{"id":375,"date":"2015-12-19T18:21:37","date_gmt":"2015-12-19T21:21:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/?p=375"},"modified":"2016-03-17T13:44:16","modified_gmt":"2016-03-17T16:44:16","slug":"big-jan-watching","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/12\/19\/big-jan-watching\/","title":{"rendered":"Big Jan is watching you"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Sie werden \u00fcberwacht. Ich gebe es offen zu: w\u00e4hrend Sie diesen Blog lesen, werden Sie \u00fcberwacht. Von mir. Ich kann nachvollziehen, aus welchem Land Sie kommen, welche Sprache Sie sprechen, mit welchem Ger\u00e4t Sie unterwegs sind und mit welcher Software. An welche Firma Sie Ihre Internetrechnung \u00fcberweisen, wie lange Sie wann auf diesem Blog waren und was Sie sich angeschaut haben. Und das alles ganz legal. Haben Sie schon mal in meine <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/datenschutzerklaerung\/\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> geschaut? Nein? Sollten Sie mal tun. Oder Sie lesen jetzt ganz einfach weiter.<\/p>\n<blockquote><p>Zu behaupten, Ihr Recht auf Privatsph\u00e4re sei nicht wichtig, weil Sie nichts zu verstecken h\u00e4tten, hei\u00dft nichts anderes, als zu sagen, dass die Meinungsfreiheit nicht essentiell sei, weil Sie nichts zu sagen haben.<br \/>\nEdward Snowden<\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/12\/19\/big-jan-watching\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">39 Prozent der Leser dieses Blogs kommen aus Deutschland. An zweiter Stelle folgt \u201eunbekannt\u201c mit neun Prozent, an dritter die Vereinigten Staaten mit sieben Prozent und an vierter Argentinien mit knapp f\u00fcnf Prozent. Die Top Ten bestehen des Weiteren aus Russland, Uruguay, Bulgarien, China, Japan und Chile, insgesamt 79 L\u00e4nder auf der ganzen Welt. Die meisten davon sind wohl durch andere kulturweit-Freiwillige zu erkl\u00e4ren, die wohl irgendwann einmal auf einen meiner Blogbeitr\u00e4ge auf der kulturweit-Blog-Hauptseite geklickt haben und dann (leider) nie wieder kamen. Wer sich in den USA f\u00fcr meinen Blog interessiert, wei\u00df ich nicht, da ich dort weder Bekannte noch Verwandte habe. Ich kannte mal einen New Yorker, der an unserer Schule ein Jahr lang als Austauschsch\u00fcler war, und tats\u00e4chlich sind 16 Zugriffe aus dem Bundesstaat New York zu verzeichnen. Der Rest wird wohl die NSA sein, die mindestens genauso viele Daten sammelt wie ich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Doch wo kommen diese Daten her? In der <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/datenschutzerklaerung\/\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Dieser Blog nutzt Funktionen des Webanalysedienstes Google Analytics. Anbieter ist die Google Inc. 1600 Amphitheatre Parkway Mountain View, CA 94043, USA. Google Analytics verwendet sog. &#8222;Cookies&#8220;. Das sind Textdateien, die auf Ihrem Computer gespeichert werden und die eine Analyse der Benutzung der Website durch Sie erm\u00f6glichen. Die durch den Cookie erzeugten Informationen \u00fcber Ihre Benutzung dieser Website werden in der Regel an einen Server von Google in den USA \u00fcbertragen und dort gespeichert.