{"id":413,"date":"2014-03-31T18:40:28","date_gmt":"2014-03-31T16:40:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/?p=413"},"modified":"2014-04-09T17:09:18","modified_gmt":"2014-04-09T15:09:18","slug":"h-oshidingsbums","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/2014\/03\/31\/h-oshidingsbums\/","title":{"rendered":"H&auml;? Oshidingsbums?"},"content":{"rendered":"<p>Namibia ist ein Vielv\u00f6lkerstaat. (Kannste bei Wikipedia nachlesen. Wikipedia ist super, wenn das heimische B\u00fccherregal nicht in Reichweite ist.) Das hei\u00dft: Hier wohnen ne Menge Menschen. Ok, das ist jetzt ein bisschen \u00fcbertrieben, wenn man bedenkt, dass Namibia die geringste Einwohnerdichte der Welt hat (Sch\u00e4tzung nach Doro, M\u00e4rz 2014) und die Hauptstadt mit 300.000 Bewohnern gerade mal Rostock Konkurrenz machen kann (ich erinnere mich noch an die euphorischen Plakate, mit denen die Hansestadt ein Baby begr\u00fc\u00dfte &#8211; \u201cWir sind wieder 200.000!\u201d \u2013 Herzlichen Gl\u00fcckwunsch.), aber daf\u00fcr sind <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"margin-left: 0px;margin-right: 0px;border-width: 0px\" title=\"Karte Namibia\" alt=\"Karte Namibia\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2014\/03\/KarteNamibia_thumb.png\" width=\"167\" height=\"166\" align=\"right\" border=\"0\" \/>die Menschen hier alle total unterschiedlich, also abgesehen jetzt von der individuellen Individualit\u00e4t eines jeden Einzelnen von uns. Hier wohnen Herero und Himba und Nama und San und Owambo und Namibiadeutsche und noch einige mehr und die sprechen alle wundersch\u00f6nes Englisch (How are youuu, ne?) und au\u00dferdem aber nat\u00fcrlich auch noch* ihre ganz eigene Sprache. Und damit stehe ich vor einem kleinen Dilemma. Kulturweit hat mir aufgetragen, einen Sprachkurs zu besuchen. Ich als sprachbegeisterte und \u2013begabte Person nat\u00fcrlich voll enthusiastisch, cool, noch ne Sprache lernen, mit der ich dann voll eintauchen kann ins Leben hier und mit allen kommunizieren und so\u2026 Die Euphorie legte sich bei meiner Ankunft, als ich merkte, hm, ich brauche irgendwie nur Deutsch und Englisch. Mist aber auch. Und wenn ich einen Sprachkurs belege, muss ich mich auch noch zwischen Nama und Afrikaans und Otjiherero und Oshiwambo entscheiden. Schwierig! (Nama ist cool, weil\u2019s da Klicklaute gibt, Afrikaans fetzt, weil es nur einen Artikel kennt und Otjiherero kann man immer gebrauchen, macht sich halt auch gut im Lebenslauf.)<\/p>\n<p>Aber ich habe es geschafft, dieses Dilemma f\u00fcr mich zu l\u00f6sen und versuche nun seit Anfang Februar, mich des Oshiwambo zu bem\u00e4chtigen. Oshiwambo ist eine Bantu-Sprache der Owambo, die im Norden Namibias wohnen und ganz gro\u00df im Windhoekschen Taxigewerbe involviert sind. Also dachte ich mir, ist doch ganz praktisch, wenn man hinten drinsitzt und versteht, wie der Fahrer sich grad mal wieder \u00fcber die dumme wei\u00dfe Touristin lustig macht\u00a0 &#8211; oder meine Sch\u00f6nheit bewundert. Kann ja auch sein. Und so habe ich nun zweimal in der Woche einen Termin bei Immanuel, der uns in die Weiten des Oshiwambo einf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Halt, Oshiwambo? Nein! Oshiwambo ist nicht gleich Oshiwambo! Da gibt\u2019s Dialekte! Insgesamt acht, denn Owambo ist eigentlich nur der Sammelbegriff f\u00fcr acht Stammgruppen, die alle superlustige Namen haben. Achtung, los gehts: Die Aandonga sprechen Oshindonga, die Ovakwanyama sprechen Oshikwanyama, die Aakwambi sprechen Oshikwambi, die Aangandjela sprechen Oshingandjela, die Aambalanhu sprechen Oshimbalanhu, die Aakwaluudhi sprechen Oshikwaluudhi, die Aakolonkadhi sprechen Oshikolonkadhi und die Ovambadja sprechen \u2013 na, wer hat\u2019s verstanden? \u2013 richtig, Oshimbadja. Wer schon nach Oshikwanyama abgeschaltet hat, kein Problem, laut unserem Lehrer sind Oshindonga und Oshikwanyama die beiden Hauptdialekte und eh verstehen sich alle Oshiwambosprechenden untereinander ungef\u00e4hr so wie die Leute in Babel vor dem Turmbau. Ich verstehe zwar nach zwei Monaten Oshikwanyama-Kurs immer noch ungef\u00e4hr gar nichts, aber ich komme ja auch nicht aus Babel. Und immerhin erkenne ich inzwischen, ob der Mensch jetzt Oshiwambo spricht oder nicht. Glaube ich zumindest.