{"id":46,"date":"2015-09-22T19:07:38","date_gmt":"2015-09-22T17:07:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=46"},"modified":"2015-09-22T19:07:38","modified_gmt":"2015-09-22T17:07:38","slug":"theres-a-man-with-a-gun-over-there-telling-me-nothing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/22\/theres-a-man-with-a-gun-over-there-telling-me-nothing\/","title":{"rendered":"&#8222;There&#8217;s a man with a gun over there, telling me&#8220;&#8230;nothing"},"content":{"rendered":"<p>Gerade flatterte mir hier eine Einladung des deutschen Botschafters &#8222;zu einem Empfang aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit&#8220; auf den Schreibtisch. &#8222;Elisa Teichmann und Gatte&#8220;. Ich f\u00fchle mich geschmeichelt. Schade nur, dass mein &#8222;Gatte&#8220; in Frankreich ist. So sehr in Anf\u00fchrungszeichen setzen muss ich das hier eigentlich gar nicht. Wir haben uns hier angew\u00f6hnt, dadurch, dass dich jeder m\u00e4nnliche Kontakt nach deiner Handynummer und nach einem potentiellen boyfriend fragt, zu erz\u00e4hlen, dass wir verheiratet w\u00e4ren. Gestern fragte mich einer, wo denn mein Ehemann sei und ich sagte, in Frankreich. Er antwortete mir dann &#8222;Du musst deinen Mann wirklich lieben, so wie du l\u00e4chelst, wenn du von ihm sprichst&#8220;. Das war ein s\u00fc\u00dfer kleiner Hollywood-Kitsch-Moment in einem Taxi im verschlafenen Ort Winneba. Urspr\u00fcnglich mal &#8222;Windy Bay&#8220;, der Einfachheit halber ein bisschen vernuschelt. Es war ganz entz\u00fcckend da. Wir entdeckten hinter einem unscheinbaren Gartentor mit rostiger, altehrw\u00fcrdiger Glocke ein magisches Paradies mit Bananen- und Papayab\u00e4umen, Kokosnussreis und Bananenporridge. Das Wasser wurde durch ein so geschickstes System gefiltert, dass man sogar aus der Leitung trinken konnte. Wir schliefen in einer Art Bambus-Baumhaus, das wackelte, wenn einer die Treppe hoch kam. Kathi und ich konnten unser Gl\u00fcck gar nicht fassen, die beiden Besitzer des Summeryards, Bob Marley noch einmal und eine Ghana-Australierin waren die herzallerliebsten Menschen und wir glaubten, ein kleines Paradies mit Hintertor zum Strand gefunden zu haben.<\/p>\n<p>Zwar lernten wir am n\u00e4chsten Morgen, dass der Strandabschnitt jenseits des Meerwasserpools vornehmlich als \u00f6ffentliche Toilette und M\u00fcllplatz genutzt wird (da bricht das Herz, bei so viel M\u00fcll und Schei\u00dfe, entschuldigt, aber das kann doch wirklich keiner mit ansehen), aber leider scheint das an der K\u00fcste Gang und G\u00e4be zu sein, wie man auch aus Kokrobite h\u00f6rt. Das akzeptiert man dann und l\u00e4uft schweigend daran vorbei, peinlichst auf seine Schritte achtend. <\/p>\n<p>Irgendwie verzettele ich mich st\u00e4ndig mit meinen Erz\u00e4hlungen. Es passiert einfach so viel, dass ich manchmal gar nicht mehr wei\u00df, wo ich anfangen und aufh\u00f6ren soll. Da war zum Beispiel die Ziege im Tro-Tro, am Sonntag auf dem Weg nach Winneba. Sonntag, da Montag, also gestern, Feiertag war, founders day, Kwame Nkrumahs Geburtstag, der erste Pr\u00e4sident der Republik. Das arme Ding wurde hinter uns in den nicht vorhandenen Kofferraum gequetscht und musste dort an die zwei Stunden verharren, ganz still und reglos. Wir hatten zwar auch nicht viel mehr