{"id":50,"date":"2015-09-27T19:49:04","date_gmt":"2015-09-27T17:49:04","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=50"},"modified":"2015-09-27T19:49:04","modified_gmt":"2015-09-27T17:49:04","slug":"mach-das-was-du-liebst-und-mach-es-oft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/27\/mach-das-was-du-liebst-und-mach-es-oft\/","title":{"rendered":"Mach das, was du liebst und mach es oft"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Sonntagnachmittag, eine leichte Brise weht, die Sonne neigt sich langsam ihrem Untergang zu und ich sitze hier im Wohnzimmer auf meinem Sessel, h\u00f6re den lieblichen Gospelges\u00e4ngen der Kirchenband von nebenan, die genauso gut hier im Wphnzimmer sein k\u00f6nnten, der Lautst\u00e4rke nach zu urteilen. Aber ich h\u00f6re gern zu, sie sind sehr talentiert, das Schlagzeug macht alles poppiger, ein Radio braucht man hier am Sonntag nicht. Das ist der Soundtrack, den ich immer mit meiner Zeit hier verbinden werde. Ich w\u00fcrde gerne einmal r\u00fcber gehen und fragen, ob ich denn mitsingen d\u00fcrfte. Habe nur Angst vor sektenm\u00e4\u00dfigem Christenverhalten. Erw\u00e4hnte ich bereits, dass Ghana das religi\u00f6seste Land der Welt ist? Zumindest laut meinem Twi-Lehrer Chambas. Hier wird eher die Nase ger\u00fcmpft, wenn man, so wie ich das gerne ausdr\u00fccke, schlichtweg daran &#8222;glaubt, dass alles gut wird und dass es Kr\u00e4fte gibt, die wir physikalisch noch nicht erfassen k\u00f6nnen&#8220;. Auf den meisten Autos finden sich entweder auf Englisch oder Twi irgendwelche Jesus- oder Gottanspielungen, selbst die Waschsalonbrosch\u00fcre bedankt sich und f\u00fcgt &#8222;God bless you&#8220; hinzu. F\u00fcr meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Aber n\u00e4chsten Sonntag w\u00fcrde ich doch gerne mal vorbei schauen. Seitdem ich n\u00e4mlich &#8222;Sister Act&#8220; gesehen habe, wollte ich immer gerne in so einen richtig coolen, leidenschaftlichen Gospelchor. <\/p>\n<p>\u00dcbrigens habe ich jetzt meine offizielle Postanschrift herausgefunden! Wenn mir jemand ganz urig Brief- und Kartenpost zukommen lassen m\u00f6chte, so sende er diese bitte an folgende Adresse:<br \/>\nElisa Teichmann<br \/>\nc\/o Maxwell Amponsah<br \/>\nG13 Manet Ville DTD<br \/>\nEast Airport (5km)<br \/>\nGHANA<\/p>\n<p>Jemand kann das ja mal spa\u00dfeshalber ausprobieren, nur um zu sehen, ob es klappt. Was zum Beispiel diese 5 km da zu bedeuten haben &#8211; mir v\u00f6llig schleierhaft. Aber gut, wir werden sehen.<\/p>\n<p>Zwei Wochen sind bereits seit meiner Ankunft vergangen und die Zeit vergeht mal wieder wie im Fluge. Das wird wahrscheinlich noch forciert werden, wenn man sich so mein Wunschprogramm der n\u00e4chsten Wochen ansieht. Max, Kathi und ich haben gestern mit unserem &#8222;Insanity Programme&#8220; angefangen (Das erinnert mich schmerzlich daran, dass man in seinem Leben an einen Punkt kommt, an dem man jemandem so dringlich gern etwas erz\u00e4hlen m\u00f6chte und feststellen muss, dass das nicht m\u00f6glich ist, einfach so, weil man selbst Schuld ist. Vielleicht?), es ist hart und es ist Drill und Schwei\u00df und Seitenstechen, aber oh, es f\u00fchlt sich so gut an, wenn man dann unter der kalten Dusche steht, die man l\u00e4ngst als selbstverst\u00e4ndlich ansieht, und sich selbst auf eine neue K\u00f6rperform und ein neues, wohl noch nie dagewesenes, Fitnesslevel zusteuern sieht. Wir sind daf\u00fcr \u00fcbrigens freiwillig am Samstag um 7 Uhr aufgestanden. So wollen wir das jetzt jeden Samstag, Dienstag und Donnerstag handhaben. Unter der Woche allerdings ab 6 Uhr. Das ist ein gutes Stichwort, denn f\u00fcr Montag, Mittwoch und Freitagmorgen haben Kathi und ich ein neues Projekt: einen Franz\u00f6sischkurs an der Alliance Francaise. 