Die Ankunft / The Arrival

English version below.

Salem new liebe Zwerg*Innen, das heißt soviel wie Hallo/Guten Tag/Frieden sei mit dir auf Amharisch und ist mit dem lustigen Wort: ischi, das okay bedeutet und manchmal mit einem Niesen der aussprechenden Person verwechselt werden kann, das einzige was ich mir bisher von der hiesigen Landessprache merken kann. Aber daran werde ich in den nächsten Monaten arbeiten.

Es liegen nun 14 Tage in Addis Abeba hinter mir, in denen bereits so viel passiert ist, dass es mir eher wie die doppelte Zeit vorkommt. Auch wenn ich mit meinen Blogeinträgen schon etwas hinterher bin, möchte ich euch meine Ankunft trotzdem als einzelnen Beitrag beschreiben.

Meine Reise mit Ethiopian Airlines gestaltete sich relativ bequem. Die zwei Plätze neben mir blieben frei, also konnte ich mich hinlegen und dösen. Als Abendbrot servierte die Airline Nudeln mit Erbsen und Karotten, was mich amüsierte, war auf meinem Flugticket die Verpflegung doch als ‚Asian Vegetarian‘ beschrieben. In Addis Abeba musste ich den Taxifahrer, der mich abholen sollte, erstmal suchen. Das lag daran, dass die Taxifahrer an diesem Flughafen nicht in oder direkt am Gebäude warten dürfen. Sie stehen daher alle dicht gedrängt auf dem Parkplatz, was für Neuankömmlinge erstmal recht schwierig zu überblicken scheint. Ein Äthiopier, der meinen verwirrten Gesichtsausdruck richtig deutete, bot mir sein Handy an und so konnte ich den schon länger auf mich Wartenden finden. Jetzt wurde es für mich spannend.

Zur Erklärung: Kurz vor meiner Abreise hatte ich erfahren, dass sich in der Familie, die mir ein kleines freistehendes Gebäude auf ihrem Grundstück vermieten sollte, ein Todesfall ereignet hatte. Da ich seit dieser Nachricht keinen direkten Kontakt mehr zu ihnen herstellen konnte, war mir noch immer unklar, ob ich diese Unterkunft überhaupt würde beziehen können und wenn nicht, wo ich stattdessen unterkommen könnte. Meine Kollegin am Goethe-Institut, mit meinen Vermieter*Innen verwandt, ließ mir allerdings vor Abflug die beruhigenden, wenn auch informationsarmen, Zeilen zukommen: Mach dir keine Sorgen, es ist alles organisiert. In den Stunden während des Flugs, in denen ich nicht aufhören konnte darüber nachzudenken, ob ich den wartenden Taxifahrer finden, ob er wissen würde wohin er mich bringen soll und ob ich dort, wo er mich hinbringen würde, überhaupt willkommen sein würde, wurde mir erst wieder klar, wie wenig ich mit dieser Form des Kontrollverlusts umgehen kann. Ein vertrauensvollerer Mensch als ich, könnte vermutlich viel positiver an die Situation herangehen und sie so auch stressfreier meistern. Die Erfahrung zeigte mir, dass ich mein Vertrauen in Andere unbedingt ausbauen muss – denn, und so habe ich es auch in den weiteren Tagen erfahren, ich muss nicht immer alle Strippen in der Hand halten oder über alles schon Bescheid wissen. Immer, wenn ich grade nicht weiterwusste, stand mir unverhofft ein hilfsbereiter Mensch zur Seite.

Tatsächlich klärte sich auch alles im Laufe meines Ankunftstags auf. Der Taxifahrer wusste wohin und brachte mich zunächst zu einem Haus, wo ich in ein Zimmer bugsiert wurde und mich von der Reise ausruhen konnte. Von Fotos, die ich zuvor gesehen hatte, wusste ich, dass dies nicht meine eigentlich angestrebte Unterkunft war. Leider konnten weder der Taxifahrer noch die nett lächelnde Frau, die mir die Tür öffnete, genug Englisch, um mir zu erklären wo ich mich befand. Ich legte mich dann völlig übermüdet einfach schlafen – ich war ziemlich fertig mit den Nerven. Mittags bekam ich ein Telefon in die Hand gedrückt: Meine Kollegin. Ich sei kurzfristig bei ihren Eltern untergebracht worden, bald würde ich zum Goethe-Institut und heute Abend in die von mir ausgesuchte Unterkunft gefahren werden. Na also, alles easy – kein Grund sich so zu stressen, wie ich es getan habe.

