{"id":28,"date":"2015-09-17T00:44:08","date_gmt":"2015-09-16T22:44:08","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=28"},"modified":"2015-09-17T00:44:08","modified_gmt":"2015-09-16T22:44:08","slug":"pillentraeume-und-andere-guriosidaedn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/17\/pillentraeume-und-andere-guriosidaedn\/","title":{"rendered":"Pillentr\u00e4ume und andere Guriosid\u00e4dn"},"content":{"rendered":"<p>Ich liege im Dunst meines M\u00fcckenschutzmittels unter meinem Mosquitonetz und ganz nah und ganz laut sieht sich jemand seit geraumer Zeit ein Fernsehprogramm auf Twi an. Das wei\u00df ich, weil ich ein paar Worte aufgeschnappt habe, die ich gestern bei Chambas gelernt habe. Ein gro\u00dfartiger und beeindruckender Kerl. Es ist generell beeindruckend, wie viele verschiedene Sprachen die Leute hier teilweise beherrschen.<\/p>\n<p>Seit drei Tagen arbeite ich jetzt am Goethe-Institut und es gef\u00e4llt mir von Tag zu Tag besser. Heute durfte ich den Flyer f\u00fcr den &#8222;German Day&#8220; am dritten Oktober entwerfen und der hat meiner Big Boss sogar auf Anhieb gefallen. Die Motivation ist also noch oder schon ganz oben. Ich bin nur momentan extrem m\u00fcde. K\u00f6nnte unter Umst\u00e4nden auch an der Malariaprophylaxe liegen, die mir tats\u00e4chlich sehr seltsame Tr\u00e4ume beschert. Nichts Be\u00e4ngstigendes, nur eben sehr Seltsames. Zum Beispiel ein Paul Rudd, den ich Anfang des 20. Jahrhunderts auf der allerersten Flugschau der Welt seine Erfindung, das Motorenflugzeg, vorf\u00fchren sehe und der dann unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden fliehen muss Das ganze spielte irgendwo dort, wo es wie an einem bayerischen Gebirgssee aussah. Es geht also rund in meinen Tr\u00e4umen. Meine liebe Freundin und Kollegin Lisa tr\u00e4umt daf\u00fcr von Gorillas, die Ghanaische Banken ausrauben und damit das Wirschaftssystem lahm legen. Auch nicht schlecht.<\/p>\n<p>Unser Sprachkurs gestern hatte etwas sehr Anheimelndes und zugleich etwas ganz Aufregendes, noch nie da Gewesenes. Dort lernten wir mit einer Frau aus Ghana, die aber nicht dort aufgewachsen ist, drei Deutschen (wovon einer ein sehr amerikanisch klingender Milit\u00e4rmann mit Bulldozerstimme ist), einer Deutsch-Italienerin, einem Sudanesen, einem Togoer (sagt man das so? wenn nicht dann wird er mir diesen political-correctness-fauxpas sicherlich verzeihen, der wirkte n\u00e4mlich sehr locker und sympathisch), einer Israelin und vier Amerikanern, die von einem ghanesischen Deutsch-\/ Englisch-\/ und Twi-Lehrer mit noch vielen weiteren anderen Sprachkenntnissen unterrichtet werden. Das ist eine bunte, angenehme Mischung, die irgendwie auch wieder an Schule und Uni erinnert. Es gab sogar eine kleine Hausaufgabe: wie reagieren unsere ghanesischen Mitbewohner auf kleine Gr\u00fc\u00dfe auf Twi? Max, Kobi und Papa Joe waren ziemlich begeistert und am\u00fcsiert.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Abenteuer, was ich jetzt schon insgesamt sechs Mal erleben durfte, ist mein Hin- und R\u00fcckweg zur Arbeit im Tro-Tro. Da kommt so ein kleiner, rostiger Minibus angefahren, bis unters Dach voll mit Angestellten, Sch\u00fclern, Studenten, Praktikanten, eine charakteristische Handbewegung gibt das Fahrtziel an, Fahrpl\u00e4ne oder Linien gibt es nicht. Man bezahlt dann, wenn man sitzt, umgerechnet pro Fahrt etwa 25 cent. Die &#8222;Mates&#8220;, die das Geld eintreiben, versuchen ab und an auch gern, die unwissenden Europ\u00e4er einfach mehr bezahlen zu lassen. Zum Gl\u00fcck weis mich eine Lady am ersten Tag emotionslos aber fair darauf hin, dass ich mein Wechselgeld verlangen sollte. Jetzt wei\u00df ich es besser. Man lernt schnell und h\u00f6rt gern auf die Ratschl\u00e4ge der Anwohner. Nicht mit aufdringlichen Stra\u00dfenverk\u00e4ufern sprechen (wirklich einfacher gesagt, als getan, wenn die einem hinterher joggen), nicht in der Dunkelheit allein auf die Stra\u00dfe gehen, als Wei\u00dfe nichts in der Oxford Street kaufen, weil man dann knacki 100 % drauf zahlt.<\/p>\n<p>Was mich bisher besonders beeindruckt ist, dass viele Stra\u00dfenverk\u00e4uferinnen tats\u00e4chlich schwere Lasten auf dem Kopf tragen. Kein stereotypes Postkolonialistenbild, \u00e4h-\u00e4h, das sieht man hier wirklich sehr oft. Interessant ist ebenfalls die gro\u00dfe Schere zwischen Arm und Reich, die ich bisher so nur in Paraguay beobachtet habe: ein sehr westlich aussehendes Haus mit richtigem Fensterglas aus massivem Stein und Holz und nur ein paar Meter weiter eine Wellblechbarracke. Ich muss endlich mal Fotos machen. Ich will euch mein Haus zeigen und die Stra\u00dfe (den Sandweg), in der ich wohne, die keinen Namen, daf\u00fcr aber eine W\u00e4scherei hat.<\/p>\n<p>In Anlehnung an eine Idee meiner lieben Freundin Sanny m\u00f6chte ich hier zuletzt noch eine kleine, immer wieder kehrende Kategorie aufgreifen: De Ghanaische Guriosid\u00e4dngiste. Wer das \u00fcbersetzen kann, ist klar im Vorteil. Darin packe ich zun\u00e4chst meine gestrige Begegnung mit dem Riesenquaker. So nenne ich den kleinen Frosch, der am Rande der Stra\u00dfe in den tiefen Gossen sitzt und, wenn es dunkel ist, so laut quakt, dass man sich einen zwei-Meter-Ochsenfrosch vorstellt. Ich war ziemlich platt.<\/p>\n<p>Jetzt bin ich aber wirklich ziemlich platt. Ich muss ins Bettchen. Meine Augen fallen schon zu. 40-Stunden-Woche bin ich doch nicht mehr gewohnt.<\/p>\n<p>Maadwo! Me din de Elisa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich liege im Dunst meines M\u00fcckenschutzmittels unter meinem Mosquitonetz und ganz nah und ganz laut sieht sich jemand seit geraumer Zeit ein Fernsehprogramm auf Twi an. 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