{"id":1584,"date":"2012-08-05T11:27:33","date_gmt":"2012-08-05T03:27:33","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/?p=1584"},"modified":"2012-08-12T14:00:09","modified_gmt":"2012-08-12T06:00:09","slug":"hongkong-und-macao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/2012\/08\/05\/hongkong-und-macao\/","title":{"rendered":"Hongkong und Macao"},"content":{"rendered":"<p align=\"JUSTIFY\">Ich n\u00e4here mich der Flugzeugt\u00fcr, trete hinaus und werde erschlagen \u2013 von dr\u00fcckender Hitze und heftigem Wind! Willkommen in Hongkong, 23 Uhr, 31\u00b0 C und 96% Luftfeuchtigkeit&#8230;<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Einen Tag sp\u00e4ter als geplant sind wir in Hongkong gelandet, unser Flug wurde wegen des Taifuns Vincent verschoben, der an unserem eigentlichen Anreisetag noch im Perlflussdelta w\u00fctete. Die Sch\u00e4den, die Vincent angerichtet hat, sehen wir auf unserer Busfahrt nach Kowloon deutlich: Am Stra\u00dfenrand liegen abgebrochene \u00c4ste und entwurzelte B\u00e4ume. Letzte Auswirkungen sind immer noch zu sp\u00fcren, besonders eindrucksvoll, als auf der Br\u00fccke zwischen der Flughafeninsel und dem Festland eine Windb\u00f6e gegen unseren Bus dr\u00fcckt und ihn erzittern l\u00e4sst.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Wir, das sind Sebastian, Simon und ich, die drei kulturweit-Freiwilligen in Ulaanbaatar, auf Abschlussfahrt. Denn das Ende unseres Freiwilligen Sozialen Jahres ist in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt. Unsere Wahl fiel auf Hongkong und Macao, weil diese beiden Sonderverwaltungszonen Chinas, einfach mit einem Direktflug von Ulaanbaatar zu erreichen sind und Visa direkt bei der Einreise erteilen. Au\u00dferdem wollten wir ein weiteres Gebiet besuchen, dessen Lauf der Geschichte durch die Mongolen ver\u00e4ndert wurde. Diese haben f\u00fcr Hongkong, genauer die Halbinsel Kowloon, eine wichtige Rolle gespielt. Hatte dieser Teil des chinesischen Reiches lange keine Beachtung gefunden, \u00e4nderte sich das, als der letzte Kaiser der Song-Dynastie im sp\u00e4ten 13. Jahrhundert auf der Flucht vor den Mongolen durch dieses Gebiet kam. Laut der \u00dcberlieferung hat dieser Kowloon seinen Namen gegeben: Der Kaiser sah auf der Halbinsel acht Berge und schloss, dass dort acht Drachen leben m\u00fcssten. Daraufhin wurde er darauf hingewiesen, dass es mit ihm neun Drachen sein. So l\u00e4sst sich der Name aus den kantonesischen W\u00f6rtern f\u00fcr \u201eneun\u201c und \u201eDrache\u201c herleiten. Nach dem Durchzug des Kaisers konnte sich Hongkong nicht mehr vor den Augen des gro\u00dfen Reichs verstecken und befand sich fort hin in seinem Einflussbereich.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Angekommen an der Chungking Mansion in Kowloon, checken wir in unser Hostel ein und machen uns schlie\u00dflich noch auf den Weg zu McDonald&#8217;s. Nachdem wir die Klimaanlage in unserem Zimmer in Betrieb genommen haben, fallen wir ins Bett. Am n\u00e4chsten Tag verlassen wir Hongkong jedoch nach dem Fr\u00fchst\u00fcck schon wieder und besteigen eine F\u00e4hre nach Macao, wo wir drei Tage verbringen werden. In Macao merkt man deutlich den Einfluss der ehemaligen portugiesischen Kolonialherren. In seiner Altstadt verspr\u00fcht Macao portugiesischen Charme, die K\u00fcche ist reich mit portugiesischen Zutaten und Geschmacksrichtungen und ein must-eat ist \u201eSeradurra\u201c. Die Wohnviertel sind jedoch chinesisch gepr\u00e4gt, \u00e4ltere Bewohner sprechen nur Kantonesisch. Eine ganz andere Welt sind die Casinos \u2013 tausende Chinesen und einige Ausl\u00e4nder verbringen ihre Zeit in diesen surrealen Vergn\u00fcgungstempeln, spielen Tag und Nacht und machen dadurch Macaos Casinos zu den weltweit umsatzst\u00e4rksten. Bei str\u00f6menden Regen tauchen wir w\u00e4hrend der drei Tage in all diese Vielfalt ein: Wir durchstreifen die Altstadt, besuchen das Geschichtsmuseum sowie das Maritimmuseum, essen portugiesisch und chinesisch, erkunden den Ah Ma Tempel und Kirchen. Wir besuchen verschiedenste Casinos, verbringen einen Abend im Lisboa, Stunden auf dem Taipa Strip, sehen uns das \u201eVenetian\u201c an, gehen in die Iceworld und erleben das \u201eHouse of Dancing Water\u201c.