{"id":762,"date":"2012-07-14T02:03:37","date_gmt":"2012-07-13T22:03:37","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/?p=762"},"modified":"2012-07-22T05:30:23","modified_gmt":"2012-07-22T01:30:23","slug":"oranienbaum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/2012\/07\/14\/oranienbaum\/","title":{"rendered":"Oranienbaum"},"content":{"rendered":"<p>Spuren der deutschen Kultur lassen sich in St. Petersburg \u00fcberall finden, so f\u00e4llt auch der Name &#8222;Oranienbaum&#8220; (allerdings auf der letzten Silbe betont, da russisch ausgesprochen) auf dem Stadtplan. Denn die s\u00fcdlich gelegene Vorstadt hei\u00df zwar seit 1948 &#8222;Lomonossow&#8220; nach dem ersten und wohl auch ber\u00fchmtesten Wissenschaftler Russlands, <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Michail_Wassiljewitsch_Lomonossow\" target=\"_blank\">Michail Wassiljewitsch Lomonossow<\/a>, aber oft findet man &#8211; vor allem auf touristischen Karten, noch die alte Bezeichnung.<\/p>\n<p>Am 8. Juli war eigentlich kein Ausflugswetter &#8211; hei\u00df und schw\u00fcl und dabei so bedeckt, dass man jederzeit ein Gewitter erwartete. Dennoch machten ich und Sarah, die Freiwillige der Deutschen Schule St. Petersburg, uns auf den Weg. Eine Lehrerin der DS hatte uns eingeladen zu einem Spaziergang durch den Park, sodass wir auch ein bisschen Hintergrundinformationen bekamen. Die Elektritschka f\u00e4hrt ca. 1 Stunde: durchs Gr\u00fcne, an Datschen vorbei, den hohen Wohnkomplexen der Vorstadt. Am Bahnhof hatten wir dann sogar unseren pers\u00f6nlichen Shuttledienst zum Park &#8211; und die Wolkendecke milderte die Hitze etwas.<\/p>\n<p>Der Park geh\u00f6rt mit zu den \u00e4ltesten Schlossanlagen St. Petersburg, denn er war ein Geschenk Peters des Gro\u00dfen an seinen Freund und Berater <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alexander_Danilowitsch_Menschikow\" target=\"_blank\">Menschikow<\/a>, dem ersten Gouverneur der Stadt. Nachdem er in der Orangerie die s\u00fcdlichen Zitrusfr\u00fcchte zu z\u00fcchten begonnen hatte, erhielt der entstehende Ort seinen Namen. Auch heute noch kann man den Orangenbaum auf dem <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Lomonosov_gerb2007.gif&amp;filetimestamp=20090907163509\" target=\"_blank\">Wappen<\/a> des Ortes sehen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/052.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-765\" title=\"Das Schloss\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/052-640x480.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die ganze Geschichte des Ortes hier darzulegen, w\u00fcrde den Rahmen dieses Artikels sprengen und wahrscheinlich auch langweilen. Dennoch ist interessant, wie eng auch diese Geschichte mit der deutschen verbunden ist, darum sei noch folgendes erz\u00e4hlt:<\/p>\n<p>Auf dem Parkgel\u00e4nde findet man einen kleinen Palast, der diesen Namen kaum verdient, ist der doch nicht viel gr\u00f6\u00dfer als ein Einfamilienhaus. Hier lebte Zar Peter III., der kein Russe war, sondern \u00fcber die verschlungenen Erbfolgewege seine Tante, die Zarin Elisabeth, beehrte. Geboren worden war er in Preu\u00dfen als <em>Karl Peter Ulrich von Schleswig-Holstein-Gottorf<\/em>. Zeit seines Lebens verehrte er den preu\u00dfischen Kaiser, mit dem Russland zum Zeitpunkt seines Amtsantrittes aber im Krieg stand. Auch sonst tat Peter III. einiges, was dem russischen Hochadel missfiel: Er schaffte die Salzsteuer ab und f\u00fchrte eine Luxussteuer ein. Auch die Folter lie\u00df er verbieten. Seine kurze Herrschaftszeit von sechs Monaten wurde auf eine &#8211; f\u00fcr die damalige Praxis &#8211; recht ungew\u00f6hnliche Art beendet. Nach einem Komplott innerhalb der Zarenfamilie ging er nicht mit Streitkr\u00e4ften vor, sondern wurde gefasst und unterschieb so seine Abdankung. Dass er kurze Zeit sp\u00e4ter ermordet wurde, war nicht geplant, sondern geschah vermutlich aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden ohne das Wissen der Zarin Katharina.<\/p>\n<p>Dieser Zarin &#8211; ebenfalls preu\u00dfische Prinzessin &#8211; verdankt Oranienbaum ein weiteres St\u00fcck der &#8222;deutschen&#8220; Geschichte. Sie gew\u00e4hrte Siedlern viele Privilegien: Sie hatten Religionsfreiheit, 30 Jahre Steuerfreiheit und sogar eigene Rechtsprechung innerhalb der Siedlungen. Au\u00dferdem gab es Kredite f\u00fcr die Siedlungsphase und keine Wehrpflicht. Deshalb kamen viele deutsche Siedlerfamilien nach Russland und wurden nach Gutd\u00fcnken der Zarin angesiedelt. So \u201eentstanden\u201c die Wolga-Deutschen und auch die Siedlung Oranienbaum.<\/p>\n<p>Das Gedankenspiel, was sich da aufdr\u00e4ngt, ist gar nicht spielbar: Was w\u00e4re die russische Geschichte, was w\u00e4re Russland ohne die deutsche Geschichte und Kultur? Trotz all der Grausamkeiten, die die Deutschen im letzten Jahrhundert dann in Russland ver\u00fcbt haben, ist das vielleicht einer der Gr\u00fcnde, weshalb die meisten Russen sehr interessiert sind, wenn sie erfahren, dass man aus Deutschland kommt. \u201eSprechen Sie Deutsch?\u201c wurde ich schon h\u00e4ufiger gefragt und immer sehr neugierig und freundlich.<\/p>\n<p>Irgendwie ist es sch\u00f6n zu wissen, wie viel zwei so verschiedene Kulturen heute noch verbindet \u2013 trotz allem.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-762 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/049.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/049-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/051.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/051-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/053.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/053-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/058.jpg'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/hannavj\/files\/2012\/07\/058-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spuren der deutschen Kultur lassen sich in St. Petersburg \u00fcberall finden, so f\u00e4llt auch der Name &#8222;Oranienbaum&#8220; (allerdings auf der letzten Silbe betont, da russisch ausgesprochen) auf dem Stadtplan. 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