{"id":26,"date":"2024-09-12T11:01:47","date_gmt":"2024-09-12T09:01:47","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/?p=26"},"modified":"2024-09-12T12:18:55","modified_gmt":"2024-09-12T10:18:55","slug":"aufregende-erste-zwei-tage-von-tueren-stromausfaellen-und-keksen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/2024\/09\/12\/aufregende-erste-zwei-tage-von-tueren-stromausfaellen-und-keksen\/","title":{"rendered":"Aufregende erste zwei Tage &#8211; Von T\u00fcren, Stromausf\u00e4llen und Keksen"},"content":{"rendered":"<p>Hallo zusammen! \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Seid ihr schon mal mit richtig viel Gep\u00e4ck unterwegs gewesen? Mit so viel Gep\u00e4ck, dass es eigentlich zu schwer f\u00fcr euch war? Falls nicht, dann lasst euch von mir sagen, dass das \u00fcberhaupt keinen Spa\u00df macht und ihr nach wenigen Metern jeden einzelnen Muskel eures K\u00f6rper sp\u00fcren werdet. Ihr werdet euch nichts sehnlicher w\u00fcnschen, als endlich anzukommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">So ging es auch Dana und mir, als wir den (ebenfalls wieder sehr h\u00fcbschen) Bahnhof von Gyumri erreichten. Wir h\u00e4tten uns zwar ein Taxi rufen k\u00f6nnen, doch nach dem langen Sitzen erschien es mir als die bessere Idee, die relativ \u201ekurzen\u201c 15 Minuten zu unserer Wohnung zu laufen. Ich mag Spazierg\u00e4nge sehr und hatte unsere Kraftreserven, die Qualit\u00e4t der Gehsteige ebenso wie die Qualit\u00e4t der Rollen meiner Koffer deutlich \u00fcbersch\u00e4tzt. Und so kamen wir nach 25 Minuten anstatt nach 15 Minuten v\u00f6llig verschwitzt und ausgepowert bei unsere kleinen, aber sehr zentral gelegenen Wohnung an. Dort wurden wir nicht vom Vermieter selbst, sondern von dessen Eltern empfangen. Da die beiden kein Deutsch oder Englisch sprachen und weder Dana noch ich Armenisch konnten (noch nicht!), erfolgte die Roomtour mit jeder Menge wilder Zeichen und immer wieder Gel\u00e4chter, wenn etwas nicht gleich verst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<div id=\"attachment_27\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240912_1223241.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-27\" class=\"wp-image-27 size-medium\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240912_1223241-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240912_1223241-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240912_1223241-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240912_1223241.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-27\" class=\"wp-caption-text\">Unsere Wohnung.<\/p><\/div>\n<p>Nachdem wir uns soweit eingerichtet hatten, rief mich der Vater noch einmal zu sich, um mir zu zeigen, dass er noch eine Schublade im Bad reparieren w\u00fcrde und der Strom aus war. Ich interpretierte das so, dass er den Strom eigenst\u00e4ndig abgeschaltet hatte. Als wir (nachdem er bereits gegangen war) immer noch keinen Strom hatten, kontaktierte ich unseren Vermieter und fragte nach. Dieser kl\u00e4rte mich daraufhin auf: Ich hatte seinen Vater zu Unrecht verd\u00e4chtigt und es handelte sich um einen regionalen Stromausfall, was immer mal wieder vork\u00e4me und maximal zwei Stunden andauern w\u00fcrde. Tats\u00e4chlich war der Strom kurze Zeit sp\u00e4ter wieder da und beim n\u00e4chsten Stromausfall hatte man sich direkt dran gew\u00f6hnt. Als wir abends mit den anderen Armenien-Freiwilligen Erfahrungen austauschten, wurde klar, dass es dieses Problem nicht nur in Gyumri gibt: Auch die drei M\u00e4dels aus Yerewan hatten schon einen Stromausfall hinter sich, auf den w\u00e4hrend unseres Telefonats prompt der zweite folgte. Lediglich Samuel in Sardarapat war verschont geblieben.