{"id":151,"date":"2015-12-27T13:22:16","date_gmt":"2015-12-27T12:22:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=151"},"modified":"2015-12-27T13:22:16","modified_gmt":"2015-12-27T12:22:16","slug":"ca-va-aller-lome","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/12\/27\/ca-va-aller-lome\/","title":{"rendered":"\u00c7a va aller \u00e0 Lom\u00e9"},"content":{"rendered":"<p>Fr\u00f6hliche Weihnachten. Joyeux Noel. Gerade noch so geschafft. Das waren also meine Strand- und Gourmetweihnachten in Togo und es war absolut fabelhaft und abenteuerlich. Mein Franz\u00f6sisch sprudelt jetzt, am liebsten h\u00e4tte ich direkt mit jedem Stra\u00dfenverk\u00e4ufer und TroTro-Fahrer weiter geplappert. Ich will ja so viel erz\u00e4hlen! Also jetzt, von den letzten f\u00fcnf Francophonen Ferientagen! Dann geht\u2019s mal los, Attention, immer der Reihe nach, da gab es ja noch Max\u2019 Party vor einer Woche.<\/p>\n<p>Laufen war zu dem Zeitpunkt ja leider noch nicht m\u00f6glich, meine Kr\u00fccken trugen mich also an die h\u00fcbsch dekorierte Geburtstagstafel im Garten und ich f\u00fchlte mich (wie noch einige Male danach im sch\u00f6nen Lom\u00e9) an den \u00fcberaus entz\u00fcckenden Weihnachtsfilm \u201eWe\u2019re no angels\u201c erinnert, fehlten nur Humphrey Bogart und Co., die uns in der K\u00fcche ein Weihnachtsmahl zauberten. Max hatte nat\u00fcrlich auch daf\u00fcr gesorgt, die Kirche bot sich zwar anf\u00e4nglich mit seiner Partymusik einen kleinen Wettkampf, schlie\u00dflich konnten wir uns dann aber mit guter Highlife-Mucke durchsetzen (das wird mir wirklich fehlen und ist in mich \u00fcbergegangen wie eins der Reggaeton, dort, wo man lebt, da pr\u00e4gt einen die Musik). Magnus brachte dann einen italienischen Arbeitskollegen an, mit dem wir uns zun\u00e4chst sehr angeregt \u00fcber sch\u00f6ne Metropolen Europas unterhielten, der aber \u00fcber kurz oder lang direkt zum Boyfriend-Fragen-Angriff \u00fcberging, italienisch leichtf\u00e4llig, ganz locker und unauff\u00e4llig aus dem \u00c4rmel gesch\u00fcttelt. Aber Francis und sein Kumpel kamen ja auch, der Kerl ist wie eine Art Mentor f\u00fcr mich, mein cooler, l\u00e4ssiger, gleich gesinnter Filmemacher vor Ort, ich a\u00df ein bisschen zu viel vom Geburtstagskuchen und bald darauf lachten Francis und ich zu viel, ich wollte dann M\u00fcckenschutz holen und wankte leider ein bisschen, der Rhythmus war pl\u00f6tzlich zu schnell und bedenklich, irgendwann kam dann einer und fand mich, lenkte mich ab und war dann doch viel n\u00e4her, als man das gemeinhin so m\u00f6chte und manchmal kann man sich nur in einer Zwickm\u00fchle retten. Dann singt einem einer Schlaflieder auf Twi ins Ohr und eigentlich h\u00f6rt man sie gar nicht wirklich. Nach zwei Stunden ist dann alles vorbei und an ist wieder allein und bedankt sich h\u00f6flich und ist doch etwas unzufrieden. Papa Joe sch\u00fcttelt den Kopf und ist besorgt. Aber man kann ja alles erkl\u00e4ren und es war ja nichts passiert. <\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag wankte ich noch immer mit meinen Kr\u00fccken, Lischen und ich wollten zum Tawala-Beach, die Generalprobe vor meinem gro\u00dfen Selbstversuch \u201eWestafrikanische \u00dcberlandreisen