, dass unsere Welt immer schneller, hektischer, anonymer und einsamer wird. Der Tango erlaubt uns, sich einem fremden Menschen f\u00fcr wenige Minuten zu n\u00e4hern, ohne eine weitergehende Verpflichtung eingehen zu m\u00fcssen. Genau aus diesem Grund ist f\u00fcr <em>Guillermo Brizuela <\/em>die Bedeutung von Tango &#8222;<em>el camino espiritual&#8220; \u2013 der spirituelle Weg.<\/em> Indem man sich darauf konzentriert, sich mit dem Anderen zu verbinden, verbindet man sich mit sich selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-16\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-16 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2-1024x689.jpg\" alt=\"Scannen0003 (2)\" width=\"584\" height=\"393\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2-300x202.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2-768x517.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-2-750x505.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Karoline<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gef\u00fchl kann auch Karoline bei sich wieder finden. Sie sagt: ,,Ich suche meine Achse und meine Mitte. Dann suche ich mit meinem Oberk\u00f6rper das Zentrum meines Partners und konzentriere mich auf die Signale, die er mir sendet. Der Kopf ist ausgeschaltet, das ganze Bewusstsein ist auf die Verbindung mit dem Partner gelenkt und die F\u00fc\u00dfe folgen den Impulsen. Mit jedem Partner ist es eine neue Erfahrung und eine neue Reise auf dem spirituellen Weg. Ich pers\u00f6nlich lerne viel w\u00e4hrend ich Tango tanze. Als Ballettt\u00e4nzerin bin ich es gewohnt nach einer festen Choreographie zu tanzen, vorgegebenen Schritten zu folgen und demnach auch immer im Kopf einen Schritt voraus zu sein. F\u00fcr mich war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, meinen Kopf auszuschalten, meinem Gegen\u00fcber zu vertrauen und den K\u00f6rper sprechen zu lassen. Meine gr\u00f6\u00dfte Angst war es, den Vorstellungen meines Partners nicht gerecht zu werden, dass ich nicht verstehe, wohin er mich f\u00fchrt beziehungsweise was er von mir will. Ich musste lernen, nicht zu versuchen, zu erraten, was er tanzen will, sondern es zu ersp\u00fcren. Diese Lektion l\u00e4sst sich f\u00fcr mich auf das Leben \u00fcbertragen. Manchmal ist es in Ordnung, den n\u00e4chsten Schritt nicht zu kennen. Man sollte aber mutig genug sein, anderen zu vertrauen, zu entspannen und der Kreativit\u00e4t freien Lauf zu lassen. Ich sp\u00fcre, wie viel Energie ein Tangopaar aufbaut, wenn es miteinander verbunden ist und wie viel es gemeinsam kreieren und schaffen kann.\u201c<\/p>\n<p>Dieser kreative Schaffungsprozess, der spirituelle Weg zu sich selbst und die unverbindliche Umarmung erkl\u00e4ren uns warum heutzutage immer mehr Menschen beginnen, Tango zu tanzen. Der Tango entstand, da die entwurzelten Menschen Halt suchten. Karoline vermutet, dass die Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung in der heutigen Zeit auch entwurzelt sei. Ihrer Meinung nach suchen die Menschen sich selbst im Yogastudio, beim Psychologen, auf Reisen oder eben beim Tango. Sie suchen nach dem Sinn des Lebens und ihrem Platz in der Welt. Tango, welcher aus genau diesem Gef\u00fchl, aus dieser Sehnsucht nach Verwurzelung geboren wurde, kann diese Illusion f\u00fcr drei Minuten geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007.jpg\" rel=\"attachment wp-att-17\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-17 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-1024x691.jpg\" alt=\"Scannen0007\" width=\"584\" height=\"394\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-300x202.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-768x518.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0007-750x506.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Mariano <\/strong><strong>Barreiro-Ezequiel<\/strong><\/p>\n<p>Auch Mariano Barreiro-Ezequiel, K\u00fcnstler und Tangopianist bringt uns das Geheimnis der Leidenschaft des Tangos ein St\u00fcck n\u00e4her. Ihn trafen wir f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch in der <em>Bar de Cao.<\/em> Er\u00a0 begleitet mit seinen Klavierst\u00fccken die Tangot\u00e4nzer auf den Milongas und gibt als Solok\u00fcnstler Konzerte. Er bedauert, dass viele Menschen bei dem Klang des Wortes Tango an den Tanz denken und nicht die Musik an sich in Erinnerung rufen.