{"id":77,"date":"2013-10-19T19:31:17","date_gmt":"2013-10-19T17:31:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/?p=77"},"modified":"2014-06-25T17:01:40","modified_gmt":"2014-06-25T15:01:40","slug":"abgetaucht-ein-paar-fahren-nach-mekka-der-rest-macht-urlaub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/2013\/10\/19\/abgetaucht-ein-paar-fahren-nach-mekka-der-rest-macht-urlaub\/","title":{"rendered":"Abgetaucht &#8211; Ein paar fahren nach Mekka &#8230; der Rest macht Urlaub"},"content":{"rendered":"<p>Zum Ende des Monats, in dem ca. 2 Millionen Muslime aus der ganzen Welt die Pilgerfahrt nach Mekka auf sich nehmen, sind hier in Jordanien Ferien. Das sogenannte <em>Eid al Adha<\/em> findet statt, bei dem daran erinnert wird, wie Allah Ibrahim (Abraham) davon abgehalten hat, seinen eigenen Sohn Isaac zu opfern. Zu diesem Anlass wurden in der letzten Woche hier unz\u00e4hlige Schafe geschlachtet und ihr Fleisch an arme Menschen verteilt. Au\u00dferdem bot sich so eine gute Gelegenheit, um im gesamten Land f\u00fcr ein paar Tage Ferien zu veranschlagen.<\/p>\n<p>Auch ich hab einige Tage vorher erfahren, dass ich frei bek\u00e4me. Diese Zeit muss nat\u00fcrlich genutzt werden! Ganz logisch. Nur wie? F\u00fcr ein paar Tage nach Hause fliegen? Reizvoll, aber irgendwie nicht Sinn der \u00dcbung, wenn ich schon mal hier bin&#8230; Okay, Jordanien kann ich mir St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck an den Wochenenden erschlie\u00dfen. Also raus aus dem Land. Aber wohin? Es stehen zur Auswahl: Saudi-Arabien, Irak, Syrien oder \u00c4gypten. Unmittelbar angrenzende und wahrscheinlich f\u00fcrchterlich spannende L\u00e4nder, so vom Prinzip her. Aber alles nicht so super, um es sich mal eben spontan als blondk\u00f6pfiger Individualtourist mit seinem Rucksack bepackt durch die Gegend streifend anzusehen. Dabei sind Fahrten nach Jiddah oder Bagdad wirklich unglaublich billig von hier aus&#8230;<\/p>\n<p>Der aufmerksame Leser stellt fest: es bleibt Israel. Ja, das klingt vern\u00fcnftig. Aber nur bei fl\u00fcchtiger Betrachtung. Israel ist wahrscheinlich ziemlich sicher. Daf\u00fcr ist es unwahrscheinlich schwierig, von hier aus dahin zu kommen. Da gibt es n\u00e4mlich diese t\u00fcckischen Grenzen, an denen man laut Berichten gerne mal 6-8 Stunden oneway zubringt. Au\u00dferdem gibt es keine direkte Verbindung nach Jerusalem, was nur gesch\u00e4tzte 50km von Amman entfernt ist. Gesch\u00e4tzt deswegen, weil &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung der schwierigen Lage &#8211; noch nicht mal Google Maps eine Strecke errechnen kann&#8230; Deswegen muss man vom Taxi zum Bus und wieder in einen anderen Bus und dann ins Sammeltaxi und schlie\u00dflich in einen wieder anderen Bus umsteigen. Und wenn du dann drin bist und wieder raus willst aus Israel, kannst du noch nicht mal den direktesten Weg nehmen, weil es da angeblich Schwierigkeiten mit dem Visum gibt.<br \/>\nZu viel Stress f\u00fcr ein paar Tage spontanen Ausflug. Frustration machte sich breit.<br \/>\nIsrael, du musst leider noch etwas auf mich warten. Aber ich flieg nicht nach Hause, ohne dass ich dich gesehen habe!<br \/>\nDann bring ich halt die freie Zeit in Amman zu&#8230;<\/p>\n<p>Dann klingelt abends um 10 &#8211; ich bin schon dabei, vollkommen verzweifelt ins Bett zugehen &#8211;\u00a0 mein Telefon. Eine der kulturweit-Freiwilligen aus dem Goethe-Institut in Amman. &#8222;Du, Freya, ich fahr f\u00fcr 3 Tage ans Rote Meer, nach Aqaba. Willst du mitkommen?