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu unserem Vermieter: Eigentlich ist unsere Wohnung eine Ferienwohnung auf Airbnb, die wir aber netterweise zu einem humanen Preis f\u00fcr sechs Monate mieten d\u00fcrfen. Unser Vermieter war hierbei von Beginn an sehr hilfsbereit und zuvorkommenden. Auch dann noch, als ich ihn an unserem ersten Tag zum gef\u00fchlt f\u00fcnften Mal schrieb und um Hilfe bat. Dieses Mal gab es ein Problem mit der Haust\u00fcr. Wie sich herausstellte war es meine eigene Unwissenheit und nicht die Schuld der T\u00fcr, aber von vorne: Als ich versucht habe, die T\u00fcr abzuschlie\u00dfen, ist mir das grunds\u00e4tzlich zwar gelungen, aber ich konnte den Schl\u00fcssel nicht mehr aus dem Schloss ziehen. Wenn die T\u00fcr offen war, ging es problemlos, aber sobald abgeschlossen war, wollte der Schl\u00fcssel auch mit aller Gewalt nicht aus dem Schloss. Kaum hatte ich die Nachricht an unseren Vermieter abgeschickt, bekam ich ein YouTube-Tutorial zum Abschlie\u00dfen von dieser Art von T\u00fcr zur\u00fcck. Zu meinem ma\u00dflosen Entsetzen war das Video so hilfreich, dass der Vater nicht nochmal zur Demonstration kommen musste und es klappte. Zur Feier meines Erfolgs schickte mir der Vermieter noch eine lange Liste mit hilfreichen Tipps f\u00fcr Gyumri, die mich in meiner Zeit hier bestimmt noch \u00f6fters begleiten werden.<\/p>\n<p>Komplett ersch\u00f6pft fiel ich nach knapp 28 Stunden auf den Beinen abends ins Bett, nur um am n\u00e4chsten Morgen schon wieder um 7:30 Uhr aufstehen zu m\u00fcssen. Ich hatte mit meiner Ansprechpartnerin Hasmik vereinbart, dass ich zum Schnuppern schon einen Tag an der Schule vorbeischauen w\u00fcrde. Sie holte mich mit dem Taxi ab und auf der 20-min\u00fctigen Fahrt zur Schule, die ein bisschen au\u00dferhalb liegt, best\u00e4tigte sich mein erster Eindruck von Gyumri: Die Stadt ist deutlich gr\u00fcner als Yerewan und kleiner. Es gibt viele sch\u00f6ne Geb\u00e4ude, aber auch einige Ruinen. Der Verkehr ist stellenweise das pure Chaos, aber man gew\u00f6hnt sich schnell daran (wenn ich wieder nach Deutschland komme, werde ich nicht mehr vern\u00fcnftig Autofahren k\u00f6nnen). Es waren so viele Eindr\u00fccke, dass ich wohl noch etwas brauchen werde, um mich zurechtfinden zu k\u00f6nnen. Die Schule selbst ist von innen sehr bunt und es gibt viele Pflanzen. Von vielen Lehrkr\u00e4ften und auch einigen Kindern wurde ich mit einem L\u00e4cheln oder einem freundlichen Zunicken begr\u00fc\u00dft, sodass ich mich schnell wohlgef\u00fchlt habe. Das lag auch an der zweiten Deutschlehrerin, die auch Hasmik hei\u00dft, und mich sehr warmherzig in Empfang genommen hat. Vom Unterricht und meiner Arbeit werde ich an anderer Stelle erz\u00e4hlen, da ein Tag noch nicht sehr aussagekr\u00e4ftig ist und ich hier lieber noch Anderes berichten m\u00f6chte. Zu erw\u00e4hnen sind beispielsweise noch die Kekse und die Busfahrt zur\u00fcck:<\/p>\n<p>In den Pausen haben mir die beiden Deutschlehrerinnen n\u00e4mlich jede Menge armenischer Kekse, S\u00fc\u00dfigkeiten und ein St\u00fcck Banane angeboten, was ich dankend angenommen habe. Besonders gut geschmeckt haben mir hierbei Kekse, die fast wie Prinzenrolle nur mit weicherem Keks und wei\u00dfer Creme waren. Ich habe im Supermarkt bei uns um die Ecke schon nach ihnen Ausschau gehalten, konnte sie leider aber noch nicht entdecken. Ich werde die Suche dennoch weiter fortsetzen oder bei n\u00e4chster Gelegenheit nachfragen!