<\/p>\n<p>Mariano lernte zu Beginn seiner Ausbildung klassische Musik und widmete sich dann dem Tango, da dies die Musik seines eigenen Landes ist. Um sich seiner eigenen Herkunft bewusster zu werden wandte er sich von den Gr\u00f6\u00dfen Schubert und Bach ab. Zu der Zeit, als er vor 13 Jahren in dem <em>Conservatorio<\/em> anfing Jazz und Tango zu spielen, wurde er zurecht gewiesen, dass dies nicht dem klassischen Geschmack entspr\u00e4che. Doch gl\u00fccklicherweise hat sich diese Einstellung ge\u00e4ndert und der Tango wurde 2009 von der Unesco als immaterielles Kulturerbe ausgezeichnet, als Gemeinschaftsprojekt der beiden L\u00e4nder Argentinien und Uruguay. Diese Entwicklung ist Teil der Bestrebung, sich der lateinamerikanischen Kultur bewusster zu werden.<\/p>\n<p>Mariano Barreiro-Ezequiel erkl\u00e4rt uns: \u201e<em>El Tango es expresar la angustia que todos tenemos.\u201d <\/em>Im Tango dr\u00fcckt sich die <em>Angustia <\/em>aus, die wir alle erleben. Wird uns nun vielleicht die Spannung und Anziehungskraft klarer, die von dieser Kunstform ausgeht? \u201e<em>La Angustia es una emoci\u00f3n existencial de la vida. La angustia de estar enamorado por ejemplo. Cuando sabes del destino de la gente pobre, esto es angustia<\/em>.\u201c Die <em>Angustia <\/em>ist eine existenzielle Emotion des Lebens. Die <em>Angustia,\u00a0<\/em>verliebt zu sein zum Beispiel oder wenn du von dem Schicksal der Menschen in Armut wei\u00dft, das ist <em>Angustia. <\/em>Mit dieser Aussage sto\u00dfen wir auf ein spezifisches Eigenwort des Spanischen: <em>Angustia<\/em>. Das ist die Besorgnis, Angst, Wehmut und Schmerz in einem Wort und dabei in seiner Bedeutung noch weitaus umfangreicher. In der deutschen Sprache lie\u00dfe es sich wohl am besten als Seelenkummer \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Im Tango verleiht der Mensch den Regungen seiner Seele Ausdruck. Empfindungen des Schmerzes, des Kummers k\u00f6nnen k\u00f6rperlich und t\u00e4nzerisch Form verliehen werden. &#8222;Die Sorge, die mit unserem menschlichen Dasein ganz nat\u00fcrlich zusammenh\u00e4ngt&#8220; , so Mariano, &#8222;wird in der Umarmung des Partnertanzes geteilt.&#8220; Diesen Gef\u00fchlen Gestalt zu geben, sie so zu befreien und nicht allein mit ihnen zu sein, das ist Tango \u2013 letztendlich eine teilnahmsvolle, mitf\u00fchlende Geste.<\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlicher wird uns nun auch der Ratschlag, der uns in einer unserer ersten Tanzstunden mit auf den Weg gegeben wurde: Versuche, jeden Schritt im Tango voller Gef\u00fchl zu begehen und dein Tanz wird sehr viel sch\u00f6ner sein.<\/p>\n<p>Zur sp\u00e4teren Stunde im Tanzstudio <em>Dinzel<\/em> erfahren wir, was es hei\u00dft diese Momente der <em>Angustia<\/em> zu teilen. Aus Anlass des Jahresendes findet eine Milonga<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[3]<\/a> im Studio statt. Es werden die Gl\u00e4ser erhoben und in einer kleinen Ansprache dem j\u00fcngst verstorbenen Gr\u00fcnder des Studios und symbolischen Vaters aller gedacht, Carlos Rodolfo Dinzelbacher. Gemeinsam ruft sich die Gruppe an T\u00e4nzern die Qualit\u00e4ten dieses Ortes in Erinnerung und verspricht sich gegenseitig, die guten Traditionen zu pflegen und die Kunst des Tangos im Sinne des pers\u00f6nlichen Vorbildes fortzuf\u00fchren. Wir lernen, was es bedeutet, Gef\u00fchle gemeinsam zu tragen und sich in Anteilnahme zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Wir haben nun eine Idee was Tango ist und weshalb Menschen auf der ganzen Welt von dem Tanz fasziniert sind. Aber eine Frage bleibt noch offen: Inwiefern gibt es feste Regeln im Tango und inwiefern lebt er von der Improvisation?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025.jpg\" rel=\"attachment wp-att-18\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-18 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025-1024x692.jpg\" alt=\"000025\" width=\"584\" height=\"395\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025-300x203.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025-768x519.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/000025-750x507.