Wer bist du, woher kommst du und was machst du?

So, lang lang ist es her. Seitdem ist viel passiert.

Am 1. September ging es zum Vorbereitungsseminar in Berlin bzw. im Berliner Umland. Kaum am Berliner Hauptbahnhof angekommen entstand eine kleine Menschentraube, die sich stetig vergrößerte, am Busparkplatz. In diesem Gedränge aus Menschen, Rucksäcken und Koffern konnte man nur spärlich bekannte Gesichter erspähen und diese gingen meistens in der bunten Masse unter. Was zunächst als stummes vor sich hinstarren begann, entwickelte sich schon bald zu vielen plaudernden Grüppchen, die anfangs alle die selben Fragen zu klären hatten. Wer bist du, woher kommst du, wohin gehst du und was machst du da? Im Verlauf der zehn Tage habe ich diese Fragen dutzende Male gehört. Aber zu diesem Zeitpunkt gab es auch kaum andere Themen. Die anschließende Busfahrt ermöglichte den neuen Gesprächen mehr Tiefgang. Hoffnungen, Ängste und Ungewissheiten trafen meist auf Verständnis, da ja jeder im gleichen Boot sitzt.

Das Vorbereitungsseminar war sehr interessant und hat eine breit gefächerte Palette von Themen im Rahmen der Möglichkeiten gut abgedeckt. Alles in allem ein sehr gelungenes Seminar, jedoch möchte ich nicht zu detailliert darauf eingehen, da es schon einige Blogs gibt, in denen andere Freiwillige sehr gut und ausführlich über eben jenes Seminar berichten.

Am 14. September begann nun meine Reise auf die epischste Weise, die man sich nur irgendwie vorstellen konnte. Mein Zug hatte Verspätung. Durch diesen unglücklichen Umstand verpasste ich meinen Anschlusszug und musste improvisieren. Glücklicherweise gab es Alternativen. Jedes Mal mit dem Gefühl ein blinder Passagier zu sein, saß ich nun in zwei Zügen, in denen ich eigentlich nicht hätte sein sollen, den Umständen entsprechend aber erlaubt war zu benutzen. Wie durch ein Wunder kam ich doch noch pünktlich in Břeclav an.

Jetzt bin ich schon eine ganze Woche hier. Noch habe ich mich nicht richtig an die Umstände gewöhnt, doch das wird schon mit der Zeit. Die größte Umstellung ist wohl das selbstständige Leben. Dazu kommt, dass ich noch nicht wirklich Tschechisch spreche und mich dementsprechend mit Deutsch und Englisch durchzuschlagen versuche. Die Betonung liegt auf „versuchen“. Kommt Zeit, kommt Sprachkenntnis.

Mit meiner Einsatzstelle, dem, Achtung es wird lang, Gymnazium a Jazykova skola s pravem SJZ / Gymnasium Breclav, Břeclv, Czech Republic, so zumindest, wenn man meinem FSJ-Ausweis Glauben schenkt, bin ich bisher sehr zufrieden. Anfangs war die Schule sehr unübersichtlich, aber das ist fast jede Schule, doch dank meinem Stundenplan und einem großen Lageplan, konnte ich der Situation Herr werden.

Da stand ich dann also, jedesmal in einer neuen Klasse und stellte mich selbst vor oder wurde von den Schülerinnen und Schülern gefragt, wer ich denn sei, woher ich komme, was ich hier mache, was meine Hobbys seien und wie gut mein Tschechisch sei. Irgendwann hatte ich dann den Bogen raus und ich konnte mir eine Vorstellung meiner Person im Kopf zusammenbasteln, sodass ich das mehr oder weniger runterrattern kann. Ich weiß nicht, ob folgendes an schlechten Deutschkenntnissen oder Angst vor einer Blamage lag, aber in den seltensten Fällen kamen ungewöhnlichere und spezifischere Fragen. Doch gerade durch solche Fragen wurden die Fragerunden interessant, was eine erfrischende Abwechslung darstellte. Ich denke auch hier werde ich über die Dauer meines Aufenthaltes eine Entwicklung feststellen. Im übrigen Unterricht diente ich als Wörterbuch oder als Instrument den Kindern und Jugendlichen eine möglichst saubere Aussprache der deutschen Wörter beizubringen, da es besonders hier Unterschiede gibt, bedingt durch die verschiedene Aussprache von Buchstaben im tschechischen Alphabet. Trotzdem macht es mir bisher sehr viel Spaß.

