{"id":260,"date":"2025-02-04T20:49:10","date_gmt":"2025-02-04T19:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/?page_id=260"},"modified":"2025-11-16T21:59:52","modified_gmt":"2025-11-16T20:59:52","slug":"about-rasta-and-reggae","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/about-rasta-and-reggae\/","title":{"rendered":"About Rastafarianism and Bob Marley"},"content":{"rendered":"<h1>Rastaman Vibration<\/h1>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Nach dem ich die ersten beiden Blogartikel mit der Frage begonnen habe \u201cWoran denkt ihr, wenn ihr an Jamaika denkt?&#8220; und Bob Marley ja eigentlich immer zu den ersten Assoziationen geh\u00f6rt, m\u00f6chte ich in diesem Beitrag fragen: Woran denkt ihr, wenn ihr an Bob Marley denkt? Bestimmt neben vielen Songs auch an den Rastafarianismus.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Haile Selassie<\/span><\/b><span data-contrast=\"auto\">\u00a0<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">1968 bekannte sich Bob Marley mit seinem Song \u201cSelassie is the Chapel\u201d zur Rastafari-Religion. Seine Frau, Rita Marley, hatte darauf einen gro\u00dfen Einfluss. Sie bejubelte bei seinem Jamaikabesuch 1966 wie tausende andere Jamaikaner den \u00e4thiopischen Kaiser, Haile Selassie, den die Rastafaris als Messias verehren. Rund 100.000 gl\u00e4ubige Rastas str\u00f6mten zum Flughafen, um ihn zu empfangen. Die Rastas wurden wie die meisten Jamaikaner w\u00e4hrend der britischen Kolonialzeit unterdr\u00fcckt und hofften nun, die Karibik nach Afrika verlassen zu k\u00f6nnen. \u00a0<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die Rastafaris sind eine Glaubensgemeinschaft. Die Bibel ist ihre heilige Schrift. Dort spielt der afrikanische Kontinent eine entscheidende Rolle. \u00c4gypten war beispielsweise Zufluchtsort f\u00fcr Abraham (1. Mose 12), auch \u00c4thiopien ein Land von Reichtum und Einfluss. Als Haile Selassie 1930 mit haufenweise biblischen Bez\u00fcgen gekr\u00f6nt wurde (er selbst verfolgte seine Abstammung bis K\u00f6nig Salomon), interpretierten das die Rastas als Prophezeiung eines afrikanischen Messiah und Herrschers. <\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die Rastas identifizierten sich nicht nur mit Haile Selassie als Messiah, sondern auch mit den St\u00e4mmen Israels, die nach Babylon verschleppt wurden und ins gelobte Land zur\u00fcckkehrten. Sie sehen sich in einer \u00e4hnlichen Lage, denn so wie die Israelis nach Babylon verschleppt wurden, wurden die Sklaven aus Afrika in die Karibik deportiert. Nun wollen sie, motiviert auch durch einen ihrer wichtigsten Vordenker Marcus Garvey, ins gelobte Land zur\u00fcckkehren.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Marcus Garvey<\/span><\/b><span data-contrast=\"auto\">\u00a0<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Er war nicht nur 1. Nationalheld Jamaikas, sondern auch einer der bedeutesten Vordenker des Rastafarianismus. Garvey prangerte Ungleichheit sowie schlechte L\u00f6hne und fehlende politische Mitbestimmung afrikanisch-st\u00e4mmiger Menschen an und warb f\u00fcr eine R\u00fcckkehr eines Teils der Sklavennachfahren nach Afrika. Er tr\u00e4umte von einem geeinten Afrika, das zur Weltmacht aufsteigt und gr\u00fcndete die \u201cUniversal Negro Improvement Association\u201d (UNIA), die den Zusammenschluss afrikanisch-st\u00e4mmiger Menschen zum Ziel hatte. Bekannt ist auch das \u201cBack to Africa Movement\u201d, das die Menschen dazu aufrief, nach Afrika zur\u00fcckzukehren, um dort ihre kulturelle und politische Selbstbestimmung wiederzuerlangen und eine unabh\u00e4ngige afrikanische Nation aufzubauen. 1916 emigrierte Garvey in die USA, wo er auch f\u00fcr sp\u00e4tere B\u00fcrgerrechtler*innen eine inspirierende Person war.\u00a0 <\/span><\/p>\n<blockquote><p><i><span data-contrast=\"auto\">&#8222;Marcus Garvey was the first man, on a mass scale, and level, to give millions of Negroes a sense of dignity and destiny, and make the Negro feel that he is somebody.