{"id":624,"date":"2020-03-15T13:27:13","date_gmt":"2020-03-15T12:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/?p=624"},"modified":"2020-03-15T13:34:35","modified_gmt":"2020-03-15T12:34:35","slug":"if-i-go-there-will-be-trouble-and-if-i-stay-it-will-be-double","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2020\/03\/15\/if-i-go-there-will-be-trouble-and-if-i-stay-it-will-be-double\/","title":{"rendered":"If I go, there will be trouble And if I stay it will be double"},"content":{"rendered":"<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-624-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/03\/Neue-Aufnahme-30.m4a?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/03\/Neue-Aufnahme-30.m4a\">https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/03\/Neue-Aufnahme-30.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Ich habe mich dann doch entschieden zu gehen.<\/p>\n<p>Momentan befindet sich Albanien im Lockdown. Alle Land- und Seewege sind ab morgen zu. Die Notaufnahme in Krankenh\u00e4user, Clubs, Bars, Restaurants, Schulen, Kinderg\u00e4rten, Universit\u00e4ten, Beh\u00f6rden, Gesch\u00e4fte, Banken, Theater, Museen, Kinos, Kirchen, Moscheen. Alles ist zu. Sogar der Zoll scheint nicht mehr zu arbeiten. Superm\u00e4rkte, Apotheken und B\u00e4ckereien sind noch ge\u00f6ffnet, wenn sie schlie\u00dfen m\u00fcssen sie Strafe zahlen. Der private und \u00f6ffentliche Pkw-Verkehr ist in den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten und manchen Autobahnabschnitten untersagt. Nur von Sonntag 24:00 bis Montag 8:00 gibt es ein kurzes Fenster, in dem man sich bewegen darf, danach bis aufs Erste nicht mehr. Reisende aus Italien und Griechenland m\u00fcssen in Quarant\u00e4ne, sonst drohen hohe Strafen. [<a href=\"https:\/\/exit.al\/en\/2020\/03\/14\/all-you-need-to-know-about-albanias-coronavirus-lockdown\/\">Quelle<\/a>]<\/p>\n<p>Edi Rama, der Pr\u00e4sident regiert neuerdings nur noch \u00fcber Facebook-Posts. Generell scheint er eine Affinit\u00e4t f\u00fcr das Digitale entwickelt zu haben; An alle albanischen Nummern werden Sms Nachrichten verschickt. Der Originaltext ist auf albanisch, aber ich habe diese \u00dcbersetzung gefunden.<\/p>\n<blockquote><p><span dir=\"ltr\"><span class=\"_3l3x\">hey it\u2019s Ed, please wash your hands frequently. Don\u2019t leave your place unless necessary. Try to keep your windows open as much as you can. Don\u2019t fall for fake news. Don\u2019t be worried but be careful. If you seem to have any symptoms call 127. Hugs from afar.<\/span><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>Da anscheinend die albanische Regierung glaubt, dass Vodafonenutzer nicht lesen k\u00f6nnen, wird ihnen diese Nachricht auch alle paar Telefonaten noch vorgelesen.<\/p>\n<p>Das Verbreiten von Fake News steht neuerdings unter Strafe, was genau Fake News allerdings sind, wurde nicht konkretisiert.<\/p>\n<p>Die Ausreise f\u00fcr M\u00e4rz 2020 von kulturweit wurde abgesagt. Bereits ausgereiste Freiwillige sollen \u00fcberlegen, ob sie bleiben oder gehen. Der IJFD hat seine Freiwilligen, aus Albanien abgezogen. Auch alle Peace Corps Freiwilligen wurden evakuiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und so entschied ich mich, nach einem Gespr\u00e4ch mit den Schwestern im Kloster und einem mit der nicht wirklich kompetenten deutschen Botschaft zu gehen.<\/p>\n<p>Vor allem f\u00fcr einen von den beiden Jungen, den die Schwestern adoptiert haben, schien das sehr interessant zu sein. Sein ganzes Leben schon kommen junge Deutsche und Schweizer und bleiben zwischen 3 und 12 Monaten. F\u00fcr ihn ist das ganz normal. Er bindet sich auch nicht wirklich stark an die Praktikanten. Doch ich schien mit meiner spontanen Abreise dann doch nochmal etwas besonderes f\u00fcr ihn zu sein: &#8222;Bist du traurig, dass du gehen musst? Kommst du nochmal wieder? [Zu der anderen Freiwilligen] Bist du traurig, dass Jana geht? [wieder zu mir] Wann f\u00e4hrst du morgen? Wie kommst du zum Flugahfen?