{"id":565,"date":"2020-01-29T00:44:05","date_gmt":"2020-01-28T23:44:05","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/?p=565"},"modified":"2020-01-29T00:44:05","modified_gmt":"2020-01-28T23:44:05","slug":"a-day-in-the-life-taetigkeiten-als-freiwillige-und-erdbeben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2020\/01\/29\/a-day-in-the-life-taetigkeiten-als-freiwillige-und-erdbeben\/","title":{"rendered":"A day in the life: T\u00e4tigkeiten als Freiwillige und Erdbeben"},"content":{"rendered":"<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-565-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/01\/Neue-Aufnahme-25.m4a?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/01\/Neue-Aufnahme-25.m4a\">https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2020\/01\/Neue-Aufnahme-25.m4a<\/a><\/audio>\n<p>Meine Oma hatte mich letztens gefragt, was ich genau hier machen w\u00fcrde und das kann man eigentlich ziemlich schwer beschreiben, weil jeder Tag eigentlich anders aussieht. Trotzdem hier mal der Versuch:<\/p>\n<p>8:00 Mein Wecker klingelt. Da es allerdings in meiner Wohnung (grunds\u00e4tzlich ist Au\u00dfen- gleich Innentemperatur) kalt ist, brauche ich noch 30 Minuten am Handy, bevor meine Motivation ausreicht um aufzustehen.<\/p>\n<p>8:30 Aufstehen. Danach mache ich mir Porridge mit einer Banane und einem halbem Apfel. Und ja das kann man als hilfslosen Versuch sehen mich ges\u00fcnder zu ern\u00e4hren. Sonst hatte ich fr\u00fcher als Fr\u00fchst\u00fcck Byrek, der mit 25\u00a2 auch billiger als der Porridge ist oder einfach gar nichts.<\/p>\n<p>Um 9:20 verlasse ich dann, wie immer etwas zu sp\u00e4t, das Haus und mache mich auf den Weg zu den ersten Unterrichtsstunden um 9:35. Die ersten zwei Stunden habe ich heute an der Grundschule Fan S. Noli. Insgesamt arbeite ich jeweils einmal die Woche f\u00fcr zwei Stunden an drei DSD-I Grundschulen in der neunten Klasse. Die Sch\u00fcler legen im M\u00e4rz ihr DSD-I ab, sind momentan also auf dem Niveaustand A2\/B1. Bei zwei Grundschulen werden die Klassen geteilt und ich habe dann jeweils mit einer H\u00e4lfte der Klasse Unterricht. Naja wobei &#8222;Unterricht&#8220;. Absprache ist mit den Lehrern, dass ich die Sch\u00fcler nur irgendwie dazu bekomme Deutsch zu sprechen, ich spiele also viel mit ihnen. Das macht mir auch am meisten Spa\u00df.<\/p>\n<p>Bei Fan S. Noli wird die Klasse nicht geteilt, dort habe ich sie zusammen mit der Lehrerin. F\u00fcr heute habe ich &#8222;Nur in meinem Kopf&#8220; von Andreas Bourani vorbereitet &#8211; eigentlich f\u00fcr eine Stunde. Doch die Lehrerin musste noch Sachen wegen einem Hospitationsstipendium in Deutschland kl\u00e4ren, also dann spontan doch zwei Stunden machen. Aber alles halb so schlimm, denn die Schule hatte einen Beamer und so kann man eben noch schnell das Musikvideo behandeln. Gemeinsam reden wir \u00fcber Fantasie, ob das Musikvideo zum Lied und zum Thema passt, wie man Musik beschreiben kann und ob ihnen dieses Lied gef\u00e4llt und nat\u00fcrlich darf in Albanien auch eine kleine Singsession fehlen.