{"id":408,"date":"2013-07-19T20:38:45","date_gmt":"2013-07-19T18:38:45","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/?p=408"},"modified":"2013-07-19T21:05:38","modified_gmt":"2013-07-19T19:05:38","slug":"durch-den-monsun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/2013\/07\/19\/durch-den-monsun\/","title":{"rendered":"Durch den Monsun"},"content":{"rendered":"<p lang=\"en-US\">Nachdem es hier tagelang nur geregnet hat, ist endlich die Sonne raus und der Sommer hat begonnen. Jetzt hei\u00dft es 36 Grad und es wird noch hei\u00dfer.<\/p>\n<p>Bevor ich jedoch meine Urlaub beginnen konnte ist hier noch einiges passiert.<\/p>\n<p lang=\"en-US\">Hier also ein kleiner R\u00fcckblick, der letzten Wochen in denen es hier auf meinem Blog ziemlich still war.<\/p>\n<p lang=\"en-US\"><!--more--><\/p>\n<p lang=\"en-US\"><b>\n<div class='gallery'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/2013\/07\/19\/durch-den-monsun\/dscn0945\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/files\/2013\/07\/DSCN0945-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/2013\/07\/19\/durch-den-monsun\/dscn0949\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/files\/2013\/07\/DSCN0949-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/2013\/07\/19\/durch-den-monsun\/dscn0947\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/jannainningbo\/files\/2013\/07\/DSCN0947-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Das Drachenbootfest<\/b><\/p>\n<p lang=\"en-US\">Der genaue Ursprung des Festes ist unbekannt und es wird auch eher nur in S\u00fcdchina gefeiert, weswegen ich hier leider kein Drachenbootrennen anschauen konnte. Die Geschichte soll so gewesen sein, dass ein Dichter sich in einem See ertr\u00e4nken wollte, weil ihm Unrecht geschehen war. Da die Menschen, die in dem Ort wohnten, ihn retten wollten, warfen sie Reisb\u00e4llchen in den See. Die Fische, Ungeheuer und Drachen in dem See sollten die Reisb\u00e4llchen fressen, und somit abgelenkt sein, damit die Menschen den Dichter mit Booten retten konnten.<\/p>\n<p lang=\"en-US\">Heute werden daher in vielen Teilen S\u00fcdchinas Drachenbootrennen veranstaltet und auch hier gibt es \u00fcberall St\u00e4nde, an denen man Zongzi, die oben beschriebenen Reisb\u00e4llchen, in Bambus eingewickelt, kaufen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Abschied nehm<\/b><\/p>\n<p>Blo\u00df die Augen schlie\u00dfen, ja niemanden anschauen und los.<\/p>\n<p>Ok, die Menge macht \u201eoahhh\u201c, ich hab also den Ton getroffen, jetzt blo\u00df nicht in Gedanken verlieren, den starken Pulsschlag ausblenden, der gegen meine Adern pocht, und ganz souver\u00e4n weitersingen.<\/p>\n<p>Heute ist der letzte Tag, an dem die 12. Klasse in die Schule kommt.<\/p>\n<p>Es ist ihr Abschiedsfest. Aber es ist ein bisschen anders als es bei meinem Abitur in Deutschland war. Trotzdem steht es ihm in seiner Emotionalit\u00e4t in nichts nach.<\/p>\n<p>Bei meinem Abiball war es mehr ein Schaulaufen von schicken und pomp\u00f6sen Kleidern.<\/p>\n<p>Man k\u00e4mpfte mit der Angst vor dem gro\u00dfen Fall, der einem auf viel zu hohen Highheels von seinem Stuhl bis zum Direktor vor ca. 400 Menschen im Raum niederstrecken konnte.<\/p>\n<p>Andere waren besorgt, dass das Makeup zu dick oder zu d\u00fcnn aufgetragen war. Man konnte nat\u00fcrlich auch Gespr\u00e4chen lauschen, von Zukunfts\u00e4ngsten oder von gro\u00dfen Pl\u00e4nen die Welt zu ver\u00e4ndern oder auch sehr reich zu werden.