45 Stunden, an den drei Tagen zwischen 6 und 7.30 Uhr morgens. Ich sage ja, es wird hart, ich wei\u00df auch noch nicht ganz genau, ob wir das zeitlich und kr\u00e4ftem\u00e4\u00dfig wirklich gut getaktet kriegen, aber wir sind hoch motiviert und voller Vorfreude auf unser Kn\u00fcpperkn\u00fcllerprogramm. Morgen wollen wir also erstmal hin, um uns zu registrieren und ich muss auch noch einen Einstufungstest ablegen (auf den ich mich am Wochenende auch reichlich vorbereitet habe, um wenigstens in einen fortgeschrittenen A2 Kurs zu kommen). Wir haben n\u00e4mlich zuf\u00e4llig beideeinen Partner mit franz\u00f6sischer Muttersprache. Jetzt wollen wir uns mal in Richtung dieses Niveaus bewegen. <\/p>\n<p>Max tanzt hier gerade ganz fr\u00f6hlich durch&#8217;s Wohnzimmer, weil er gleich auf eine kleine Gartenparty geht, die von einem seiner Oboruni-Hockeykumpels ausgerichtet wird. Mit dem hatten wir gestern auch das Vergn\u00fcgen, als wir zum Hockeyspiel mitkamen und zusahen. Ich hasse jeglichen Teamsport aus vollstem Herzen, aber ich sehe den talentierten und konzentrietern Sportlern gern zu und analysiere dann gern bestimmte Gestiken und Mimiken. Da spielten dann gestern Kanadier, Schweden, Ghanaer, Griechen, Deutsche und ich wei\u00df nicht wie viele Nationalit\u00e4ten zusammen Hockey in der untergehenden Sonne und wir drei M\u00e4dchen schauten zu und freuten uns am Spiel. Oh, ich habe ja noch gar nicht die liebe Beatriz erw\u00e4hnt! Das ist unsere neue Mitbewohnerin aus Spanien, die bis Ende Januar hier an der Spanischen Boschaft zum Praktikum eingesetzt ist. Kathi und ich haben sie sofort ins Herz geschlossen und jetzt sind wir schon ein stabiles M\u00e4dchen-WG-Team. So waren wir dann gestern auch gleich zusammen aus, da kamen noch Max und der gute Prof. Ken mit, Papa Joe blieb zu Haus, dann waren da noch drei andere Kerle, die sagten, sie seien Br\u00fcder, aber hier ist man immer Bruder, wenn man nicht genau nachfragt. Eigentlich waren sie n\u00e4mlich Cousins. Zumindest zwei davon. Sind mir nicht direkt vorstellig geworden, habe mit dem einen dann getanzt, der hatte ein wei\u00dfes Hemd und war recht h\u00f6flich. Aber J\u00e9r\u00e9my ist das nicht. Dann wende ich meinen Blick eher ab, aber strahle h\u00f6flich in die Kamera und denke doch nur an meinen Jungen aus Xouaxange. Nat\u00fcrlich gab es wieder Wengeze, diesmal machten wir eine Art Club-Hopping, durch vier verschiedene Locations, ich muss sagen, Accras Nachtleben kann sich sehen lassen. <\/p>\n<p>Ein weiteres Highlight gestern stellte das traditionelle Fufu-Essen dar. Dazu zerdr\u00fcckt man Kochbananen und gekochte Kasawa mit einem gro\u00dfen Mahlstock in einer Holzsch\u00fcssel, drau\u00dfen im Garten, einer steht und stampft, der andere sitzt und f\u00fcgt benannte Zutaten hinzu. Das fertige Produkt erinnerte dann an &#8211; unseren guten alten, seidenen Kartoffelklo\u00df. Allerdings wurde der dann in roter So\u00dfe getr\u00e4nkt, obendrauf noch etwas Rind und Fisch, man a\u00df mit den Fingern. Ich bestellte zwar bei Max die &#8222;milde So\u00dfe&#8220;, aber leider kennt man das hier nicht. Auch bei der milden Variante brannte mir nach ein paar Bissen der komplette Mundraum, inklusive Speiser\u00f6hre. Es war lecker, ich a\u00df nicht viel, ich wollte etwas, um alle m\u00f6glichen Troublemaker-Bakterien in meinem K\u00f6rper abzut\u00f6ten und dann war ich zufrieden. FDH wird einem hier leicht gemacht. Als Lunch-G\u00e4ste empfingen wir Lisa und ihren Freund Sammy und Talitha. Es war herrlich, da auf unserer Veranda in der Sonne. Ich sollte noch mehr Fotos hochladen! Kommen sofort.