{"id":7,"date":"2024-09-11T12:49:21","date_gmt":"2024-09-11T10:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/?p=7"},"modified":"2024-09-11T13:22:16","modified_gmt":"2024-09-11T11:22:16","slug":"prolog-meines-auslandsjahres-in-gyumri-armenien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/2024\/09\/11\/prolog-meines-auslandsjahres-in-gyumri-armenien\/","title":{"rendered":"Prolog meines Auslandsjahres in Gyumri (Armenien)"},"content":{"rendered":"<p>Hallo zusammen! \ud83d\ude0a<\/p>\n<p>Woran denkt ihr, wenn ihr \u201eArmenien\u201c h\u00f6rt? Vielleicht herrscht erstmal ziemliche Leere im Kopf. Zumindest war es bei mir so. Lediglich die armenische Flagge blitzte vor meinem inneren Auge auf, als ich das Platzangebot von kulturweit f\u00fcr Armenien erhielt. \u201eArmenien\u201c, dachte ich. \u201eNicht mehr Europa, aber auch nicht allzu weit weg.\u201c Was genau mich erwarten w\u00fcrde, wusste ich jedoch nicht. Dennoch habe ich nicht gez\u00f6gert und wage jetzt den Sprung ins \u201eUngewisse\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich habe ich mir den Wikipedia-Artikel \u00fcber Armenien durchgelesen, einen Reisef\u00fchrer gekauft und einzelne Erfahrungsberichte verschlungen, doch so richtig vorbereitet f\u00fchle ich mich auf mein Jahr hier nicht. Ein ganzes Land kann man schlie\u00dflich nicht aus der Entfernung kennenlernen.<\/p>\n<p>Wenigstens der Wetterbericht f\u00fcr Gyumri, die zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt Armeniens mit ca. 100000 Einwohnern und mein baldiges Zuhause, hat mir beim Packen gute Dienste geleistet. Bis zu dem Moment als ich realisiert habe, dass man Kleidung von -20 Grad Celsius bis +30 Grad Celsius unm\u00f6glich in einen Koffer + Handgep\u00e4ck packen kann. Ich reise jetzt mit zwei Koffern und einem gro\u00dfen Rucksack, doch aussortieren musste ich dennoch ordentlich. Besser habe ich mich erst gef\u00fchlt, als ich erfahren habe, dass es nahezu allen Mitfreiwilligen genauso ging; unabh\u00e4ngig davon, in welche Weltregion es geht. Packen ist einfach eine Kunst f\u00fcr sich.<\/p>\n<p>Genauso ist es Reisen: Die Bahnfahrt nach Berlin lief \u00fcberraschenderweise problemlos und so waren wir \u00fcberp\u00fcnktlich drei Stunden vor Abflug am Flughafen. \u201eWir\u201c sind \u00fcbrigens meine Mitbewohnerin Dana und die drei Freiwilligen in Yerewan Nila, Lilly und Mia. Der sechste Armenien-Freiwillige Samuel war schon den Tag zuvor geflogen. Nun standen wir also in Berlin am Flughafen und mussten feststellen, dass wir so p\u00fcnktlich waren, dass wir noch eine geschlagene Stunde darauf warten mussten, dass der Check-In \u00f6ffnete. Diese Stunde wurde u.A. daf\u00fcr genutzt, um sich wiederholt Sorgen dar\u00fcber zu machen, ob unser Gep\u00e4ck die Gewichtsvorgaben einhalten oder ob es Probleme geben w\u00fcrde. Es gab keine Probleme; weder beim Check-In noch beim Sicherheitscheck. Ebenso problemlos verlief auch unser erster Flug von Berlin nach Warschau, der so schnell vorbei war, dass ich, die eigentlich nur kurz die Augen zu machen wollte, gef\u00fchlt nichts vom Flug mitbekommen habe. In Warschau angekommen r\u00e4tselten wir, ob wir unser Gep\u00e4ck abholen m\u00fcssten oder ob es ohne unsere Mithilfe umgeladen werden w\u00fcrde. Nichts zu tun, stellte sich als richtig heraus. Wir hatten uns gerade etwas zum Abendessen geholt, als uns folgende Nachricht erreichte: Unser zweiter Flug von Warschau nach Yerewan hatte anderthalb Stunden Versp\u00e4tung. Grunds\u00e4tzlich nicht das Problem, aber Dana und ich mussten an dem Tag noch weiter nach Gyumri reisen und da der Zug nur dreimal am Tag f\u00e4hrt, wollten wir unbedingt den ersten um acht Uhr bekommen. Bei einer halben Stunde Fahrt vom Flughafen zum Bahnhof, Ticket l\u00f6sen, Gep\u00e4ckabholung und dem Kauf einer SIM-Karte klang Landung um sechs Uhr doch etwas sportlich. Spoiler: Wir haben es geschafft. Das w\u00e4re allerdings ohne zwei super liebe und hilfsbereite Armenier nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>Zuerst half uns die Vermieterin von Lilly, Nila und Mia und besorgte uns ein Taxi. Sie war eigentlich nur gekommen, um die drei abzuholen, aber nahm sich sofort auch unserer an. Im Taxi ging es dann einmal quer durch Yerewan, das gerade malerisch in das Licht des Sonnenaufgangs getaucht wurde. Unter anderen Umst\u00e4nden h\u00e4tte ich das bestimmt mehr genie\u00dfen k\u00f6nnen, aber nach 21 Stunden auf den Beinen und Zeitdruck im Nacken waren M\u00fcdigkeit und Anstrengung einfach st\u00e4rker. Kaum waren wir am Bahnhof abgesetzt worden (der im Vergleich zu den meisten deutschen Bahnh\u00f6fen, die ich kenne, \u00fcbrigens sehr imposant und sch\u00f6n aussah), wollte ich uns \u00fcber die Seite, die mir die Vermieterin empfohlen hatte, online Tickets buchen. Nach ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten war ich komplett verzweifelt. Das hatte anscheinend ein in der N\u00e4he wartender Taxifahrer gesehen und sprach uns auf Englisch an. Nachdem wir ihm unsere Situation erkl\u00e4rt hatten, nahm er uns jeweils einen Koffer ab und f\u00fchrt uns ins Bahnhofsgeb\u00e4ude zu einem Schalter. Dort erkl\u00e4rte er der dahinter sitzenden