&#8220;<\/span><\/i><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><i><span data-contrast=\"auto\">(Martin Luther King)<\/span><\/i><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Einige Afroamerikaner*innen distanzierten sich von Garvey, da sie sich als Minderheit integrieren wollten, w\u00e4hrend Garvey sie zur Emmigration aufforderte. Doch in Jamaika, wo Menschen afrikanischer Abstammung die Mehrheit waren und sind, verfing seine Botschaft, wohl auch, weil er als Rebell von den Machthabern verfolgt wurde (er kam ins Gef\u00e4ngnis und ihm wurde trotz Manadat der Einzug in ein Parlament verwehrt).<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Motiviert auch durch seine Vision, erhofften sich die Rastas von Haile Selassie bei seinem Jamaikabesuch 1966 Emigrationsm\u00f6glichkeiten nach \u00c4thiopien. Der zeigt jedoch wenig Interesse daran, schlie\u00dflich war sein Land wirtschaftlich schwach und brauchte deshalb keine Masseneinwanderung ungelernter Arbeitskr\u00e4fte aus Jamaika. Auch seine Karibikreise, die ihn nach Jamaika f\u00fchrte, hatte nichts mit den Rastas zu tun, dennoch kam es zu einem Treffen mit Rasta-Vertretern, wo er sie auffordert, vor der Auswanderung erst die schwarzen Jamaikaner zu befreien (so zumindest die \u00dcberlieferung). Diese r\u00fcckt nun in weite Ferne. <\/span><span data-contrast=\"auto\">Viele Rastas wandten sich nun verst\u00e4rkt der Kunst, Literatur und nicht zuletzt der Musik zu, um den schwarzen Jamaikanern eine Identit\u00e4t zu geben. <\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Leonard Howell<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Doch bevor wir uns nun, anl\u00e4sslich seines 80. Geburtstages, auf eine Reise durch das Bob-Marley-Universum begeben, der die Rastafaris weltweit bekannt gemacht hat, darf ein wichtiger Teil der Rastafari Geschichte nicht unter den Tisch fallen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">In den 1950er Jahren entwickelte Leonard Howell (\u201cerster\u201d Rasta und Sch\u00fcler von Marcus Garvey) mit Gleichgesinnten in einer Kommune in den Blue Mountains die Rastafari-Religion. Der verbotene Ganja-Anbau, der f\u00fcr ihre Spiritualit\u00e4t eine entscheidende Rolle spielte, oder auch die Dreadlocks, konnten als Demonstration gegen gesellschaftliche Ideale und die Obrigkeit verstanden werden. Und so wurde es auch von ihr gedeutet, weshab die Polizei die Kommune mehrfach wegen illegalen Drogenanbaus r\u00e4umte. Sie verjagten schlussendlich die Bewohner, vernichteten die Cannabisplantagen und zerst\u00f6rten die Siedlungen.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Die Rastas werden zur Massenbewegung \u2013 und ecken an<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Nun zogen viele der Vertriebenen Rastas in die Hauptstadt Kingston, wo sie weiter predigten und wo ihre Botschaften gerade bei den Armen verfingen. In den Elendsvierteln wie Trenchtwon entwickelte sich der Rastafarianismus nun zur Massenbewegung. <\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Die sozialen Spannungen zwischen den Rastafaris und der Elite eskalierten 1963. Eine Rastafari-Siedlung an der Nordk\u00fcste sollte f\u00fcr den Tourismus weichen. Es kommt in der Folge zu Protest und ein wei\u00dfer Tankwart \u00fcbersch\u00fcttete einen Rasta mit Benzin. Auf Hilfe der Polizei, die ihn erschoss, konnte er nicht hoffen. Er \u00fcberlebte schwer verletzt und brannte als Rache die Tankstelle mit f\u00fcnf weiteren Rastas ab. Sie t\u00f6teten den Besitzer und jeweils einen unschuldigen Autofahrer, Hotelgast und Vorarbeiter. Polizei und bewaffnete Zivilisten jagten anschlie\u00dfend die T\u00e4ter. Es starben acht Menschen. <\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Daraufhin gab der Premierminister den Befehl, alle Rastas ins &#8222;Gef\u00e4ngnis oder Grab&#8220; zu bringen. Die