Nach einer Führung durch das schöne Gebäude des Goethe-Instituts und einer sehr freundlichen Begrüßung durch meine neuen Kollegen, gab es dann bei meiner Gastfamilie ein typisch äthiopisches Abendbrot für mich: Injera – ein saurer und sehr leckerer Teigfladen, der mit verschiedenen Soßen serviert wird. Beim Essen lachten mich bald alle aus, denn den Teig muss man (ausschließlich!) mit der rechten Hand zerkleinern, in Soßen tunken und anschließend zum Mund führen. Wer weiß, wie tollpatschig ich bin und was für grauenhafte Tischmanieren ich habe, wie ich trotz großer Bemühungen immer kleckere, der kann sich vorstellen, was für ein Desaster ich veranstaltete. Immerhin nahmen es meine Gastgeber mit Humor und ich lachte mit. Dann bekam ich noch eine erste Kostprobe des grandiosen äthiopischen Kaffees. Danach ging ich meinen neuen Rückzugsort erkunden und war sehr zufrieden. Für die nächsten 6 Monate habe ich ein gemütliches Sofa, eine Kochecke, ein Schlafzimmer und eine kleine Terrasse mit Sitzgelegenheit zur Verfügung. Letztere nutze ich seit meiner Ankunft zum Lesen und Schreiben. Der Garten ist schön, Blumen blühen und eine Katze liegt häufig vor meiner Haustür. Bilbo, so habe ich sie getauft, hat mich leider schon gebissen, ist aber eigentlich eine Süße. In den letzten zwei Wochen hat sich das Gebäude als ein ruhiges Refugium bewiesen, um der Hektik der Stadt zu entgehen.

  

Soviel zu meiner Ankunft. Natürlich kann ich nicht jeden der letzten zehn Tage in dieser Ausführlichkeit beschreiben und ich glaube auch nicht, dass euch ein solcher Blog besonders interessieren würde. Mein nächster Artikel, der schnell folgen soll, wird meine ersten Erlebnisse zusammenfassender und in Themenblöcken beschreiben. Liebe Zwerg*Innen, bitte habt Geduld. Ihr hört sehr bald von mir über meine ersten Eindrücke von Addis Abeba und meinem neuen Arbeitsplatz.

English version

Salem new my dear digital-dwarves which means Hello/How are you/Peace be with you in Amharic. The saying is, in addition to the little word: ischi which means okay and sometimes sounds like the uttering person is sneezing, the only thing that I am able to memorize yet in the national language. But I will work on that in the coming months.

By now I have spent 14 days in Addis Ababa; however, my stay already feels much longer because so much has happened in such a short time. While I know that I am already behind with posting updates on this blog, I do want to take the time to describe my arrival in detail.

My flight with Ethiopian Airlines was pretty comfortable. The two seats next to mine remained empty so I could lie down and snooze off for a while. For dinner, the airline served pasta with peas and carrots which I found a little amusing, as my ticket described the dinner as: Asian Vegetarian. When I arrived in Addis, I could not find the cab driver at first who was supposed to pick me up. That was not my or his fault – at the airport of Addis, cab drivers are not allowed to wait in or right next to the building. This is why they wait in a crowded parking lot – a space which is difficult to oversee by someone who just newly arrived. An Ethiopian who saw my confusion was quickly by my side. He called my driver who was then able to locate me. What would happen now…? I did not know myself.

As an explanation: Just before my journey, I was notified that the family which wanted to rent out a small building on their compound to me had suffered a loss of a family member. After this message, I was unable to communicate with them directly and therefore did not know, if it was still possible for me to stay there. Neither did I know where else I should go. However, my colleague at the Goethe-Institut, also related to the same family, wrote me a mail that I should not worry – everything would be organized. The information was somehow reassuring – on the other hand I would really have appreciated details. During the flight, I realized that I yet have to get used to not having everything organized and not being completely in control. Honestly, I was pretty stressed out. A more trusting and laid-back person probably could have relaxed and be more positive about experience. Trust and positivity are things that I really aim to work on because in the end, things usually work out. In this case, the driver knew where to take me. At a building which was certainly not one I knew from pictures and therefore not the one I intended to rent, I was lead into a room where I was supposed to recover from the journey. At least that is how I understood the woman who could only speak Amharic. As I did not have a clue where I was and with whom, I decided to go with the flow and sleep for a while. After a few hours, I was handed a mobile phone: my colleague. At the moment I would be at her parents’ home, soon I would be picked up and brought to the Goethe-Institut. After I would have met everyone at work, I would be driven to the accommodation which I wanted to rent in the first place. See…Everything turned out fine. No need to stress like I did.

For the first time, I saw the beautiful building of the Goethe-Institut. All my new colleagues greeted me in a very friendly way and when I was brought to my accommodation, my host family invited me to dinner. I tried the Ethiopian Injera, a traditional meal which consists of dough with a sour taste and is served with different sauces, and liked it instantly. However, soon everyone was laughing about me because you eat Injera, using only (!) your right hand and no cutlery. Everyone who knows me, knows how bad my table manners are and how I am unable to eat one meal without spilling something on myself. I am glad that my host family found the scenario rather funny. After that I drank Ethiopian coffee for the first time which is easily the best coffee I ever drank. Then I took a look at the little building which is my home for the coming months. There I found a comfortable couch and bed, a little cooking space and on the terrace a place to sit, read and write. In front of my door is a little garden in which a small cat usually sleeps in some corner. It is a very cute being; however, it has also bitten me already. In the last two weeks, the place has proven to be my calm retreat where I can recover from the busy and noisy city.

  

Alright, I guess that is all I need to say about my arrival. Of course, I will not be able to describe every day in this detail – I also doubt that you would be interested in such a report. My next article will follow much quicker though and will summarize a few of my thoughts and experiences in relation to certain topics. Please be patient with me, dear digital dwarves, you will soon hear about my thoughts about the city and my work.

 

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