{"id":481,"date":"2019-12-20T11:32:23","date_gmt":"2019-12-20T10:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/?p=481"},"modified":"2019-12-20T11:51:20","modified_gmt":"2019-12-20T10:51:20","slug":"10-dinge-die-ich-durch-kulturweit-gelernt-habe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/2019\/12\/20\/10-dinge-die-ich-durch-kulturweit-gelernt-habe\/","title":{"rendered":"10 Dinge, die ich durch kulturweit gelernt habe"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-481-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-23.m4a?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-23.m4a\">https:\/\/kulturweit.blog\/janaintirana\/files\/2019\/12\/Neue-Aufnahme-23.m4a<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>1. Gelassenheit<\/h3>\n<p>Nicht mehr immer einen Plan, haben ist okay f\u00fcr mich geworden. Einfach ein paar Sachen einpacken, kein Hostel gebucht haben und nichtmal 100% wissen wo es hingeht, klappt inzwischen.<br \/>\nMehr noch ich bin inzwischen ein riesiger Freund der Spontanit\u00e4t auf Reisen geworden. Bustickets buche ich nicht vorher, auch wenn das in Albanien gehen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich das nicht machen. Hostels reserviere ich nicht. Es ist billiger und einfacher hinzulaufen und gerade jetzt in der absoluten Nebensaison, ist das auch kein Problem.<br \/>\nSo kann ich schauen was mich auf dem Weg noch alles erwartet. Denn wirklich Pl\u00e4ne unsetzen, auch wenn man sie machen w\u00fcrde, geht hier sowieso nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>2. Wie deutsch ich bin<\/h3>\n<p>Und auch wenn ich Gelassenheit gewonnen habe, bleibe ich verkrampfter als Albaner. Ich mache mir immer noch viele Gedanken \u00fcber Sachen, wo Locals nur den Kopf sch\u00fctteln w\u00fcrden. Mir ist bewusst, dass ich die Einzige auf dem Balkan, die die vorgeschlagenen 20 Minuten vor der Busfahrt nicht nur ernst nimmst, sondern noch weitere 10 Minuten vorher, also 30 Minuten zu fr\u00fch, da steht. Man m\u00f6chte ja auf keinen Fall zu sp\u00e4t sein.<br \/>\nUnd sollte ich doch einmal vollkommen abgehetzt im Unterricht 4 Minuten zu sp\u00e4t kommen und m\u00f6chte mich schon \u00fcberschwinglich entschuldigen, sagen meine Lehrerinnen nur, dass ich mich erstmal hinsetzen, durchatmen und was trinken soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>3. No more Stranger-Danger<\/h3>\n<p>Daf\u00fcr habe ich schon zu viele positive Erlebnisse gehabt. Von geschenkten Magneten, Byreks und Rakia zu Leuten, die mir einfach ihre Stadt oder eine Kapelle gezeigt haben und Menschen, die mir nicht nur den Weg erkl\u00e4rt haben, sondern mich gleich dorthin gebracht haben, wo ich hinwollte. Ich wei\u00df nicht, ob ich diese Sachen auch in Deutschland erlebt h\u00e4tte &#8211; vermutlich nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>4. lernen zu teilen<\/h3>\n<p>Teilen auf ganz vielen Arten. Ich habe es gelernt zu ignorieren, wenn meine Nachbarn abends um 11 unbedingt mit Heimwerken anfangen wollen. Wir teilen uns eben Haus, den Flur und eine Ger\u00e4uschkulisse, aber was solls.<br \/>\nMir ist klar geworden, dass es oft einfacher ist, wenn Geld nicht so wichtig ist. Man l\u00e4dt mal ein und mal wird man eingeladen. Am Ende passt das schon bestimmt.<br \/>\nIch habe auch gelernt, dass man nicht neben jemandem im Bus sitzt und isst und diesem jemanden, sollte es das Essen zu lassen, kein St\u00fcck anbietet. So habe ich schon Croissants und Chips angeboten bekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>5. Chancen sind wichtiger als Geld<\/h3>\n<p>Viele Leute verlassen Albanien. Aber nicht etwa weil sie zu wenig Geld verdienen. Sie sehen keine Aufstiegschancen hier und verlassen deswegen ihr Land.