Rastafari-Viertel und Camps wurden nun von Polizisten und Soldaten gest\u00fcrmt, Bewohnern wurden die Dreadlocks abgeschnitten, sie wurden misshandelt und ermordet. Es war der letzte gro\u00dfe Zusammensto\u00df der Rastas mit der Obrigkeit. In den Folgejahren versuchte man aufeinander zuzugehen, auch wenn Diskriminierung gegen Rastas bis heute exisitiert. Es gibt immer noch Schulen, die in ihren Dresscode-Regeln Dreadlocks verbieten. <\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Auch die LGBTQ+ Community erf\u00e4hrt auf Jamaika Diskriminierung und ist l\u00e4ngst nicht so akzeptiert wie in Deutschland. In Dancehall-Musiktexten wurde und wird mitunter immer noch offen zu Gewalt gegen Homosexuelle aufgerufen. Die Community ist noch weit davon entfernt, wirklich toleriert zu werden. Gerade der Schwulenhass l\u00e4sst sich auch, wie so vieles, auf die kolonialen Verbrechen zur\u00fcckf\u00fchren. Sklaven wurden von Sklavenhaltern misshandelt und vergewaltigt. Das ist eine kulturell-historisch-psychologische Erinnerung f\u00fcr viele Jamaikaner*innen, wurde mir gesagt.<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Diskriminierung exisitierte und exisitiert auf Jamaika, wie auch in Europa und auf der ganzen Welt, in verschiedenen Formen. Irgendwie ironisch, dass eine dieser diskriminierten Gruppen, die Rastas, nun f\u00fcr viele Menschen auf der Welt das Bild von Jamaika pr\u00e4gen. <\/span><span data-contrast=\"auto\">Ihre Musik, der Reggae, wurde zum unverwechselbaren Sound der Insel mit seinem bekanntesten Vertreter, Bob Marley, der am 06.02.2025 seinen 80 Geburtstag gefeiert h\u00e4tte.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b><span data-contrast=\"auto\">Bob Marley &#8211; One Love<\/span><\/b><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Aus dem schnellen Skagesang entwickelte sich zun\u00e4chst der Rocksteady und schlie\u00dflich in den 1960ern der langsame, gechillte Reggae. Die Texte haben oft einen religi\u00f6sen oder politischen Bezug.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">In den 1970ern feierte der bekannteste Reggae-S\u00e4nger Bob Marley mit den Wailers weltweite Erfolge, w\u00e4hrend in seiner Heimat das Chaos weiter ausbrach. Jamaika war von schweren politischen Konflikten und gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen den Anh\u00e4ngern der People\u2019s National Party (PNP) und der Jamaica Labour Party (JLP) gepr\u00e4gt. Insbesondere in Kingston, wo die beiden Parteien ihre st\u00e4rksten Basen hatten, kam es zu bewaffneten Stra\u00dfenk\u00e4mpfen und schweren Unruhen, z.B. an der Mountain-View-Avenue. <\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Bob Marleys ber\u00fchmtes One-Love-Konzert 1978 sollte ein Zeichen der Vers\u00f6hnung und des Friedens setzen, als er die beiden politischen F\u00fchrer Michael Manley und Edward Seaga zusammen auf die B\u00fchne brachte. Dennoch blieb die politische Gewalt in den Jahren danach bestehen, erst nach den Wahlen 1980 nahm sie allm\u00e4hlich ab.<\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span data-contrast=\"auto\">Zwei Jahre vor dem Konzert \u00fcberlebte Bob Marley ein Attentat, kehrte Jamaika danach zun\u00e4chst den R\u00fccken, kam dann aber f\u00fcr das One Love Konzert zur\u00fcck. 1981 starb er mit nur 36 Jahren an Krebst. Eine Konservative Behandlung lehnte er ab. Seine Musik und seine Visionen werden immer Teil der jamaikanischen DNA sein. Er war der bisher einzige K\u00fcnstler auf der Welt, f\u00fcr den eine staatliche Trauerfeier abgehalten wurde. Das zeigt, welche Bedeutung seine Musik und seine Ideen f\u00fcr die Jamaikaner*innen haben. Und sie sind heute noch viel popul\u00e4rer, als zu seinen Lebzeiten. <\/span><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;335551550&quot;:0,&quot;335551620&quot;:0,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Deshalb fragen sich einige Jamaikaner*innen, warum sein Geburtstag noch kein Nationalfeiertag ist, da er ja DAS Gesicht Jamaikas in der Welt ist. Sieht die politische Elite ihn im Endeffekt doch (noch) als Gefahr? Seine Songtexte kritisieren ja auch das politische System, welches sich in vielen Bereichen, das sagen mir einige Jamaikaner*innen, nicht grundlegend ver\u00e4ndert hat. Wie ich schon an anderer Stelle mehrfach beschrieben habe, ist die koloniale Vergangenheit immer noch allgegenw\u00e4rtig und somit gibt es nat\u00fcrlich auch nach wie vor Menschen, die davon bis heute profitieren.