Platz als das Zicklein, aber immerhin waren unsere K\u00f6pfe weit oben am Fenster und bekamen reichlich Zugluft ab. Im Stau kauft man gerne von Stra\u00dfenk\u00e4ufern mit immer gleichem Tonfall &#8222;Plantaaaiiiin&#8220; ab, k\u00f6stlichste Kochbanenenchips f\u00fcr umgerechnet ca. 25 cent. Dann f\u00e4hrt man los \u00fcber eine Buckelpiste vom Busbahnhof aus, es riecht nach Benzin, verbranntem M\u00fcll, Exkrementen und in der Sonne faulendem Fisch, jemand rennt vor&#8217;s Tro-Tro, Marktschreier preisen ihre Ware an, die Sonne brutzelt, allerlei Lebensmittel am Stra\u00dfenrand feil geboten, H\u00e4hne kr\u00e4hen, H\u00fchner gackern und laufen \u00fcber die Stra\u00dfe. Man schwitzt in der hohen Luftfeuchte und erfreut sich an diesem aufregenden Treiben da drau\u00dfen. Und fragt sich, ob man das angebotene Fleisch tats\u00e4chlich noch so kochen k\u00f6nnte, dass alle Bakterien restlos abget\u00f6tet w\u00e4ren. Aber das ist eine andere Geschichte.<br \/>\nAls wir dann mit Becky, Chris und Kathi am Strand von Winneba lagen, da kam das Urlaubsgef\u00fchl dann so richtig auf. Die Wellen rauschten m\u00e4chtig, wir trauten uns nicht ins Wasser, die Str\u00f6mungen sind hier sehr stark und t\u00fcckisch. <\/p>\n<p>Am Samstag wollten wir uns Accra ein bisschen ansehen, zun\u00e4chst versuchten wir es bei Lisa in der N\u00e4he, am Independence Square, mit ein bisschen Strandgucken &#8211; leichter gedacht als getan. Denn an diesem Tag hatten sich einige findige Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner gedacht &#8222;Richten wir doch eine kleine Strandgeb\u00fchr f\u00fcr alle Wei\u00dfen ein&#8220;. Nat\u00fcrlich vollkommen l\u00e4cherlich und wir wollen die Korruption ja auch nicht haltlos unterst\u00fctzen. Also orientierten wir uns an freundlichen Locals und fanden ohne Geb\u00fchr zum Strand. Nicht ohne vorher noch ein kleines Intermezzo mit einem Kerl in Milit\u00e4runiform zu gehabt zu haben, der offenbar zu seinen Hobbies Touristen erschrecken z\u00e4hlte. Zumindest kam der einfach an, als ich mit seinem Kollegen diskutierte, warum wir uns denn nicht das Osu Castle ansehen d\u00fcrften, wir w\u00fcrden ja schlie\u00dflich auch Eintritt bezahlen. Offenbar wusste niemand irgendetwas. Da konnten nur noch Maschinengewehre sprechen. Wir machten uns fassungslos von dannen (ohne Schussverletzung, Mama, wirklich).<br \/>\nAbends ging es dann weiter, meine erste, richtige &#8222;Night out&#8220;, die komplett unter dem Titel &#8222;Wengeze&#8220; stand &#8211; Underberg, nur noch schlimmer. Simbas letzte Nacht war das, also wurde auf Wengeze bestanden. Das Bier war super da, &#8222;The republic&#8220; eine absolut charmante Bar, die laut meines Lonely Planets auch in Brooklyn nicht fehl am Platz w\u00e4re. Wir am\u00fcsierten uns k\u00f6stlich, tranken und lachten und tanzten und sprachen mit Nordghanaern \u00fcber die europ\u00e4ische Fl\u00fcchtlingspolitik. Hut ab f\u00fcr soviel au\u00dferkontinentales Interesse in diesem jungen Alter!<\/p>\n<p>Es ist wirklich spannend hier, die \u00dcberraschungen h\u00e4ufen sich. So gab es da dieses M\u00e4dchen in der Marina Mall, ich stand nur ganz unschuldig vor dem Supermarkt und wartete auf Chris und Kathi und sie kam an, stellte sich neben mich, hielt ihr Handy \u00fcber uns, zum Selfie bereit und sagte dann &#8222;Smile, smile for me!