Zwischen Reisfeldern und Feuerwerken

Schon ein Weilchen her, aber trotzdem einen Eintrag wert ist mein 5-Tages Trip durch den Shan-State. Es war eine Reise, die mich über felsige Hügel, durch unendliche grüne Weiten bis hin zu einem surrealen Adrenalinkick führte.

Weniger Adrenalin-getränkt war der Beginn meiner Reise, der mit einer unendlichen Taxifahrt und einer weiteren unendlichen Busfahrt durch in Dunkelheit gehüllte Landschaft Myanmars begann. Doch dann – um 5 Uhr morgens – waren wir angekommen, in Kalaw. Kalaw gilt als Tor zum südlichen Shan-Staates und ist eine kleine aber rege Stadt mit ca. 186000 Einwohnern. Auf dem Markt, den wir kurz nach dem Sonnenaufgang besuchen, verkaufen unter anderem die Angehörigen der Pa-O, Palaung und Danu- Bevölkerungsgruppen Gemüse, Obst, Stoffe & Schmuck, Fisch, Fleisch – alles was die Seele begehrt. Zu Kolonialzeiten suchten die Briten in Kalaw nach Abkühlung und heilender Luft (im Winter können die Temperaturen hier nachts unter den Gefrierpunkt fallen). Heute suchen Backpacker nach dem perfekten Trekking Guide, um durch die Shan-Berge zum Inle-See zu wandern. So auch Kimberley und ich.

Für die nächsten drei Tage wanderten wir zusammen mit 10 weiteren Wanderwütigen zum 60 Kilometer entfernten Inle-Lake. Geschickt führten uns unsere Trekking-Guides, Momo und Elias, über felsige Hügel, durch leuchtend grüne Reisfelder, trockene rote Erde, vorbei an Kiefern , Baumbus und dem im Buddhismus heiligen Bohdibaum. Wir sahen Grüntee wachsen, Ingwer lagern und Chilis in der Sonne trocknen. Wir wurden von der Sonne aufgeheizt und vom Regen weggespült. Wir kreuzten Bauern, die ihre Wasserbüffel ins Dorf trieben, Reis ernteten oder Bambus hackten. Und am Ende jeden Tages kehrten wir in einem der kleinen Dörfer bei einer Familie ein, duschten unter Bananenbäumen und genossen leckeres Curry. 

3 Tage später, 60 Kilometer weiter und um fünf Blasen am Fuß reicher, waren wir dann am Inle-Lake angekommen. Sichtlich erschöpft, dreckig aber stolz bestiegen wir am südlichen Ende des Inle-Lakes ein Boot mit dem wir über den See brausten. Aus der Ferne sahen wir die schwimmenden Gärten, unendliche Schilfgürtel und die berühmten Einbein-Fischer, um die sich einige Touristenboote versammelten. Insgesamt sind es wohl um die 100000 Menschen, die um den See herum leben (sie nennen sich „Intha“ – die Menschen vom See).  Wie wir an unserem zweiten Tag am Inle-Lake erleben konnten, als wir auf einer Tofu-Tour sämtlich Arten von Tofu und „Sticky-Rice“ probierten, spielt nicht nur die Fischerei, sondern eben auch der Anbau von Reis, Bohnen und Erdnüssen hier eine große Rolle.

Nun aber zum Adrenalin-geladenen Teil der Geschichte: Das Ballon-Festival in Taunggyi. Einmal im Jahr, während des Mondmonats „Tazaungmon“ wird in Taunggyi ein landesweit bekanntes Heißluftballon-Festival gefeiert. Bewohner aus allen Teilen des Shan-States reisen zu diesem Anlass nach Taunggyi, im Schlepptau einen selbstgebauten Ballon, der sich im Wettbewerb als schönster, spektakulärster Ballon durchsetzen soll. Als wir auf dem Festivalgelände ankamen war es bereits dunkel und über uns stieg schon der erste Ballon auf, der einen Teppich aus tausend Kerzen nach sich in die Höhe zog. Um uns herum tanzten und sangen dutzende von Menschen. Und plötzlich waren wir mitten drin, tanzten mit ihnen, sangen mit ihnen und feuerten den nächsten Ballon an. Diesmal einer, der mit Feuerwerken bestückt war. Dampfend und rauchend richtete er sich langsam vom Boden auf, erhob sich bedrohlich nah über unsere Köpfe in die Luft, schwebte davon und malte dann ein Meer aus Funken und Glitzer in den dunklen Nachthimmel. Gespalten zwischen Faszination und Fluchtreflex (manchmal entzündeten sich die Feuerwerke nämlich schon am Boden, oder der Ballon stürzt plötzlich ab) starrten wir wie hypnotisiert in den Himmel, bis der letzte Funke weit über den Bergen erloschen war.

Foto: Kimberley Pallenschat 

Zurück in Yangon, im Arbeitsalltag und zwischen den hupenden Autos kommt mir das Ganze wie ein Traum vor – aber einer den ich nie vergessen werde!

 

 

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