mit nur einem belastbaren Fu\u00df\u201c. Es ging, aber angenehm ist etwas anderes. Immer wieder kam dann einer an und bot seine Hilfe an, das ist wirklich zuckers\u00fc\u00df hier. In Lom\u00e9 sah das noch ein bisschen anders aus, aber dazu sp\u00e4ter mehr. Lischen und ich genie\u00dfen die vierte-Advent-Strandatmosph\u00e4re, a\u00dfen Pl\u00e4tzchen und Bread &amp; Egg. <\/p>\n<p>Am Montagmittag nahm ich zum ersten Mal wieder ein TroTro und das klappte ganz gut, am Circle bot mir eine Lady dann gleich einen Stuhl unter ihrem Sonnenschirm an und da wartete ich dann auf Chris, mit dem ich zusammen nach Lom\u00e9 fahren wollte. Am Circle mussten wir dann leider an die zwei Stunden eingequetscht im TroTro warten, aber das bot immerhin gen\u00fcgend Zeit, sich schon mal franz\u00f6sischsprachig einzustimmen oder ein paar Plantainchips zu kaufen. Das wird mir fehlen in Europa. Wenn man da im Fernbus sitzt kommt keiner ans Fenster und bietet einem von Ohrst\u00e4bchen \u00fcber Getr\u00e4nke bis hin zu Ausmalb\u00fcchern alles, alles, alles an.<br \/>\nIrgendwann ruppelten wir dann los, ich fiel sofort in einen Kopfwegkippschlaf, irgendwann wachte ich auf und filmte ein bisschen die Landschaft des Ostens, Richtung Volta Region. Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich Termitenh\u00fcgel, Palmenhoch, das war unfassbar. Ich bin immer noch ganz betroffen. Als wir nach ungef\u00e4hr vier bis f\u00fcnf Stunden in Aflao an der Grenze ankamen, bemerkte ich, dass mir ein ausgesprochen r\u00fccksichtsvoller Mensch im TroTro die Sonnenbrille geklaut hatte. Na macht ja nichts, die Alte mit den Kr\u00fccken kann sich ja ganz easy ne neue kaufen. Ja.<br \/>\nIch war jedenfalls sehr \u00fcberrascht \u00fcber die Anteilnahme und ungew\u00f6hnliche Freundlichkeit der ghanaischen Grenzbeamten. Kaum tut man sich mal was, ist man pl\u00f6tzlich Mutter-Theresa-VIP. Der Grenzbeamte h\u00e4tte auch gerne noch meine Immigration-Card ausgef\u00fcllt, wenn ich ihm nicht beteuert h\u00e4tte, dass meine H\u00e4nde und mein Kopf eigentlich ganz gut funktionieren w\u00fcrden. Auch die togolesische Seite war ausgesprochen l\u00e4ssig, ein paar Brocken Franz\u00f6sisch raus gehauen und schon freuten sie sich wie Bolle, ich freute mich auch, obwohl ich wusste, dass der freundliche Grenzbeamte mich beim Visum-Geldwechsel-ich-mach-das-f\u00fcr-dich um ein paar tausend CFAs beschissen hatte. Wir nahmen dann ein Taxi und schon ging es los mit dem Franz\u00f6sisch, es holperte noch ein wenig, aber der freundliche Taxifahrer aus Kara, wie ich herausfand, lie\u00df gar keine Sprachhemmungen aufkommen. Als ich dann an meiner h\u00fcbsche Auberge ankam, war ich ganz selig. Ein kleiner, gem\u00fctlicher Gasthof, kleiner Balkon im ersten Stock, Fensterl\u00e4den an den Fenstern, wieder einmal Teufelsinsel-Assoziationen und alle waren unglaublich niedlich. Ich f\u00fchlte mich sofort wohl und angekommen. Mein Zimmer war reizend und bot mir alles, was ich brauchte. Nach einem fabelhaften Croque Madame fiel ich in einen gl\u00fccklichen und langen Murmeltierschlaf.