Vom Oktoberfest und langsam schwindenden Sprachbarrieren

Um das bekannteste Vorurteil über Deutschland noch ein wenig zu verfestigen, wird außerhalb von Deutschland das Oktoberfest ebenfalls gefeiert.

Hier in Yangon führten überteuerte Eintrittskarten in einen Hotelsaal, gefüllt mit deutschem Essen, Bier und hohen Erwartungen. Eine deutsche Oktoberfestband wurde extra nach Yangon eingeflogen, um für die richtige Stimmung zu sorgen. Bis 12 Uhr abends wurde man beschallt von deutscher Volksmusik und schaute belustigt den Betrunkenen und im Dirndl Tanzenden zu, und beteuerte das Oktoberfest, als waschechte Hamburgerin oder immerhin Norddeutsche, total absurd und lächerlich zu finden, und sowieso nur hier zu sein, weil das Ganze doch witzig sei und man in Deutschland noch nie beim Oktoberfest war, warum also nicht einmal die Erfahrung machen?

Zweifel an diesen beteuerten Aussagen kommen auf, wenn besagte Freiwilligendienst absolvierende Oktoberfestbesucherin zwei Abende hingeht, und an einem der Abende im Dirndl auftaucht.
Aber es war wirklich so, ich bin da hauptsächlich wegen der leckeren Brezeln und der Spätzle gewesen, und ja vielleicht auch bisschen wegen des Biers. Am zweiten Abend verkaufte ich, im für mich geschneiderten Dirndl, erfolgreich 30 Oktoberfest- T-Shirts (was sich nicht so viel anhört, aber am Abend davor wurden 3 verkauft, also immerhin).
Eindeutig eine witzige, absurde Erfahrung; das Oktoberfest werde ich in Deutschland trotzdem nicht besuchen.

Die schwindenden Sprachbarrieren, hm, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich habe schon in meiner Kindheit gelernt, dass Übertreibung anschaulich macht, also ist die Überschrift doch legitimiert. Dreimal wöchentlich sitze ich für 2h im französischen Institut und lerne mit 2 US- Amerikanerinnen, einer Spanierin, einer aus Hongkong und einer Engländerin burmesisch. Zwischen Lachanfällen über unsere Aussprache und Unverständnis über verschiedene Endungen im Burmesischen Sprachgebrauch ist alles dabei.
Aber meine Lehrerin Thwet (ausgesprochen: Twe) ist sehr geduldig und erklärt uns die Ausspracheunterschiede zwischen „ka“, „kah“ und „gaa“ gerne fünfmal. Bis 10 zählen kann ich inzwischen auch schon: „thoung-nya“, „ti“, „hniq“, „doung“, „lay“, „nga“ (ganz besonders tricky, wenn man nicht aufpasst, sagt man, durch falsche Betonung, Fisch), „tschau“, „kón-ni“, „sche“, „goo“, „ta-seh“ (von 0-10).
Meine burmesischen Sprachkenntnisse haben sich inzwischen von „Mingalabar“ (Hallo) auf ganze Sätze und ersten Konversationsfetzen ausgeweitet. Stolz präsentiere ich dem Garküchenbesitzer meine Künste: „Mingalabar! Shan kauzue“ (Shan nudeln) es folgt ein Lächeln und ein hochgehaltener Finger, „Ceizuba“ (Danke) und später: „Shan kauzue kaun deh.“ (Die Shan-nudeln schmecken gut.) Ein weiteres „Ceizudimbade“ (Vielen Dank!) und ein breites Lächeln beendet unsere kleine Konversation.

 

 

Ein Kommentar

  1. Antje Peltzer

    Wunderbar, liebe Helene, so an deinen neuen Erfahrungen teilhaben zu können. Hier in Groß Munzel gibt es nicht viel Neues. Heute Regenspaziergang am Steinhuder Meer, viele Erlenzweige gesammelt für die Adventsdeko, geräucherte Forelle fürs Abendbrot gekauft, Himbeerkuchen gegessen und Holger macht ein Nickerchen. Am Freitag reisen wir zu Mareike nach Dresden für 6 Tage. Freuen uns auf die Kleinen.
    Wünschen dir, dass du weiterhin mit Neugier und netten Menschen um dich herum tolle Erfahrungen sammelst. Lieben Gruß
    Antje

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