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Rechtlich ist das korrekt. Der Laie wird trotzdem nicht schlau draus. Google Analytics ist ein kleines, kostenloses Programm des US-Internetriesen Google, das s\u00e4mtliches Nutzerverhalten auf einer bestimmten Website aufzeichnet, speichert und zu individualisierbaren Berichten f\u00fcr mich zusammenfasst. So kann ich nachvollziehen, was auf meinem Blog los ist. Ich k\u00f6nnte die gesammelten Daten nutzen, um individualisierte Anzeigen zu schalten, oder diese Daten weiterverkaufen. Ich wei\u00df nicht, wie viele andere Blogs diese M\u00f6glichkeit noch nutzen, denn die meisten verzichten entgegen der Vorschriften des Telemediengesetzes auf die Angabe eines Impressums und einer Datenschutzerkl\u00e4rung, doch allgemein kann man davon ausgehen, dass fast jede Internetseite der Welt mittlerweile diese oder eine vergleichbare (oder sogar mehrere davon) Technik nutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Na und?, schallt es mir da wieder entgegen, ich habe schlie\u00dflich nichts zu verbergen und wenn jemand meine Daten haben will, dann tut mir das ja nicht weh. Falsch gedacht. Seit ich Google Analytics nutze, werde ich mir erstmals des Ausma\u00dfes bewusst, das die globale \u00dcberwachung bereits angenommen hat. kulturweit h\u00e4tte ja gerne, dass ich mich des Ausma\u00dfes des globalen Rassismus bewusst w\u00fcrde, ich lerne jedoch auch etwas anderes. Schauen wir einmal, wie weit sich dieses \u00dcberwachungsspielchen treiben l\u00e4sst.<br \/>\nDie meisten meiner deutschen Nutzer kommen aus dem sch\u00f6nen Nordrhein-Westfalen, auch wenn ich keinen einzigen Nordrhein-Westfalen kenne. Im Nordosten unseres bev\u00f6lkerungsreichsten Bundeslandes liegt das kleine St\u00e4dtchen Schloss Holte-Stukenbrock. Von dort aus hat sich ein einziger Nutzer zu einer einzigen Sitzung auf meinen Blog verirrt, n\u00e4mlich am 10. September 2015, zwischen 22 und 23 Uhr. Mister X hat daf\u00fcr sein Apple iPhone benutzt und auf diesem wiederum die Browserapp Safari. Die Rechnung f\u00fcr dieses Vergn\u00fcgen stellte die Deutsche Telekom AG. Diese Daten hat mir der Unbekannte freiwillig hinterlassen, ohne dass ich ihn um seine Einwilligung h\u00e4tte bitten m\u00fcssen. Allein durch den Besuch meiner Website. Doch damit noch nicht genug. Bis jetzt habe ich nur <em>eine<\/em> Datenbank ausgewertet und mir deren Berichte anzeigen lassen. Was passiert, wenn ich diese Ergebnisse mit einer anderen Datenbank kombiniere? Zum Beispiel mit \u201ekulturweit_Teilnahmeliste_Ausreise Herbst 2015.xls\u201c, eine Exceltabelle, die kulturweit vor Beginn des Freiwilligendienstes allen Freiwilligen frei Haus zur eventuellen Kontaktaufnahme per E-Mail zuschickt. Es gibt Firmen, die w\u00fcrden daf\u00fcr ein Verm\u00f6gen bezahlen. Warum? Zum Beispiel, weil ich auf dieser Liste f\u00fcndig werde. In Schloss Holte-Stukenbrock wohnt ein kulturweit-Freiwilliger, \u00fcber dessen E-Mail-Adresse und wesentliche Eckdaten zum Freiwilligendienst ich nun verf\u00fcge. H\u00f6chstwahrscheinlich war er der omin\u00f6se Nutzer. Wenn ich wollte, k\u00f6nnte ich diese Daten nun weiter auswerten: Facebook-Profil? Twitter-Account? Und Schindluder damit treiben: warum nicht unter dieser E-Mail-Adresse mich irgendwo registrieren? W\u00e4r doch ganz nett. In einem Selbstversuch des Bayerischen Rundfunks ist ein Journalist mit professioneller Hilfe sogar so weit gekommen, s\u00e4mtliche Konten und Karten seines Kollegen (der vorher eingeweiht wurde) sperren zu lassen, Flugtickets zu stornieren, das Handy zu deaktivieren, Hotels abzubuchen <em>und<\/em> die dessen Wohnung zu verkaufen. Am Ende sa\u00df besagter Journalist am Flughafen London-Heathrow fest und hatte keine andere Chance mehr, als auf seinen Kollegen zu warten, in der Hoffnung, dass dieser den Albtraum beenden w\u00fcrde. Der Ausgangspunkt f\u00fcr die Hacker im Experiment damals: \u00f6ffentliche Facebookprofile.