Frau, was wir brauchten. Anschlie\u00dfend gab er uns seine Handynummer mit, falls wir weitere Hilfe oder in Yerewan jemals einen Taxifahrer br\u00e4uchten. So bekamen wir doch noch unseren Zug und konnten auf der dreist\u00fcndigen Fahrt etwas die Augen zu machen. Jedoch erst, nachdem wir uns ausgiebig mit einem armenischen Ehepaar aus den USA \u00fcber Gyumri und Armenien unterhalten hatten. Besonders zwei Aspekte sind mir dabei im Ged\u00e4chtnis geblieben, die ich euch nicht vorenthalten m\u00f6chte:<\/p>\n<p>Zum einen erz\u00e4hlte die Frau, dass sie in Gyumri aufgewachsen sei, ihre Heimatstadt heute aber nicht wiedererkennen w\u00fcrde. Grund hierf\u00fcr sei das schwere Erdbeben, das Gyumri am 07.12.1988 ersch\u00fcttert und in weiten Teilen besch\u00e4digt hat. Das Stadtbild wurde nachhaltig ver\u00e4ndert und die Wiederaufbauarbeiten dauern bis heute (\u00fcber drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter) immer noch an. Die Frau erkl\u00e4rte, dass von ihrer Schule und ihre Wohngegend damals nicht viel \u00fcbrig geblieben sei. Lediglich das Stadtzentrum habe weitestgehend \u00fcberlebt. Dennoch versprach sie uns, dass wir Gyumri lieben w\u00fcrden, da die Menschen mit ihrer ansteckenden Herzlichkeit die Gleichen geblieben seien.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gab sie uns noch einen Tipp mit auf den Weg: Dass wir unbedingt Aprikosen essen m\u00fcssten. Diese w\u00fcrden nirgendwo besser schmecken als hier und seien so etwas wie die Nationalfrucht. Es h\u00e4tte schlie\u00dflich einen bestimmten Grund, warum die unterste Farbe der armenischen Flagge kein gew\u00f6hnliches Orange, sondern ein strahlendes Apricot sei. Das habe ich zum Anlass genommen, um die Bedeutung der Farben der armenischen Flagge zu recherchieren. Hier meine Ergebnisse: Das Rot steht f\u00fcr das Blut, dass im Kampf um die armenische Unabh\u00e4ngigkeit geflossen ist und geopfert wurde. Das Blau symbolisiert den blauen Himmel Armeniens und das Orange bedeutet den Segen, der durch die harte Arbeit der armenischen Bev\u00f6lkerung beschert wird. Je nachdem, wo man guckt, kann es auch nur f\u00fcr die harte Arbeit stehen. Ich habe zwar nichts \u00fcber Apricot gefunden, aber finde es trotzdem eine sch\u00f6ne Anekdote, zumal Aprikosen neben Granat\u00e4pfeln tats\u00e4chlich die Nationalfr\u00fcchte Armeniens sind.<\/p>\n<p>So, da dieser Eintrag schon sehr lang ist und ich generell h\u00e4ufig dazu tendiere, zu viel zu schreiben, schlie\u00dfe ich an dieser Stelle. N\u00e4chstes Mal soll es dann damit weitergehen, wie die Ankunft in Gyumri verlief und warum ich die Phrase \u201earmenische Gastfreundschaft\u201c nicht ganz passend finde.<\/p>\n<p>Bis bald! \ud83d\ude0a<\/p>\n<div id=\"attachment_8\" style=\"width: 264px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a style=\"color: #0f3647\" href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-8\" class=\"wp-image-8\" style=\"margin-top: 0.857143rem;margin-bottom: 0.857143rem\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_-300x150.png\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"127\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_-300x150.png 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_-768x384.png 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_-624x312.png 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/800px-Flag_of_Armenia.svg1_.png 800w\" sizes=\"(max-width: 254px) 100vw, 254px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-8\" class=\"wp-caption-text\">Die armenische Flagge.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_9\" style=\"width: 174px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240908_1804101.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-9\" class=\"wp-image-9\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240908_1804101-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"164\" height=\"219\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240908_1804101-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240908_1804101-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240908_1804101.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 164px) 100vw, 164px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-9\" class=\"wp-caption-text\">Der Beginn meiner Reise: Der Berliner Flughafen.<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_10\" style=\"width: 246px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-10\" class=\"wp-image-10\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771-300x376.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771-300x376.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771-768x961.jpg 768w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771-624x781.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/IMG-20240908-WA00771.jpg 818w\" sizes=\"(max-width: 236px) 100vw, 236px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-10\" class=\"wp-caption-text\">Meine Mitreisenden: Mia, Lilly, Dana und Nila.<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo zusammen! \ud83d\ude0a Woran denkt ihr, wenn ihr \u201eArmenien\u201c h\u00f6rt? 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