{"id":90,"date":"2013-11-24T21:13:40","date_gmt":"2013-11-24T20:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/?p=90"},"modified":"2014-06-25T15:48:34","modified_gmt":"2014-06-25T13:48:34","slug":"eine-frage-der-farbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/2013\/11\/24\/eine-frage-der-farbe\/","title":{"rendered":"Eine Frage der Farbe"},"content":{"rendered":"<p>Es mag seltsam klingen, aber ja, auch im Ausland wachsen die Haare weiter. Daher bieten sich einem genau 2 M\u00f6glichkeiten: entweder, man kommt v\u00f6llig verzottelt nach Hause, weil man sich nicht zum \u00f6rtlichen Fris\u00f6r getraut hat, oder man riskiert, v\u00f6llig verzottelt im Gastland rum zu laufen, gerade weil man sich zum Fris\u00f6r getraut hat.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck ist mit den Mutigen und was f\u00fcr ein Zufall, dass an mein Fitnessstudio auch ein Beautysalon inklusive Fris\u00f6r angegliedert ist. Ein Termin war dank der guten Englischkenntnisse meines Gegen\u00fcbers schnell vereinbart und so habe ich mich heute Abend in besagtem Fris\u00f6rsalon eingefunden. Allerdings konnte da dann pl\u00f6tzlich niemand mehr Englisch und ich musste mal fix im Ged\u00e4chtnis graben was &#8222;Ich habe einen Termin zum Haareschneiden&#8220; auf Arabisch hei\u00dft.<\/p>\n<p>Im Wartebereich sitzend hab ich dann mit Entsetzen festgestellt, dass nicht nur die &#8222;Empfangsdame&#8220; kein Englisch konnte, sondern die Frau, die gerade einer anderen Kundin die Haare geschnitten hatte, ebenfalls den Eindruck machte als k\u00f6nne sie kein Englisch.<\/p>\n<p>Gut, dass ich mein W\u00f6rterbuch dabei hatte und so nochmal die essentiellsten Worte wie &#8222;Pony&#8220;, &#8222;schr\u00e4g&#8220;, &#8222;schneiden&#8220; etc. nachschlagen konnte. Das war bestimmt ein Bild f\u00fcr die G\u00f6tter: Verwirrte und von der Situation v\u00f6llig ver\u00e4ngstigte Freya beim Fris\u00f6r, krampfhaft im W\u00f6rterbuch bl\u00e4tternd, leise Worte vor sich hin murmelnd&#8230;<\/p>\n<p>Naja, es kam, wie es kommen musste. Ich war dran, durfte mich auf den Stuhl setzen, nahm all meinen Mut zusammen und fragte die nette Dame mit der Schere auf Arabisch, ob sie Englisch spreche. Ein beherztes Schnalzen mit der Zunge, was als freundliches &#8222;Nein&#8220; zu verstehen ist, lie\u00df meine Bef\u00fcrchtung wahr werden.<\/p>\n<p>Gl\u00fccklicherweise hatte ich vorgesorgt und mir ein Foto auf mein Handy geladen, das meine Vorstellungen ziemlich genau widerspiegelte. Zusammen mit den paar arabischen Worten, die mir zur Verf\u00fcgung standen, konnte ich dann &#8211; denke ich &#8211; ganz gut vermitteln, was ich wollte. In dem Moment kam dann auch noch eine j\u00fcngere Kollegin zur Hilfe, die dankenswerterweise nochmal gedolmetscht hat. Und die Sache somit endg\u00fcltig klar war.<\/p>\n<p>Meine Vorstellungen von meiner zuk\u00fcnftigen Frisur wurden dann allerdings erstmal kurz zur Nebensache, nachdem ich auf Nachfrage zugegeben hatte, dass meine Haarfarbe nat\u00fcrlich ist. Begeisterung und ehrliche Freude dar\u00fcber machte sich breit. Schwuppdiwupp hatte ich dann pl\u00f6tzlich noch 2 weitere Frauen um mich herum und alle 4 haben meine Haare bewundert und mich mit arabisch-englischen Komplimenten \u00fcber die sch\u00f6ne Farbe beschenkt. Von da an war das Eis gebrochen und der Rest der Zeremonie lief in einem lustigen Mix aus Arabisch und Englisch ab.<\/p>\n<p>Insgesamt w\u00fcrde ich sagen, dass die Situation f\u00fcr alle Beteiligten doch recht unterhaltsam war, und m\u00f6chte an der Stelle nochmal betonen, dass diese Story (ebenso wie alle anderen) ohne koloniale Gr\u00fc\u00dfe verstanden werden sollte. Alles, was ich hier in meinem Blog schreibe, sind meine ganz pers\u00f6nlichen, subjektiven Eindr\u00fccke und nicht verallgemeinerbar.<\/p>\n<p>Wer sich ein wirklich gutes Bild von Jordanien und seinen Menschen machen will, sollte mich am besten besuchen kommen \ud83d\ude09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es mag seltsam klingen, aber ja, auch im Ausland wachsen die Haare weiter. Daher bieten sich einem genau 2 M\u00f6glichkeiten: entweder, man kommt v\u00f6llig verzottelt nach Hause, weil man sich nicht zum \u00f6rtlichen Fris\u00f6r getraut hat, oder man riskiert, v\u00f6llig verzottelt im Gastland rum zu laufen, gerade weil man sich zum Fris\u00f6r getraut hat. 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