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen bekam ich ein Fr\u00fchst\u00fcck mit erstklassigem Baguette, Butter und Konfit\u00fcre, \u00e4ltere Herren sa\u00dfen am Nachbartisch und unterhielten sich angeregt und sch\u00e4kernd, das hatte alles was von einem tropischen Paris, nur eben entspannter irgendwie. Ich startete in meinen ersten Tag mit einer kleinen Moto-Spritztour zum Centre Artesanal, der \u201eDoucement\u201c-Kanon, der sich in den n\u00e4chsten Tagen st\u00e4ndig wiederholen sollte, nahm hier seinen Lauf. \u201eDoucement, doucement, eh! Ca va aller.\u201c Jap, irgendwann hatte ich auch eine gute Antwortleier drauf \u201eOui, bien sur, merci, ca va mieux d\u00e9j\u00e0, c\u2019\u00e9tait un petit accident\u201c. Nachdem ich da so ein bisschen herumgeschlendert war, so gut es eben ging, machte ich mich auf, ein bisschen mit den Kr\u00fccken in der Stadt herum zu laufen, nat\u00fcrlich bekam ich von allen Seiten mitleidvolle Zuspr\u00fcche zu h\u00f6ren, aber ein Mann fiel aus der Reihe. Der Anzugtr\u00e4ger war regelrecht w\u00fctend auf mich, dass ich in meinem Zustand auf die Stra\u00dfe gehe und nicht zu Hause bleibe. Ich musste ihm versichern, dass nichts gebrochen war und ich einfach nur ein bisschen trainieren wollte und mir die Stadt ansehen wollte. Da kam dann auch schon ein anderer an und fragte ich, ob er mich mitnehmen k\u00f6nnte, ich suchte doch aber einfach nur nach einer Sonnenbrille, er verschwand und ich dachte, das w\u00e4re gegessen, nach ein paar Minuten kommt der pl\u00f6tzlich mit einer Sonnenbrille an. \u201eD\u00e9sol\u00e9e Monsieur, c\u2019est pas mon style!\u201c, hab ich dann gesagt, war nat\u00fcrlich ein bisschen unangenehm, aber ist ja auch keine besonders gute Idee, f\u00fcr jemand anderen ne Sonnenbrille auszusuchen. War nat\u00fcrlich absolut niedlich, aber letztendlich fand ich in diesem Urlaub doch keine Sonnenbrille. Naja, ich schlenderte noch ein bisschen \u00fcber den \u201eWeihnachtsmarkt\u201c, der mich an den altbekannten Polengrenzenmarkt erinnerte, \u00fcberall grelles Plastikspielzeug und zu viel \u00fcberall auf einem Haufen, ich fand nichts und lie\u00df mich wieder zum Hotel fahren. Vorher bot mir der nette Louis noch eine Stadtf\u00fchrung f\u00fcr Weihnachten an, wenn er denn nicht arbeiten m\u00fcsse, ich meinte, ich w\u00fcsste ja, wo er arbeitet. Am Hotel versp\u00fcrte ich dann den Wunsch nach Obst, der n\u00e4chste Stand war aber nicht wirklich in Kr\u00fcckenreichweite, da kam pl\u00f6tzlich ein Motofahrer an und ich hielt ihn an, nichtsahnend, dass der Kerl gar kein Taxi, sondern einfach ein nette Privatmann war, ein Reiseverkehrskaufmann, wie sich sp\u00e4ter herausstellte. James nahm mich dann mit zum Obststand und bezahlte mir noch die Mango, wir plauschten \u00fcber Br\u00fcssel und Paris und \u00fcber seine Philosophie der N\u00e4chstenliebe und Zivilcourage. Ein feiner Kerl, seine Nummer habe ich auf einem Taschentuch, das hat doch etwas sehr Romantisches. Er setzte mich am Strand ab, aber da war es leider eher trostlos, keine Menschenseele weit und breit, daf\u00fcr sehr viel M\u00fcll.