{"id":56,"date":"2021-10-10T15:24:14","date_gmt":"2021-10-10T13:24:14","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/hiergibtesnichts\/?p=56"},"modified":"2021-10-10T15:24:38","modified_gmt":"2021-10-10T13:24:38","slug":"anekdote-idiot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/hiergibtesnichts\/2021\/10\/10\/anekdote-idiot\/","title":{"rendered":"Anekdote. Idiot"},"content":{"rendered":"<p>Ab und zu bin ich nach Einbruch der Dunkelheit noch drau\u00dfen unterwegs, genie\u00dfe die milden Temperaturen, sehe streunende Katzen, erfreue mich an der Atmosph\u00e4re. Das ist Balsam f\u00fcr meine Seele. Als ich letztens, es war kurz nach 8, in der Innenstadt unterwegs bin spricht mich ein Mann an und l\u00e4uft neben mir her. Ich bin sehr entspannt und mir ist nicht nach Reden, reagiere dennoch freundlich aber reserviert. Mir wird relativ schnell klar, dass das kein sinnvolles Gespr\u00e4ch wird. Ich gehe zielgerichtet weiter, wie ein Hund l\u00e4uft er neben mir her. Aus fuckinggodknowswhy Nettigkeit unterhalte ich mich weiter. Nebenbei \u00fcberlege ich mir, wie ich ihn wieder loswerde. Frage ihn, was er will, er sagt alles. Dann sage ich ihm ins Gesicht, dass ich nicht mehr mit ihm reden will und er gehen soll. Es interessiert ihn nicht. Er sagt, dass er laufen kann wo er will, was ich dagegen machen will, dass ich ja wegrennen kann. Der Gedanke scheint ihm zu gefallen. Ich denke nicht dran. Daraufhin ignoriere ich ihn, gehe aber weiter. Auch das ist ihm egal. Ugh. Mittlerweile bin ich an den Rand der Innenstadt gekommen und wei\u00df, dass ich den belebten Bereich bald verlasse. Was ich noch weniger will, als mich mit diesem Menschen zu unterhalten ist ihn in eine Seitenstra\u00dfe und zu meiner Wohnung zu f\u00fchren. Ich habe aber nicht mehr viel Zeit. Das letzte, was mir in dem Moment noch einf\u00e4llt, ist die Aufmerksamkeit anderer Menschen zu suchen. Also drehe ich bei und setze mich zu zwei wildfremden Frauen an einen Tisch im Freisitz. Die schauen irritiert, lassen mich aber gew\u00e4hren. Er lungert an einer Hauswand rum und ich sitze mehrere Minuten da bis er verschwindet. Ich bin so w\u00fctend, dass der <b>Idiot<\/b> mir meine ausgezeichnete Stimmung versauen musste. Um runter zu kommen kaufe ich mir eine Packung Kekse, die mir nicht schmecken, und setze mich zu den benachbarten Katzen, die ausgerechnet heute mal nicht da sind. Ich \u00fcberlege, was ich anders h\u00e4tte machen k\u00f6nnen. Die Situation vermeiden und nicht im Dunkeln allein drau\u00dfen unterwegs sein kommt nicht in Frage. Ich finde, dass ich die Situation gut gel\u00f6st habe \u2013 aber das h\u00e4tte ich schon deutlich eher machen sollen. Nen Dreck auf Nettigkeit geben und die Person durch halbherzige Konversation nicht noch in ihrem Verhalten best\u00e4rken. Eine unsachgem\u00e4\u00dfe Bewertung seiner Person oder seiner Mutter vornehmen. Eher die Aufmerksamkeit anderer Menschen suchen, ich hatte reichlich M\u00f6glichkeiten dazu. Meine Kontaktperson meinte daraufhin, dass ich ihn in einer solchen Situation jederzeit anrufen kann. Auf die Idee bin ich nicht gekommen, aber ich sollte es mir merken.<\/p>\n<p>Ich sehe die Erfahrung nicht in Bulgarien oder Ruse begr\u00fcndet. Erfahrungen dieser Art, von einer fremden Person im \u00f6ffentlichen Raum derart bel\u00e4stigt zu werden, habe ich zuvor noch nicht gemacht. Die Schlussfolgerung, dass das in Bulgarien daher regelm\u00e4\u00dfig und in Deutschland nie passiert, sehe ich aber als falsch an. Es ist ein strukturelles und gesellschaftliches Problem, das weltweit existiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ab und zu bin ich nach Einbruch der Dunkelheit noch drau\u00dfen unterwegs, genie\u00dfe die milden Temperaturen, sehe streunende Katzen, erfreue mich an der Atmosph\u00e4re. Das ist Balsam f\u00fcr meine Seele. 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