{"id":209,"date":"2015-10-19T23:11:00","date_gmt":"2015-10-20T01:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/?p=209"},"modified":"2016-03-17T14:05:34","modified_gmt":"2016-03-17T17:05:34","slug":"drei-soli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/","title":{"rendered":"Drei Soli"},"content":{"rendered":"<p>Schon einmal wurde ich gefragt, ob ich bereits einen \u201eKulturschock\u201c erlitten h\u00e4tte angesichts der vielen fremden Eindr\u00fccke. Auf der anderen Seite wurde ich gewarnt, ich d\u00fcrfe mich nicht in der \u201eDeutschenblase\u201c verstecken und m\u00fcsse offen sein f\u00fcr die Kultur meines Gastlandes. Um beides und noch viel mehr ging es bei dem gestrigen Fest an meiner Einsatzstelle \u2013 doch von Anfang an.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich habe es vielleicht noch nicht oft genug erw\u00e4hnt, dass das Colegio, also die Grundschule, an der ich eingesetzt bin, eine kleine Besonderheit mitbringt: die kirchliche Tr\u00e4gerschaft durch die katholischen Sch\u00f6nstatt-Schwestern. Das Colegio \u201eMater Ter Admirabilis\u201c steht direkt auf dem Grundst\u00fcck des Nonnenklosters samt entsprechendem Marienheiligtum gleich dazu. Um besagtes Marienheiligtum ging es vergangenen Sonntag am Colegio MTA, ein Tag, der in Deutschland Kirchweih war und bei uns eben das \u201eWiederbeleben unserer Unendlichen Liebe zur Gottesmutter Marias\u201c (kein Scherz, hie\u00df wirklich so, oder so \u00e4hnlich \u2013 habe den genauen Namen vergessen). Bei dem hochverehrten Heiligtum namens \u201eMadre Tres Veces Admirable\u201c selbst handelt es sich um ein \u00e4u\u00dferst kitschiges Marienbildchen, eingefasst in eine goldene Monstranz, das von eigens angereisten Pilgern aus dem ganzen Land gek\u00fcsst und dann sp\u00e4ter als Heiligenbildchen gekauft und mit nach Hause getragen wird, um den Umsatz des Schwesternordens anzukurbeln.<\/p>\n<p>Normalerweise h\u00e4tte ich eine solche Veranstaltung eher gemieden. Ich kenne das zu gen\u00fcge aus Bayern und bin au\u00dferdem kein Anh\u00e4nger des Marianismus, auf den ich sp\u00e4ter noch zu sprechen kommen werde. Nun ist es aber so, dass die Grundschullehrer am Colegio traditionellerweise an diesem Tag als Hilfskr\u00e4fte eingesetzt werden, um der extra aus dem Ganze Land mit Fernbussen angereisten Pilgermasse Herr zu werden. Und nachdem ich ja auch irgendwie ein Grundschullehrer bin jetzt\u2026 Na ja, wer am \u201eD\u00eda del Maestro\u201c Blumen einstecken will, muss jetzt eben auch am D\u00eda del Maestro trabajando Erfrischungsgetr\u00e4nke austeilen, denke ich mir und gehe eben hin.<\/p>\n<p>Ja, richtig gelesen, denn die erste Aufgabe, die mir zugeteilt wird, ist: Helfen am Getr\u00e4nkeverkaufsstand. Ich lerne, dass Erfrischungsgetr\u00e4nk \u201erefresco\u201c hei\u00dft und es auch 50-Peso-M\u00fcnzen gibt, die ich vorher nie gesehen hatte. Nach einer Weile \u00e4ndert sich meine Aufgabenbeschreibung und ich muss der erste Schicht an Pilgerg\u00e4sten in guter alter Klostertradition (gegen einen Preis von 350 Pesos) das Mittagessen auftragen, wahlweise Brath\u00fchnchen oder Ravioli (beides Klassiker der uruguayischen K\u00fcche \u2013 wieder kein Scherz!). Erstmals moralische Schwierigkeiten bekomme ich, als ich die Aufgabe erhalte, beim Verkauf der Pilgerandenken mit dem Marienbildchen drauf zu denken.<\/p>\n<h1>Eine Abrechnung mit dem Marianismus<\/h1>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-1 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-1 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-209 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6815\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6815-300x225.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-212\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6815-300x225.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6815.