Meine ersten Eindrücke

Maadwo! (Das heißt guten Abend auf Twi und wird wie alles ganz anders ausgesprochen als es geschrieben wird)

Gerade habe ich mich auf den Boden gesetzt, um diesen Beitrag zu verfassen, da fällt praktischerweise der Strom aus. Aber dann sitzt man halt mal im Dunkeln auf dem Boden. Das ist natürlich alles Teil meiner Reise hier.

Ich bin jetzt über eine Woche hier in Kumasi und ich bin echt erstaunt wie schnell man Routinen findet. Den Tag beginne ich in der Regel mit einem Tee, den ich schwarz trinke, seit ich einmal den Fehler machte Kondensmilch zu probieren. Milchprodukte gehören hier nicht so in die Ernährungspyramide wie bei uns.
Zur Arbeit geht es mit Taxi und Trotro. Das haben wir uns jedoch nicht von Anfang an getraut. Der Stadtverkehr in Kumasi kann zur Rush Hour ziemlich einschüchternd sein. Daher haben wir zur Eingewöhung mit Uber angefangen. Uber habe ich hier sehr zu schätzen gelernt.
Der Straßenverkehr hier fasziniert mich. Obwohl alles sehr hektisch und chaotisch auf mich wirkte, habe ich noch nirgendwo ruhigere Autofahrer erlebt. Die Autofahrer hier haben meinen tiefsten Respekt.

Woran ich mich allerdings nie gewöhnen werde sind die Abgase von all den Autos hier, die bei uns nicht mehr fahren dürfen. Das gibt einem ganz schön zu denken. Auf fast jedem Trotro steht entweder etwas Deutsches oder Koreanisches.

Traurig macht mich jeden Tag der ganze Müll hier überall. Und der Gastank der damit einher aus den Straßengräben zieht. Wir können Deutschland echt für unsere Infrastruktur und das Klima danken, dass es bei uns anders ist. Ich hoffe sehr, dass sich hier in Zukunft etwas in diese Richtung entwickelt und ich wäre froh einen kleinen Beitrag dazu zu leisten.
Meinen eigenen Verbrauch an Plastiktüten zu regulieren ist noch relativ einfach, aber bei pfandfreien Einweg-Plastikflaschen wird es schwierig, da man leider nicht einfach das Leitungswasser trinken kann.
Dies ist auch ein Privileg aus Deutschland, für das man gar nicht dankbar genug sein kann.

Zum Frühstück hole ich mir gerne irgendeine Form von Gebäck und Sojamilch. Dann geht’s ab ins office oder sonst wo hin. Das Büro der Water Resources Commission in Kumasi ist ein Teil des Managements des Lake Bosomtwe Biosphere Reserve. Die Chefin hier ist gleichzeitig die Managerin des Reservats. Bisher sind wir mit ihr immer viel durch die Gegend gefahren und uns allen möglichen Leuten von Organisationen vorgestellt, die mit dem Biosphärenreservat zu tun haben.
Auf diesen Reisen gibt es immer neues Essen zu probieren und viel zu sehen.

Da wir so viel unterwegs waren haben wir noch nicht so einen festen Arbeitsalltag. Ich hoffe das bleibt erstmal so, denn 5 mal die Woche 8 Stunden vor dem Laptop zu sitzen ist nicht gerade mein Traum. Bisher haben wir uns viel mit dem Management Plan und den beteiligten Partnern des Biosphärenreservats auseinander gesetzt. Nun geht es darum, ein Proposal für einen School Club zu entwerfen. Das bedeutet viiiieeel recherchieren. Freitag ist schon unsere Deadline. Ich möchte noch erwähnen, dass wir bisher nicht eine Schule besucht haben und gar kein Bild haben was genau uns erwartet. Das finde ich persönlich etwas stressig und ich fühle mich sehr ins kalte Wasser geworfen.
Glücklicherweise habe ich tolle Arbeitskollegen, die ich gerne mit allem möglichen löcher.