<\/p>\n<p>Aber man konnte auch h\u00f6ren wie manche sich dar\u00fcber austauschten was sie anstellen mussten, um in das Kleid zu passen, wer in sein Kleid nicht passt und wer keine W\u00e4sche trug damit das Kleid perfekt sitzt.<\/p>\n<p>Irgendwie ein doch recht oberfl\u00e4chlicher Tag, frei nach dem Motto: \u201eHeiraten kannst du zehnmal, aber dein Abiballkleid tr\u00e4gst du nur heute\u201c.<\/p>\n<p>Das endg\u00fcltige Motte wurde lange diskutiert, blau und trotzdem schlau?<\/p>\n<p>Und \u00e4hnliche Dinge kamen auf den Tisch und brachten hitzige Diskussionen auf.<\/p>\n<p>Jahrelang hatte ich im Orchester und in der Big-Band gespielt und von der B\u00fchne aus die Abiturienten beobachtet und konnte es gar nicht erwarten so wie sie einmal dort auf den B\u00e4nken zu sitzen. Als der Tag dann gekommen war, war ich doch irgendwie entt\u00e4uscht von der Atmosph\u00e4re, und davon, dass mein Abiball eben genauso war, wie die 10 Abib\u00e4lle die ich davor schon gesehen hatte.<\/p>\n<p>Dahingegen verlief der Abschied der Sch\u00fcler in Ningbo hier etwas anders.<\/p>\n<p>Lange Zeit dachte ich, es w\u00fcrde \u00fcberhaupt gar kein Abschiedsfest geben, aber dann erreichte mich eine SMS: \u201cJanna, sp\u00e4ter sind wir im Klassenzimmer\u201c.<\/p>\n<p>Also bin ich da doch einfach mal hingegangen. Genau zum richtigen Zeitpunkt der Abschied sollte gerade starten. Ein leckeres St\u00fcck Schokotorte wurde mir in die Hand gedr\u00fcckt und ich durfte mich zwischen die 25 Sch\u00fcler und ihre Klassenlehrerin setzten. Der Klassenbeste und Allroundtalent f\u00fchrte durch das Programm. Die Sch\u00fcler sangen im Chor und das aus meiner Sicht sch\u00fcchternste M\u00e4dchen der Klasse sang ganz.<\/p>\n<p>Und es wurde getanzt, zu Gangnam Style von Psy, ein M\u00e4dchen tanzte in einem traditionell chinesischem Gewand einen chinesischen Volkstanz.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckend und mutig. Dann kamen Darbietungen die zwar wohl geplant waren, in ihrer Ausf\u00fchrung aber doch noch etwas holprig waren. Aber man sah allen an, dass es sowohl als Zuschauer als auch als Darsteller furchtbar viel Spa\u00df machte.<\/p>\n<p>Und dann, dann klatschte die ganze Klasse in die H\u00e4nde und rief meinen Namen. Nun war ich also dran mit meiner Darbietung, von der ich bis zu dem Moment aber noch \u00fcberhaupt gar nichts geahnt hatte. Ich glaube ich habe mich ganz gut geschlagen, ich singe normalerweise zwar gerne unter der Dusche, vor maximal 5 Leuten auch bei KTV aber in der \u00d6ffentlichkeit doch nur ungern. Normalerweise \u00fcberlasse ich diesen Part meinem kleinen Bruder. Aber es hat dann doch auch irgendwie Spa\u00df gemacht. Das Programm ging dann mit Spielen weiter. Zum Schluss spielte ein Sch\u00fcler, der normalerweise nur als Schlagzeuger bekannt ist, auf einer dizi(Fl\u00f6te) im Hintergrund lief Musik und jeder Sch\u00fcler durfte zum Abschied ein paar Worte an alle richten.<\/p>\n<p>Nur Teile wurden mir \u00fcbersetzt, weil irgendwann fast alle so nah am Wasser waren, dass eine \u00dcbersetzung nicht mehr m\u00f6glich war. Fast h\u00e4tte ich auch geweint. Es war schon auch wirklich herzzerrei\u00dfend. Das w\u00e4re bei uns vor 400 G\u00e4sten \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Es wurden sogar vor der ganzen Klasse Liebesbekundungen gemacht. Offiziell ist P\u00e4\u00e4rchenbildung an meiner Schule wohl verboten, wobei die Restriktionen bei Versto\u00df eigentlich nicht geregelt sind.<\/p>\n<p>Ich hatte schon bei einem P\u00e4\u00e4rchen einen Verdacht, mochte aber nichts \u00e4u\u00dfern oder Fragen, weil ich eben nicht wusste, wie dieses Thema gehandhabt wird.