{"id":25,"date":"2015-09-15T00:50:12","date_gmt":"2015-09-14T22:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=25"},"modified":"2015-09-15T00:50:12","modified_gmt":"2015-09-14T22:50:12","slug":"akwaaba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/09\/15\/akwaaba\/","title":{"rendered":"Akwaaba!"},"content":{"rendered":"<p>Also mir reicht\u2019s hier jetzt langsam mit diesem kulturweit-Blog-Server. Ich schreibe jetzt also alles in einem guten alten Word-Dokument nieder und warte auf bessere Internetzeiten.<\/p>\n<p>Da bin ich also in Ghana und habe schon meinen ersten Arbeitstag hinter mir. Mein Kopf platzt vor Eindr\u00fccken, mein Herz vor Gef\u00fchlseisenbahnen. Aber mal janz von vorne.<\/p>\n<p>\u201eAkwaaba\u201c war das erste Twi-Wort, was mich am Flughafen in Accra offiziell auf dem Kontinent begr\u00fc\u00dfte. Nachdem der spanische Gesch\u00e4ftsmann neben mir in der letzten Reihe und ich beim Start schon unser letztes Gebet gesprochen hatten, als wir pl\u00f6tzlich einen Knall h\u00f6rten und das Flugzeug dann sehr bedrohlich und unnormal wankte, f\u00fchlte man sich nun in der tropischen Abendschw\u00fcle so richtig geborgen und wohlbehalten. Nachdem ich also meine Gelbfieberimpfung nachgewiesen, brav mein Visum gezeigt und meine Fingerabdr\u00fccke hinterlassen hatte, begab ich mich zum Gep\u00e4ckband, wo schon die meisten meiner Mitflugg\u00e4ste warteten. Leider war der Zugang, der weitere Gep\u00e4ckst\u00fccke auf das Band bef\u00f6rdern sollte, geschlossen. Hmm. Allgemeines Herumwundern, zumal durch den best\u00e4ndig sich l\u00fcftenden Vorhang nun auch dem letzten Passagier klar war, dass da so schnell wohl kein neuer Koffer angerollt kommen w\u00fcrde. Ich fragte also mal einen jungen Mann in einer gelben Weste, der zust\u00e4ndig aussah. Untr\u00f6stlich sch\u00fcttelte er nur den Kopf \u201eI don\u2019t know\u201c. Okay. Wer denn dann? Einige mitwartende ghanaische Frauen entr\u00fcsteten sich \u201eThey don\u2019t know!\u201c. Na gut. Ruhe bewahren, mein lieber Abholer Maxwell steht sicherlich (bitte bitte!) auch noch nach einer Stunde drau\u00dfen und wartet auf mich. Nachdem dann von ein paar Angestellten ein paar mal auf dem Gep\u00e4ckband herum gelaufen und fachm\u00e4nnisch geguckt wurde, kamen tats\u00e4chlich weitere Gep\u00e4ckst\u00fccke angerollt, meiner war einer der ersten, geschnappt und ab durch die Mitte. Akwaaba. Ich sah einen Bankautomaten und nutze noch schnell meine Chance, 60 Cedi, umgerechnet 15 Euro, die f\u00fcr einen Adapter, ein Fr\u00fchst\u00fcck, zwei Flaschen Wasser, ein komplettes Abendbrot und zwei Tro-Tro-Fahrten reichten und ich glaube, ich hatte immer noch etwas \u00fcbrig. Man kommt also ganz gut zurecht soweit. Na jedenfalls wollte ich dann noch gerne ein bisschen Wasser kaufen und fragte einfach mal im n\u00e4chstbesten Flughafenladen nach, derer es nur diesen einen gab. Der freundliche Verk\u00e4ufer holte ein Plastikp\u00e4ckchen voll Wasser aus dem hinteren Abteil des Ladens und schenkte es mir einfach so. Also das war eine sehr freundliche Begr\u00fc\u00dfung. Ich war total geflasht. So ging ich raus in die warme Schw\u00fcle und erblickte sogleich meinen Namen auf einem wei\u00dfen Blatt, dahinter der strahlende Maxwell, den die Wartezeit \u00fcberhaupt nicht gest\u00f6rt zu haben schien. Ein herzensguter Kerl, genauso wie sein Kumpel Kobi, die mich zusammen in mein neues Zuhause hier in Osu brachten.<\/p>\n<p>Hier lebe ich nun, mit Maxwell, Simba (ja, ich denke, er hei\u00dft wirklich so, alle Afrikaklischees beiseite lassend; sehr cooler Typ, Filmemacher, schneidet mit dem gleichen Programm wie ich, fand ich sofort sympathisch) und Papa Joe (ein m\u00fcrrischer kleiner Opi xD). Bisher sind das zumindest dauerhafte Bewohner des Hauses, Michele habe ich nur einmal kurz gesehen (laut Kobi \u201ealways partying\u201c) und Rebecca ist nur noch bis Morgen hier. Es sind wohl schon neuer Bewohner im Anmarsch und ich bin gespannt, wie die Stimmung im Haus so wird. Bisher ist es sehr angenehm. Von Maxwell wurde ich gleich am Sonntag zu meinem ersten ghanaischen Mittagessen eingeladen, Red-Red (eine Art scharfe Tomaten-Bohnensauce) mit S\u00fc\u00dfkartoffeln, Kochbananen und Banku, einem Mehl aus Manyok. Das haben wir zu dritt zusammen aus einer Sch\u00fcssel gegessen auf der Veranda, das hatte was. Heute Abend hatte er wieder gekocht, Reis mit Palmnussso\u00dfe und Fisch, sehr lecker, aber extrem scharf. Mein Magen rebelliert ein wenig seit Sonntag. Frage mich, ob das eigentlich an der Malariaprophylaxe liegt.