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zwischenfazit: das Entscheidende beim Datenschutz sind nicht einzelne Daten, die irgendwo gesammelt und gespeichert werden, sondern die Kombination aus verschiedenen Datenbanken und Datenquellen. Das nennt sich Big Data und ist gerade gro\u00df im Kommen. In meinem kleinen Experiment ist an dieser Stelle schon Schluss, doch Konzerne wie Google, Facebook und Co. haben nat\u00fcrlich ganz andere M\u00f6glichkeiten. Bis hin zum individuellen Bewegungsprofil und damit der \u00dcberwachung auf Schritt und Tritt durch die Android-Smartphones, die wir jederzeit dabei haben und mit deren Betriebssysteme Google eins sicher nicht tut: sie verschenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Deswegen gilt: von wegen, \u201eIch habe nichts zu verbergen\u201c. Aus vielen kleinen Teilen entsteht so ein gro\u00dfes Puzzle unseres pers\u00f6nlichen Netzverhaltens, f\u00fcr das die Stasi vor 25 Jahren dankbar gewesen w\u00e4re (und die NSA heute ist). Und die H\u00e4lfte der gerade diskutierten neuen Technologien habe ich noch gar nicht erw\u00e4hnt: Smart Homes, selbstfahrende Autos, Datenbrillen, Vorratsdatenspeicherung. Datenschutz ist also wichtig, aber gerade wir kulturweit-Freiwillige sind im Ausland beim Kontakt mit Deutschland anf\u00e4llig f\u00fcr Datenklau. Ich habe es tats\u00e4chlich erlebt, wie auf unserem Zwischenseminar jemand \u00fcber das offene Hotel-WLAN, ungesch\u00fctzt und unverschl\u00fcsselt, Onlinebanking betrieb. Wom\u00f6glich auch noch ohne Antivirensystem auf dem verwendeten Tablet. Andere skypen und mailen ohne Unterlass alles M\u00f6gliche, ohne zu wissen, dass Microsoft s\u00e4mtliche Skypegespr\u00e4che aufzeichnet, speichert und durchsucht sowie dass E-Mails unsicherer sind als eine Postkarte. Was also tun? Im Falle des Datendiebstahls durch Webseiten wie meine, \u201eTracking\u201c genannt, hilft ein Anti-Tracking-Plugin, je nach Browser ein anderes. Ich verwende ein solches, deswegen tauche ich in meiner eigenen Statistik nicht auf. Das ist eine Doppelmoral, ich wei\u00df, aber was soll\u2019s. F\u00fcr Skype, Mails, WhatsApp gibt es genauso kostenlose, aber sichere Alternativen. Manchmal hilft auch nur der Verzicht. Doch all das macht Arbeit, M\u00fche, Aufwand. Man muss sich damit auseinandersetzen, eventuell Verschl\u00fcsselungstechnologien wie PGP und HTTPS kennenlernen und neue Programme installieren. Die noch dazu kein Schwein benutzt. Da ist es doch viel bequemer, das Altbekannte zu verwenden, koste es, was es wolle. Wirklich? Ich freue mich auf eine Diskussion in den Kommentaren. Garantiert nicht datengesch\u00fctzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie werden \u00fcberwacht. Ich gebe es offen zu: w\u00e4hrend Sie diesen Blog lesen, werden Sie \u00fcberwacht. Von mir. Ich kann nachvollziehen, aus welchem Land Sie kommen, welche Sprache Sie sprechen, mit welchem Ger\u00e4t Sie unterwegs sind und mit welcher Software. 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