<\/p>\n<p>Heute nun stellte sich ein M\u00e4dchen mutig vor die ganze Klasse und erkl\u00e4rte, das sie ihren Freund schon gefunden habe. Der kam etwas peinlich ber\u00fchrt nach vorne die beiden umarmten sich vor der Klasse und setzten sich wieder hin. Irgendwie ein sehr emotionaler Moment ( auch weil es befremdlich erscheint, dass es ein solches Verbot gibt). Ein zweiter Junge kam nach vorne und erkl\u00e4rte der Klasse, wer seine Freundin sei, ein L\u00e4cheln blitzte \u00fcber ihr Gesicht, sie kam auch nach vorne, umarmte ihn und ein kleines Tr\u00e4nchen n\u00e4herte sich meiner Wange. Fast ein bisschen zu viel Kitsch. Wo man sonst h\u00e4ufig, das Gef\u00fchl hat, dass Dinge gestellt sind, ganze S\u00e4tze und Meinungen f\u00fcr die Pr\u00fcfungen auswendig gelernt wurden, tauchte pl\u00f6tzlich jede Menge Gef\u00fchl auf.<\/p>\n<p>Bei einer zweiten offizielleren Abschiedsfeier hatten ein paar Sch\u00fclerinnen dann auch schon gef\u00e4rbte Haare und Str\u00e4hnchen, was vorher auch untersagt war. Bei dieser Abschiedsfeier legten Anita unsere Deutschlehrerin und Jens, ihr Mann, einen flotten Rock&#8217;n&#8217;Roll Tanz mit \u00dcberschl\u00e4gen aufs Parkett. Auch f\u00fcr Sie hie\u00df es Abschiednehmen. Sie fahren nach nun 3 Jahren wieder zur\u00fcck nach Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freunden von mir habe ich Fotos von Gangnam Style geschickt, die waren dann sofort verwundert dar\u00fcber, dass die Sch\u00fcler doch recht knappe Shorts trugen und dort in der Schule so frei tanzten.<\/p>\n<p>Das mit der Schuluniform an meiner Schule ist so eine Sache. Als ich einmal im Unterricht nichts zu sagen und zu tun hatte, habe ich mal gez\u00e4hlt, wie viele Sch\u00fcler von 25 gerade unterschiedliche Kleidung tragen. 14. Zum einen weil es so viele verschiedene Uniformen gibt, zum Anderen, weil es niemanden interessiert welche Hose man eigentlich dazu tr\u00e4gt, etwas l\u00e4nger sollte sie schon sein und es scheint auch nicht so schlimm zu sein, wenn man einfach in seinen eigenen Klamotten kommt. Von anderen Freiwilligen habe ich da allerdings auch schon von viel strengeren Regeln geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Apropos Regeln<\/p>\n<p>Es wurde ja Gaokao geschrieben, die chinesische Abschlusspr\u00fcfung, und auch da scheint es unterschiedliche Regelungen zu geben.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Lehrer gab es ein extra Seminar, wie sie sich zu verhalten haben.<\/p>\n<p>In deutschen Medien liest man von Scannern, die vor der Schule aufgebaut werden, und das jeder Sch\u00fcler einzeln abgetastet wird. Das ist hier nicht an meiner Schule passiert, aber die Klausuren wurden tats\u00e4chlich von der Polizei gebracht und es wurde auch streng kontrolliert, wer das Schulgel\u00e4nde betreten darf. Eltern, Freunde und Taxen standen den ganzen Tag vor der Schule und warteten auf die Sch\u00fcler. Spannend ist auch, bei dem ganzen Aufwand, was passiert, wenn die Ergebnisse nicht so ausfallen wie erw\u00fcnscht. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, die ich dann mal erz\u00e4hlen werde, wenn ich mich von den nervenaufreibenden letzten Wochen erholt habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem es hier tagelang nur geregnet hat, ist endlich die Sonne raus und der Sommer hat begonnen. Jetzt hei\u00dft es 36 Grad und es wird noch hei\u00dfer. Bevor ich jedoch meine Urlaub beginnen konnte ist hier noch einiges passiert. 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