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-212'>\n\t\t\t\tBischof Carlos Mar\u00eda Collazzi Iraz\u00e1bal SDB von Mercedes bei der Messe\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6859\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"400\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6859-300x400.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-213\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6859-300x400.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6859.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-213'>\n\t\t\t\tDas Marienheiligtum bei der Prozession\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6863\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6863-300x225.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-214\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6863-300x225.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6863.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-214'>\n\t\t\t\tDas Marienheiligtum bei der Prozession\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6870\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6870-300x225.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-215\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6870-300x225.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6870.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-215'>\n\t\t\t\tDas Santuario, das kleine Kloster der Sch\u00f6nstatt-Schwestern, steht ebenfalls im Mittelpunkt\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<h2>Allein aus Gnade<\/h2>\n<p>Der Reliquienhandel war, Kirchensteuer hin oder her, im Laufe der Geschichte eine der wichtigsten Einnahmequellen der katholischen Kirche. In diesem Falle geht es um alles, was sich von einer Druckerei mit Marienbildchen bedrucken l\u00e4sst: Lesezeichen. Holzkreuze. Autoscheibenaufkleber. Rosenkr\u00e4nze. Schmuckanh\u00e4nger. Und so weiter, mit p\u00e4pstlichem Segen, denn Papa Francesco ist auch im Sortiment. Ich erinnere mich an die Szene, als Jesus in den Tempel ging und dort die Tische der H\u00e4ndler umst\u00fcrzte: \u201eMein Haus sollte ein Haus des Gebets sein. Aber ihr habt daraus eine R\u00e4uberh\u00f6hle gemacht\u201c (Lk 19,46). Eine klare Absage an Konsum innerhalb der Kirche, an das Gesch\u00e4ft mit dem Glauben. Sola gratia \u2013 die Gnade Gottes ist kostenlos.<\/p>\n<h2>Allein Christus<\/h2>\n<p>Ich bin vielleicht aus Deutschland, aber kein Martin Luther 2.0. Ich kann und werde bestimmt nicht 99 Thesen an die Schult\u00fcr schlagen, das hat Luther vor 500 Jahren schon getan und einmal reicht\u2019s schon. Vielleicht m\u00f6chte mein Nachfolger das ja 2017 wiederholen, anl\u00e4sslich des Reformationsjubil\u00e4ums. Ich w\u00fcrde vermutlich auch \u00c4rger mit kulturweit bekommen. Erschreckend ist jedoch, dass die Katholische Kirche in den vergangenen 500 Jahren nichts hinzugelernt hat. Ich respektiere die lokalen Traditionen, aber als Christ kann ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, mitzubeten, wenn zu Beginn eines jeden Schultages\u00a0das Ave Maria\u00a0gebetet wird. Die Verehrung Marias, egal ob sie nun \u201eGottesmutter\u201c oder \u201eTres Veces Admirable\u201c hei\u00dft, ist f\u00fcr mich ein ganz klarer Versto\u00df gegen das erste Gebot: \u201eIch bin JHWH, der Herr, dein Gott, der dich aus \u00c4gypten herausgef\u00fchrt hat. Du sollst keine anderen G\u00f6tter neben mir haben\u201c (Ex 20,3). Solus Christus.