{"id":48,"date":"2015-09-24T23:04:26","date_gmt":"2015-09-24T21:04:26","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=48"},"modified":"2015-09-24T23:04:26","modified_gmt":"2015-09-24T21:04:26","slug":"ein-markt-und-zwei-gentlemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/24\/ein-markt-und-zwei-gentlemen\/","title":{"rendered":"Ein Markt und zwei Gentlemen"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind zur\u00fcck von der gro\u00dfen Makola-Market-Experience, ein Highlight, was man sich als eingefleischter Neu-Accraer nicht entgehen lassen sollte. Heute war der Beginn des Muslimischen Opferfestes und deswegen hatte das Institut geschlossen, Wir nutzen den Abend gestern und den Tag heute also als einen weiteren kleinen Zwischenurlaub.<\/p>\n<p>Ganz standesgem\u00e4\u00df starteten wir in unseren Vorfeiertagsabend mit einer Portion Indomie, ein Nudelgericht, was man hier abends an jeder Ecke bekommt. Im Grunde sind das T\u00fctennudeln, denen allerlei Zutaten wie Ei, Fisch und Gem\u00fcse zugemischt werden, das ist dann ganz fettig und hei\u00df und lecker, Junge. Ganz fein und schick waren wir, SATC-Style in Accra, aufgebrezelt zu unseren &#8222;Dates&#8220; und ihrem Auto stapfend, die uns zu einer Art Salsa-Club bringen wollten. Unsere (absoluten Pro-Forma) Dates waren \u00fcbrigens Hassan und Toffic, die beiden Kerle, die wir am Samstagabend in der Republic aufgegabelt hatten. Da waren wir dann also, wurden zum Club gefahren und alles war ungew\u00f6hnlich fancy. Dort angekommen trauten wir unserern Augen kaum ob der gruselig talentierten Rampens\u00e4ue, die da in allen m\u00f6glichen Verbiegungen Salsa tanzten. Ich lie\u00df einen innerlichen Seufzer nach dem anderen los, weil ich das Bild von meinem Salsapartner J\u00e9r\u00e9my nicht mehr aus dem Kopf bekam, von diesem einen Abend im Mai, an dem ich ihm permanent auf die F\u00fc\u00dfe trat und er trotzdem immer so sch\u00f6n lachte und ich ein Mal Prinzessin war. Dann tanzte ein anderer mit mir und mein Blick schwiff in die Ferne, weit dahin nach Paris. Dennoch war diese Location eine Wucht.Wir tranken Bier und rauchten Shisha und ganz viele Oborunis waren da, alles f\u00fchlte sich so seltsam europ\u00e4isch und vertraut an, so exportiert. Hassans und Toffics 50er-Jahre-H\u00f6flichkeit f\u00fcgte sich nur noch so ein in dieses Europa-Feeling. Man hielt sich zur\u00fcck, obwohl das in Ghana ja eigentlich ganz anders sei. Aber man w\u00fcsste, wie die deutschen M\u00e4dchen ticken w\u00fcrden. Trotz mehrmaliger Beteuerungen, man w\u00e4re doch in festen H\u00e4nden, wollte nicht so recht aufgegeben werden. Wir lachten nur und lie\u00dfen uns treiben. Weiter in einen noch viel europ\u00e4ischeren Nachtclub (Kanada und die USA k\u00f6nnten sich von der Clubkultur hier wirklich mal was abschneiden), ich war ganz selig und ausgelassen, ich tanzte in der Mitte der Tanzfl\u00e4che und strahlte, weil ich frei war und die Musik gut und laut und ich Spa\u00df hatte. Dann sa\u00df man da mit einem Hassan, einem ghanaischen Moslem, im Norden Ghanas aufgewachsen, auf dem Land, und unterh\u00e4lt sich \u00fcber die amerikanischen Serien, die man so verfolgt hat in seinem Leben. Globalisierung ist etwas Erstaunliches und gleichzeitig urkomisch. <\/p>\n<p>Anst\u00e4ndigst wurden wir vor unserer Haust\u00fcr abgesetzt und verabschiedet. Kathi und ich fielen in unsere Bettchen, nur um bereits 6 Stunden sp\u00e4ter vom lauten Gemecker Papa Joes geweckt zu werden. Man gew\u00f6hnt sich an alles, also dreht man sich noch einmal um und l\u00e4sst Papa Joes Gebr\u00fclle einfach vorbei ziehen, zusammen mit dem Pumeluff-M\u00fcllauto und auch der enthusiastische Kirchenchorgesang, der praktisch neben einem im Bett zu stehen scheint, passiert einfach so nebenbei. Man schl\u00e4ft.