<br \/>\nIch machte mich alsbald wieder auf den R\u00fcckweg, nicht ohne vorher deutsche Weihnachtslieder aus dem Kindergarten der Botschaft geh\u00f6rt zu haben. Im Hotel wartete Chris schon auf mich, um sich nach mir zu erkundigen, und konnte nicht wirklich fassen, dass ich \u201ein meinem Zustand\u201c meinen Tag so gut es eben ging alleine derartig verbracht hatte. Ich erz\u00e4hlte ihm von meinen Diner-Pl\u00e4nen und machte mich dann auch bald schon auf den Weg zum Bena Grill, der hatte aber leider geschlossen und der Moto-Fahrer wusste auch nicht so recht weiter, aber er kannte immerhin die Lokalit\u00e4t meines Plans B, \u201eLom\u00e9 la Belle\u201c, was sich als absoluter Jackpot herausstellte. So gut hatte ich das letzte Mal in Frankreich gegessen, mit J\u00e9r\u00e9my. Ich war im siebten Schlaraffenlandhimmel und am Ende schrieb mir wieder so ein Jungchen seine Nummer auf, wir plauschten ein bisschen, der Gute war 19 und wollte mal gro\u00dfer Koch werden, das gefiel mir und ich best\u00e4rkte ihn darin. Ich fuhr zur\u00fcck nach Hause und verlor mich dann in einem vier- bis f\u00fcnfst\u00fcndigen Skypegespr\u00e4ch mit J\u00e9r\u00e9my, wobei die holprige Verbindung es uns wirklich nicht leicht machte, bevor ich schlie\u00dflich einschlief f\u00fcr eine weitere grasse matin\u00e9e. <\/p>\n<p>Am Mittwoch kam Kathi direkt aus Tamale, meinen restlichen Tag hatte ich mit einem Buch im Bett und im \u201eNopegali Plage\u201c verbracht, wo ich die togolesische \u201eP\u00e2te\u201c probierte, ein bisschen wie Fufu, nur mit Maismehl. Ein Polizist organisierte mir ein Motorrad, meinte, ich spreche wie eine Franz\u00f6sin und spendierte mir die Fahrt. Alles reizende Kerle in Lom\u00e9. Mit Kathi und Chris probierten wir dann unsere hauseigenen K\u00fcche aus, es war wieder eine wundervolle Gourmandie-Reise, ehrliche franz\u00f6sische Herren sa\u00dfen am Nebentisch, manchmal kam der dicke Koch aus der K\u00fcche und strahlte uns an, zwei deutsche Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner wussten nicht recht, ob sie sich jetzt gleich oder lieber erst sp\u00e4ter \u201eeins in die Fresse hauen sollten\u201c, man war wohl angeheitert, uns bescherte das den Gag des Abends.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen war Weihnachten und wir g\u00f6nnten uns ein ordentliches Omelette, Tomate-Zwiebel und K\u00e4se-Schinken, ich k\u00f6nnte noch tagelang von dieser cuisine schw\u00e4rmen. Es verschlug uns dann in ein Internetcaf\u00e9, wo wir Rico kennen lernten, der sich ebenfalls ganz aufgeregt und interessiert mit mir unterhielt, w\u00e4hrend Kathi am Computer sa\u00df. Irgendwie hatten wir den dann an der Backe, der kam also mit zum Strand, wo es uns aber nicht gefiel. Er musste dann auch in die Kirche, das kam uns recht, vorher unterhielt man sich allerdings h\u00f6flich und rege. Wir bekamen den Tipp \u201eMarcelo Beach\u201c und das sollte unser Strand-Mekka f\u00fcr diese Weihnachten werden. Dort war es sauber und sch\u00f6n und da gab es Liegen und Cheeseburger und Fruchts\u00e4fte, da kam mal ein eitler und selbstgef\u00e4lliger M\u00fcnchner vorbei und quatschte dich einfach von der Seite an, lud dich aber nicht zum Feiern ein, na so geh\u00f6rt sich das doch aber nicht. Ich muss mal die Fotos hoch laden, es war zu sch\u00f6n da, da stand ein Pferd in der untergehenden Sonne, die sich im Harmattan Blaze verlor. Kathi planschte, ich las, mal kam einer mit ner Nikon vorbei und machte einen Schnappschuss, den er uns dann gleich ausdruckte. Da steht das Datum drauf, 24\/12\/2015. Den wollen Kathi und ich noch unseren Enkeln zeigen. So knackig war die Oma mal.