{"id":486,"date":"2019-12-20T11:44:58","date_gmt":"2019-12-20T10:44:58","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/?p=486"},"modified":"2019-12-20T11:52:38","modified_gmt":"2019-12-20T10:52:38","slug":"ein-kaltes-stinkendes-dunkles-herzlich-willkommen-in-tirana","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2019\/12\/20\/ein-kaltes-stinkendes-dunkles-herzlich-willkommen-in-tirana\/","title":{"rendered":"Ein kaltes, stinkendes, dunkles herzlich Willkommen in Tirana"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-486-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-24.m4a?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-24.m4a\">https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-24.m4a<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich sitze gerade in einem Raum der deutschen Botschaft und beaufsichtige Sch\u00fcler bei ihrer DSD Pr\u00fcfung.<br \/>\nVor genau zw\u00f6lf Stunden landete mein Flieger aus Istanbul (dazu nochmal was in einem extra Beitrag) in Tirana. Man k\u00f6nnte sagen, dass diese zw\u00f6lf Stunden mit zu den schlimmsten zw\u00f6lf Stunden geh\u00f6ren, seitdem ich in Tirana angekommen bin. Naja wobei, da gab es ja noch die <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2019\/10\/23\/balkancrashkurs-oder-wie-man-von-ohrid-nach-tirana-kommt\/\">R\u00fcckfahrt aus Ohrid<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2019\/11\/28\/erdbeben-die-zweite\/\">beiden Erdbeben<\/a>.<br \/>\nAber da ich anscheinend ein Faible daf\u00fcr habe, nur \u00fcber Pannen und Reisen zu berichten, geht es also nun weiter.<\/p>\n<p>Wie gesagt bin ich um 21:20 gelandet. Vorher habe ich wegen der schlechten Shuttleanbindungen f\u00fcnf Stunden am Istanbuler Flughafen gewartet. Gut ja in Istanbul hatte ich immerhin nicht so Heimweh, weil bei 17 Grad &#8211; gef\u00fchlt in der Sonne noch mehr &#8211; w\u00e4hrend der Muizin zum Gebet ruft nicht wirklich Weihnachtsstimmung aufkommt. Allerdings war das am Flughafen dann doch schon hart. Statt nach K\u00f6ln, Frankfurt oder D\u00fcsseldorf zu fliegen um meine Weihnachtszeit zu Hause zu verbringen, flog ich nach Tirana. Auch nach Hause, aber irgendwie anders. Ein komisches Gef\u00fchl.<br \/>\nGegessen hatte ich kaum etwas. Das war am Flughafen einfach alles zu teuer. Doch zu meinem Gl\u00fcck haben mich die zwei Albaner, die in Mazedonien leben und neben mir im Flugzeug sa\u00dfen, auf ein K\u00e4sesandwich und einen Saft im Flugzeug eingeladen.<br \/>\nUnd so freute ich mich auch schon langsam wieder nach Hause zu kommen. Ich war zwar mega fertig, aber ich hatte Lust, wieder Albanisch sprechen zu k\u00f6nnen und, dass alles wieder vertrauerter ist.<br \/>\nSo ging ich mit gutem Gem\u00fct wieder nach Hause. Also Schl\u00fcssel finden, T\u00fcr aufschlie\u00dfen, Koffer reinschieben und Licht anmachen&#8230; geht nicht. Also nochmal und Licht anmachen. Immer noch nichts. Auch das zweite Licht was ich ausprobierte ging nicht. Okay, das Licht im Treppenhaus ging aber. Naja, das hatte ich schonmal vorher. Ist bestimmt nur die Sicherung die rausgeflogen ist. Also ging ich leicht genervt nach unten und \u00f6ffnete den Sicherungskasten. Gleichzeitig versuchte ich \u00fcber meine deutsche Simkarte (bei der albanischen habe ich immoment kein Guthaben) meine Mutter zu erreichen. Wenn ich schon an einem schlecht bis gar nicht isoliertem albanischen Stromkasten rumfummelte, dann sollte wenigstens meine Mutter mitbekommen, wenn ich einen Stromschlag bekommen w\u00fcrde. Eine Sicherung war nach unten gestellt, w\u00e4hrend alle anderen oben waren. Easy peasy dachte ich, klappte sie schwungvoll um und ging selbstsicher nach oben. Ich war mir sicher, dass das das Problem gewesen sein musste. Also T\u00fcr aufschlie\u00dfen<\/p>\n<p>&#8211; immer noch kein Licht. Schalter umlegen &#8211; keine Ver\u00e4nderung. Mist mist mist. Also nochmal nach unten, vielleicht hatte ich ja etwas \u00fcbersehen. Doch ich sah nichts. Alle Sicherungen waren<\/p>\n<p>in eine Richtung gekippt. Keine, die von den anderen abwich. Auch meine Mutter konnte auf dem verwackeltem Bild was ich ihr geschickt hatte, nichts Ungew\u00f6hnliches erkennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/WhatsApp-Image-2019-12-10-at-22.50.02.