Abschied

Die letzte Woche in SPB

Der Kindergarten und die Schule sind umgezogen und in meiner letzten Woche hier haben wir im neuen Gebäude die Räume eingerichtet, allerdings nur, soweit das möglich war, weil die Renovierungsarbeiten noch längst nicht abgeschlossen sind, kaum Möbel aufgebaut sind und einfach alles dreckig ist. Ich weiß nicht, wie in ein paar Tagen dort Unterricht stattfinden soll, aber die ganze Situation war irgendwie auch super witzig.

An meinem letzten Arbeitstag habe ich Kuchen gebacken und kleine Karten für alle geschrieben und wir haben nochmal nett beisammengesessen und uns gegenseitig Danke gesagt. Ich habe eine St Petersburg Karte zum Freirubbeln bekommen, ein Buch über die Hermitage und einen Pulli mit dem Logo der Deutschen Schule, sehr süß. Außerdem hat Marina an mich gedacht und mir ein kleines Tablett mit meinem Lieblings Van Gogh Muster geschenkt, super lieb und aufmerksam! Am Schluss haben wir alle zusammen noch ein letztes Mal das verhasst geliebte, zu oft gehörte, aber dann irgendwie doch schöne Lied „Jeder Tag im Kindergarten ist für mich ein schöner Tag“ gesungen. Es war für mich ein sehr emotionaler Abschied, der sich aber gleichzeitig gut angefühlt hat, weil ich den Kindergarten in sehr guter Erinnerung behalten werde und so viele schöne Momente dort erleben durfte!

In der Woche bin ich nochmal viel draußen gewesen und habe ein letztes Mal meine Lieblingsorte in dieser faszinierenden Stadt besucht.

Außerdem hatte ich das letzte Mal meinen German Speaking Club und habe mich von Sofia verabschieden müssen.

An meinem letzten vollen Tag habe ich meinen Geburtstagsgutschein eingelöst und zusammen mit Nastja den Matrioshka Malkurs besucht, das hat soo viel Spaß gemacht!

Ich habe so viele Freunde wie möglich nochmal gesehen in der Woche und habe am Freitag alle, die überhaupt noch in St Petersburg sind und nicht schon sonst wo in der Welt unterwegs, zu einer kleinen Abschiedsparty eingeladen. Der wirklich ernste Abschied ist dann allerdings erst zwei Tage später erfolgt, als nämlich fünf von den sechsen mich zum Flughafen gebracht haben! Unfassbar lieb… Ich war sehr sehr traurig und musste auch ein bisschen weinen. Diese Menschen sind so genial und es ist so schwierig zu realisieren, dass man sich jetzt (in den meisten Fällen) für eine sehr lange und teils unbestimmte Zeit nicht sehen wird… Ganz seltsames Gefühl, irgendwo zwischen Bauch und Brust.

Auch mein Zimmer zu verlassen, ist mir irgendwie schwer gefallen.

Ich habe so viel gelernt in der Zeit, so tolle Menschen getroffen, so viel an Kultur mitgenommen, zumindest in Ansätzen eine neue Sprache gelernt, so viele Städte gesehen, so unvergessliche Nächte erlebt, so inspirierende Gespräche geführt, bin irgendwie erwachsener geworden und auf eine Art und Weise ein ganz anderer Mensch als noch vor nur einem halben Jahr. Wow. Ich wäre von mir aus niemals auf die Idee gekommen, gerade in Russland meinen Freiwilligendienst zu machen, aber gerade deshalb danke ich dem Schicksal tausend Mal, dass es mich nach St Petersburg verschlagen hat.

 

Das Nachbereitungssemianar 

Es war unfassbar schön, meine Freunde von den beiden alten Homezones wiederzusehen. Wir konnten uns sogar die Zimmer aussuchen und so konnte ich besonders viel Zeit mit Judith und Vanessa verbringen, mit allen anderen aber natürlich auch. Einmal wurde ein Abendessen mit der Homezone vom Vorbereitungsseminar organisiert, das war auch sehr schön.

Die Seminareinheiten und Workshops waren wieder meistens sehr interessant und da wir wahnsinniges Glück mit dem Wetter hatten, waren wir fast jeden Tag zwei Mal im See, das was einfach nur toll und entspannend. Das Seminar war ein guter Ort, um langsam in Deutschland anzukommen, aber noch nicht direkt in das „Zu-Hause-Umfeld“ geschmissen zu werden, sondern sich langsam mit Leuten einzugewöhnen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Ich hab zwei witzige Begegnungen gehabt. Einmal habe ich mich mit Merlin aus meiner neuen Homezone unterhalten und wir haben festgestellt, dass eine meiner besten Freundinnen aus Frankreich vor ewiger Zeit für mehrere Monate im Rahmen eines Schülraustauschs auf seiner Schule war und die beiden sich kennen! Die Welt ist so klein.

Meine zweite Begegnung war Merle. Sie ist kulturweit-Alumna und war für zwei Tage am Werbellinsee. 2013 war sie die erste kulturweit-Freiwillige an der Deutschen Schule St Petersburg! Wir konnten uns super über unsere Erfahrungen und Lieblingsorte austauschen, über Menschen reden, die wir beide kennen und haben sogar rausgefunden, dass sie in der gleichen WG gewohnt hatte wie ich, sogar im gleichen Zimmer! Wir waren direkt auf einer Wellenlänge und haben den ganzen Abend miteinander gequatscht und ich konnte ihr direkt sehr persönliche Dinge anvertrauen. Am Ende des Seminars habe ich sie sogar ein zweites Mal am Berliner Hauptbahnhof getroffen, weil wir beide zufällig gleichzeitig dort waren.

Tja, und hier geht mein kulturweit-Abenteuer wohl ganz wirklich zu Ende… Es waren tolle, inspirierende sechs Monate, die ich immer in wunderbarer Erinnerung halten werde. Jetzt ist es Zeit, in die Zukunft zu blicken und sich dem Studium in einer neuen Stadt und ganz vielen neuen Eindrücken zuzuwenden.

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