Eine lang erwartete Reise / A long expected journey

English version below.

Nein, zu meiner Enttäuschung besuchte mich heute kein alter Zauberer, um mich zu einem Aufbruch in ein Land in großer Entfernung zu nötigen. Auf meinem morgigen Flug nach Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, begleiten mich leider auch keine sympathischen Zwerge, die bereit wären mich ab und zu mit Gesang zu ermuntern oder mir in schwierigen Situationen beizustehen. Allerdings hatte ich, im Gegensatz zu einem bekannten Hobbit, den Vorteil mich fast anderthalb Jahre auf meinen Auslandsaufenthalt vorbereiten zu können.

Wie alle die einen Kulturfreiwilligendienst anstreben, ein Programm der Deutschen UNESCO-Kommission, musste ich monatelang geduldig warten, um nach der Online-Bewerbung zu erfahren, dass ich die erste Runde des Auswahlverfahrens bestanden hatte und wiederrum etwas später erfuhr ich, dass meine Bewerbung an einen bestimmten Träger: das Goethe-Institut, weitergeleitet wurde. Dieses vermittelte meine Bewerbung nach Äthiopien, da ich Afrika als eine meiner favorisierten Weltregionen angegeben hatte. Als eine von drei sich Bewerbenden wurde ich in einem Telefoninterview befragt und bekam endlich, nach weiteren drei Monaten Wartezeit, die Zusage für eine Stelle in Addis Abeba. Ab dem 13. September 2018 werde ich also für sechs Monate in der Kultur- und Veranstaltungsabteilung des Instituts arbeiten, wo mich vermutlich (bzw. hoffentlich) ein Schatz an Erfahrungen statt eines Drachen erwartet.

Die Wartezeit ist nun endgültig vorbei, in der ich Reiseführer und Reiseberichte gelesen, einschlägige Dokumentationen geschaut, mit zwei ehemaligen Freiwilligendienstlerinnen geredet, ausführliche Packlisten erstellt und das verpflichtende 10-tägige Vorbereitungsseminar am Werbellinsee besucht habe, das ich allerdings wegen einer starken Erkältung am fünften Tag abbrechen musste. Trotzdem fühle ich mich in gewisser Weise unvorbereiteter als vor anderen großen Reisen, die ich in meinem bisherigen Leben angetreten bin, wie etwa vor meinem zweieinhalbjährigen Melbourne-Aufenthalt oder meinem Balkan-Road Trip nach Griechenland. Addis Abeba erscheint mir aus der Ferne eine moderne Stadt mit vielen Facetten – sie liegt in einem Land mit jahrhundertealter Geschichte, von der ich kaum etwas weiß, und vereint unterschiedlichste Lebensweisen. Hinzu kommt, dass ich Äthiopien in einer politisch spannenden Zeit besuchen werde. Zurzeit berichten viele deutsche Medien, dass dort eine besondere ‚Aufbruchsstimmung‘ herrsche, denn erst vor kurzem schloss die Regierung nach zwei Jahrzehnten Krieg unter dem neuen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed Ali Frieden mit Eritrea. Wegen meines geringen Vorwissens über das Land und den Lebensalltag in Addis werde ich wohl in kurzer Zeit viel lernen, dennoch sorge ich mich natürlich auf Hürden zu treffen oder in Fettnäpfchen zu treten, von denen ich momentan noch nichts ahne.

Nichtsdestotrotz überwiegen Vorfreude und vor allem Dankbarkeit, dass ich das Privileg genieße diese Reise machen zu können, meine Ängste. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich, so sehr ich das kulturweit-Programm schätze und hinter dessen Konzept stehe, es ohne den finanziellen Rückhalt meiner Eltern wohl kaum geschafft hätte mich auf das Projekt einzulassen. Trotz der Zuschüsse und Flugkostenrückerstattung, die man durch die Teilnahme an kulturweit erhält, wäre es mir, als frisch gebackene Bacholerette – die sich im letzten Jahr auf die Abschlussarbeit und weniger aufs Geld verdienen konzentriert hat – nicht gelungen einige Kosten in Vorkasse zu leisten. Daher gebührt der Dank an dieser Stelle ausdrücklich nicht nur der Deutschen UNESCO-Kommision bzw. dem Auswärtigem Amt, sondern auch ganz besonders meinen Eltern.