<\/p>\n<p>Ein weiteres Tageshighlight war die R\u00fcckfahrt in einer Marschrutka, einer Art regionalem Linienbus, den ich ab Montag t\u00e4glich zur Schule und zur\u00fcck nehmen werde. V\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllt und mit waghalsigem Fahrstil ging es quer durch Gyumri, sodass ich schon nach wenigen Minuten keinerlei Orientierung mehr hatte. Trotz eines Schreckmoments, als ein Blitz in unmittelbarer N\u00e4he einschlug, erreichte ich meine Haltestelle und stieg sogar richtig aus, was alles andere als selbstverst\u00e4ndlich ist, da ich w\u00e4hrend der Fahrt ungef\u00e4hr f\u00fcnfmal dachte, dass wir schon da w\u00e4re. Kaum ausgestiegen, wollte ich zu einem Geldautomaten und lief erstmal in die falsche Richtung. Ich f\u00fcrchte, bis ich mich in Gyumri zurecht finde, wird es wohl noch eine Weile dauern. Am Geldautomaten fand dann die f\u00fcr mich sch\u00f6nste Begegnung des Tages statt: Ich stand nur wenige Minuten dort, schon kamen drei Jungs im Alter von 12-15 Jahren auf mich zu und der \u00c4lteste bat mir auf Deutsch Hilfe an. W\u00e4hrend sie mir dabei halfen, den Automaten zu knacken, unterhielten wir uns wirklich nett \u00fcber alles M\u00f6gliche. F\u00fcr einen Lacher sorgte die Entschuldigung eines Jungen f\u00fcr das \u201eschlechte Wetter\u201c, das normalerweise deutlich w\u00e4rmer und weniger regnerisch sei, woraufhin ich nur erwiderte, dass ich aus Norddeutschland k\u00e4me und es sich fast wie Zuhause anf\u00fchle.<\/p>\n<p>Das war auch einer der Momente an denen ich f\u00fcr mich festlegte, dass \u201earmenische Gastfreundschaft\u201c als Beschreibung f\u00fcr die Armeniern im Umgang mit \u201eAusl\u00e4ndern\u201c nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht ganz passend ist. Selbstverst\u00e4ndlich bin ich zu Gast in diesem Land, doch ist die Hilfsbereitschaft von so vielen Menschen, die ich hier bisher getroffen habe, so viel universeller: Tags zuvor war eine Frau auf der Stra\u00dfe gest\u00fcrzt und sofort waren ihr mindestens f\u00fcnfzehn Personen zur Hilfe geeilt. Diese Hilfsbereitschaft hat mich in der kurzen Zeit, in der ich erst hier bin, schon oft \u00fcberrascht und ich bin sehr dankbar f\u00fcr all die Hilfe, die ich bereits erhalten habe. Das geht f\u00fcr mich \u00fcber blo\u00dfe &#8222;Gastfreundschaft&#8220; hinaus. Ohne diese Menschen w\u00e4re ich in diesem fremden Land mit fremder Sprache schon das ein oder andere Mal verzweifelt.<\/p>\n<p>Dennoch beginne ich langsam, mich einzufinden und alleine zurechtzukommen. Ich habe es sogar eigenst\u00e4ndig geschafft, uns Essen zu bestellen, ohne daf\u00fcr unseren Vermieter fragen zu m\u00fcssen! Es besteht also noch Hoffnung auf ein selbstst\u00e4ndiges Leben hier. Ob und wie schnell das jedoch in Erf\u00fcllung geht, wird erst die Zeit zeigen und mit diesen weisen Worten beende ich den heutigen Eintrag. Sobald wieder etwas Spannendes oder Berichtenswertes passiert, wird es hier selbstverst\u00e4ndlich weiter gehen. In diesem Sinne:<\/p>\n<p>Bis bald! \ud83d\ude0a<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240911_1557011.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-30\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240911_1557011-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240911_1557011-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240911_1557011-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240911_1557011.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240909_1126001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-28\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240909_1126001-300x400.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240909_1126001-300x400.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240909_1126001-624x832.jpg 624w, https:\/\/kulturweit.blog\/gyumri2425ilka\/files\/2024\/09\/20240909_1126001.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo zusammen! \ud83d\ude42 Seid ihr schon mal mit richtig viel Gep\u00e4ck unterwegs gewesen? 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