{"id":72,"date":"2015-09-16T23:09:05","date_gmt":"2015-09-17T02:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/?p=72"},"modified":"2016-03-17T14:17:04","modified_gmt":"2016-03-17T17:17:04","slug":"cambio-cambio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/09\/16\/cambio-cambio\/","title":{"rendered":"\u00a1Cambio, cambio!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Waren Sie schon mal in Dubai? Oder in einem anderen arabischen Land? Dann haben Sie vielleicht auch schon einmal einen Souk besucht, den man hierzulande f\u00e4lschlicherweise Basar nennt. Im Gegensatz zum gew\u00f6hnlichen deutschen Shoppingparadies ist dort der Preis nicht fix, sondern verhandelbar. Und deswegen immer \u201ebest price for best friend\u201c. Lautes Gebr\u00fcll erf\u00fcllt die Markhallen, wenn zwischen allerlei orientalischen Gew\u00fcrzen ein H\u00e4ndler hervorrennt und lautstark seine Ware als die beste Qualit\u00e4t zum besten Preis bewirbt. Alle paar Minuten st\u00fcrmt jemand hervor, will den Reisenden in seinen Laden locken, und am Ende kann es sein, dass man sogar mit den billigen Stoffen, die man doch bitte kaufen soll, regelrecht beworfen wird, sodass die Flucht nach vorne die beste L\u00f6sung ist.<br \/>\nUnd was hat das jetzt mit Uruguay zu tun? Mit Uruguay gar nichts. Aber in Buenos Aires kam ich mir an manchen Stellen so vor wie in Dubai: best price for best friend, nur dass es hier um argentinische Pesos geht. Der offizielle Kurs Euro zu Peso ist 1 zu 10. Sehr unrealistisch, sagen selbst die Argentinier. Deswegen wird man in bestimmten Stra\u00dfen von allen Seiten lautstark nicht mit \u201e\u00a1Hola!\u201c, sondern mit \u201e\u00a1Cambio, cambio!\u201c begr\u00fc\u00dft: \u201eGeldwechsel, Geldwechsel \u2013 \u00a1D\u00f3lares, Euros, cambio, cambio!\u201c Der Kurs ist hier schon mal 1 zu 20.<br \/>\nNat\u00fcrlich ist das illegal, und nat\u00fcrlich ist das gef\u00e4hrlich. Auch wenn sich der Schwarzmarkt auf Argentinisch <em>mercado azul<\/em>, blauer Markt, nennt. Bei der Gefahr von falschen Pesoscheinen angefangen bis hin zu dunklen Schmuddelecken, in denen man ausgeraubt werden k\u00f6nnte, ist alles dabei. Warum aber gibt es so viele Argentinier, die freiwillig das Doppelte an Pesos mehr hergeben, als der offizielle Kurs verlangt? Wo ist da das Gesch\u00e4ft?<br \/>\nGanz einfach: die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Argentinier, an Fremdw\u00e4hrungen wie Euro und Dollar, die im Vergleich zur eigenen W\u00e4hrung sehr stark sind, heranzukommen,\u00a0sind von staatlicher Seite aus enorm eingeschr\u00e4nkt. Argentinien versucht in einem Anfall von Neomerkantilismus oder auch Protektionismus (Namen sind Schall und Rauch), seine Wirtschaft nach Au\u00dfen abzuschotten genauso wie Ungarn seine Grenzen. Deswegen sind Importe auch sehr beschr\u00e4nkt, und P\u00e4ckchen aus der Heimat finden vermutlich nie ihren Weg durch den Zoll.\u00a0Es sei denn, es steht \u201eEmbajada Alemana\u201c, Deutsche Botschaft, oben drauf. Ob die argentinische Regierung mit dieser Strategie Erfolg hat, wird sich bald zeigen: in Argentinien stehen Pr\u00e4sidentschaftswahlen vor der T\u00fcr. F\u00fcr den einzelnen Tourist bedeutet das: es bleibt im selbst \u00fcberlassen, ob er die Wirtschaft weiter schw\u00e4cht, indem er \u201eblau\u201c Pesos kauft \u2013 oder ob er sich an die offiziellen Kurse h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Waren Sie schon mal in Dubai? Oder in einem anderen arabischen Land? Dann haben Sie vielleicht auch schon einmal einen Souk besucht, den man hierzulande f\u00e4lschlicherweise Basar nennt. Im Gegensatz zum gew\u00f6hnlichen deutschen Shoppingparadies ist dort der Preis nicht fix, sondern verhandelbar. Und deswegen immer \u201ebest price for best friend\u201c. 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