&#8220; Das hat mich zu dieser Uhrzeit und nach vorangegangener Desillusionierung verst\u00e4ndlicherweise etwas \u00fcberfordert. Nach kurzer Bedenkzeit und etwas Googlen sp\u00e4ter, war die Sache dann aber abgemacht und ich hatte einen Plan! Ganz so, wie es meinem Naturell entspricht! Erleichterung machte sich breit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/2013-10-16-06.58.36.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-184\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/2013-10-16-06.58.36-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/2013-10-16-06.58.36-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/2013-10-16-06.58.36-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Also wurden die Tickets f\u00fcr die 4-st\u00fcndige Busfahrt nach Aqaba besorgt und die Wahl viel dabei auf eine weniger bekannte jordanische Busgesellschaft. H\u00e4tten wir gewusst, was uns damit erwartet, h\u00e4tten wir uns wahrscheinlich anders entschieden. Die Abfahrt war f\u00fcr Mittwoch, 7.30 Uhr geplant. Also haben wir uns um 7 Uhr vor dem B\u00fcro der Busgesellschaft verabredet, wo der Bus abfahren sollte. P\u00fcnktlich wie wir nun mal eben sind, hatten wir dann also noch eine halbe Stunde Zeit und beschlossen, diese im Inneren des B\u00fcros zu verbringen. Gesagt, getan: Tasche hochgehievt und in das B\u00fcro gestiefelt, dabei nat\u00fcrlich alle Blicke auf sich gezogen, da wir die einzigen offensichtlichen Ausl\u00e4nder waren, die planten, eben mit diesem Bus zu fahren. Auf der Flucht vor all der Aufmerksamkeit und bekannterma\u00dfen ohne gro\u00dfes Talent zur Orientierung bin ich zielstrebig auf eine Ecke des Raumes zugesteuert. Doch kurz bevor ich meinen Zufluchtspunkt erreichen konnte, ruft mir meine Mitreisende etwas von hinten zu. In meinem dringenden Bed\u00fcrfnis, mich m\u00f6glichst schnell aus dem Mittelpunkt des Geschehens zu entfernen, und vor bestehender Ger\u00e4uschkulisse, hab ich nat\u00fcrlich nicht so richtig verstanden, was sie mir mitteilen wollte. Nachfrage durch kurzes hessisches Fragewort: &#8222;H\u00e4h?&#8220; &#8222;Erneuter Versuch mich zu warnen: &#8222;Wenn du noch einen Schritt machst, stehst du auf dem Gebetsteppich!!!&#8220;<\/p>\n<p>Uups. Damit hatte ich dann nat\u00fcrlich erst recht alle Aufmerksamkeit auf meiner Seite. Mist. Es war zwar nichts passiert, aber dennoch war mir die Situation mega unangenehm. Ich h\u00e4tte meine Flucht ja auch etwas geplanter antreten k\u00f6nnen.<br \/>\nN\u00e4chstes Mal!<\/p>\n<p>Nachdem wir diesen Fauxpas meinerseits verdr\u00e4ngt hatten, haben wir vollkommen \u00fcberrascht festgestellt, dass es im B\u00fcro eine Toilette gab, und gedacht, dass das eine gute Gelegenheit w\u00e4re, so vor einer 4-st\u00fcndigen Fahrt. Als sich aber die &#8222;Toilette&#8220; als das altbekannte &#8222;Loch im Boden&#8220; entpuppt hatte, sind wir von der Idee schnell wieder abgekommen.