Mein aktuelles Lieblingsessen heißt gobe. Es besteht aus Reis, Bohnen, fried plantain (Kochbanane), scharfer Soße, ordentlich viel Palmöl und manchmal etwas Avocado. Ich mag eigentlich alles was die Menschen hier mit Kochbananen machen. Es gibt auch chips, die fast genau wie unsere Kartoffelchips schmecken.
Fufu ist ein sehr lokales Gericht aus der Ashanti Region und ich liebe es, weil man es mit den Händen isst. Das ist zwar für unsere Verhältnisse eine Riesensauerei, aber ich persönlich hab meinen Spaß dabei.
Ghanaische Pizza ist im übrigen auch nicht schlecht, auch wenn man da vielleicht gar nicht so dran denkt.

In einem Hostel ohne Küche und Kühlschrank zu leben hat mich am Anfang ziemlich genervt, aber auch daran habe ich mich gewöhnt. Auf diese Weise esse ich viel auswärts und lokale Gerichte.

Ein paar Brocken Twi habe ich mittlerweile auch aufgeschnappt, aber diese Sprache richtig zu lernen wird mir noch sehr viel abverlangen, da bin ich mir sicher… Mit Englisch kommt man hier zwar super klar, aber auf dem Land sind die Menschen weniger fließend darin wurde mir mitgeteilt. Glücklicherweise müssen wir einen Pflicht-Sprachkurs über 30 Stunden absolvieren, der von kluturweit bezahlt wird. Da freue ich mich schon drauf.

So sehr ich am Anfang voll das Drama gemacht habe, weil ich nicht in einer Großstadt sein wollte, so werde ich Kumasi doch vermissen wenn es bald raus aufs Land geht.
Es gibt hier einfach wahnsinnig viel zu tun und die verschiedensten Menschen. Die Art von Freiheit hier so mobil zu sein und ständig was unternehmen zu können werde ich auf dem Land natürlich nicht haben. Ich freue mich aber natürlich nach wie vor auf das andere und die Nähe zur Natur.

Bezüglich meines Freiwilligendienstes gibt es auch noch einiges spannendes, das auf mich zukommen wird. Aktuell bin ich noch in Kumasi, aber bald geht es für ca. 2 Monate in den einen Distrikt des Reservats und danach für weitere 2 Monate in den anderen Distrikt. Dazwischen steht das Zwischenseminar. Ich weiß mittlerweile, dass die District Assemblies jeweils ziemlich hohe Erwartungen an uns haben und davon ausgehen, dass wird grundlegende Veränderungen vornehmen werden und uns um Tourismus, Umwelt- und Nachhaltigkeitsbildung, etc. kümmern. (Das habe ich mir nicht nur zusammengereimt, das hat mir ein Arbeitskollege genau so gesagt.) Natürlich können wir Freiwilligen als Abiturienten nicht wirklich viel bewirken. Dementsprechend werden sowohl die Leute vor Ort als auch wir viel zurückstecken müssen und Enttäuschung erfahren.
Aber das ist wohl Teil des Prozesses, wenn man als erste Generation von Freiwilligen in einer Einsatzstelle ist. Wir sind letztlich nichts anderes als Versuchskaninchen. Das wird mir jeden Tag bewusst. Es hat wohl seine Vor- und Nachteile. So sehr alle Beteiligten manchmal an dieser Unerfahrenheit zu knabbern haben, so sehr haben wir als Freiwillige die Chance, den Weg für die nachfolgenden zu bereiten zu vereinfachen. Ebenso lernen die Einsatzstellen aus unseren Erfahrungen und können in Zukunft manches anders machen. Beispielsweise finde ich es kritisch, dass wir nie länger als 2 Monate irgendwo sein werden und jedes mal umziehen, uns einleben und eingewöhnen müssen. Einerseits ist es toll, dass wir so viele verschiedene Erfahrungen machen dürfen. Auf der anderen Seite frage ich mich aber auch wie effektiv unsere Arbeit werden kann.

Jetzt habt ihr einen kleinen Überblick von meiner Situation und was mir so durch den Kopf geht.
Ich weiß leider immer noch nicht wie man hier Bilder hochlädt, aber bei Instagram und im Whatsapp Status versuche ich dafür aktiv zu sein. Ihr könnt mich gerne fragen, wenn euch irgendwas besonders interessiert.
Ansonsten gehe ich jetzt mal ins Bett, denn dunkel ist es ja sowieso.

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