{"id":88,"date":"2015-10-26T14:54:35","date_gmt":"2015-10-26T13:54:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=88"},"modified":"2015-10-26T15:52:19","modified_gmt":"2015-10-26T14:52:19","slug":"roadies-kuesst-man-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/10\/26\/roadies-kuesst-man-nicht\/","title":{"rendered":"Roadies k\u00fcsst man nicht"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist die Geschichte von dem Abend, an dem ich fast Ghana-Roadie einer Deutsch-Luxemburgischen Hipsterband wurde. Wenn ich nicht diese praktischen Kein-Kater-Gene h\u00e4tte w\u00fcrde ich euch jetzt wahrscheinlich erz\u00e4hlen, wie sehr mein Kopf brummt. Aber ist alles okay. Mein Sachet-Wasser schmeckt nur leider ein bisschen stark nach Raumduft, weil ich es zu nah an eben diesen gelegt hatte. Also die Geschichte beginnt nun.<\/p>\n<p>Von meinem Boss hatten wir vier Freikarten f\u00fcr dieses extrem coole Konzert gestern Abend bekommen, zu dem wir sowieso gegangen w\u00e4ren. Eine Art Elektro-Festival, das muss man unserer eingefleischten Berliner Partyseele nicht zwei Mal sagen, wir waren beim ersten Anblick des Flyers bereits Feuer und Flamme. Nach einer kleinen Quetsch-Taxifahrt zu sechst kamen wir fast p\u00fcnktlich gegen acht an der Alliance an, es gab kleine Cocktails f\u00fcr umgerechnet nen guten Euro, die erinnerten mich an meine geliebten Terremotos. Es ging dann auch schon los, aber die Band kannten wir nicht, wir hatten uns nur ein Video vorher angesehen und waren recht angetan. Als sie dann spielten, f\u00fchlten wir uns ein bisschen wie zu Hause, ich liebte es und wippte und war dankbar f\u00fcr diesen kleinen europ\u00e4ischen Input. Keine Frage, ich steh auf Ghanaischen Highlife und man hat auch schon so seine Lieblingsohrwurmmelodien, aber es geht doch nichts \u00fcber diese sanft-dr\u00f6hnenden, heimischen Elektrokl\u00e4nge mit diesem Beat, der die Ghanaer etwas zu verwirren scheint (die tanzten dazu in einem ziemlich abgehackten Robotdance-Style). Die Band erinnerte mich an Phoenix oder Woodkid, ich liebte die Mucke so sehr, dass ich denen im Anschluss gleich ne CD abkaufte. Ja, im Anschluss ging dann unsere Aktion Celebrity so richtig los. Nach dem ein oder anderen Bier war man nicht mehr ganz so eingesch\u00fcchtert von dieser Aura der C-Prominenz, die die drei Jungs umgab. Ich quatschte also mal den Drummer an, den Luxemburger, der war cool und lachte so sch\u00f6n und ich machte meine bl\u00f6den Faxen. Wir erz\u00e4hlten viel und es gab Wein, wir erz\u00e4hlten so lange, bis die Alliance die Musik ausmachte und alle h\u00f6flich rausschmiss, dan verabschiedeten wir uns irgendwie, aber verabredeten uns f\u00fcr die Republic Bar, die sich eigentlich schon zu einer Art Stammkneipentanzwumme herauskristallisiert hat. Wir stiegen ins Auto zu den spanischen Kumpels von Beatriz, ich quatschte ein bisschen Spanisch mit chilenischem Akzent, wir fuhren durch die hei\u00dfe Nacht und Javier\u2019s Auto fuhr schnell und zackig.<br \/>\nPl\u00f6tzlich standen wir vor der Bar und da war dann auch wieder der Drummer, der wich mir dann den Abend \u00fcber nicht von der Seite, ich mochte seine gr\u00fcnblauen Augen, irgendwas hatte der von Hugh Grant, ich sch\u00e4tzte ihn auf 23, obwohl der 27 war und wir machten uns einen Spa\u00df daraus, Leuten, die uns einfach so anquatschten, was vom Pferd zu erz\u00e4hlen. So war ich halb Norwegerin, halb D\u00e4nin, aber mein Opa war aus England und er war eigentlich Russe, hatte aber franz\u00f6sische und luxemburgische Wurzeln. Irgendwie sowas, das hielten wir gut durch, auch, als einer pl\u00f6tzlich norwegisch quatschte und ich ihn korrigierte, mit meinen nicht vorhandenen Norwegischkenntnisse, viel aber anscheinend nicht auf. Ich fragte ihn, wie so das Leben auf Tournee ist, wie sich das so mit den Groupies verh\u00e4lt, und er lachte immerzu und antwortete h\u00f6flich. Irgendwie waren wir pl\u00f6tzlich allein auf dem Dancefloor, leicht peinlicherweise kam immer wieder Hassan dazu (ihr erinnert euch vielleicht, der andere