<\/p>\n<p>11:20 jetzt geht es nochmal kurz nach Hause. Ich bereite noch kurz die n\u00e4chsten vier Unterrichtsstunden vor, packe mir mein Essen ein (Nudeln mit Linsenbolognese) und gehe dann zum Gymnasium. Wegen dem Erdbeben haben wir momentan verk\u00fcrzte Stunden nachmittags in einer anderen Schule am Arsch der Welt f\u00fcr mich, allerdings nur noch heute, ab morgen sind wir dann endlich wieder in unserer Schule &#8211; mit Laptops, Internet, Drucker, Bibliothek, Beamern, Boxen und Postern an den W\u00e4nden. Rundum mit mehr Infrastruktur als Tischen, St\u00fchlen und Whiteboards, die mit permament marker beschrieben wurden.<\/p>\n<p>13:00 Erstaunlicherweise bin ich sogar 10 Minuten vor Unterrichtsbeginn an der Schule. Gemeinsam mit der Lehrerin mit der ich im Tandem am Gymnsaium unterrichte, spreche ich noch den Ablaufplan durch.<br \/>\nZusammen mit den 12. Klassen erstelle ich seit ihren DSD-II Pr\u00fcfungen im Januar einen Kulturreisef\u00fchrer \u00fcber Albanien. Sie schreiben Texte \u00fcber die Caf\u00e9kultur (Albanien ist das Land weltweit mit der h\u00f6chsten Caf\u00e9dichte), die albanische Sprache, Migration (93% aller Albaner spielen mit dem Gedanken Albanien zu verlassen) oder wie sie Albanien nach einer Kindheit in Deutschland wahrgenommen haben. Es geht darum Ausl\u00e4ndern, die l\u00e4nger in Albanien bleiben wollen, einen tieferen Einblick in die albanische Kultur zu geben \u2013 einen ohne Blutrache, Cannabis und die albanische Mafia, was sonst die ersten Suchergebnisse f\u00fcr Albanien sind.<\/p>\n<p>Zwischen den zwei Doppelstunden helfe ich meiner Leherin dann noch bei der Korrektur von Klassenarbeiten. Ich lese einmal die Texte durch und makiere mit einem Bleistift die grammatikalischen Fehler, die mir auffallen. Danach liest meine Lehrerin nochmal dr\u00fcber und korrigiert den Inhalt.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem versuche ich noch Sch\u00fcler der 11. Klasse, mit denen ich fr\u00fcher Unterricht hatte, zu motivieren auch bei dem Kulturreisef\u00fchrer mit zu machen und gebe Mitteilungen raus, wann sich morgen die Videoworkshop-AG trifft.<\/p>\n<p>17:20 Endlich Feierabend &#8211; jetzt nichts wie nach Hause. Noch schnell aufs Handy schauen und oh fuck: Anscheinend sind wir doch nicht ab morgen, sondern erst ab \u00fcbermorgen wieder in unserem eigentlichem Geb\u00e4ude. Also noch schnell mit dem (Co-)Leiter der Video-AG eine L\u00f6sung finden, wie wir trotzdem an eine Liste kommen, von Leuten, die gerne am Freitag und Samstag an einem Workshop von der Deutschen Welle teilnehmen m\u00f6chten und dann nichts wie nach Hause.<\/p>\n<p>17:50 zu Hause angekommen zerschelle ich auf der Couch und schaue Youtube. Irgendwie setze ich noch Wasser auf und koche Kartoffeln \u2013 ich habe noch so viel Linsenbolognese \u00fcber, dass es die wohl in verschiedenen Varianten in den n\u00e4chsten Tagen geben wird. Dann gibt es zum Abendessen Kartoffeln mit Linsen und dann setze ich mich noch daran diesen Artikel zu schreiben und alles h\u00e4tte doch so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>21:15 5,1. Das ist die St\u00e4rke dieses Erdbebens. Ich kriege fast eine Panikattacke und atme laut durch, damit ich nicht schreien muss. An sich ist es nicht schlimmer, als die Nachbeben im November. Ich habe nur Angst, dass noch ein schlimmeres Beben kommt, au\u00dferdem dachte ich, dass es endlich mal vorbei sei. Ich packe schnell meine Sachen und mache meine Lichter aus und gehe raus. Ich rufe meine Mutter an und telefoniere, dann fast f\u00fcr eine dreiviertelstunde mit meinen Eltern und meinem Bruder. Danach schreibe ich noch Freunden in Tirana, ob es ihnen gut geht und mit Freunden in Deutschland. Nach \u00fcber einer Stunde traue ich mich wieder nach Hause. Esse (weil ich es mir als Soulfood jetzt erlaube) eine Packung Lebkuchen und schreibe bei guter albanischer Musik diesen Beitrag, der dann doch einen ziemlichen pl\u00f6tzliche Wendung nimmt, zu Ende.