<\/p>\n<p>Also ab in den Bus, der ziemlich schnell mit halbstarken Jungs, rauchenden M\u00e4nnern und Familien mit kleinen Kindern gef\u00fcllt war. Klassisch! Okay, aber die 4 Stunden lassen sich ja wundervoll nutzen, um durch einen Blick durch das Fenster etwas von Jordanien zu sehen. Vorhang aufgezogen. Festgestellt, dass zwischen den beiden Glasscheiben, die das Fenster bilden, ungef\u00e4hr 10cm hoch das Wasser steht und nat\u00fcrlich auch kondensiert ist&#8230;<\/p>\n<p>Die Busfahrt war dann prim\u00e4r gepr\u00e4gt von einem wirklich entz\u00fcckenden Baby, das es dummerweise super unterhaltsam fand, von hinten an unseren Haaren zu ziehen, den Pubertieren, die lautstark Whitney Houston geh\u00f6rt haben, einem Fernseher, der mindestens ebenso lautstark Arab Idol abgespielt hat, 2 Passkontrollen, bei denen alle kontrolliert wurden au\u00dfer die beiden Europ\u00e4erinnen, und unz\u00e4hligen Pausen. Diese Pausen waren zus\u00e4tzlich noch von nicht gerade geringer Dauer und gingen uns dementsprechend auf den Geist.<\/p>\n<p>Bei der bestimmt 6. Pause, die auch schon wieder etwas dauerte, hab ich auf einmal ein entnervtes &#8222;So, jetzt reicht&#8217;s! Ich frag jetzt wann wir da sind!&#8220; geh\u00f6rt und meine Mitreisende hat sich energischen Schrittes aus dem Bus begeben und kam sehr wenig sp\u00e4ter mindestens ebenso niedergeschlagen und schockiert wie zuvor energisch zur\u00fcck in den Bus mit den Worten: &#8222;Das dauert so lange, weil wir einen Motorschaden haben.&#8220; Na prima, das erkl\u00e4rt einiges.<\/p>\n<p>Insgesamt hat sich die Fahrt dann \u00fcber 7,5 Stunden erstreckt, bevor wir schlie\u00dflich vollkommen fertig angekommen sind und uns sofort auf den Weg zum B\u00fcro der bekannteren Busgesellschaft gemacht haben, um unverz\u00fcglich unser R\u00fcckfahrtticket zu sichern!<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/IMG_7304.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-78 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/IMG_7304-150x150.jpg\" alt=\"Beduin Garden Village\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dann haben wir uns ein Taxi genommen, das uns in unser etwas au\u00dferhalb, daf\u00fcr aber ziemlich nah am Strand gelegenes Hotel gebracht hat. Die Unterkunft war wirklich prima f\u00fcr den Preis und hat sich redlich bem\u00fcht, die positiven Klischees, die ein westlicher Tourist von Jordanien hat, zu erf\u00fcllen (siehe Foto).<\/p>\n<p>Wir haben unsere Taschen schnell in unserem Zimmer abgestellt, vollkommen optimistisch den Bikini unter die Strandklamotten gezogen und sind \u00fcber die Stra\u00dfe direkt zum Strand gelaufen. Immerhin hei\u00dft es \u00fcberall, Aqaba sei sehr touristisch, da kann man auch mal davon tr\u00e4umen, im Bikini ins Rote Meer zu h\u00fcpfen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/WP_002145.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-186\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/WP_002145-150x150.jpg\" alt=\"WP_002145\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/WP_002145-150x150.jpg 150w, https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/WP_002145-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Touristisch ist der Strand, an dem wir waren, auch aber die Touristen, die da waren, w\u00e4ren wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen, wenn wir da im Bikini rumgelaufen w\u00e4ren. Denn der durchschnittliche Strandbesucher hat eher vollbekleidet in seinem Zelt, das er f\u00fcr mehrere Tage dort aufgestellt hatte, gesessen und Shisha geraucht oder ist gleich mit voller Montur ins Wasser gegangen. Sogar mit Schuhen. Die brauchte man allerdings auch, sonst h\u00e4tte man keine 2 Schritte gehen k\u00f6nnen ohne sich den Fu\u00df aufzuschlitzen. M\u00fclleimer waren zwar vorhanden, ihr Gebrauch wurde aber anscheinend eher verweigert und so fand sich leider allerlei Unrat am Strand, inklusive Scherben.