<br \/>\nAn Heiligabend g\u00f6nnten uns Kathi und ich dann ein Diner Noel, \u201eim Garten des Gouverneurs\u201c im Teufelsinselstyle, C\u00f4t\u00e9 Jardin, wo sogar die Rechnungsholzkistchen ein Foto verdienten, wir tranken Wein und a\u00dfen abermals wie Gott in Frankreich, wir suhlten uns regelrecht in dieser Gourmandise, kosteten jeden Moment aus, um noch lange davon zehren zu k\u00f6nnen. Es war eine stille und besinnliche Nacht, erinnerte mich ein bisschen an das Valentinstagsdinner von Carrie und Miranda, nur ohne Zoff oder Geheimnisaufdeckung. Wir deckten daf\u00fcr alte Weihnachtsgeschichten auf und sahen dem Oppa zu, der vor dem Weihnachtskaraokebildschirm stand. Anschlie\u00dfend gab es Cr\u00e8me brul\u00e9e und schlie\u00dflich sah ich aus wie im f\u00fcnften Monat schwanger und f\u00fchlte mich wie ein zehn-Zentner-Karwenzmann. <\/p>\n<p>Nach unserer Weihnachtsnacht begannen wir den ersten Feiertag wieder mit einem sch\u00f6nen Le-Galion-ptit-d\u00e8j, machten uns dann aber fr\u00fcher an den Strand, um diesmal den ganzen Tag auszukosten. Am Abend warteten schon Chris und sein Vater, (der mich unwillk\u00fcrlich an Benjamin Bl\u00fcmchen erinnerte, so ein ruhiges, freundliches, aufgeschlossenes Wesen) lange hatten sie auf uns gewartet und wir waren untr\u00f6stlich, wir hatten ja kein Internet am Strand. Es ging dann jedenfalls zu Chris Elternhaus, seine Mama begr\u00fc\u00dfte und beeindruckte uns mit ihren Deutschkenntnissen, die sie vor ungef\u00e4hr 40 Jahren in der Schule erworben hatte und Kathi und ich waren begeistert beim Studium der Inneneinrichtung \u2013 ein Wohnzimmer, was in seinen Strukturen exakt denen eines europ\u00e4ischen Elternwohnzimmers glich, nur eben mit landestypischem Touch. Schrankw\u00e4nde. Herrlich. Die Mama hatte P\u00e2te gekocht und wir a\u00dfen gemeinsam, im Hintergrund lief France 24 in Dauerschleife, ich f\u00fchlte mich erinnert an Szenen aus meinen Franz\u00f6sischbuch der 9. Klasse \u201eC\u2019est tr\u00e8s d\u00e9licieux, Madame!\u201c. Man konnte sich ganz gut unterhalten und ohne Scheu stellte ich ein paar Fragen und hoffte insgeheim, dass ich das irgendwann bei J\u00e9r\u00e9mys Familie genau so machen k\u00f6nnte, ohne mit hochrotem Kopp mich hundertmal zu verhaspeln.<br \/>\nNach dem Essen machten Chris, Kathi und ich uns auf in die Nacht, mit seinen Cousins wollten wir ausgehen, die waren auf einer Dachterrasse und man feierte soeben den Junggesellinenabschied einer Freundin. Es gab deutsches Bier, gebraut in Homburg, \u201eBecker\u2019s\u201c, franz\u00f6sischen Highlife und eine Art S\u00e9ance, wir fassten uns dann alle an den H\u00e4nden, stellten uns im Kreis auf und eine \u00e4ltere Dame des Hauses sprach auf Franz\u00f6sisch zu Gott und bat ihn, die Ehe zu sch\u00fctzen und ihr viel Gl\u00fcck zu bescheren. Ich stand da so, mehr schlecht als recht auf einem Fu\u00df und war geh\u00fcllt in Schweigeminutenpeinlichkeit, alle hatten die Augen geschlossen und nahmen das sehr ernst, ich beobachtete und schwieg anerkennend.