{"id":96,"date":"2015-09-18T21:59:25","date_gmt":"2015-09-19T00:59:25","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/?p=96"},"modified":"2016-03-17T14:14:06","modified_gmt":"2016-03-17T17:14:06","slug":"dialekt-auf-spanisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/09\/18\/dialekt-auf-spanisch\/","title":{"rendered":"Dialekt auf Spanisch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Es wird Zeit, einmal \u00fcber das uruguayische Spanisch zu schreiben. Denn das Spanisch hier vor Ort unterscheidet sich in einigen Punkten von dem Standard-Spanisch, das man in Deutschland in der Schule lernt. Es ist quasi ein spanischer Dialekt. Bairisch auf Spanisch. Das hat nat\u00fcrlich mit dem Einfluss der zahlreichen Einwanderer in der Geschichte Uruguays zu tun, zum Beispiel mit dem der Italiener. Die haben eingef\u00fchrt, dass der ber\u00fchmte Doppelkonsonant <em>ll<\/em>, der so vielen Spanischlernern Probleme bereitet, nicht als &#8222;lj&#8220; ausgesprochen wird (&#8222;Maljorca&#8220;), sondern als \u201esch\u201c: \u201eMaschorca\u201c. Gleiches gilt f\u00fcr den Buchstaben <em>y<\/em>. Der wird eigentlich als \u201ei\u201c ausgesprochen, aber manchmal eben auch als \u201esch\u201c. Das klingt dann so: \u201eScho me schamo Jan\u201c, isch heische Jan. Ebenfalls sehr beliebt (oder auch wieder unbeliebt, je nachdem) ist das \u201es\u201c am Ende eines Wortes. Das wird meistens verschluckt, so wie die Einwanderer aus Frankreich es vor Jahrhunderten taten. Aus <em>m\u00e1s<\/em> wird dann \u201ema\u201c und aus \u201ees\u201c wird \u201ee\u201c. Das klingt dann schon fast wie Franz\u00f6sisch. Tats\u00e4chlich kommen einige Sch\u00fcler hier aus Frankreich und sprechen auch Franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch die Grammatik \u00e4ndert sich ein wenig. Anstelle von <em>t\u00fa<\/em> wird hier gerne das Wort <em>vos<\/em> f\u00fcr das Du verwendet. <em>Vos<\/em> ist eigentlich die alte Form f\u00fcr \u201eSie\u201c. Diese Praxis ist ein Relikt aus den Zeiten der c<em>onquistadores<\/em>, die noch kein modernes <em>usted<\/em> kannten und sich so siezten. Die Lateinamerikaer sind den Schritt zu <em>usted<\/em> einfach nicht mitgegangen. Das Ganze nennt man dann <em>voseo<\/em>, und wenn ich mit <em>vos<\/em> angesprochen werde, habe ich immer noch das Gef\u00fchl, ich werde gesiezt. All diese \u00c4nderungen zusammen f\u00fchren dazu, dass ich manchmal mein Gegen\u00fcber nur schwer verstehe. Dann kommt die Antwort: <em>Te vas a acostumbrar<\/em> \u2013 Du wirst dich daran gew\u00f6hnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Denn ich selber wei\u00df noch nicht genau, wie ich damit umgehen soll. Mein sch\u00f6nes gelispeltes s, dass ich mir im andalusischen M\u00e1laga (wieder) angew\u00f6hnt habe, kann ich mir hier wieder abgew\u00f6hnen. Entweder sie verschlucken das s ganz oder es wird nicht gelispelt. Ich wei\u00df auch nicht, ob ich den lokalen Dialekt auch verwenden sollte oder besser nicht. Den voseo \u00fcbernehme ich nicht, denn da werden auch die Verben in der zweiten Person Singular etwas anders konjugiert, und das kann ich nicht. Da w\u00fcrde ich mich nur l\u00e4cherlich machen. Aber manchmal, wenn ich drandenke, sage ich \u201esch\u201c statt \u201elj\u201c. Bis jetzt hat sich dar\u00fcber noch niemand beschwert. Aber ich denke eben nur manchmal dran, spreche ansonsten munter weiter\u00a0Standardspanisch und hoffe, dass sich niemand \u00fcber meine kl\u00e4glichen Versuche, das lateinamerikanische Spanisch nachzumachen, beschweren wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird Zeit, einmal \u00fcber das uruguayische Spanisch zu schreiben. Denn das Spanisch hier vor Ort unterscheidet sich in einigen Punkten von dem Standard-Spanisch, das man in Deutschland in der Schule lernt. Es ist quasi ein spanischer Dialekt. Bairisch auf Spanisch. Das hat nat\u00fcrlich mit dem Einfluss der zahlreichen Einwanderer in der Geschichte Uruguays zu&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1653,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[105985],"tags":[108281,108282,108284,108283,108285],"class_list":["post-96","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-politik","tag-dialekt-auf-spanisch","tag-lateinamerikanisches-spanisch","tag-rioplatense","tag-uruguayo","tag-voseo"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1653"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=96"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":407,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/96\/revisions\/407"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=96"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=96"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=96"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}