In den letzten Monaten habe ich viele logistische Vorbereitungen getroffen, aber mich auch mit der Frage beschäftigt, wie ich in dieser Zeit meine Erfahrungen am besten reflektieren könnte. Ich habe beschlossen diesen Blog zu gestalten – auch um euch Leser, als mein eigenes, unterstützendes Zwerg*innen-team, auf meine Reise mitzunehmen. Ich werde meine Erlebnisse mit euch teilen und über mein Leben als temporärer Bewohner Addis Abebas berichten. Das Resultat, dessen bin ich mir im Klaren, wird ein Blog sein, der vollkommen nach meinem Geschmack und Weltbild ausgerichtet ist. Meine Beiträge erheben daher keinen Anspruch auf irgendeine Art von allgemeingültiger Information/Wahrheit, sondern sollen meine Familie und Freund*innen, neugierige Bekannte und vielleicht sogar zukünftige nach-Addis-Abeba-Reisende über meine Erfahrungen informieren. Für letztere Kategorie veröffentliche ich am Ende dieses ersten Beitrags einen Ausschnitt meiner Packliste mit einigen beigefügten Erklärungen. Die Packtipps stammen von den letzten zwei Freiwilligendienstlerinnen in Addis, bei denen ich mich auch hier nochmal für die Hilfe bedanken will und hoffe als angemessene Nachfolgerin in ihre Fußstapfen treten zu können.

Meinen nächsten Artikel werde ich, sobald ich dazu komme, in Addis schreiben und freue mich über jeden kritischen Kommentar, Hinweis, aufmunternden Spruch oder Gedanken meiner digitalen Zwerg*innen, die mir bitte meine wiederholten Tolkien-Referenzen verzeihen – wenn man den Hobbit/die Ringe-Bücher grade zum ersten Mal gelesen hat, kann man diese Welt nicht so schnell wieder verlassen. Bis bald!

Packtipps:
1. Wasserkocher, falls man das Gerät nicht extra dort kaufen möchte (Wasser muss, wenn aus dem Hahn entnommen, abgekocht werden – auch für Wärmflaschen etc. praktisch)
2. Kosmetika jeglicher Art (sind in Äthiopien teurer): also ausreichend Deo, Zahnpasta, und dann, je nachdem ob benötigt, Binden, Tampons, Haarwachs/spray/gel etc.
3. Schokolade auf Vorrat (ich habe gehört, dass man Schokolade nicht an jeder Ecke wie in Deutschland bekommen kann)
4. Mückenspray und Sonnencreme (in Äthiopien wohl ebenfalls teurer)
5. Taschenlampe und Batterien sowie eine Powerbank (durch das rasante Wachstum der Stadt kommt es manchmal zu Engpässen im Stromnetz)
6. Maps Me-App (eine Offline-Karten App: so gut wie Google Maps, nur kann man sich Karten im Voraus im Wlan herunterladen, so wird weniger Internet verbraucht)
7. Dinge gegen Magen/Darm Verstimmungen und Erkältung: wie Fencheltee, Grüner Tee, Lindenblütentee, Holunderblütentee etc. (in der Hauptstadt findet man wohl häufiger Schwarztee und Pfefferminztee), Imodium, Kohletabletten…
8. Regenjacke und Gummistiefel (von Juni bis September ist Regenzeit, ich vermute, dass man solche Kleidung auch sonst manchmal benötigt)
9. Gute Laufschuhe
10. Kreditkarte mit der man möglichst kostenfrei im Ausland abheben kann (z.B. DKB)
11. Warme Sachen: Dicke Socken, Wärmflasche (denn Abends kann es kühl werden)
12. Kopien aller wichtiger Dokumente

Link zur Bewerbung: https://www.kulturweit.de/bewerbung/voraussetzungen


English Version

Today, sadly, no old wizard showed up at my front door, trying to persuade me to go on a great trip to a land far away. On tomorrow’s flight, no friendly dwarves will be accompanying me who would be always ready to cheer me up with chants or stand by me in difficult situations. However, in comparison to a widely known Hobbit, I did have the advantage of time – as I was able to prepare my stay abroad for almost one and a half years.


As anyone who aims to complete an international cultural voluntary service, a program established by the German Commission for UNESCO, I had to wait patiently to find out about my online application being successful. Several months passed until I learned that the Goethe-Institut had been considering me and had transferred my application to Ethiopia, as I had chosen Africa as one of my preferred regions for placement. Being one of three chosen candidates, I was questioned in a phone-interview by the head of the Goethe-Institut of Addis Ababa and after another three long month of waiting, I got an email which confirmed my acceptance. From the 13th of September on, for six month I will be working at the institution and support their cultural programmes as well as take a part in the organization of events – hoping to find a treasure in all the things that I will learn and experience instead of facing a dragon.