<\/p>\n<p>Heute war bereits mein erster Arbeitstag und ich bin hellauf begeistert. Meine Stimmung hat sich von gestern auf heute um 200 % verbessert. Gestern noch von Heimweh und Gef\u00fchlseisenbahnen und \u2013achterbahnen zersch\u00fcttelt, hielt ich mich die meiste Zeit im Bett auf und sah mir auf Youtube mit einer 140 p-Qualit\u00e4t alte \u201eBerlin, Berlin\u201c-Folgen an. So was kann ich \u00fcbrigens nur empfahlen, macht was, was euch nicht nur ablenkt, sondern euch ein St\u00fcck Heimat mitgibt. Abends sch\u00e4lte ich mich dann aus dem Bett f\u00fcr eine Tour mit Simba und Rebecca zum \u201eIvorian\u201c, wo wir herrlichen Avocadosalat und gegrillten Fisch mit den Fingern a\u00dfen. Ich liebte das. Danach ging es mir schon mal besser. Stabilisierung eingeleitet. Heute Morgen wurde ich nicht nur von emsigem Stimmgewirr vor meinem Fenster geweckt, sondern auch von krampfartigen Magenschmerzen. Wat is dat hier nur mit diesen Unvertr\u00e4glichkeiten st\u00e4ndig\u2026aber alles halb so wild, nach keinem Fr\u00fchst\u00fcck (ist hier nicht so angesagt, habe mir heute aber dennoch mal M\u00fcsli und Milch geholt) brachte mich Maxwell zur Tro-Tro-Station und erkl\u00e4rte mir, wie ich von der Endstation zum Goethe-Institut k\u00e4me. Als ich endlich da war, fand ich mich an einem paradiesischen Ort wieder, mit prachtvollen Blumen, strahlenden Menschen, einer freundlichen Atmosph\u00e4re und einer sonderbaren Drucklosigkeit. Ich mochte es dort auf Anhieb. Ich lernte zuerst meine sehr liebe Praktikantinkollegin f\u00fcr die Sprachabteilung, Lisa, kennen. Meine Chefin Becky f\u00fchrte mich durch das Institut und stellte mich pers\u00f6nlich jedem Mitarbeiter vor. Es wird sich hier geduzt (Yes!). Ich habe mit Lisa zusammen ein wundervolles B\u00fcro mit Balkon und Badezimmer, es wirkt viel zu sch\u00f6n, um tats\u00e4chlich wahr zu sein. Meine Arbeit bestand am ersten Tag darin, mit Becky ein Konzept f\u00fcr die gro\u00dfe Feier zum Tag der Deutschen Einheit zu gestalten und administrativ zu organisieren. Ich f\u00fchlte mich auf Anhieb wohl. Manchmal spukte so ganz leicht ein kurzer innerer Vergleich zu \u201eKlinik unter Palmen\u201c oder \u00e4hnlichen \u201eIch habe den allersch\u00f6nsten Arbeitsplatz\u201c-Konzepten hervor. Man wird mit allem M\u00f6glichen an Deutschland erinnert (da gibt es sogar die Riesenm\u00e4rchenb\u00fccher mit den sch\u00f6nen Bildern, die wir als Kinder hatten, eine Sprachlern-CD hat heute was \u00fcber \u201eSie machen eine Stadtrundfahrt in Potsdam\u201c erz\u00e4hlt und hinter mir h\u00e4ngt gro\u00df die Deutschlandkarte), hat aber das tropische Wetter, die Sonne, die Gelassenheit der Leute und das extrem gute und frische Essen direkt vor der Nase. Das ist eine sehr reizvolle Mischung.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich habe jetzt erstmal genug geschrieben. Mal sehen, was der Server sagt. Ich m\u00f6chte mich jetzt in mein Himmelbettchen kuscheln, ja, ein Prinzessinenbettchen, mein Mosquitonetz h\u00e4ngt, meine Bilder auch, mein kleines 5qm-Reich wird zu einer richtigen, anheimelnden Wohlf\u00fchlbude. Morgen beginnt mein Twi-Kurs. Mal sehen, was ich danach so zu erz\u00e4hlen habe. H\u00f6h\u00f6.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Haut Rhin! Ist eine Region in Frankreich. &lt;3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Also mir reicht\u2019s hier jetzt langsam mit diesem kulturweit-Blog-Server. Ich schreibe jetzt also alles in einem guten alten Word-Dokument nieder und warte auf bessere Internetzeiten. Da bin ich also in Ghana und habe schon meinen ersten Arbeitstag hinter mir. 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