{"id":421,"date":"2014-05-18T17:06:44","date_gmt":"2014-05-18T16:06:44","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/?p=421"},"modified":"2014-05-18T17:06:44","modified_gmt":"2014-05-18T16:06:44","slug":"hinter-gittern-der-praktikantenknast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/2014\/05\/18\/hinter-gittern-der-praktikantenknast\/","title":{"rendered":"Hinter Gittern &#8211; Der Praktikantenknast"},"content":{"rendered":"<p>Windhoek, N\u00e4he Ausspannplatz. Eine Mauer, ein Elektrozaun, ein Stacheldraht. Dahinter: Ein Haus. Gitter vor den Fenstern, die T\u00fcren abgeschlossen, teilweise zus\u00e4tzlich mit Vorh\u00e4ngeschl\u00f6ssern versehen. Innen: Zwei Flure, von denen dunkelbraune Holzt\u00fcren in Ein- und Zweibettzimmer abf\u00fchren. <del>Zwei K\u00fcchen<\/del> Eine K\u00fcche und eine Abstellkammer, die die Bezeichnung K\u00fcche nicht verdient hat (nur weil da zwei Herdplatten, ein K\u00fchlschrank und ein Waschbecken stehen, ist das noch lange keine K\u00fcche). Nein, das ist nicht das namibische Staatsgef\u00e4ngnis, das ist das Haus, in dem die DHPS ihre Praktikanten unterbringt.<\/p>\n<p>20:53 Uhr. T\u00fcrkische (Schlacht- oder Freuden-, das bleibt offen) Ges\u00e4nge hallen \u00fcber den Flur. Anhaltendes Gel\u00e4chter aus Zimmer D. Nebenan h\u00f6rt man die Klosp\u00fclung. Und nat\u00fcrlich auch die Aktivit\u00e4ten, die solch einer Sp\u00fclung vorausgehen, denn hier bleibt einem nichts vorenthalten. Aber was mir nicht erspart bleibt, kann ich zumindest dem werten Leser verschweigen. Literarische Freiheit oder wie man das nennt. Irgendwo heult mal wieder eine Alarmsirene, interessieren tut das schon lange keinen mehr. Kann mal endlich jemand den Aus-Knopf dr\u00fccken?<\/p>\n<p>Doch nicht nur die Ger\u00e4uschkulisse bietet immer wieder Grund zur anhaltenden Freude, auch die sozialen Geflechte, die in einer Wohngemeinschaft von vierzehn M\u00e4nnlein und Weiblein wachsen, sorgen f\u00fcr mehr Unterhaltung als so manches Vorabendprogramm im Privatfernsehen. Wer mit wem wann wo gesehen wurde, wer bei wem in welchem Zimmer und welcher Zimmernachbar mal eben ins Wohnzimmer verbannt wird (oder auch freiwillig weicht) um den Turtelt\u00e4ubchen ganz selbstlos ein wenig Quality-Time zu gew\u00e4hren, sind nur einige der Fragen, die man t\u00e4glich neu kl\u00e4ren k\u00f6nnte. Sturm der Liebe und GZSZ sind nichts dagegen!<\/p>\n<p>Und dann nat\u00fcrlich auch noch die ganz allt\u00e4glichen Leiden des WG-Lebens in kumulierter Form. Das, was man sonst mit zwei, drei oder auch mal vier Mitbewohnern ausdiskutieren muss, gleicht hier schon einer Konferenzsitzung (bzw. w\u00fcrde gleichen, in Wirklichkeit hat so etwas noch nie stattgefunden.) Es sind immer die Gleichen, die verschmutzen und die Gleichen, die putzen. Regulationsversuche wie Schilder \u00fcber Waschbecken oder Arbeitsfl\u00e4chen, teilweise in freundlich-anregendem Ton mit p\u00e4dagogisch wertvollen Smileys, teilweise in milit\u00e4rischer Befehlsform mit Betonungs-Unterstreichung auf dem SOFORT (da ist wohl mittlerweile jemand hoffnungslos und verzweifelt) k\u00f6nnen im Fach &#8222;versucht und gescheitert&#8220; abgelegt werden. Wir d\u00fcrfen uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, dass die Schule jeden Tag Reinigungskr\u00e4fte zu uns schickt, die reinigen und uns somit den Untergang im eigenen Dreck ersparen. Das Experiment Praktikantenknast best\u00e4tigt das, was Soziologiedozenten dozieren w\u00fcrden: Wenn ich f\u00fcr etwas nicht bezahlen muss, geh\u00f6rt es nicht mir und ich f\u00fchle mich nicht daf\u00fcr verantwortlich. Warum sollte ich die Waschbecken putzen, die andere mit Zahnpasta\/Haaren\/Zahnpastahaaren (Leute! Neun langhaarige M\u00e4dels mit gef\u00fchlt krankhaftem Haarausfall auf einem Haufen, wir k\u00f6nnten eine Per\u00fcckenfirma gr\u00fcnden! Und damit reich werden, die wollen hier doch alle unsere Haare.) verschmutzt haben und es wieder tun werden? Und mein Geputze wird dann auch noch als selbstverst\u00e4ndlich oder &#8211; noch schlimmer &#8211; gar nicht wahrgenommen? Da spucke ich meine Zahnpasta lieber obendrauf und warte auf das chemische Wunder der Haarzersetzung durch Zahnpasta. K\u00f6nnte ja passieren, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Aber dann sind da ja auch noch die lustigen Seiten. (Nein, wir schlagen uns nicht nur mit Besen die K\u00f6pfe \u00fcber riesigen Staubhaufen ein.) WG-Braais, gemeinschaftliches Sonntagabend-Tatort-Gucken, Ausfl\u00fcge, Spiel (Flunkyball) und Sport (Basketball) unterm Sternenhimmel, epische K\u00fcchenpartys und ganz viel Liebe, auch das hat man davon, wenn man mit dreizehn anderen jungen Erwachsenen das Abenteuer Afrika erlebt. Und der Mensch ist so ein anpassungsf\u00e4higes Wesen, dass es schon wieder faszinierend ist, wie schnell man die Geschirrhaufen in der Sp\u00fcle als bereicherndes Dekorationselement wahrnimmt. Da war doch Tine Wittler am Werk!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ich elf Moskitostiche an EINEM Fu\u00df, von dem anderen fang ich gar nicht erst an. Ich sags nur.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Windhoek, N\u00e4he Ausspannplatz. Eine Mauer, ein Elektrozaun, ein Stacheldraht. Dahinter: Ein Haus. 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