<\/p>\n<p>Interessanterweise legen die anwesenden Geistlichen gro\u00dfen Wert darauf, den Pilgern klarzumachen, dass es mitnichten Maria sei, von der sie Rettung erhoffen d\u00fcrften, sondern Jesus Christus selbst. Der eigens aus Mercedes angereiste Bischof erkl\u00e4rt in der sehr lebendigen Predigt bei der Messfeier, dass Heilige mitnichten abgehobene G\u00f6tter seien, sondern ganz normale Menschen, die uns an ihrer besonderen Beziehung zu Gott teilnehmen lie\u00dfen. Eine Art christlicher Bodshivatta also, auch wenn der Vergleich hinkt. Die Predigt ist f\u00fcr einen katholischen Bischof \u00fcberraschenderweise sehr lebendig ausgestaltet, mit einer reichen Gestik und einer den Inhalt unterst\u00fctzenden Stimmmodulation. Ich kann ihr, obwohl auf Spanisch gehalten, sehr gut folgen, weil sie im etwas langsameren, der akustischen Situation angepassten Tempo der Kirchenm\u00e4nner gesprochen wird und weil ich mittlerweile schon f\u00fcr ein f\u00fcr mein Spanischniveau ungew\u00f6hnlich reiches Vokabular an Kirchenvokabeln verf\u00fcge. Au\u00dferdem hat die katholische Messe den Vorteil, dass sie \u00fcberall auf der Welt in wesentlichen Z\u00fcgen beinahe Wort f\u00fcr Wort die gleiche ist, weswegen es dem h\u00e4ufigen Kirchg\u00e4nger eigentlich m\u00f6glich sein sollte, an jeder Stelle des Gottesdienstes immer zu wissen, was gerade passiert \u2013 kann er doch sowieso alles auswendig. Dieses Manko der Messe wird mir hier nun zum Vorteil, auch wenn ich ihr nicht ganz folgen kann, weil ich immer wieder von durstigen Pilgern unterbrochen werde \u2013 ich muss ja Getr\u00e4nke verkaufen. Auch der Priester, der die abschlie\u00dfende Prozession mit der Marienikone durch die Stadt beendet, indem ein Stapel an Bittbriefen an Maria verbrannt wird, d\u00e4mpft die Marieverehrung. Er betont, dass es mitnichten Maria sei, zu dem die Gl\u00e4ubigen flehten, sondern Christus, und Maria nur als F\u00fcrbitterin diese Bitten zu Jesus tragen w\u00fcrde. Hier muss ich in klassischer lutheranischer Manier entgegen, dass ich bis heute nicht verstanden habe, warum ich als freier Christenmensch einen F\u00fcrbitter brauchen sollte, wenn ich auch gut selbst zu Gott beten kann. Daf\u00fcr kann ich jetzt bald den Rosenkranz auf Spanisch auswendig, ein Kunstst\u00fcck, das mir auf Deutsch bisher noch nicht gelungen ist: \u201eSanta Mar\u00eda, Madre de D\u00edos,\u00a0pruega por nosotros\u00a0ahora y en la hora de nuestro muerte, Am\u00e9n\u201c.<\/p>\n<p>Es ist jedoch klar, dass die anwesenden Pilger sich das Wunder, allen Bem\u00fchungen der Priester zum Trotz, sich von Maria und ihrem \u201eGnadenbild\u201c (als k\u00f6nnte Maria Gnade spenden) erhoffen. Die katholische Kirche macht sich in diesem Punkt selber etwas vor. Wer Maria Alt\u00e4re baut, ihr Festgottesdienste, Prozessionen, Feiertage widmet, f\u00fcr sie Lieder singt, zu ihr Gebete richtet und von ihr Hilfe erhofft, der behandelt Maria als Gott. Das ist nichts Schlechtes, hat aber mit Christentum nichts mehr zu tun.<\/p>\n<h2>Allein die Schrift<\/h2>\n<p>Es ist in diesem Punkt vielleicht ganz hilfreich, einen Blick in die Kirchengeschichte zu werfen, auf die Frage, wo der Marianismus eigentlich herkommt. Urspr\u00fcnglich entstand er als Kompromiss der katholischen Missionare gegen\u00fcber den germanischen Heiden, die unbedingt an ihren althergebrachten Haiden, Quellen und sonstigen Naturheiligt\u00fcmern festhalten wollten. Au\u00dferdem war f\u00fcr sie die Annahme nur eines einzigen Gottes v\u00f6llig fremd, gar unlogisch, lebten sie doch bisher mit einem polytheistischen Weltbild aus unendlich vielen Gottheiten. Wie soll sich denn, fragten sie, nur ein einziger Gott allein um das alles k\u00fcmmern \u2013 Regen, Sonne, Fruchtbarkeit, Haushalt, Kinder\u2026? Das fragten sich viele V\u00f6lker damals. Kein Problem, antworteten da die Missionare, stellen wir einfach Maria oder einen anderen Heiligen an die Stelle der alten Gottheiten, y no hay problema. Hauptsache, sie erkennen brav die Oberhoheit des Papstes in Rom an. Die katholische Kirche, schreibt dazu Hans K\u00fcng, habe sich vor allem deswegen im Laufe der Zeiten als so \u00fcberlebensf\u00e4hig erwiesen, weil sie mit der Heiligenverehrung ein probates Mittel besa\u00df, den alten Glauben der zu missionierenden \u201eHeiden\u201c nahtlos in die eigene Glaubenslehre zu integrieren. Die Hochphase des Marianismus begann dann sp\u00e4ter, zur Gegenreformation