&#8220;. Okay. So f\u00fchlt man sich also als Elefant. Oder Babykatze. Oder Koala. Das war extrem seltsam. Ich war so perplex, dass ich nichts sagte, nur l\u00e4chelte. Manchmal strecken Leute auch einfach die Hand nach dir aus und fassen dich an. Vielleicht meinen die ja, das bringt Gl\u00fcck. Den Schornsteinfeger frage ich allerdings vorher. Es ist alles anders, aber sehr interessant und bereichernd anders. Ich f\u00fchle mich nun nach einer Woche und reichlich mehr Orientierung doch schon fast heimisch hier, in der Ring Close (laut meines Waschsalon-Kumpels, der Manchester United und den BVB mag und mir vielleicht wegen dieses kleinen Gespr\u00e4chs einen 10 %-Rabatt gegeben hat, wohnen wir in der Ring Close &#8211; jetzt muss ich nur noch eine Hausnummer heraus finden), bei Maxwell, Kathi und Co. Auch der Mann aus dem Tante-Emma-Laden vor unserem Haus scheint ein netter Kerl zu sein, Alex, der seit 35 Jahren mit seiner Frau verheiratet ist, die auch dort arbeitet. Ich schwatzte neulich so ein bisschen mit ihm und m\u00f6chte auch immer gerne Twi mit den Leuten reden, aber die meisten hier sprechen doch leider nur Ga. Naja, ein paar Fetzen Ga muss ich mir auch noch aneignen. Und mein Franz\u00f6sisch muss endlich besser werden! Aber blo\u00df nicht mit afrikanischem Slang. Der klingt zwar nicht so unsexy wie der kanadische, ist aber trotzdem nicht wirklich classy. Dann doch lieber Oxford-English und Parisien Francais. <\/p>\n<p>Gerade hatte ich wieder mal ein Meeting mit meinen beiden Chefinnen zur Besprechung der Planung unseres gro\u00dfen Fests am 3. Oktober. Ich kann schon so viel verraten: es gibt Kuchen! Yay! Ich bin sehr gespannt auf das Event, immerhin ist es das erste gro\u00dfe, was ich mitorganisieren darf. Bleibt nur noch eine Frage: was ziehe ich an zu diesem gro\u00dfen Empfang da in der &#8222;Residenz des Botschafters&#8220;? Ich sehe mich mal wieder in eine astreine Bridget-Jones-Nummer hineinschlittern&#8230;das kann ja heiter werden. Dann \u00fcbe ich bis dahin noch ein bisschen meinen Hofknicks. Gerade hat meine liebe Lisa von meiner Einladung erfahren und fing auf einmal an, aufgeregt zu kichern und &#8222;Oh, ist das aufregend!&#8220; zu kreischen. Fand ich ziemlich s\u00fc\u00df. xD Die Situation erinnerte mich ein wenig an so eine Aschenputtel-muss-zum-Ball-und-braucht-ein-Kleid- oder Leo-hat-nichts-zum-Anziehen-und-das-dachte-sich-Ms Brown-schon-Situation. Ganz aufgeregt meinte sie dann, wir m\u00fcssten unbedingt am Donnerstag (zuf\u00e4lligerweise wieder ein Feiertag) zum Makola Market und Stoffe kaufen, damit mir dann ein traditionelles Dress geschneidert werden kann. Das finde ich auch ziemlich aufregend. Wollte ich sowieso machen: Deal. <\/p>\n<p>Jetzt muss ich gleich zum Twi-Kurs beim coolen Chambas. Dann bis die Tage. Wengezeeeee!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade flatterte mir hier eine Einladung des deutschen Botschafters &#8222;zu einem Empfang aus Anlass des 25. Jahrestages der Deutschen Einheit&#8220; auf den Schreibtisch. &#8222;Elisa Teichmann und Gatte&#8220;. Ich f\u00fchle mich geschmeichelt. Schade nur, dass mein &#8222;Gatte&#8220; in Frankreich ist. 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