Gentleman von vor ein paar Wochen) und legte ein seltsames Platzhirschverhalten an den Tag, fasste mir immer wieder um die H\u00fcfte und machte einen auf besorgten Boyfriend, oh Mann, sowas kann ich ja gar nicht leiden. W\u00e4ren wir Sims gewesen, so w\u00e4ren da zwei dicke Minus Minus \u00fcber meinem Kopf gewesen, bei jeder seiner Aktionen. Aber irgendwann wurde es ihm dann anscheinend doch zu bl\u00f6d, Kathi wurde von zweien belagert und ich dachte, es w\u00e4re nun an der Zeit, einen gepflegten polnischen Abgang an den Tag zu legen, also fl\u00fcsterte ich ihr zu \u201eKathi, ich glaube, ich muss mich gleich \u00fcbergeben, wollen wir den polnischen machen?\u201c, ihr kam das ganz recht, also verabschiedete ich mich von meinem Kavalier, der sich die Gelegenheit nicht entgehen lie\u00df, irgendwie an meiner Wange zu kleben und mir ein f\u00fcr die sp\u00e4ter Stunde doch sehr h\u00f6fliches, aber dennoch \u00fcber die Ma\u00dfen peinliches \u201eDarf ich dich k\u00fcssen?\u201c ins Ohr zu hauchen. Meine Logik zu der Stunde war nat\u00fcrlich auf Level 1000, sodass ich dann sehr wortgewandt \u201eIch kenn dich doch gar nicht!\u201c herausbrachte, er lachte nur wieder, der Mann mit dem Kreuzberger Waschb\u00e4r auf dem T-Shirt, und rief mir hinterher, ich solle doch Morgen um 10 auf jeden Fall mit nach Takoradi kommen. Kathi und ich verschwanden in der schw\u00fclen Accraer Nacht, in der ich lauthals \u201eYou look WAO!\u201c schreiend durch die Gegend wackelte und gackerte, wie ich das von meinem Mentor Papa Joe gelernt hatte. Das hei\u00dft \u00fcbrigens \u201eDu siehst betrunken aus\u201c, auf Twinglisch, und zumindest zu dieser sp\u00e4ten Stunde und mit meiner sowieso v\u00f6llig rationalen 3-Uhr-morgens Logik dachte ich, das k\u00f6nnte ja vielleicht potentielle R\u00e4uber abschrecken. Das tat es dann wohl auch, wir kamen ganz easy in unserer Danquah-Circle-Nachbarschaft an und ich fiel zufrieden in mein Bettchen. <\/p>\n<p>Aber naben all dem Rumgepartye gab es ja auch noch ein bisschen Arbeit, so war ich am Donnerstag bei einem Workshop in einer Schule in Kotobabi, da bringt eine deutsche Band den Schulkindern gerade bei, wie man mit selbstgebastelten Didgeridoos coole Mucke macht. Die Kinder waren goldig und lachten und tanzten und waren ganz entz\u00fcckt von uns Oborunis, das war schon ziemlicher Bilderbuch-Kolonialstil, deswegen lag die ganze Zeit eine leicht unangenehme Peinlichkeit in der Luft, aber zum Gl\u00fcck sehen kleine Kinder ja noch nicht den b\u00f6sen wei\u00dfen Ausbeuter in dir, also fuhren sie mir nur duch meine Haare und kicherten und sahen mich an mit ihren gro\u00dfen Kulleraugen. Ich habe wieder ganz viele Fotos gemacht und heute, ja heute, da klappt das dann hoffentlich mal mit dem Hochladen, denn gestern war der Dumsor wieder am Start, abner davon erz\u00e4hle ich gleich mehr. Eigentlich wollte ich euch generell alles schon viel fr\u00fcher erz\u00e4hlen, mittlerweile ist Montag und noch viel mehr passiert, also mache ich an dieser Stelle Schluss und erz\u00e4hle woanders weiter. Dies hier war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich.<\/p>\n<p>Liebe Mami, nachdem Benjamin und Papa schon Geburtstag hatten, warst du ja jetzt auch dran und ich m\u00f6chte nat\u00fcrlich nicht, das dein Tag hier zu kurz kommt. Also, nachdem du dir das jetzt alles durchgelesen hast und vielleicht nicht ganz so begeistert \u00fcber meine n\u00e4chtlichen Touren warst (ich bin aber auch nicht mehr 21, ich bin jetzt gro\u00df und anst\u00e4ndig, siehst du doch), m\u00f6chte ich doch ganz offiziell noch mal sagen: Alles Gute nachtr\u00e4glich zum Geburtstag. Danke f\u00fcr all das und noch viel mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die Geschichte von dem Abend, an dem ich fast Ghana-Roadie einer Deutsch-Luxemburgischen Hipsterband wurde. Wenn ich nicht diese praktischen Kein-Kater-Gene h\u00e4tte w\u00fcrde ich euch jetzt wahrscheinlich erz\u00e4hlen, wie sehr mein Kopf brummt. Aber ist alles okay. 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