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-496\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/WhatsApp-Image-2019-12-10-at-22.50.02-1024x577.jpeg\" alt=\"\" width=\"580\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/WhatsApp-Image-2019-12-10-at-22.50.02.jpeg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/WhatsApp-Image-2019-12-10-at-22.50.02-300x169.jpeg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/WhatsApp-Image-2019-12-10-at-22.50.02-768x433.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Sie beruhigte mich und ich ging wieder in meine Wohnung. Nur damit mir auffiel, dass mein kompletter K\u00fchlschrank abgetaut war und eine leicht gelbliche nach Essig stinkende Fl\u00fcssigkeit durch meine Wohnung lief. Ich war m\u00fcde, w\u00fctend, entt\u00e4uscht. \u201eIch habe keinen Bock mehr. Was soll das alles. Ich bin doch noch in fucking Europa, aber ich komme mir vor wie in einem dritte Weltland. Ich will einfach nur nach Hause oder in mein Bett mit Wlan.\u201c Ich hatte mir alles so sch\u00f6n vorgestellt. Ich komme nach Hause und dann lege ich mich ins Bett und weil ich den fr\u00fcheren furgon bekommen hatte, h\u00e4tte ich sogar noch Zeit gehabt ein Youtubevideo zu sehen. Aber nichts da.<br \/>\nMeine Mutter beruhigte mich dann soweit, dass ich es irgendwie schaffte mich am Ende in mein Bett zu legen und zu schlafen.<br \/>\nAuch am n\u00e4chsten Morgen hatte ich keinen Strom.<\/p>\n<p>Es war der 11.12, der Geburtstag meines Bruders. Ich videochattete also mit meiner Familie, die mich nicht sehen konnte, da ich kein weiteres Licht au\u00dfer meinem Handy hatte und das wollte partout nicht die Taschenlampe einschalten und gleichzeitig Videotelefonie machen. Au\u00dferdem sa\u00df ich unter meiner Decke, da mir verdammt kalt war. Die elektrische Heizung funktioniert ja ohne Strom auch nicht.<br \/>\nUnd nachdem meine Familie aufgelegt hatte, konnte ich einfach nicht mehr. Mir war kalt, es war dunkel, ich stank und auch den ersten Geburtstag von meinem Bruder, wo ich nicht da sein sollte, hatte ich mir wesentlich anders vorgestellt. Zu allem \u00dcberfluss war ich auch noch sp\u00e4t dran und hatte eigentlich keine Zeit f\u00fcr Weinattacken.<br \/>\nEs war das zweite Mal \u00fcberhaupt, dass ich weinte. Erdbeben, ich war stark und weinte nicht. Normales Heimweh, ja ist schei\u00dfe, aber nicht weinen-schei\u00dfe und so war eigentlich jede Situation bisher, alle au\u00dfer dieser Morgen.<\/p>\n<p>Doch die Situation besserte sich. Ich schrieb meiner Vermieterin, die dann einen Freund zur Stromgesellschaft schickte. Au\u00dferdem bot meine Chefin mir an, dass ich mich bei ihr duschen und meine W\u00e4sche bei ihr waschen k\u00f6nnte.<br \/>\n(Gleichzeitig habe ich auch herausgefunden, dass meine albanische Schulleiterin, sowie der f\u00fcr uns verantwortliche Typ vom Schulamt gefeuert wurden. Dazu aber eventuell nochmal ein ausf\u00fchrlicher Artikel, wenn die ganze Situation sich politisch etwas beruhigt hat.)<br \/>\nAm Ende brauchte ich das Angebot von ihr doch nicht, da die Stromgesellschaft relativ schnell das Problem behebte &#8211; ab Mittag hatte ich gottseidank wieder Strom.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Ich sitze gerade in einem Raum der deutschen Botschaft und beaufsichtige Sch\u00fcler bei ihrer DSD Pr\u00fcfung. Vor genau zw\u00f6lf Stunden landete mein Flieger aus Istanbul (dazu nochmal was in einem extra Beitrag) in Tirana. 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