<\/p>\n<p>Aber auch voll bekleidet sind wir an dem \u00fcbervollen Strand aufgefallen und sogar mehrfach von verschiedenen Leuten gefragt worden, ob sie ein Foto von uns machen k\u00f6nnten&#8230; Genauso wurden uns aber auch von einer Familie Getr\u00e4nke angeboten und im Vorbeigehen an einer anderen Familie sind wir angehalten und superfreundlich und sehr detailreich \u00fcber ihren Stammbaum aufgekl\u00e4rt worden. Es gibt eben \u00fcberall auf der Welt solche und solche Leute.<a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/IMG_7244.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-80 alignright\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/freyainjordanien\/files\/2013\/10\/IMG_7244-150x150.jpg\" alt=\"Sonnenuntergang am Roten Meer\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nachdem wir uns den Sonnenunterfall noch am Strand angeschaut haben (die Sonne war auf einmal so schnell hinter dem Sinai verschwunden, der auf der anderen Seite des Wassers liegt!) sind wir zur\u00fcck ins Hotel und haben von einer Schaukel aus noch quasselnder Weise etwas auf das Meer sehen k\u00f6nnen. Traumhaft!<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen sind wir ziemlich fr\u00fch zu einem Privatstrand aufgebrochen, bei dem man zwar Eintritt bezahlen musste, man sich daf\u00fcr aber im Bikini auf eine Liege unter einen Sonnenschirm an einen sauberen Strand legen konnte. Wie im Paradies! Es war wirklich wundersch\u00f6n. Meine mitreisende Mitfreiwillige konnte mich dann &#8211; Gott sei Dank &#8211; auch davon \u00fcberzeugen, mit der zuvor ausgeliehenen Ausr\u00fcstung schnorcheln zu gehen.<\/p>\n<p>Eine wirklich tolle Erfahrung! Wir waren noch nicht wirklich im Wasser drin, da war ich schon fast auf den ersten Fisch getreten. Nach einer kurzen Eingew\u00f6hnungsphase und einem mittelschweren Schock, den mir ein Taucher, den ich nicht sofort als solchen identifizieren konnte, eingejagt hatte, hab ich es wirklich genossen. Allein die Vielfalt an Korallen war faszinierend. Alle m\u00f6glichen Braun- und Graut\u00f6ne waren nat\u00fcrlich zu finden und zwischen drin quietschgr\u00fcn und -gelb, genauso wie lila und blau. Unglaublich viele verschiedenfarbige Fische haben ihre Runden gezogen und sich dabei nicht weiter von uns beeindrucken lassen, sodass man sie wunderbar beobachten konnte.<\/p>\n<p>Der drauffolgende Abend, der Ausflug am n\u00e4chsten Tag in die Innenstadt von Aqaba und die R\u00fcckfahrt haben sich wenig spektakul\u00e4r gestaltet. Nach 3 wundersch\u00f6nen Tagen und 4 Stunden R\u00fcckfahrt waren wir wieder zu Hause und der jordanische Alltag hatte uns wieder.<\/p>\n<p>Ein interessanter Satz, wenn man bedenkt, dass ich &#8222;erst&#8220; 5 Wochen hier bin. Aber mittlerweile w\u00fcrde ich sagen, dass ich mich ganz gut eingelebt habe &#8211; hier in Amman.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Ende des Monats, in dem ca. 2 Millionen Muslime aus der ganzen Welt die Pilgerfahrt nach Mekka auf sich nehmen, sind hier in Jordanien Ferien. Das sogenannte Eid al Adha findet statt, bei dem daran erinnert wird, wie Allah Ibrahim (Abraham) davon abgehalten hat, seinen eigenen Sohn Isaac zu opfern. 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