{"id":148,"date":"2015-12-19T19:24:36","date_gmt":"2015-12-19T18:24:36","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/?p=148"},"modified":"2015-12-19T19:24:36","modified_gmt":"2015-12-19T18:24:36","slug":"want-go-togo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/ghanabegreat\/2015\/12\/19\/want-go-togo\/","title":{"rendered":"I want to go to Togo!"},"content":{"rendered":"<p>Der Kirchenchor singt sehr sch\u00f6n hinterm Haus. Ich h\u00f6re auch einen Beat dazu. De Presbyterianer da dr\u00fcben haben es echt drauf, besonders, wenn am Sonntag der Stars\u00e4nger wieder ausgepackt wird. Ich habe es immer noch nicht geschafft, mal r\u00fcber zu gehen. Will mich auch gar nicht auf noch mehr Religionsgeschreie einlassen, als so schon in TroTros, auf M\u00e4rkten und an Umschlagpl\u00e4tzen, die sollen ja gerne ihre Megaphonreden halten, halte ich nur nicht viel davon. Vielleicht schaffe ich das ja mal zusammen mit meiner lieben Freundin Caro, die am Samstag in einer Woche hier eintrifft. Wenn ich dann hoffentlich wieder die gewohnte 5km\/h-Speed drauf habe und keine Kr\u00fccken mehr brauche.<br \/>\nDer Unfall ist jetzt eine Woche her und nachdem ich gestern nur unter Bestialoschmerzen einschlafen konnte, hatte ich nicht mehr viel Hoffnung, dass das irgendwie was wird mit meinem geliebten Togo-Plan. Heute f\u00fchlt es sich besser and und ich hoffe, hoffe, hoffe, dass der gute Dr. Zak Morgen sagt: \u201eReis mal n bisschen rum, M\u00e4del\u201c. Oh bitte. Bitte, Dr. Zak, lassen Sie mich nicht Weihnachten in meinem Bett in meinem Mottenkugelloch verbringen. Chris f\u00e4hrt am Sonntag los und diese Gelegenheit will ich mir eigentlich nicht entgehen lassen. Naja, habe ja dann noch so gute 36 Stunden f\u00fcr eine Express-Deluxe-Genesung, bevor es losgehen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Trotz meiner Schildkr\u00f6teneinschr\u00e4nkung in dieser Woche setzte ich die Arbeit an meinem Filmprojekt fort (Der Chor hat gerade aufgeh\u00f6rt, \u201eAlle Jahre wieder\u201c zu singen\u2026Mann, die haben es aber auch echt drauf, selbst bei Harmattan und dennoch tropfenden Temperaturen so eine richtig urige Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen\u2026in 7 Tagen ist Weihnachten\u2026in einer Woche ist Weihnachten??? Ach du liebe Zeit!). Der Grieche war der letzte und komplizierteste Kandidat, ich hatte da schon ein ganz ungutes Gef\u00fchl bei der Sache und wusste eigentlich, dass er abspringen w\u00fcrde, das tat er dann auch. Meine Fragen h\u00e4tten ihn zum Nachdenken gebracht und nun m\u00fcsse er das alles erstmal verarbeiten.<br \/>\nNa gut, dann waren es halt nur noch zwei. daf\u00fcr kann ich mich jetzt wenigstens richtig auf die beiden konzentrieren, das muss ich nur noch alles ein bisschen in einen guten Stundenplan bringen, die Zeit rennt mir davon und jetzt noch viel mehr, weil ich ja nicht mehr rennen kann. Wie sch\u00f6n das war, sich im Bett zu r\u00e4keln, die F\u00fc\u00dfe auszustrecken und dann einfach aufzuspringen, wei sch\u00f6n war das, zu tanzen und einfach irgendwo mal eben hinzulaufen. Mir fehlt das sehr und ich k\u00f6nnte schon wieder heulen, wenn ich hier meinen Fu\u00df so leicht bewegen m\u00f6chte und er einen v\u00f6llig ramponierten Eindruck macht. Es geht eben einfach noch nicht. <\/p>\n<p>Leider wei\u00df ich auch noch immer nicht genau, was es nun ist. Dr. Zach wollte einfach mal so aus einem Gef\u00fchl heraus einen Gips f\u00fcr sechs Wochen anlegen, w\u00e4re halt die sicherste Variante. Nee, nicht mit mir, ich lass  mich doch hier nicht ins Bett verfrachten. Nachdem ich dann also ein bisschen mit Bismarck (ich glaube wirklich, dass das sein Vorname war) diskutiert habe und er mir geduldig auf so eine typischen Arzttafel gezeigt hat, welche B\u00e4nder genau betroffen sein k\u00f6nnten und sich dar\u00fcber wunderte, warum ich denn meine Beinhaare rasiere (warum gilt Neugierde in Deutschland eigentlich immer als Indiskretion?), einigten wir uns alle drei darauf, dass ich nun einen stabilen Mullverband, einen extra St\u00fctzstrumpf aus Neopren und absolutes Laufverbot f\u00fcr zwei Wochen erhalte. Manchmal m\u00f6chte ich schreien und heulen und in Selbstmitleid dar\u00fcber baden, dass ich genau jetzt in der Weihnachtsfeier- und Silvesterzeit eigentlich so gut wie gar nichts machen kann, was eine Distanzzur\u00fccklegung von mehr als 500 m verlangt. Dann denke ich mir aber wieder dass ich, wenn ich nur ein bisschen anders gefallen w\u00e4re, jetzt vielleicht gar nicht mehr Weihnachten feiern k\u00f6nnte. Also trotze ich dem ganzen und fahre Morgen mit Chris nach Togo, wie ich das geplant habe. Vielleicht hat es ja was Gutes und die geldgierigen Grenzbeamten verschonen mich ein bisschen mit ihrer Korruptionsprozedur. Aber mein Fu\u00df, sehen Sie nicht meinen Fu\u00df? Lischen meint &#8222;Wenn nicht du das schafft, wer dann?