Umzug, Russisches Museum und Meer

Umzug

Am Montag bin ich umgezogen. Die Verständigungsprobleme mit Galina hatte ich schon mal erwähnt, das größere Problem war aber, dass sie sich irgendwie für mich verantwortlich gefühlt hat als sei ich ihre Tochter. Sie hat sich Sorgen gemacht, wenn ich spät nach Hause kam und hatte das Gefühl, für mich einkaufen und kochen zu müssen etc. Sie hatte allerdings gar keine Lust, sich um mich zu kümmern, was ich auch verstehe und auch gar nicht erwartet hatte, aber sie sagt, sie kann nicht anders, wenn ich da bin. Deswegen wollte sie, dass ich ausziehe. Bisschen seltsam alles, aber jetzt wohne ich in einer WG ein paar Straßen weiter (und damit auch näher am Kindergarten und an der Metro!) mit einer Russin und einer Polin, die auch einen Freiwilligendienst machen und Englisch sprechen! Katya, die Russin, ist sehr nett und ich hab mich ein paar Mal länger mit ihr unterhalten, Justina ist momentan im Urlaub, deswegen werde ich sie erst später kennenlernen. Ich bin sehr glücklich, jetzt hier zu wohnen und fühle mich um Welten freier. Ich werde nur meine Fensterbank in meinem alten Zimmer vermissen, da konnte man immer so schön sitzen und rausschauen.

Mein neues Zimmer ist ein bisschen abenteuerlich gemustert, aber trotzdem sehr gemütlich und ich fühle mich hier wohl. Ich habe sogar einen kleinen Tisch und ein Sofa! In der Küche steht auch ein Sofa, das ist der Hammer! Und wir trennen hier den Müll, was echt ungewöhnlich für Russland ist. Die Wohnung wird immer an Freiwillige aus allen möglichen Ländern vermietet und viele haben Sachen zurückgelassen, die jetzt niemandem gehören. Hier gibt es sehr viele Bücher, Küchengeräte und alles mögliche Zeugs, sogar ein Zelt!

 

Die zwei Wochen in der Mondgruppe

In den letzten beiden Wochen war ich im Kindergarten in der Mondgruppe und die Zeit verging wie im Flug. Die Kinder sind schnell zutraulich geworden, natürlich noch nicht alle, aber doch viele. Es gab die ersten Streits, wer in der Kantine oder beim Morgenkreis neben mir sitzen darf, die Kinder greifen immer öfter meine Hand und manche kommen sogar auf meinen Schoß oder auf meinen Arm. Ich habe auch schon die ersten kleinen Geschenke bekommen, wenn die Kinder ein Bild für mich gemalt haben. Außerdem habe ich angefangen, den Kindern beizubringen, danke zu sagen, wenn man ihnen hilft und habe einen Jungen immer Hände waschen geschickt, wenn er seine Hand mal wieder in den Mund genommen oder drauf geniest hat oder Spielzeuge in den Mund gesteckt hat. An einem Tag war ich mit den Vorschulkindern in der Schule, wo sie eine kleine Rallye gemacht haben, bei der sie verschiedene Räume in der Schule wiederfinden mussten. Ich habe ein bisschen mit den Kindern singen können und ich habe ihnen mit Bildern Schneewittchen erzählt. Außerdem haben wir in den beiden Wochen oft mit den Kindern Party gemacht, also laut Discomusik über Lautsprecher angemacht und dazu getanzt und Stopptanz gespielt, das war wirklich unfassbar süß und witzig! Nastja hat Sonne, Mond und Sterne für den Kindergarten gemalt, total schön.

 

Russisches Museum

Dort war ich mit Anastasia und bin dank Freiwilligenausweis sogar zum Studentenpreis reingekommen. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte mir gar nicht so viel von dem Museum erhofft, aber umso besser hat es mir gefallen! Das Gebäude an sich ist wunderschön, allein die goldenen Räume und vor allem die Decken könnten ein Museum an sich sein! Es sind Gemälde und Skulpturen von russischen Künstlern vor allem aus dem 19. und 20. Jahrhundert ausgestellt und mir haben wirklich außerordentlich viele Kunstwerke sehr gutgefallen. Außerdem konnte Anastasia mir zu manchen Gemälden kleine Hintergrundgeschichten erzählen, was natürlich super war!

         

 

Fahrradtour und Kronstadt

Am Samstag war ich zum ersten Mal bei Anastasia zu Hause. Dort ist es unfassbar schön, alle Möbel passen zueinander und alles ist ordentlich, man fühlt sich direkt wohl und ihre Eltern sind auch total nett. Wir haben Sushi gegessen und Tee getrunken und anschließend eine lange, wunderschöne Fahrradtour gemacht. Zuerst sind wir zum Strand gefahren, wo wir eine kleine Pause gemacht haben, um auf dem zugefrorenen Meer zu laufen. Das war für mich ganz seltsam, aber super witzig. Das Wetter war ein Traum und man hatte einen fantastischen Blick auf das Лахта Центр, die Stadt und eine der vielen Brücken. Später sind wir über diese Brücke gefahren und weiter zu einem sehr schönen Park. Irgendwann waren unsere Hände eiskalt und taub und wir sind zurückgefahren und haben uns mit Tee aufgewärmt.

         

    

Abends sind wir mit ihren Eltern Richtung Kronstadt gefahren, eine Insel in der Nähe von St Petersburg, zu der vor etwa 10 Jahren eine ewig lange Brücke gebaut wurde. Und genau diese Brücke war der Grund, wieso wir dorthin gefahren sind: Die Aussicht auf das Meer auf beiden Seiten und die Stadt ist unglaublich toll! Irgendwo auf der Brücke gab es eine Stelle, an der wir anhalten konnten und es gab sogar einen Fußgängerüberweg oberhalb der Autobahn, sodass man auf die andere Seite gehen konnte! Das haben wir dann auch gemacht. Leider war es schon ziemlich dunkel, aber es war trotzdem beeindruckend.

 

Freunde

Ich habe diese Woche wieder viele Menschen getroffen. Mit Marianna von Couchsurfing war ich in einem russischen Restaurant essen und wir haben zwei Bier getrunken und uns vor allem sehr nett unterhalten und uns über die verschiedenen Kulturen ausgetauscht.

Mit den beiden Nastjas war ich Freitag Abend in einer Bar und am Sonntag haben wir Pizza bestellt und Harry Potter auf Russisch geguckt. Auf Russisch wird h zu g, sodass es einfach Garry Potter heißt! Sehr witzig.

Außerdem hatte ich diese Woche ein Problem mit meiner russischen SIM Karte. Ich hatte weder mobile Daten noch konnte ich anrufen oder SMS verschicken, es ging gar nichts mehr. Zum Glück haben mir die beiden Nastjas und danach Angela geholfen und jetzt funktioniert alles wieder. Ich bin so unglaublich dankbar für die Hilfe, die ich hier dauernd von allen bekomme!

Mit Angela war ich lange spazieren und sie konnte mir zu so gut wie jedem Gebäude erklären, was das ist, echt beeindruckend und natürlich sehr spannend! In St Petersburg gibt es abends an jeder Ecke auf dem Newsky Straßenmusiker, die oft so richtig mit Verstärker und Mikro und allem spielen, das ist wahnsinnig cool und wir sind relativ lang stehen geblieben und haben zugehört.

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