nach dem Konzil von Trient und im Barock-\/Rokokozeitalter, von dem noch heute so viele Zwiebelt\u00fcrmchen in Bayern k\u00fcnden. Anstatt auf die Kritikpunkte ihres ehemaligen Mitarbeiters Luther einzugehen, entschied sich die Kirche damals, ihr \u201eAngebot\u201c angesichts des als spr\u00f6den und trocken empfundenen Lutheranismus um ein paar Farben zu erweitern und die Menschen mit emotionaleren Gottesdiensten, Kirchenbauwerken und eben auch neuen Marienfeiertagen wieder zur\u00fcck in ihre Herde zu locken. Kanonisiert wurde die marianische Sonderlehre schlie\u00dflich auf dem 1. Vatikanischen Konzil, als die erzkonservativen italienischen Kardin\u00e4le das Dogma der unbefleckten Empf\u00e4ngnis (und \u00fcbrigens auch der p\u00e4pstlichen Unfehlbarkeit) gegen den Willen der Kirchenmehrheit durchpeitschten, die schon l\u00e4ngst vorher aus Protest abgereist war. Somit kam ein wesentliches Mariendogma nicht einmal kirchenrechtlich korrekt zustande, wird heute aber trotzdem allen Gl\u00e4ubigen als Glaubenswahrheit aufgezwungen. F\u00fcr die wesentlichen Glaubensinhalte des Marianismus, Himmelfahrt, unbefleckte Empf\u00e4ngnis und Jungfrauengeburt, findet sich dar\u00fcber hinaus keine (ausreichende) biblische Grundlage, weswegen er durchaus als Sekte innerhalb des Christentums zu bezeichnen ist. Sola scriptura.<\/p>\n<h2>Allein ich? Nein<\/h2>\n<p>Ich respektiere und toleriere die Glaubenseinstellung der Menschen, die ich gestern erlebt habe. Jeder kann und soll glauben, was er will. Ich selbst kann diesen Glauben jedoch nicht als \u201echristlich\u201c bezeichnen und auch nicht selber mittragen \u2013 warum, habe ich eben ausf\u00fchrlich begr\u00fcndet. Ich schlich mich von meiner neuen Aufgabe als Reliquienh\u00e4ndler also m\u00f6glichst bald davon, was kein gro\u00dfes Problem war, da ich mangels Sprachkenntnissen sowieso keine allzu guten Verkaufserfolge h\u00e4tte erzielen k\u00f6nnen. Mein sprachliches Wissen hierzu beschr\u00e4nkt sich bisher Gottseidank auf das Wort \u201erosario\u201c f\u00fcr \u201eRosenkranz\u201c.<\/p>\n<h2>Allein die Schweiz<\/h2>\n\n\t\t<style type=\"text\/css\">\n\t\t\t#gallery-2 {\n\t\t\t\tmargin: auto;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-item {\n\t\t\t\tfloat: left;\n\t\t\t\tmargin-top: 10px;\n\t\t\t\ttext-align: center;\n\t\t\t\twidth: 50%;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 img {\n\t\t\t\tborder: 2px solid #cfcfcf;\n\t\t\t}\n\t\t\t#gallery-2 .gallery-caption {\n\t\t\t\tmargin-left: 0;\n\t\t\t}\n\t\t\t\/* see gallery_shortcode() in wp-includes\/media.php *\/\n\t\t<\/style>\n\t\t<div id='gallery-2' class='gallery galleryid-209 gallery-columns-2 gallery-size-medium'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6836\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6836-300x225.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-216\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6836-300x225.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6836.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-216'>\n\t\t\t\tDie flei\u00dfigen Holzhackerbuam beim Schaffe\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/10\/19\/drei-soli\/img_6855\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"225\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6855-300x225.png\" class=\"attachment-medium size-medium\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-2-217\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6855-300x225.