{"id":642,"date":"2020-05-27T01:35:16","date_gmt":"2020-05-26T23:35:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/?p=642"},"modified":"2020-05-27T01:35:16","modified_gmt":"2020-05-26T23:35:16","slug":"das-was-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2020\/05\/27\/das-was-bleibt\/","title":{"rendered":"Das was bleibt"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Uhr nachts. Ich sitze in meinem Bett. Laptop auf dem Scho\u00df, h\u00f6re albanisch-deutschen Rap und lese meine alten Blogbeitr\u00e4ge aus Albanien.<br \/>\nIch kann mich kaum konzentrieren, sobald der albanische Lyrics anf\u00e4ngt muss ich mit meinen Bruchst\u00fccken Albanisch mitsingen. Doch verstehen tu ich kaum etwas.<br \/>\nIch will zur\u00fcck. Ich will nochmal durch Tirana laufen, nochmal Albanisch sprechen, nochmal mit dem Furgon wegfahren.<br \/>\nIch will Ver\u00e4nderung und gleichzeitig merken, dass ich mich seit Albanien nicht wirklich ver\u00e4ndert habe.<br \/>\nVermutlich betrifft diese Ankommensdepression fast jeden Freiwilligen. Die Zweifel, ob man sich ver\u00e4ndert hat und was wirklich bleibt.<br \/>\nDas Feststellen, dass Erinnerungen eben nicht mehr sind als Erinnerungen an eine Zeit, die nie mehr sein wird. Ich habe schon fast vergessen, wie die Freiwillige aus Skopje und ich in Ohrid in einem Restaurant angefangen haben zu tanzen oder wie sich das Erdbeben im November anf\u00fchlte.<br \/>\nDoch ich glaube, dass die Septemberausreise 2019 ganz besonders darunter leidet. Wie sollten wir auch nicht?<br \/>\nErst werden wir ins absolute Abenteuer geschmissen und erleben jeden Tag etwas Neues, fahren \u00fcber Wochenenden weg, nur um dann (in meinem Fall durch Polizeicheckpoints) das Land spontan zu verlassen und zur\u00fcck in unsere alte Umgebung in unsere Familien geschmissen zu werden und auch noch dazu kaum Freunde zu treffen?<br \/>\nUnd die Familie pr\u00e4gt einen, ob sie das will oder nicht. Gef\u00fchlt bin ich jetzt eher dort wo ich am Ende der Schule war, als dort wo ich am Ende von Albanien war und das belastet mich.<br \/>\nDenn was bringt ein Freiwilligendienst, wenn er nicht langfristig pr\u00e4gt. Und was bedeutet langfristig pr\u00e4gen \u00fcberhaupt?<br \/>\nIch werde nicht, so wie es ein paar andere Freiwillige in Tirana, es mir vorgemacht haben, nach Tirana umziehen oder dort studieren.<br \/>\nAber ich werde wiederkommen, doch wann das ist ungewiss.<br \/>\nSeit \u00fcber zwei Monaten bin ich jetzt wieder zu Hause. Unglaublich\u2026 Was ist in den ersten zwei Monaten Albanien passiert? Eine Unmenge. Und was in den letzten zwei?\u2026. Kaum etwas. Naja, wobei ich mache einen Coding Retreat und programmiere also relativ viel und lerne immerhin virtuell neue Leute kennen, aber es ist einfach weniger spannend als es in Tirana war. Die Chancen, dass ich mich spontan auf dem Weg zu meinem Schreibtisch verfahre und pl\u00f6tzlich in Prishtina ende und nicht in Peja sind gering. Oder das ich in meiner K\u00fcche random neue Leute kennen lerne, die mir ihre Kultur zeigen oder f\u00fcr mein Essen bezahlen, also ausgenommen meine Eltern.<br \/>\nDoch das ist, wie die Situation jetzt nunmal ist. ich kann das nicht \u00e4ndern. Ich kann aber versuchen etwas gegen meine unguten Gef\u00fchle zu tun.<br \/>\nIch habe gegoogelt, es gibt wohl keine albanischen Verein in der Stadt, wo ich studieren m\u00f6chte, aber ich m\u00f6chte weiter albanisch lernen und besser darin sein, mit albanischen Freunden Kontakt zu halten.<br \/>\nDas Lied ist schon sei einer Weile vorbei. Es war schon bevor ich in Albanien war popul\u00e4r, doch da habe ich es gehasst. Jetzt hat es mich zum weinen und in Ekstase gebracht, allein weil Albanisch gesungen wurde. Etwas ist also doch geblieben \u2013 ein sehr fragw\u00fcrdiger Musikgeschmack \u2013 immerhin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist ein Uhr nachts. Ich sitze in meinem Bett. Laptop auf dem Scho\u00df, h\u00f6re albanisch-deutschen Rap und lese meine alten Blogbeitr\u00e4ge aus Albanien. Ich kann mich kaum konzentrieren, sobald der albanische Lyrics anf\u00e4ngt muss ich mit meinen Bruchst\u00fccken Albanisch mitsingen. Doch verstehen tu ich kaum etwas. 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