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Emancipate yourself from mental slavery, none but ourselves can free our mind&#8220;<\/p>\n<p>(Redemption Song, Bob Marley, 1980)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dies ist eine der bekanntesten Botschaften aus Marleys Songtexten, die auf Marcus Garvey zur\u00fcckgeht. F\u00fcr viele Rastafaris ist er ihre Mission, f\u00fcr viele Jamaikaner*innen eine Identifikation, doch f\u00fcr das &#8222;System&#8220; an mancher Stelle vielleicht doch auch ein Aufruf zur Revolution und damit eine Bedrohung?<\/p>\n<p>&#8222;Emancipate yourself from mental slavery&#8220; w\u00fcrde in seiner Umsetzung vermutlich das politische System ver\u00e4ndern, das bisher auch von Korruption gezeichnet ist. Und daran haben die Akteure, die davon profitieren, vermutlich kein gro\u00dfes Interesse.<\/p>\n<p>In der Bev\u00f6lkerung herrscht eine gro\u00dfe Resignation, wenn es um Politik geht. Denn f\u00fcr viele Menschen ver\u00e4ndert sich seit Jahren nichts, egal, welche der beiden Parteien regiert. Der Zugang zur politischen Teilhabe ist den meisten Jamaikanern verwehrt. Der b\u00fcrokratische Aufwand, sich ins W\u00e4hlerverzeichnis eintragen zu lassen, ist hoch und an Bedingungen gekn\u00fcpft, die in der Regel nur wohlhabendere Jamaikaner*innen erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Bei der Wahl 2020 lagt die Wahlbeteiligung bei nur 37%.<\/p>\n<p>Wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe, ist Klassismus auf Jamaika sehr ausgepr\u00e4gt (z.B. Uptown\/Downtown). Umso gr\u00f6\u00dfer ist der Stolz, wenn es Menschen wie Bob Marley, der in einem der Armenviertel (Trenchtown) aufgewachsen ist, schaffen, aus diesem Kreislauf auszubrechen. Das erkl\u00e4rt mitunter auch den Erfolg des Dancehall Musikers Vybz Kartel, den ich euch im ersten Artikel schon vorgestellt habe.<\/p>\n<p>Die musikalische Entwicklung vom Reggae zu Dancehall ist sehr spanennd. Die Dancehall Musik ist vor allem schneller, elektronischer, mitunter auch agressiver &#8211; die Texte bringen h\u00e4ufig auch Wut gegen\u00fcber sozialen Normen zum Ausdruck.<\/p>\n<p>Die Entwicklung ist vielleicht auch Ausdruck einer Frustration dar\u00fcber, dass die Botschaft des Reggaes zwar bei vielen Menschen verf\u00e4ngt, aber noch nicht so in der Praxis zu sehen ist. Bob Marley singt von One Love, w\u00e4hrend vor allem in Kingston oder Spanish Town bis heute immer wieder Nachrichten von Schie\u00dfereien die Runde machen.<\/p>\n<p>Und dennoch werden viele Menschen nicht m\u00fcde, diese Botschaften aufrechtzuerhalten und mit Leben zu erf\u00fcllen. Und das sp\u00fcrt man, wenn man sich auf Jamaika aufh\u00e4lt. Die grunds\u00e4tzlich postive Einstellung vieler Jamaikaner *innen zum Leben und die grunds\u00e4tzliche Zufriedenheit damit l\u00e4sst sich auch nicht dadurch ersch\u00fcttern, dass f\u00fcr die meisten das Leben ja auch ein t\u00e4glicher Stresstest ist, um genug Geld aufzubringen. &#8222;Give thanks for live&#8220;, sagt man hier.<\/p>\n<p>Da bleibt mir ein Satz eines Taxifahrers in Erinnerung. &#8222;Jamaika ist f\u00fcr mich das beste Land der Welt. Nat\u00fcrlich haben wir Probleme, aber die gibt es \u00fcberall auf der Welt. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir hart arbeiten, aber das musst du wo anders auch. Hier hast du tolle Menschen, ein wundersch\u00f6nes Land und tolle Musik. Alles, was man zum Leben braucht&#8220;.