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Sp\u00e4t abends landen wir auf Hongkong Island und nehmen die U-Bahn nach Tsim Sha Tsui, Kowloon, um wieder im selben Hostel abzusteigen. Am n\u00e4chsten Morgen besteigen wir direkt wieder eine F\u00e4hre nach Hongkong Island, diesmal ist es jedoch hell und sonnig, und wir k\u00f6nnen die kurze \u00dcberfahrt mit tollem Blick auf die Skyline in vollen Z\u00fcgen genie\u00dfen. Wir machen uns auf durch das gesch\u00e4ftige Viertel \u201eCentral\u201c zu den \u201eMidlevels\u201c, um dort mit der l\u00e4ngsten Rolltreppe der Welt weiter hinauf zu fahren. Unser Ziel ist \u201eThe Peak\u201c, eine der h\u00f6chsten Stellen auf Hongkong Island. Auf dem Weg streifen wir durch einen Tierpark und erreichen schlie\u00dflich die \u201ePeaktram\u201c, eine Zahnradbahn, die uns an die Spitze bringen wird. Oben angekommen erklimmen wir mithilfe weiterer Rolltreppen eine Dachterrasse, die als Aussichtsplattform fungiert. Und was f\u00fcr eine Aussicht das ist! Wir blicken hinunter auf Hongkong Island und hin\u00fcber zur Skyline Kowloons, sehen Wohnviertel, regen Schiffsverkehr, wundersch\u00f6ne Buchten, unber\u00fchrte, dicht bewaldete H\u00fcgel \u2013 und das alles auf engstem Raum. Wir spazieren eine Runde auf dem \u201eMorning Trail\u201c und steigen dann wieder hinunter durch die \u201eMidlevels\u201c bis nach \u201eCentral\u201c. Am n\u00e4chsten Tag bleiben wir in Kowloon, besuchen das Geschichts- bzw. Wissenschaftsmuseum, laufen auf der \u201eAvenue of Stars\u201c, blicken auf Hongkong Island, erleben die Lasershow \u201eSymphonie of Lights\u201c und schlendern \u00fcber einen Nachtmarkt.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Da wir nun so viel vom st\u00e4dtischen Hongkong erlebt haben, machen wir uns auf den Weg nach \u201eCheung Chau\u201c, einer kleineren Insel in Hongkongs Gew\u00e4ssern. Dort herrscht auf der Promenade bunter Trubel, geht man jedoch einige Schritten in die G\u00e4sschen hinein, erlebt man den d\u00f6rflichen Charakter der Ansiedlung. Uns zieht es zun\u00e4chst an den Strand, danach machen wir uns auf die Suche nach der \u201eItalian Bay\u201c, die uns unser Reisef\u00fchrer empfiehlt. Nach einem schwei\u00dftreibenden Spaziergang finden wir diese, um feststellen zu m\u00fcssen, dass auch hier Vincent sein Unwesen getrieben hat. Der Strand und das Wasser um die leicht von Wellen umspielten Felsen sind mit M\u00fcll bedeckt. Auf unserem Weg zur\u00fcck erklimmen wir Klippen und sehen riesige Spinnen, es f\u00fchlt sich an, als seien wir mitten im \u201eFluch der Karibik\u201c. Schlie\u00dflich leihen wir uns eine Rikscha, fahren entlang des Hafens und zu weiteren Buchten. Zum Abendessen gibt es in einem der vielen Restaurants Fisch und Shrimps \u2013 frisch gefangen. Dazu geht die Sonne in einem gewaltigen Feuerball unter.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">In den n\u00e4chsten beiden Tagen trennen sich unsere Wege, haben wir doch alle andere Interessen und Dinge, die wir noch sehen m\u00f6chten. W\u00e4hrend die Jungs den Tag im \u201eOcean Park\u201c verbringen, schlendere ich durch \u201eCentral\u201c und fahre mit einer doppelst\u00f6ckigen Stra\u00dfenbahn nach \u201eCauseway Bay\u201c, einem weiteren Einkaufsparadies in dieser Stadt des Konsums. W\u00e4hrend sich die Stra\u00dfenbahn zwischen den Hochh\u00e4usern entlang schl\u00e4ngelt und mir die verschiedensten, verhei\u00dfungsvollen Ger\u00fcche aus kleinen Restaurants und Caf\u00e9s in die Nase steigen, denke ich dar\u00fcber nach, dass dies einst die Promenade der Insel war.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Ein weiterer Ausflug f\u00fchrt mich nach \u201eTsuen Wan\u201c, der ersten Siedlung im Territorium. Dort laufe ich durch verschlungene, gr\u00fcne Wohnviertel, sehe Tempel neben Wohnbl\u00f6cken und besuche ein traditionelles Dorf, das als Museum erhalten geblieben ist. Diese D\u00f6rfer waren die Wohneinheit einer Familie, es gab dort eine Halle zur Lagerung, eine f\u00fcr Versammlungen und eine zur Ahnenverehrung. Darum herum standen die Wohnh\u00e4user, alles zusammen wurde von einer Mauer umgeben. Beeindruckt von der Ruhe in dieser Siedlung begebe ich mich auf den R\u00fcckweg ins laute Kowloon. Dort verbringen wir unseren letzten Abend.<\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\">Mit dieser bunten Palette an Eindr\u00fccken fliegen wir zur\u00fcck nach Ulaanbaatar. Zehn ereignisreiche, tolle Tage sind schnell vergangen, der Abschied ist noch einmal n\u00e4her ger\u00fcckt. Simon wird am Dienstag, Sebastian am Donnerstag nach Deutschland zur\u00fcckkehren. Ich jedoch bleibe noch drei Wochen in der Mongolei, die mir im Laufe des letzten Jahres zur zweiten Heimat geworden ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich n\u00e4here mich der Flugzeugt\u00fcr, trete hinaus und werde erschlagen \u2013 von dr\u00fcckender Hitze und&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":631,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[138],"tags":[],"class_list":["post-1584","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reise"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/users\/631"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1584"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1634,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1584\/revisions\/1634"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/johannasmongolei\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}