&#8220;. Der Krankenpfleger meint &#8222;Man sieht, dass Sie keine Ghanaerin sind. Sie k\u00e4mpfen wirklich mit aller Kraft&#8220;. Anne meint &#8222;Wenn du merkst, es geht nicht, dann kannst du ja immer noch umkehren&#8220;. Deswegen werde ich mich jetzt da durchk\u00e4mpfen. Jean-Jacques von meinem Hotel wei\u00df schon Bescheid. Ich mach halt alles ganz kakra n kakra. Um am  Strand rumzuliegen und zu lesen braucht man keinen rechten Fu\u00df. <\/p>\n<p>Am Donnerstag war unser gro\u00dfer Betriebsausflug zum Beads Market und zur Stone Lodge bei Koforidua. Das ging auch eigentlich mit Kr\u00fccken ganz gut und Marktschreier Isaac schenkte Lisa und mir zwei Schl\u00fcsselanh\u00e4nger. Das Mileid ist hier immer gro\u00df, sehr niedlich eigentlich. Wir sa\u00dfen lange Zeit im Bus, schliefen viel, bekamen guten Saft und leckere Sandwiches und alles erinnerte an Wandertag in der Grundschule, so einer, an dem man von ganz fr\u00fch morgens bis sp\u00e4t abends unterwegs war. In der Stone Lodge gab es leckeren und reichlichen Lunch und viele Pfauen, einen Pool und noch mehr Libellen. Ich lag am Ufer und fotografierte.<br \/>\nGestern Abend entschieden uns Lischen und ich spontan f\u00fcr ein kleines Weihnachtsdinner und fuhren mit dem Taxi zum Khana Khazana, einem sehr angepriesenen indischen Restaurant in Adabraka. Es dauerte eine Weile, bis der Taxifahrer mit unserer Hilfe die Stelle gefunden hatte, an der er uns absetzen musste. Leider ist das ja hier mit den Taxifahrern so, dass sie weder Stra\u00dfennamen kennen, noch Karten lesen k\u00f6nnen. Nein, das ist nicht \u00fcbertrieben, wir haben das empirisch belegen k\u00f6nnen. Als wir dort dann schlie\u00dflich angekommen waren, \u00f6ffnete sich uns ein kleiner \u00dcberraschungsruhetempel unter freiem Himmel, das Essen war ein Traum und zum Abschluss fuhr uns der Restaurantbesitzer noch nach Hause. Er erz\u00e4hlte von seinem Imperium, was sich schon auf drei Restaurants und ein Hotel in der Umgebung verteilte und war \u00fcberaus bodenst\u00e4ndig und freundlich. Zuf\u00e4lligerweise waren Kathi und ich auch bei unserem letzten Restaurantbesuch in seiner zweiten Filiale in Osu. Das hat man geschmeckt, das gleiche, feine Rezept der Butter Masala Sauce.<br \/>\nHeute Abend feiert Max seinen Geburtstag und hat schon die Veranda sehr niedlich mit Luftballons dekoriert und die St\u00fchle so aufgesellt, dass eine ordentliche Tanzfl\u00e4che zu Tage getreten ist. Naja, ich kann ja ein bisschen die Kr\u00fccken heben. Oder damit den Takt schlagen. Oder neue Kr\u00fccken-Dancemoves erfinden. Eigentlich freue ich mich auch darauf, einfach nur zu pennen. In seinem eigenen Haus kann man ja mit Leichtigkeit den polnischen machen.<br \/>\nChris sagt mir dann heute Abend Bescheid, ob wir Morgen fahren oder Montag. Jean-Jacques von meiner Auberge habe ich gesagt, dass ich Sonntag ankomme. Ich hab auch Bock, Morgen einfach loszufahren. Hopp \u00fcber die Grenze zu den Francophonen. Ach, hab ja noch gar nicht erz\u00e4hlt, dass ich jetzt offiziell mein B1-Level in der Tasche habe, eheee. C\u2019est trop cool! Also sollte das auch ganz gut klappen mit der Kommunikation. Ich freue mich auf\u2019s Essen. Und auf den Strand. Ich will ganz viel lesen und reden, wenn ich Bock habe und viel schreiben und nachdenken und myself a merry little Christmas haven. Jetzt freue ich mich auf einmal ganz doll. Vielleicht sind das Sp\u00e4tfolgen vom Diclofenac. Stimmungsschwankungen. Jetzt bin ich einfach ganz aktiv und packe schon mal. Oder lese im Reisef\u00fchrer. Oder h\u00f6re Weihnachtsmusik. Die darf ich nicht vergessen! Wie vor zwei Jahren in Uruguay. Ich mach\u2019s wie vor zwei Jahren in Uruguay. Jawohl. Brauche noch ne rote M\u00fctze. Hab ja auch nen roten Rucksack, reicht, der reicht, platzm\u00e4\u00dfig. Wie auf Victoria Island. Ich melde mich dann von den Nachbarn her. \u00c0 la prochaine!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kirchenchor singt sehr sch\u00f6n hinterm Haus. Ich h\u00f6re auch einen Beat dazu. De Presbyterianer da dr\u00fcben haben es echt drauf, besonders, wenn am Sonntag der Stars\u00e4nger wieder ausgepackt wird. 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