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich muss an dieser Stelle auch gesagt sein, dass ich vor allem mit Menschen ins Gespr\u00e4ch komme, die grunds\u00e4tzlich ganz gut \u00fcber die Runden kommen. Doch auch wenn ich durch D\u00f6rfer in den Bergen laufe, wo der Lebensstandard offensichtlich nicht so hoch ist, begegnen mir die Menschen mit einer inspirierenden Ausstrahlung. Das ist etwas, was ich versuche, so auch in mein Leben in Deutschland mitzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bilder<\/strong>:<\/p>\n<div id=\"attachment_134\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/01\/IMG_5196.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-134\" class=\"size-medium wp-image-134\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/01\/IMG_5196-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/01\/IMG_5196-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/01\/IMG_5196-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/01\/IMG_5196.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-134\" class=\"wp-caption-text\">Bob Marley Museum<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_348\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_7130.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-348\" class=\"wp-image-348 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_7130-300x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_7130-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_7130-624x832.jpeg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_7130.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-348\" class=\"wp-caption-text\">Haile Selassie und Marcus Garvey<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_353\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-353\" class=\"size-medium wp-image-353\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943-300x225.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943-768x576.jpeg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943-624x468.jpeg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6943.jpeg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-353\" class=\"wp-caption-text\">Die Enkel von Bob Marley performen an seinem 80. Geburtstag im Bob Marley Museum<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_351\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6969.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-351\" class=\"size-medium wp-image-351\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6969-300x400.jpeg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6969-300x400.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6969-624x832.jpeg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/jannis2024\/files\/2025\/02\/IMG_6969.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-351\" class=\"wp-caption-text\">Und abends treten die Nachfahren, auch sein Sohn Julian Marley, im Emancipation Park auf<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span data-ccp-props=\"{&quot;134233117&quot;:false,&quot;134233118&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:279}\">\u00a0<strong>Quellen<\/strong>:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li>Haupts\u00e4chlich Informationen, die ich in Gespr\u00e4chen und auf Veranstaltungen aufgeschnappt habe<\/li>\n<li>Zum Rastafarianism habe ich in der GEO EPOCHE 104\/2020: Die Karibik (Text von Dominik Bardow) nachgelesen<\/li>\n<li>Informationen zu Marcus Garvey aus der Liberty Hall in Kingston<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rastaman Vibration Nach dem ich die ersten beiden Blogartikel mit der Frage begonnen habe \u201cWoran denkt ihr, wenn ihr an Jamaika denkt?&#8220; und Bob Marley ja eigentlich immer zu den ersten Assoziationen geh\u00f6rt, m\u00f6chte ich in diesem Beitrag fragen: Woran denkt ihr, wenn ihr an Bob Marley denkt? 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