<br \/>\nDie Auswegslosigkeit in der sie sich sehen ist eher auf eine Chancenlosigkeit zur\u00fcck zu f\u00fchren als auf die Armut an sich. Meiner Meinung nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>6. Sprache, Geschichte und Geographie<\/h3>\n<p>Klar, obviously habe ich auch etwas Albanisch gelernt. Au\u00dferdem wei\u00df ich jetzt, dass Skopje die Hauptstadt von Mazedonien ist und das das Land eigentlich Nordmazedonien hei\u00dft, aber wenn man es so nennt, alle beleidigt sind. Ich wei\u00df jetzt, dass Bosnien 3 Pr\u00e4sidenten hat und auch drei Amtsprachen, die eigentlich eine Sprache sind. Ich wei\u00df, dass Albanien kein Teil Jugoslawiens war und dass Albaner keinen Slawen sind. Ich wei\u00df, dass tausende Leute unter dem Kommunismus gelitten haben und hunderte gestorben sind und dass trotzdem manche Leute gerne wieder den Kommunismus zur\u00fcckhaben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>7. Europa ist mehr als die EU<\/h3>\n<p>In Deutschland und in Westeuropa generell setzen wir oft EU gleich mit Europa. Was so aber einfach nicht stimmt. Es gibt immer noch viele L\u00e4nder in Europa, die nicht in der EU sind und einfach nur, weil diese L\u00e4nder nicht so oft in unseren Medien vorkommen, sie einfach bei der Europa gleich EU Gleichung auszulassen ist an sich eigentlich eine Frechheit.<br \/>\nGenauso zu sagen, dass ganz Europa reich ist. Ja, Westeuropa ist eine reiche Region, aber es gibt mehr in Europa als Frankreich und Deutschland. Das Durchschnittseinkommen in Albanien liegt bei 350\u20ac im Monat und ist damit niedriger als das in S\u00fcdafrika. Offiziell sind 18% ohne Besch\u00e4ftigung, die Dunkelziffer soll fast doppelt so hoch sein. So viel zu \u201ealle Europ\u00e4er sind reich\u201c.<br \/>\nGleichzeitig ist mir bewusst geworden, wie sinnvoll der Schengenraum ist. An alle die gerne einen Dexit wollen, reist doch mal \u00fcber den Balkan, mit 10 verschiedenen W\u00e4hrungen und das langziehen jeder Fahrt von bis zu zwei Stunden extra wegen Grenz\u00fcbergangen, wird euch sicher gefallen. Ah und nat\u00fcrlich ohne mobiles Internet, denn Roaming ist schon teuer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>8. Vorurteile abbauen<\/h3>\n<p>Griechland? Wein, alte Kultur und sch\u00f6ne Str\u00e4nde.<br \/>\nMontenegro? Wundersch\u00f6ne Berge.<br \/>\nUnd Albanien dazwischen? Drogen, Blutrache und B\u00f6sewichte in Filmen.<br \/>\nSo zumindest wirkte auf mich immer die Darstellung dieser L\u00e4nder in den deutschen Medien. Das dies nat\u00fcrlich nicht stimmt und auch die Natur in Albanien wundersch\u00f6n ist kann man sich glaube ich denken.<br \/>\nInsgesamt sind die Leute hier einer der nettesten, gastfreundlichsten, die ich jemals getroffen habe und ohne kulturweit und dieses zuf\u00e4llige zusortieren von Orten, w\u00e4re mir das nie auf diese Weise bewusst geworden, wie jetzt.<br \/>\nDaf\u00fcr bin ich dankbar. Ich finde es im Nachhinein super, dass ich mir nicht aussuchen konnte wo es hingeht, sondern einfach zugestimmt habe zu einer (zuf\u00e4lligen) Auswahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>9. Freiwillige sind eine Familie<\/h3>\n<p>Wir Freiwillige si<\/p>\n<p>nd eine Familie und auch, wenn man mit einem vielleicht menschlich nicht so gut kann, ist man f\u00fcreinander da! Wie eben in einer Familie! Man hilft sich wo man kann, nicht wo man Lust drauf hat.<\/p>\n<h3><\/h3>\n<h3>10. Selbstvertrauen<\/h3>\n<p>Am Ende wird alles gut werden, sicher. Sagte sie und machte sich bei der Grenze, auch wenn es eigentlich keine Probleme geben kann, in die Hose.<br \/>\nAber es ist alles gut gegangen. So wie eigentlich immer. Semesteranfang in Tirana und alle furgons sind bis zum n\u00e4chsten Tag ausgebucht? Hat trotzdem geklappt &#8211; ich bin angekommen.<br \/>\nZweimal das st\u00e4rkste Erdbeben Albaniens seit 30 Jahren? Ich habe \u00fcberlebt.<br \/>\nKeinen Strom f\u00fcr relativ lange Zeit, so dass mein K\u00fchlschrank komplett abgetaut ist? Passiert halt, irgendwie wird das schon.<br \/>\nUnd so gro\u00df oder klein die Krisen auch waren, irgendwie habe ich sie alle bew\u00e4ltigt bekommen. Und wenn ich nicht mehr weiter wusste, habe ich mir Hilfe gesucht. Denn dass habe ich auch gelernt: Zu jemandem der wirklich selbstst\u00e4ndig sein m\u00f6chte geh\u00f6rt es dazu, dass man wei\u00df, wenn man Hilfe braucht und sich diese dann auch sucht. Ich muss nicht alles alleine schaffen. Nur irgendwie mit m\u00f6glichst wenig Panik alles zu schaffen, das w\u00e4re sch\u00f6n.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; 1. Gelassenheit Nicht mehr immer einen Plan, haben ist okay f\u00fcr mich geworden. Einfach ein paar Sachen einpacken, kein Hostel gebucht haben und nichtmal 100% wissen wo es hingeht, klappt inzwischen. Mehr noch ich bin inzwischen ein riesiger Freund der Spontanit\u00e4t auf Reisen geworden. 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