&#8220;<\/p>\n<p>Gute Frage: wie kommt man zum Flughafen in einem Land was komplett im Lockdown ist?<\/p>\n<p>Wir mussten uns registrieren mit meinen Kontaktdaten, meinem gebuchten Flug, dem Nummernschild des Fahrzeugs und den Kontaktdaten einer Schwester, die mich netterweise gefahren hat. Au\u00dferdem hatten wir zwei Kopien von meinem Ticket und eine Kopie von meinem Reisepass dabei, damit die Schwester auch wieder zur\u00fcck fahren konnte.<\/p>\n<p>Nach etwa einem Kilometer kam die erste Polizeikontrolle. Wir wurden vermutlich schon angek\u00fcndigt, da wir durchgewinkt wurden. Am Anfang gab es noch relativ viel Verkehr, nicht zuletzt, weil wir \u00fcber die Hauptroute zwischen Montenegro und Albanien fuhren und noch viele Radfahrer mit Mundschutz unterwegs waren, doch mit der Zeit wurde es weniger.<\/p>\n<p>Je n\u00e4her wir nach Tirana kamen, desto weniger Autos sah man. Die Stra\u00dfen auf denen sich normalerweise Autos, Lkws, Furgons tummeln und an den Seiten meistens Obstverk\u00e4ufer sitzen, die das verkaufen, was einen halben Meter hinter ihnen angebaut wird, sowie Cd-Verk\u00e4ufer und Albaner, die am Stra\u00dfenrand auf ihren Bus warten, niemand war da. Es wirkte fast schon gespenstisch. Teilweise sahen wir f\u00fcr 20 Minuten kein anderes Auto, au\u00dfer einen Polizeiwagen, der uns dann gleich erstmal anhielt, dann aber doch nichts von uns wollte.<\/p>\n<p>Ich kann mir auch Tirana ehrlich gesagt ohne Cafes und Autos nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Am Flughafen trugen alle Mundschutz und Handschuhe. Die Parkpl\u00e4tze wurden gewaschen und zum ersten Mal musste man selber ein Ticket ziehen. Auf dem Parkplatz standen albanische, aber auch deutsche und Diplomatenautos.<\/p>\n<p>Der Flug war relativ leer. Da waren drei junge Deutsche, die ein Praktikum an einer Schule im Osten in Pogradec gemacht hatten, sechs franz\u00f6sische Skifahrer und ein paar Albaner, ein paar Deutsche. Ich sa\u00df alleine in meiner Reihe links von mir war auch eine Reihe komplett frei. Viele trugen Mundschutz. Es hatte alles etwas von Apokalypse.<\/p>\n<p>Gelandet in Frankfurt war dann alles wie normal. Keine Fieberkontrollen (wie ich sie noch bei der Einreise nach Albanien machen musste), kein Nachpr\u00fcfen, ob wir nicht doch aus einer roten Zone kommen und so viele Autos auf der Autobahn.<\/p>\n<p>Doch als ich da sa\u00df und auf mein aufgegebenes Gep\u00e4ck wartete \u00fcberkam mich ein Gef\u00fchl des Scheiterns. Ich wusste, dass die albanische Regierung gerade massiv in Meinungs-, Presse-, Bewegungs- und Versammlungsfreiheit eingriff und dass das albanische Gesundheitssystem, da die meisten \u00c4rzte und Krankenschwestern in Deutschland und Westeuropa sind, keiner solchen Krise gewachsen ist. Doch trotzdem hatte ich das Gef\u00fchl weggelaufen zu sein.<\/p>\n<p>Zum einen, weil noch andere Freiwillige und deutsche Freunde da blieben und sie irgendwie mit der Situation fertig werden w\u00fcrden und zum anderen, weil ich so viel gef\u00fchlt durchgemacht habe in Albanien. Dem Erdbeben war doch auch niemand gewachsen und trotzdem haben wir es durchgestanden.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df rein rational, dass zu gehen die richtige Entscheidung war, mal schauen, ob nach ein paar Tagen zu Hause auch meine emotionale Seite \u00fcberzeugt sein wird.<\/p>\n<p>Aber ich habe Albanien immer noch nicht komplett Tsch\u00fcss gesagt. Ich habe noch Kontakt mit meinen Freunden vor Ort, Deutschen sowie Albanern und ich habe noch so viel Geld in Lek, das ich nicht umtauschen m\u00f6chte, dass ich nochmal wiederkommen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mich dann doch entschieden zu gehen. Momentan befindet sich Albanien im Lockdown. 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