Waiting time is now over in which I read travel guides and travel reports, watched relevant documentaries, talked with former volunteers, created extensive lists on what to pack and partly attended the obligatory 10-day-seminar at Werbellinsee, which ought to prepare all volunteers for their service, until I caught a bad cold and had to call in sick. Nevertheless, in some ways I do feel less prepared than just before other important journeys in my life, like for example my two and a half year stay in Melbourne or my Balkan-road trip to Greece. From far, Addis Ababa appears to me a modern city with many facets – a place which unites various ways of living and is located in a country with centuries of history which I hardly know anything about. On top of that, I will visit the country in a politically interesting time. German Media have been talking about a positive ‘wind of change’, as Ethiopia’s government, under the new Prime Minister Abiy Ahmed Ali, just managed to establish peace with Eritrea after twenty years of war. I am looking forward to this experience as I am certain to learn a lot in a short time, even more as my prior knowledge about the country is nominal. Still, I also fear to run into barriers that I have no idea about just yet.


Despite my worries, I am endlessly exited for my stay in Addis and even more thankful that I enjoy the privilege to be able to leave my country once again and ‘look beyond my own nose’. That is why I need to emphasize the fact that even though I fully support the idea of cultural exchange programs and value the concept of kulturweit, I would not be able to dedicate myself to this project without my parents financially backing me up. Even though everyone participating in kulturweit will be granted a monthly subsidy and be refunded for costs of flights etc. , there is no way that I could have afforded to pay all these fees in advance – mainly because I just finished my Bachelor’s degree and was too occupied to work beside going to university within the last six month. I am therefore not only thankful to the German UNESCO Commission and the German Federal Foreign Office, but also especially to my parents.


In advance, I have not only been thinking about how to logistically plan my stay in Addis but also how to reflect upon my experiences and stay connected to my dearest. For that purpose, I decided to create this blog which has the advantage that I can take you, my readers, with me, to be my own, digital dwarves-team. I would like to share my experiences of my kulturweit-adventure with you and write about my life as a temporary resident of Addis Ababa. The result will be uttermost subjective, as I will create a blog that you can probably pick my taste and worldview from, so to settle the matter once and for all: my articles will not aim to inhabit some sort of objective truth or universal information. I am writing nevertheless to inform my family, my friends, curious acquaintances and those who might want to travel to Addis in the future. For the latter, I will publish a list of those things which the two former volunteers have advised me to take with me from Germany for various reasons (which I will include). Them I also need to thank, as they helped me a lot preparing my stay and I will do the same for the ones who will succeed me.


My next article will already be written in Addis, once I have settled in a little bit. To my digital-dwarves: Please comment, criticize or ask anything you like – I would be happy to hear from you and hope to receive your forgiveness for my multiple referrals to the Hobbit/Ring-books by Tolkien. I just read those works for the first time and it is really hard for me to leave this world behind. You will hear from me soon!

List of things to pack:
1. Electric kettle (if you want to avoid buying a new one in Addis – water from the tap needs to be boiled before drinking, also handy for hot water bottles)
2. Cosmetics (as they are apparently more expensive in Addis. Think of: deodorant, tooth paste and if needed tampons, sanitary pads)
3. Just enough chocolate (in comparison to Germany, it is not possible to get it in every corner-store)
4. Mosquito spray and sunscreen (apparently more expensive in Addis)
5. Torch, batteries and powerbank (Addis’ rapid growth can sometimes affect the power supply system)
6. Maps Me-App (Offline-Map: just as good as google maps but you can download regions while using Wi-Fi and don’t need to use the internet while on the go)
7. Things against gastrointestinal problems and any sort of cold (for example various sorts of tea, I heard the common teas you can buy in Addis are peppermint and black)
8. Rain coat and rubber boots (the rainy season lasts from June until September, however I guess you might need it also in other months every now and then)
9. Shoes you can walk in well
10. A credit card that allows you to withdraw money without further costs (for example from the DKB)
11. Warm clothes like thick socks – also a hot water bottle (as it can get cold in the evenings)
12. Copies of all important documents

 

 

 

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