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem kann ich mittlerweile Begr\u00fc\u00dfung und Verabschiedung ziemlich gut (kein Wunder, die Sprachkurslehrerin, die wir in den ersten Wochen hatten, hat mit uns nichts anderes ge\u00fcbt. Ach doch, die Zahlen. Ich kann jetzt auch bis 1000 z\u00e4hlen. Das hilft ungemein im Alltag, ohne Witz. Deshalb haben wir dann einen neuen Lehrer bekommen. Jetzt lernen wir auch Grammatik, wie sinnlos.) und probiere meine Kenntnisse immer mal wieder am Security Man oder Taxifahrer aus. Meistens ernte ich daf\u00fcr Gel\u00e4chter und eine Antwort auf Englisch, was bei mir die Frage aufwirft, ob ich m\u00f6glicherweise doch nicht Oshikwanyama, sondern irgendeine Fantasiesprache lerne (was durchaus sein k\u00f6nnte, wenn man mich fragt), oder ob sie einfach so verdutzt sind, dass sie nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Eine richtige Antwort w\u00fcrde ich aber wahrscheinlich sowieso nicht verstehen.<\/p>\n<p>Wenn ich das Ganze objektiv betrachte, lerne ich diese Sprache wohl eher f\u00fcr mich und nicht f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch, denn die Menschen, mit denen ich gr\u00f6\u00dftenteils zu tun habe, sprechen Deutsch oder Englisch. Somit fehlt auch das \u201cSprachbad\u201d, in dem ich zum Beispiel in Litauen jeden Tag geschwommen bin und das mir beim Erlernen des Litauischen (eine ebenfalls ziemlich fantastische Sprache \u00fcbrigens, wer sich sowas ausdenkt!) ungemein geholfen hat. Als studierte Sprachheilp\u00e4dagogin wei\u00df ich selbstverst\u00e4ndlich auch theoretisch, wie wichtig solch ein Pool reinsten Wortwassers f\u00fcr den Spracherwerb ist. Hier schwimme (und dusche und trinke) ich leider nur in Chlorwasser\u2026<\/p>\n<p>Und einfach so jeden mal auf Oshikwanyama ansprechen ist auch keine so gute Idee, eben aufgrund der oben erw\u00e4hnten ethnischen Vielfalt Namibias. Da kann man ganz sch\u00f6n ins Fettn\u00e4pfchen treten, wenn der Mensch vor einem pl\u00f6tzlich Otjiherero spricht und sich gar nicht dar\u00fcber freut, dass man einen Oshiwambo-Dialekt und nicht seine Sprache lernt. (Ist einer Kollegin tats\u00e4chlich passiert, deshalb bin ich da vorsichtig.) Aber ich hab ja noch f\u00fcnf Monate hier, da bleibt noch viel Zeit, um auch Otjiherero, Nama (nee, das ist raus, die Klicklaute kriegt mein Mundwerkzeug motorisch einfach nicht gebacken.), Afrikaans und wie sie alle hei\u00dfen (guck Wikipedia) zu lernen. Erstmal erfreue ich mich aber weiterhin an einer Sprache, die Fehler mit einem okadimifo ausradiert, Nachrichten im Otiivi guckt und den ganzen n\u00e4chsten Monat Apilili sagt. Also dann, nangala po nawa! Gute Nacht!<\/p>\n<address>*Hiermit er\u00f6ffne ich feierlich den Wettbewerb: \u201cWer kann die meisten F\u00fcllw\u00f6rter m\u00f6glichst sinnvoll aneinanderreihen?\u201d Ich finde, ich habe den Ma\u00dfstab ziemlich hoch gesetzt.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Namibia ist ein Vielv\u00f6lkerstaat. (Kannste bei Wikipedia nachlesen. Wikipedia ist super, wenn das heimische B\u00fccherregal nicht in Reichweite ist.) Das hei\u00dft: Hier wohnen ne Menge Menschen. 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