<br \/>\nWir zogen dann weiter in eine Stra\u00dfenbar, mittlerweile waren wir gesch\u00e4tzt zehn Kerle und wir zwei filles, ich unterhielt mich dann mit Jean-Claude \u00fcber deutsche Soziologen und Literaten und irgendwann ging es weiter ins \u201ePrivilege\u201c, wo mein Fu\u00df mich tats\u00e4chlich tanzen lie\u00df, kakra n kakra nat\u00fcrlich. Wir brausten im Auto durch die laue Tropennacht, stilecht liefen laut Nana Mouskouris Greatest Hits, die ich wohl immer mit einer Lom\u00e9er Nacht verbinden werde. <\/p>\n<p>Nachdem wir nur ungef\u00e4hr drei Stunden geschlafen hatten, klopfte es unbarmherzig an unserer Hotelzimmert\u00fcr, oh wie ich es hasse, dieser s\u00fc\u00dfliche Schlaf, aus dem man mit permanentem Mark-und-Bein-Klopfen geweckt wird, Fom\u00e9 war schuld. Unser lieber Arbeitskollege aus dem Goethe hatte Wind davon bekommen, dass wir in der Stadt und in diesem Hotel waren und da fiel ihm nichts Besseres ein, als uns am Feiertag gegen 7 Uhr wecken zu lassen. Zwei Stunden sp\u00e4ter klopfte es leider erneut, weil er anscheinend einfach gekommen war. Ich hatte bereits die Schnauze voll und erkl\u00e4rte der netten Dame, dass wir ja sowieso heute abreisen w\u00fcrden und leider gar keine Zeit h\u00e4tte. Oh Fom\u00e9. Wat machst du eigentlich\u2026<br \/>\nF\u00fcr das Hotelpersonal mussten wir dann den Anschein der \u201elasterhaften Fr\u00e4ulein aus der Gro\u00dfstadt\u201c gemacht haben, nachdem wir jeden Tag M\u00e4nnerbesuch erhalten hatten, zwei M\u00e4nner im Hotel angerufen uns sich nach uns erkundigt hatten und uns einer am letzten Tag verfolgte und uns nicht so richtig von der Seite weichen wollte. Auf jeden Fall bekam ich diesen Eindruck, als uns der Chef beim Auschecken mit einer Mischung aus Sensationalismus und freudiger Emp\u00f6rung in den Augen auf s\u00e4mtliche M\u00e4nner ansprach und die entsprechenden Hintergr\u00fcnde wissen wollte. Die Auberge hatte ihrem 50er-Jahre-Heimatfilmcharme wirklich alle Ehre gemacht. <\/p>\n<p>Das war sie also, meine Weihnachtsreise nach Togo. Whitsunday Island, Punta del Este, Lom\u00e9 \u2013 mein Weihnachtsstrandtrio ist nun komplett und ich kann Weihnachten am Strand jedem empfehlen. Allein ist nicht einsam. Schon gar nicht mit einem guten Buch, liebensw\u00fcrdigen Dahergelaufenen oder angereisten Freunden. Weihaachten ist, was man draus macht. Und wir haben dieses Jahr so richtig auf den Putz gehauen.<br \/>\nJetzt sind wir wieder in Accra und ich habe soeben das erste Mal nach Monaten ein Toffifee und ein Rocher verputzt. Caro ist hier und ich freue mich wie ein kleines M\u00e4dchen. Ich glaube, die Umstehenden am Flughafen fanden das sehr niedlich, wie wir uns gestern in die Arme gefallen sind und gejauchzt haben. Jetzt kann ich auch wieder richtig laufen, weil ich so eine fancy Bauerfeindorthese mitgebracht bekommen habe, eheee. Na dann werde ich jetzt mal aufh\u00f6ren, um ihr mein Osu zeigen zu k\u00f6nnen. Jetzt hab ich es ja doch nicht mehr p\u00fcnktlich zum 2. geschafft. Afehyia Pa kann man trotzdem noch sagen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fr\u00f6hliche Weihnachten. Joyeux Noel. Gerade noch so geschafft. 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