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Frage liefert uns Guillermo, indem er uns die Kultur des Tangos erkl\u00e4rt. Hierf\u00fcr zitiert er seinen Tangomeister Carlos Rodolfo Dinzelbacher: ,<em>,Tango konserviert die Werte der franz\u00f6sischen Kultur: Libert\u00e9, \u00c9galit\u00e9, Fraternit\u00e9&#8220;<\/em><\/p>\n<p><em>Libert\u00e9<\/em> bedeutet Freiheit und diese findet man im Tango, wie in keinem anderen Tanz auf der Welt. Denn der Tango kennt keine Regeln. Es gibt kaum feste Schritte und er lebt von der Improvisation. <em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u00c9galit\u00e9 <\/em>hei\u00dft Gleichheit. Und auch das ist ein sehr wichtiger Wert im Tango. Auf einer Milonga sind alle gleich. Es gibt keine gesellschaftlichen Unterschiede und Ausgrenzungen.<\/p>\n<p><em>Fraternit\u00e9, <\/em>die Br\u00fcderlichkeit, ist im Bezug auf den Tango im \u00fcbertragenen Sinne zu verstehen. Der Tango ist gepr\u00e4gt von seinen ,<em>c\u00f3digos&#8216; \u2013 seinen Codes. <\/em>Sie sind nirgendswo niedergeschrieben und doch kennt und respektiert sie jeder. Ob es die Tanzrichtung gegen den Uhrzeigersinn am \u00e4u\u00dferen Rand nahe der Tische, die <em>Tanda<\/em>s\u00a0<em><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[4]<\/a> <\/em>oder die K\u00f6rperpflege aus Respekt vor dem Partner ist. Die Liste der Codes ist lang. Alle dienen jedoch dem selben Zweck: Den Tango voll und ganz genie\u00dfen zu k\u00f6nnen. So verhindert die vorgebene Tanzrichtung Zusammenst\u00f6\u00dfe und erm\u00f6glicht Platz. Die Tandas beugen unangenehmen Entschuldigungen f\u00fcr einen Partnerwechsel vor und die K\u00f6rperpflege erkl\u00e4rt sich bei diesem engen Tanz wohl von selbst.<\/p>\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich also sagen, dass der Tango, als Tanz selbst, ein Synonym f\u00fcr Improvisation ist. Die einzige Struktur des Tango ist das gemeinsame Schreiten. Die Bewegungen, die sich hierum gestalten, k\u00f6nnen ganz frei ausgef\u00fchrt werden. Allerdings ist er doch festen Regeln unterlegen, damit der Tanz \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Um also die absolute Freiheit zu nutzen, muss zun\u00e4chst der Rahmen geschaffen werden. Die Regeln im Tango geben die Sicherheit oder erst die M\u00f6glichkeit, sich der Umarmung und Entbl\u00f6\u00dfung der Seele hinzugeben. Denn ohne die Regeln g\u00e4be es kein Ger\u00fcst. Trotzdem er\u00f6ffnet der Tango so viel Raum f\u00fcr Improvisation wie selten ein Tanz. Es geht darum, sich zu begleiten &#8211; f\u00fcr eine kleine Zeit einen Weg gemeinsam zu begehen im Einklang mit der Musik.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-31 size-large\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-1024x695.jpg\" alt=\"Scannen0006 (2)\" width=\"584\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-300x204.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-768x521.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-442x300.jpg 442w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0006-2-1-750x509.jpg 750w\" sizes=\"(max-width: 584px) 100vw, 584px\" \/><\/p>\n<p>Befl\u00fcgelt von unserem neuen Wissen und ber\u00fchrt, von der Ehrlichkeit, mit der die Menschen zu uns sprachen, begleiten wir die T\u00e4nzer auf eine weitere Milonga in <em>La Viruta. <\/em>Dieser Name r\u00fchrt\u00a0 von der Redewendung ,<em>Sacar la viruta del piso&#8216;<\/em> und stammt aus der Zeit, als Tango traditionell auf Holzboden getanzt wurde und die P\u00e4rchen mit ihren Abs\u00e4tzen Spuren auf der Tanzfl\u00e4che hinterlie\u00dfen indem sie ,<em>la viruta&#8216;<\/em>, Span aus dem Boden entfernten.<\/p>\n<p>Einen Monat sp\u00e4ter traten wir unseren zweiten Teil der Entdeckungsreise, auf der anderen Seite des R\u00edo de la Plata \u2013 in Montevideo, an. Als erstes fiel uns auf, dass es wesentlich schwieriger ist Tango und Milongas zu finden. Alles ist kleiner und ruhiger.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-20\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-20 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-2-300x450.jpg\" alt=\"Scannen0004 (2)\" width=\"300\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-2-300x450.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0004-2.