Eine Stunde lang durfte ich eine mir unbekannte Klasse betreuen. Vor der Stunde überlegte ich mir mehrere Spiele, die zur Sprachaktivierung beitragen sollten. Und dann begann die Stunde. Gelinde gesagt war es ein Desaster. Ich konnte den Großteil der Klasse zu kaum einem meiner Sprachaktivierungsspiele motivieren. Bis auf eine Person schien auch niemand an Deutsch interessiert zu sein. Hier war der Kompass ganz klar auf Überleben gestellt. Ich versuchte mich anzupassen. Und siehe da, irgendwie lief es etwas besser. Trotzdem war es eine Qual. Für beide Parteien. Es wäre natürlich einfach zu sagen, dass die Klasse eben nicht zu motivieren ist und ich einfach machtlos war. Für mich ist das nicht akzeptabel. Heißt: Mehr und bessere Wege finden, die Klasse sinnvoll zu beschäftigen. Wieder das Stichwort Entwicklung. Kommt Zeit, kommt Erfahrung, kommt Erfolg.

Diese zweite Woche steht jetzt also ganz im Zeichen der Adaption und der Verbesserung. Zudem lebe ich mich immer mehr ein und Kontakt zu Schülern wird auch langsam aufgebaut. An alle die bis hierhin durchgehalten haben: Vielen lieben Dank fürs lesen, ich versuche meinen Blog immer etwas zu verbessern und ich vermute, dass die zukünftigen Blogeinträge kürzer ausfallen werden, Besonderheit hier war einfach die schiere Menge an Erfahrungen die einfach mal niedergeschrieben werden mussten.

Stay Awesome!

2 Gedanken zu „Wer bist du, woher kommst du und was machst du?

  1. Hallo Jona,
    mit großem Interesse haben wir deinen neuen Eintrag gelesen. Da hast Du ja in den zwei Wochen fern der Heimat bereits viel erlebt und eine ganze Menge neuer Erfahrungen gemacht. Beim lesen deiner Erfahrungen während er ersten Schulstunden wurde ich an meine ersten Lehrgänge und Vorträge erinnert. Mir ist es ähnlich ergangen, trotz guter Vorbereitung wurde manches zum Desaster. Aber mit der Zeit bekommt man Routine und kann viele Situationen besser einordnen.
    Die Hauptsache ist Du fühlst dich wohl und deine neue Aufgabe macht dir Spaß. Wir wünschen Dir weiterhin alles Liebe und Gute und eine gute und erfolgreiche Zeit .
    Linde und Bernd

  2. Ein sehr unterhaltsamer Blogeintrag, der einen richtig in die Situaiton hinein nimmt. Gerne mehr davon!
    Interessant ist übrigens, dass es mir genauso ging mit dem „sich vorstellen“, und zwar beim Besichtigen von Wohnungen, wo es dann plötzlich heißt: „erzähl mal was über dich“, und du nach Herkunft, Studiengang und Hobbies nicht mehr weißt, was du sagen sollst. Ich bin zum Glück momentan eher in einer Phase, wo ich schon einige Leute kennen gelernt habe und daher eher an den Namen scheitere.
    Bezüglich Motivation lohnt es sich auch, sich ein bisschen Theorie anzusehen und diese zur Hilfe zu ziehen, wenn es darum geht, was man besser machen könnte (Stichwort Intrinsische Motivation). Das ganze dann in der Praxis umzusetzen ist natürlich eine andere Sache. Aber man muss solche vielleicht ein bisschen unverantwortlich und unprofessionell übertragenen Zuständigkeiten auch als Herausforderung sehen.
    Weiter so und bleib dran!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.