Rausschmeißer (oder so)

Soso. Da war sie dahin, meine Motivation zum Blogschreiben. Bisschen witzlos jetzt noch nen Eintrag zu veröffentlichen nachdem ich schon eine Weile wieder da bin und viele Leute gesehen habe. Den letzten geschriebenen, aber bisher nicht veröffentlichten Beitrag will ich dennoch zeigen, besser spät als nie, denn sonst hätte ich ja noch mehr Einträge um sonst geschrieben. Und außerdem habe ich Hoffnung in den nächsten Monaten an meine rege Blog-Aktivität anzuknüpfen und vielleicht ein paar Beiträge von meiner anstehenden Reise zu veröffentlichen. Denn wenn nicht andere Frauen* davon geschrieben hätten wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass es möglich ist. Und ich möchte auch anderen zeigen, dass es möglich ist. Was das ist? Über den Balkan und die Türkei per Anhalter in den Iran fahren. Eine Herausforderung und ein Abenteuer, auf das ich sehr gespannt bin. Ich bin nicht unerfahren und auch nicht unvorbereitet, seit einiger Zeit beschäftige ich mich gedanklich mit kaum etwas anderem. Aber auch ziemlich angespannt. Eigentlich soll‘s schon in zwei Tagen, am Samstag, los gehen. Das gute am hitch-hiken ist aber, dass ich meinen Zug nicht verpassen kann. Vielleicht wird‘s also auch erst am Montag 🙂 Also wenn ihr dabei seid und es euch interessiert, dann bin ich auch dabei. Ich versprech‘s.

17.03.2022

Tja, das war‘s dann wohl. Mit dem Leben in Bulgarien. Vor drei Tagen habe ich das Land verlassen und seit einigen Stunden bin ich wieder bei meinen Eltern. So viele Eindrücke wieder, so viele Dinge über die ich wieder nachdenke. Die räumliche Distanz zu meinen Problemen geht und so kommen auch diese wieder. Alte Themen mit denen ich mich wider konfrontiert sehe. Freunde, die ich wieder sehen möchte, worauf ich mich unglaublich freue. Wie aus einem anderen Leben.

So begann der Urlaub Anfang März. Das ist die Überquerung des zentralen Balkangebirges auf der Zugstrecke Veliko Tarnovo – Stara Zagora. Ein Trauuuuuum.

Die letzten Wochen waren sehr schön. Meine Familie hat mich Anfang Februar noch besucht und sowohl das Nachbereitungsseminar Ende Februar als auch die zwei Wochen Urlaub danach konnte ich in Gesellschaft in Bulgarien verbringen. Konnte nochmal Schnee und Berge und Sonne und Regen und Kälte und Wandern erleben, und die Gesellschaft genießen. Auch die Wochen davor waren schön und ereignisreich. Tatsächlich konnte ich noch mein Projekt durchführen, das erste Fahrradkino der Stadt, haha. Die letzte Zeit meines Freiwilligendienstes ging insgesamt sehr schnell vorbei. Der Zug zurück war gefüllt mir ukrainischen Geflüchteten. Ein großer Kontrast zu meiner Hinreise. Eine sehr seltsame Empfindung für mich, die ich nach Hause fuhr und aus einer schönen Zeit kam. Und jetzt bin ich wieder auf dem Sofa meiner Eltern und weiß nicht so recht, was ich fühlen soll. Bin hauptsächlich überfordert. Sollte wohl einfach schlafen gehen.

Kalkstein im Rusenski Lom Nationalpark südlich von Ruse. Wenn das mal nicht kletterbar ist.

Es gibt noch mehrere Einträge, die ich angefangen und nie beendet habe. Über Klettern und Kalkstein im nahegelegenen Naturschutzgebiet, Weihnachten in Bansko und die korrupte Betreibung des Skigebiets, Silvester beim Fernsehturm, über Zeit und Sprache und viele Ausflüge und Beobachtungen, die ich nie zu Papier gebracht habe („Im Billa, einer mir bisher nicht geläufigen österreichischen Supermarktkette, verkaufen sie hier Kinder Pingui. Einzeln.„) Menschen, die nie Erwähnung gefunden haben und trotzdem da waren. Ohne die das ganze Ding nicht halb so viel Spaß gemacht hätte.

Ich möchte jeder*m nahelegen seine gewohnte Umgebung zu verlassen. Es gibt noch so viel mehr da draußen. Herausforderungen und Überraschungen, angenehmes wie anstrengendes. Und auch, wenn man danach feststellt, dass es nicht das war, was man sich erhofft hat, hat man gelernt. Auch, wenn man es vielleicht erst viel später versteht. Nach ein paar Wochen oder Jahren. Mein Schulaustausch in Estland ist jetzt über sieben Jahre her und ich lerne immer noch davon. Oder vielmehr gerade weil ich mich wieder für längere Zeit ins Ausland begeben habe und viele Eindrücke hatte, die ich vergleichen konnte. Ich möchte jede*n dazu ermutigen auch von Erfahrungen zu schildern die nicht positiv waren. Wenn sie einen enttäuscht und traurig zurückgelassen haben. Es ist notwendig, dass andere Freiwillige davon erfahren, dass nicht alles nur gut läuft. Ich habe das Glück mehrere Erfahrungen im Ausland gemacht zu haben, die ich nun nebeneinander betrachten kann. Ich möchte mein Schuljahr in Estland nicht missen, denn es macht einen großen Teil dessen aus wer ich heute bin, aber es war letztendlich unglaublich anstrengend. Mir wurde damals suggeriert, das Schüleraustauschjahr würde „das beste Jahr meines Lebens“ werden, aber das war es nicht. Es hätte mir damals geholfen zu erfahren, dass es auch anderen Menschen schwer fällt, dass meine Probleme nicht abnorm sind und ich in dem ganzen Ding nicht einfach nur versagt habe. Ich weiß jetzt, dass es auch anders geht. Wie gut es sich anfühlt, wenn es gut ist. Die neue Auslandserfahrung hilft mir noch mehr von der vorigen zu lernen, und genau so anders herum. Meine Vorgängerin in der Einsatzstelle hat das halbe Jahr mal als „Jackpot für‘s Gehirn“ beschrieben, und das ist es auch. Ich bin dankbar für die Chance, die mir ein so eindrucksreiches und buntes halbes Jahr geschenkt hat. Welch Glück 🙂

Jetzt muss ich aber noch einen Rausschmeißer bringen. Der hat zwar nichts unbedingt mit Bulgarien zu tun, aber ich finde, er ist dafür perfekt. Und natürlich eine Ode an, wer hätte es gedacht, Chemnitz.

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