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wie f\u00fchlt sich ein Erdbeben an?<\/strong><\/p>\n<p>Immer unterschiedlich. Kleinere Beben f\u00fchlen sich fast an, als ob man Auto f\u00e4hrt. Es bebt halt so ein bisschen, aber man merkt es kaum und bevor ich das gr\u00f6\u00dfere Beben im November miterlebt hatte, fand ich das eigentlich auch ganz lustig. Jetzt habe ich Angst, dass auf diese kleineren Beben etwas gr\u00f6\u00dferes folgt.<\/p>\n<p>Manche f\u00fchlen sich an, als ob einem einfach nur schwindelig wird. Manche sind leicht und sanft, andere f\u00fchlen sich nur wie ein kleiner Schluckauf und ein kleines Rucken an. Doch was alle gr\u00f6\u00dfere Beben (&gt;4,5) gemein haben ist, dass sie alle an meine tiefsten \u00c4ngsten r\u00fctteln. Man sitzt in einem Haus, was einen durch seine Gr\u00f6\u00dfe und Stabilit\u00e4t besch\u00fctzt vor K\u00e4lte, anderen Lebenwesen, Gefahren, doch wie soll man sich f\u00fchlen, wenn diese Stabilit\u00e4t nicht mehr gegeben ist? Stattdessen bewegen sich diese gro\u00dfen Strukturen um einen rum und das was einen besch\u00fctzte wird selbst zur Gefahr und spricht in mir zumindest eine Urangst an. Dann geht es nicht mehr darum ob man vom einem 10-Meter Turm springen kann oder nicht und auch nicht um berufliche Stabilit\u00e4t, sondern um einfach Todesangst und den Willen zu \u00dcberleben und zu wissen, dass man diesen Kr\u00e4ften einfach machtlos ausgeliefert ist. Was will man als kleiner Mensch schon gegen M\u00e4chte entgegen bringen, die H\u00e4user zum einst\u00fcrzen und 10 Meter Wellen hervor bringen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Wenn man alleine oder in einem Haus ist, werden die \u00c4ngste nat\u00fcrlich noch schlimmer.<\/p><\/blockquote>\n<p>Au\u00dfer den oben beschrieben T\u00e4tigkeiten gehe ich noch zweimal in der Woche zum Sprachkurs f\u00fcr jeweils zwei Stunden, betreue AGs (wie die genannte Videoworkshop-AG), gebe Studienberatung und Berufsorientierung f\u00fcr die 12. und bin ein bisschen M\u00e4dchen f\u00fcr alles, zB. helfe ich beim Aufr\u00e4umen von Erdbebensch\u00e4den in meinem Gymnasium, etc.<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass das einen kleinen Einblick in mein Leben hier in Tirana geben konnte. (Normalerweise haben die Tagen nat\u00fcrlich weniger Erdbeben, wobei ich inzwischen soviele erlebt habe und dar\u00fcber so oft geschrieben habe, dass ich \u00fcberlege extra eine Erdbebenkategorie einzuf\u00fchren)<\/p>\n<p>Nichts desto trotz<\/p>\n<p>Mirupafshim und bis bald,<\/p>\n<p>Jana<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Oma hatte mich letztens gefragt, was ich genau hier machen w\u00fcrde und das kann man eigentlich ziemlich schwer beschreiben, weil jeder Tag eigentlich anders aussieht. Trotzdem hier mal der Versuch: 8:00 Mein Wecker klingelt. 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