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Josephine<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Josephine ist der Tango auch Ausdruck eines in Montevideo eigenen Lebensgef\u00fchls, das eine fast melancholische Stimmung und die Ahnung von etwas l\u00e4ngst Vergangenem innehat. Ein Ambiente, das insbesondere in den dortigen alten Kaffeeh\u00e4usern und den gro\u00dfen, oft verlassenen Art D\u00e9co Geb\u00e4uden, die von einer anderen Zeit zeugen, anklingt. Die Anmut der T\u00e4nzer w\u00e4hrend des bedachten Schreitens beim Betreten der Tanzfl\u00e4che, das Innehalten und F\u00fchlen des Takts zu Beginn eines jeden Partnertanzes gefolgt von dem Hin- und Herwiegen des Paares um sich auf den Rhythmus der Musik und die Anwesenheit des Partners einzustimmen um dann mit den ersten Tanzschritten zu beginnen. All diese Bewegungselemente besitzen einen eigenen Reiz. Tango, das ist ein Tanz voller Stolz und Eleganz und gleichzeitig das Empfinden von etwas historisch Gewachsenem. Die den Tanz begleitenden Verszeilen der Musik sprechen von alten Zeiten und dennoch ist der Tanz des Tangos nichts Verstaubtes, Erstarrtes. Gerade der Einfluss anderer, moderner Tanzstile wie der des HipHops oder auch Elementen des zeitgen\u00f6ssischen Tanz\u2018 war eine gro\u00dfe Entdeckung in der Begegnung mit dem Tango.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Josephines Tangolehrerin <em>Laura Echegoyen<\/em> sind wir in Montevideo zu der Milonga <em>La Callejera<\/em> gegangen. Diese hat uns besonders gefallen. Auf einem sch\u00f6nen Platz unter freiem Himmel haben viele junge Menschen auf ganz verschiedene Art und Weise Tango getanzt.\u00a0Auf dieser Milonga haben wir bemerkt, was wir w\u00e4hrend unseres Projektes gelernt haben. Wir wussten neue Schritte, wir konnten die <u>,<\/u><em>c\u00f3digos<\/em><u>\u2019<\/u>\u00a0erkennen und den Zauber des Tangos besser verstehen. Wir f\u00fchlten uns dazugeh\u00f6rig.<\/p>\n<p>Unsere Reise haben wir mit der Frage begonnen, was Tango ist. Wir nahmen an, dass es w\u00e4hrend des Projekts einen Schl\u00fcsselmoment geben wird, indem wir das Ph\u00e4nomen Tango verstehen, aber in Wirklichkeit war es ein Prozess. Wir fuhren zu wichtigen Schaupl\u00e4tzen des Tangos, sprachen mit Musikbegeisterten und Tanzfanatikern, bis wir schlie\u00dflich begriffen, dass der Tango mehr als ein Tanz ist. Er ist Geschichte, Philosophie und Bewegung.<\/p>\n<p>Am Ende steht nun diese Erkenntnis und all das Wichtige, was wir w\u00e4hrend des Projekts \u00fcber uns lernen durften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003.jpg\" rel=\"attachment wp-att-9\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-9\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-300x448.jpg\" alt=\"Scannen0003\" width=\"300\" height=\"448\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003-300x448.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/josephine\/files\/2016\/03\/Scannen0003.jpg 685w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> (<a href=\"http:\/\/tango-a-la-carte.de\/\">http:\/\/tango-a-la-carte.de\/<\/a>)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.dinzelinternacional.com\/estudio\/\"><em>http:\/\/www.dinzelinternacional.com\/estudio\/<\/em><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[3]<\/a> Eine Milonga ist die Tanzveranstaltung auf der, beziehungsweise der Ort an dem, mehrere Menschen in Paaren Tango tanzen. Milonga ist aber auch die Bezeichnung f\u00fcr eine Musikgattung. Auf einer Milonga (der Veranstaltung) werden klassischer Weise die drei Musikstile Tango, Milonga und Walzer gespielt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[4]<\/a> Ein <em>Tanda<\/em> ist eine Abfolge von drei bis f\u00fcnf Musiktiteln der gleichen Musikgattung auf einer Milonga. Eine ungeschriebene Regel des Tangos beinhaltet das Verbleiben mit dem gleichen Partner w\u00e4hrend eines ganzen <em>Tandas<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein t\u00e4nzerischer Ann\u00e4herungsversuch am R\u00edo de la Plata Text von Karoline M\u00f6ller und Josephine Taraschkewitz Fotografien: Josephine Taraschkewitz &nbsp; Anfangsidee und Ausgangspunkt unseres Projekts ist der Tango &#8211; lebendiger Ausdruck und musikalische Manifestation der Einwanderungsbewegungen in S\u00fcdamerika. 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