<\/p>\n<p>Am Freitagabend f\u00fchrte uns Max zur Schneiderin seines Vertrauens, hinten in der Stra\u00dfe. Es war bereits dunkel und ihr Laden war geschlossen, aber dennoch \u00f6ffnete die sehr liebensw\u00fcrdige und t\u00fcchtige Frau ihr Privathaus f\u00fcr uns, schloss ihren Laden auf, h\u00f6rte sich unsere W\u00fcnsche an und nahm unsere Ma\u00dfe. Ihr eigenes Kleid, was sie selbst geschneidert hatte, sa\u00df wie angegossen. Sie war sehr herzlich und arbeitete schon jetzt mit einer unglaublichen Pr\u00e4zision, Hingabe und Expertise. Wir waren uns eigentlich sicher, dass wir unsere Stoffe in gute H\u00e4nde gegeben hatten. Jetzt sind wir gespannt auf n\u00e4chsten Sonntag, wenn wir unsere ersten, ma\u00dfgeschneiderten Kleider abholen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Am Freitag machten Becky und ich uns auf, die von mir entworfenen Flyer f\u00fcr den Deutschen Tag in der Stadt zu verteilen. Dazu &#8222;mieteten&#8220; wir ein Taxi, was uns f\u00fcr die n\u00e4chsten anderthalb Stunden durch Accra fahren sollte, um die Flyer in Superm\u00e4rkten, Partnerinstitutionen und Bars zu verteilen. Ich stie\u00df auf die Kaya Bar, die ich unbedingt ausprobieren muss. Und ich will ins Kino und ins Nationaltheater. Ich will alles und zwar&#8230;nicht sofort, sondern innerhalb der n\u00e4chsten, knapp 5 Monate. Als wir dann Becky beim Haus ihrer Mutter abgesetzt hatten, die ich noch schnell kennenlernen durfte, genauso wie ihre kleine Tochter Debbie, fuhr ich alleine im Taxi ins Institut zur\u00fcck und war sehr zufrieden. Meine zweite Arbeitswoche war vor\u00fcber und ich hatte das Gef\u00fchl, dass ich mit dieser Stelle einen Traumjob abgegriffen hatte, in dem ich bereits jetzt eine echte Stimme hatte, die ernst genommen und gew\u00fcrdigt wurde. \u00dcbrigens ist Becky wieder schwanger, ich erfahre Morgen, wei weit sie ist. Vielleicht bin ich ja dann am gro\u00dfen Tag noch hier. Auch unsere &#8222;schwangere Mieze&#8220; wie ich unsere tr\u00e4chtige Haush\u00fcnden gerne nenne, kriegt in der kommenden Woche ihre Babies. Ohhh, da gibt es Welpen, Welpen, Hundebabies! Ich will die Kamera z\u00fccken und euch mit den Bilder VERz\u00fccken. <\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chte ich euch noch einen wundersch\u00f6nen Motivationsspruch mitgeben, der in dem Club gestern an eine Wand geschrieben war:<br \/>\n<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/files\/2015\/09\/tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/files\/2015\/09\/tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500-300x300.jpg\" alt=\"tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500\" width=\"300\" height=\"300\" class=\"alignnone size-medium wp-image-51\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/files\/2015\/09\/tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500-300x300.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/files\/2015\/09\/tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/files\/2015\/09\/tumblr_lhkgdrGbYT1qg22k5o1_500.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>H\u00f6rt, h\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Sonntagnachmittag, eine leichte Brise weht, die Sonne neigt sich langsam ihrem Untergang zu und ich sitze hier im Wohnzimmer auf meinem Sessel, h\u00f6re den lieblichen Gospelges\u00e4ngen der Kirchenband von nebenan, die genauso gut hier im Wphnzimmer sein k\u00f6nnten, &hellip; <a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/27\/mach-das-was-du-liebst-und-mach-es-oft\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1685,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[],"class_list":["post-50","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50"}],"collection":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1685"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":52,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions\/52"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}