<br \/>\nDann stehe ich also schlie\u00dflich doch auf und mache mir ein dunkles G\u00fctersloher Vollkornimportbrot mit Butter und Nutella (&#8222;Top Choc&#8220;, um genau zu sein, schmeckt wie geschmolzene Weihnachtskalenderschokolade) und Papa Joe mit seinem Banku und Fisch-Tomaten-Eintopf auf dem Herd sieht einen und den Teller nur verdattert an.<br \/>\nAuf der Veranda liegt Vivianna, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Wir schwatzen ein bisschen und es stellt sich heraus, dass sie Lesen nicht mag. Das finde ich schade und m\u00f6chte ihr Mut zusprechen, dass sie das richtige Buch vielleicht einfach noch nicht gefunden hat und sie deswegen bisher Lesen nur als Strafe empfunden h\u00e4tte. So ging das zumindest den beiden M\u00e4dchen aus &#8222;Der Schatten des Windes&#8220;, was ich mir gerade mal aus dem &#8222;Take away&#8220;-Regal unserer Bibliothek geschnappt habe. Ich lese gern darin, w\u00e4hrend ich auf mein Mittagessen im Institut warte. <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich fuhren wir dann los, zum Makola Market, Kathi und ich und Talitha, die dritte Kulturweit-Freiwillige in unserem Ghana-Bunde. An der Tema-Station trafen wir uns dann noch mit Lisa und zwei vor\u00fcbergehenden, deutschen Mitbewohnerinnen, die am Strand einen neuen ghanaischen Kumpel gefunden hatten. Der bestand dann darauf, uns zum Makola Market zu geleiten. Es war ein Fest dort. Diese ghanaischen Stoffe&#8230;das Herz geht einem auf, ich sag&#8217;s euch. Ich habe jetzt ein neues, bodenlanges Kleid in blau-wei\u00dfer Batik-Optik (das sollte mir der Schneider auch noch mal k\u00fcrzen, bei meiner Erdnuckelgr\u00f6\u00dfe schleift das etwas auf dem Boden&#8230;) und einen wunderh\u00fcbschen Stoff, der mir f\u00fcr den gro\u00dfen Botschaftsempfang nur noch in ein wunderh\u00fcbsches Kleid geschneidert werden muss. Max will uns Morgen zur Schneiderin seines Vertrauens f\u00fchren. Oh, wie bin ich gespannt.<br \/>\nAu\u00dferdem habe ich noch ein paar coole Fotos schie\u00dfen k\u00f6nnen, die sollte ich mal hochladen, wenn das Internet durchh\u00e4lt. Ich habe \u00fcbrigens schon einige hochgeladen, schaut doch mal bei &#8222;In Farbe und bunt&#8220; vorbei. <\/p>\n<p>Mogen will ich au\u00dferdem noch zur Alliance Francaise und mal nachpr\u00fcfen, ob ich nicht vielleicht auch noch einen Franz\u00f6sischkurs machen k\u00f6nnte. Immerhin haben wir hier viele frankophone Kollegen, die ja auch angemessen mit uns Konversation f\u00fchren m\u00f6chten. Ansonsten falle ich jetzt gleich erstmal ins Bett. Dick und rund von Max Standargericht, scharfer roter Fischeintopf mit Reis. Ich glaube, langsam gew\u00f6hne ich mich an die Sch\u00e4rfe. <\/p>\n<p>Dann w\u00fcnsche ich &#8222;Eid Mubarak&#8220; und eine gute Nacht. Oh, die Frau aus dem Tante-Emma-Laden erkennt mich jetzt \u00fcbrigens schon und unterh\u00e4lt sich auf Twi mit mir. Nette Nachbarn sind was Tolles. Ich sollte sie mal nach ihrem Namen fragen. Lernt eure Nachbarn kennen! \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Bis die Tage (am Samstag ist ne Poolparty bei Oborunis, es k\u00f6nnte wieder ein paar spannende Geschichten geben, dran bleiben :p )!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind zur\u00fcck von der gro\u00dfen Makola-Market-Experience, ein Highlight, was man sich als eingefleischter Neu-Accraer nicht entgehen lassen sollte. 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