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/files\/2015\/10\/IMG_6855.png 700w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt>\n\t\t\t\t<dd class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-2-217'>\n\t\t\t\tZum Getr\u00e4nkeangebot geh\u00f6rt kein bayerisches Bier, aber &#8222;Agua Caliente&#8220;. Was &#8211; hei\u00dfes Wasser? Ja, denn nur mit hei\u00dfem Wasser l\u00e4sst sich das Nationalgetr\u00e4nk, der Mate-Tee, frisch zubereiten\n\t\t\t\t<\/dd><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<p>Letztlich gab es auf der Maria-Kirchweih aber doch noch einen interessanten Programmpunkt (neben dem gewohnt guten Essen nat\u00fcrlich), den ich beinahe vergessen h\u00e4tte, und der mit den eingangs erw\u00e4hnten Schlagworten \u201eKulturschock\u201c und \u201eDeutschenblase\u201c zu tun hat. Einen Kulturschock zu bekommen ist hier n\u00e4mlich nicht ganz einfach. Uruguay ist sehr stark von seinen europ\u00e4ischen Einwanderern gepr\u00e4gt, und mein Einsatzort Nueva Helvecia, die \u201eneue Schweiz\u201c, vor allem sehr stolz auf seine schweizerischen und deutschen Vorfahren. Dementsprechend musste in der Mittagspause zwischen Gottesdienst und Prozession den angereisten nicht-neuhelvetischen G\u00e4sten nat\u00fcrlich auch ein gutes St\u00fcck Schweizer Tradition pr\u00e4sentiert werden. Bereits die Anmoderation hatte allerdings angek\u00fcndigt, dass die auftretende Tanzgruppe nicht nur schweizerische, sondern eine Mischung aus deutschen, bayerischen, \u00f6sterreichischen und s\u00fcdtirolerischen Traditionen pr\u00e4sentieren w\u00fcrde. Vom Schuhplattler bis zum Prosit war folglich alles dabei, nur Alph\u00f6rner gab\u2019s keine (mangels Alpen vermutlich). Da ich in Deutschland noch nie einen Schuhplattler gesehen habe, scheint es, als ob ich erst einmal 11.000 Kilometer um die halbe Welt reisen musste, um zum ersten Mal in meinem Leben einen solchen zu sehen. Wo bleibt da die Deutschenblase? Ich war einmal mehr sehr beeindruckt von der Lebendigkeit des deutsch-schweizerischen Erbes hier, die mich bereits beim <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/2015\/09\/28\/eine-vergessene-geschichte\/\">\u201eCoro Concordia\u201c <\/a>fasziniert hatte, und habe versucht, einige der Auff\u00fchrungen als Video einzufangen und hier zug\u00e4nglich zu machen. Ich bitte die schlechte Bildqualit\u00e4t zu entschuldigen, Speicherplatz und Upload-Geschwindigkeit sind knapp. (Aus technischen Gr\u00fcnden ist der Versuch leider noch nicht gelungen, ich bitte um Geduld).<\/p>\n<p>Was bleibt also nach einem langen \u201eArbeitstag\u201c? Der erneut positive Eindruck einer lebendigen Tradition, von der man in Deutschland nicht die geringste Ahnung hat, und damit einige sehr sch\u00f6ne, unvergessliche Bilder. Und die Feststellung, dass das Thema \u201eKirchenaustritt\u201c erneut zur\u00fcck auf meine pers\u00f6nliche Tagesordnung muss. Eine Kirche, die solche Lehren verbreitet, kann nicht mehr meine Kirche sein.<\/p>\n<p><small>alle Bibelzitate\u00a0aus der Einheits\u00fcbersetzung<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon einmal wurde ich gefragt, ob ich bereits einen \u201eKulturschock\u201c erlitten h\u00e4tte angesichts der vielen fremden Eindr\u00fccke. Auf der anderen Seite wurde ich gewarnt, ich d\u00fcrfe mich nicht in der \u201eDeutschenblase\u201c verstecken und m\u00fcsse offen sein f\u00fcr die Kultur meines Gastlandes. Um beides und noch viel mehr ging es bei dem gestrigen Fest an meiner&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1653,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[105985],"tags":[5747,108250,108253,182,108259,108255,108254,108252,108251,108257,108256],"class_list":["post-209","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesellschaft-politik","tag-christentum","tag-colegio-mater-ter-admirabilis","tag-colegio-mta","tag-glaube","tag-katholische-kirche","tag-luther","tag-marianismus","tag-schoenstatt","tag-schoenstatt-bewegung","tag-theologie","tag-vier-soli"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1653"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=209"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":741,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/209\/revisions\/741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/janenuruguay\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}