{"id":189,"date":"2013-10-20T21:28:38","date_gmt":"2013-10-20T19:28:38","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/?p=189"},"modified":"2013-10-22T21:54:15","modified_gmt":"2013-10-22T19:54:15","slug":"erste-tage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/2013\/10\/20\/erste-tage\/","title":{"rendered":"Erste Tage"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Erste, was mir einf\u00e4llt, wenn ich meine neue Bleibe beschreiben sollte, ist der gute alte Sch\u00fctzenfestkracher: 20m links, 20m rechts, 40m im Quadrat, eingez\u00e4unt mit Stacheldraht, wisst ihr wo ich wohne? Ich wohne in der Zone\u2026 Niveauvoll, ich wei\u00df. Aber es ist so. Die ganze Anlage ist wie ein kleines Dorf, bestehend aus Schule, Vorschule, Kindergarten und Internatsgeb\u00e4uden. (Ich bin immer noch dabei, meine Orientierung dazu zu bewegen, mit mir zusammen zu arbeiten, damit wir die Wege von A nach B in Zukunft schneller bew\u00e4ltigen.) Eines der Internatsgeb\u00e4ude ist das Praktikantenheim, in dem ich wohne, zusammen mit 16 anderen Praktikanten, die hier f\u00fcr k\u00fcrzer oder l\u00e4nger die Kinder mit ihren Talenten bespa\u00dfen. Und \u00fcberall ist ein Zaun drum. Wenn eine Stra\u00dfe dazwischen verl\u00e4uft, gibt es eine Br\u00fccke, die die verschiedenen Teile der DHPS miteinander verbindet, man m\u00fcsste also niemals raus aus diesem abgesicherten Hochsicherheitsbereich. Nicht einmal zum Einkaufen, Essen gibt\u2019s hier n\u00e4mlich auch (zwar kein Rostocker Mensaniveau, aber wir wollen die Kirche auch mal im Dorf lassen). Und meine Kollegen im Kindergarten kommen gr\u00f6\u00dftenteils ebenfalls aus Deutschland oder sind Deutschnamibier, nur vom SecurityMan oder von kleinen Kindern, die im Eifer mal vergessen, dass sie Deutsch sprechen sollen, h\u00f6rt man mal ein englisches Wort oder Afrikaans. Ich k\u00f6nnte also ein Jahr in Klein-Deutschland in Namibia verbringen, wenn ich denn wollen w\u00fcrde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2013\/10\/DSC00193.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-191\" alt=\"Blick \u00fcber den Zaun\" src=\"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2013\/10\/DSC00193-300x225.jpg\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2013\/10\/DSC00193-300x225.jpg 300w, https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2013\/10\/DSC00193-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/kulturweit.blog\/frauthee\/files\/2013\/10\/DSC00193.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Aber da ich ja jetzt nicht so der extreme Sicherheitstyp bin, habe ich tats\u00e4chlich auch schon meine F\u00fc\u00dfe vor die T\u00fcr gesetzt. Und siehe da, es gibt ein Leben jenseits des Zauns! Es tobt da drau\u00dfen! Viele wei\u00dfe Autos, die immer aus der falschen Richtung kommen, viele Menschen (unter der Woche und vor zehn Uhr abends), viel Sonne und ich mittendrin, mich noch ein bisschen fehl am Platz f\u00fchlend. Ich stehe am Stra\u00dfenrand, als ob ich noch nie eine Stra\u00dfe \u00fcberquert h\u00e4tte. Ich laufe durch den Supermarkt, als ob ich noch nie einkaufen gewesen w\u00e4re. Alles ist lauter, bunter, voller, verwirrender, sagt mir mein Gef\u00fchl. Da bin ich manchmal direkt froh, wenn ich nach so einer reiz\u00fcberflutenden Expedition in die Welt da drau\u00dfen zur\u00fcckkehren kann in meine Komfort-Zone, beim Bahnenziehen im schuleigenen Freibad der afrikanischen Sonne beim Untergehen zuschaue und mich freue, dass noch alles heil ist und all meine Sachen noch in keinen fremden Besitz \u00fcbergegangen sind. Und das ist etwas, was mich irritiert. Wer mich kennt, wei\u00df, dass ich gerade in solchen Dingen eigentlich an das Gute im Menschen glaube und nicht sonderlich \u00e4ngstlich durch die Gegend laufe. Aber hier ist das irgendwie anders. Ich klammere mich\u00a0jetzt nicht ununterbrochen an meine Tasche und schaue paranoid von links nach rechts, aber da ist schon mitunter ein unsicheres Gef\u00fchl im Hintergrund. Ob es an den Warnungen und Geschichten der anderen Praktikanten liegt, oder an der Tatsache, dass man auf der Stra\u00dfe ziemlich oft angesprochen wird (Schilder mit \u201eI don\u2019t need a husband\u201c, \u201eI don\u2019t need a taxi\u201c oder \u201eI know I\u2019m pretty\u201c, w\u00fcrden wahrscheinlich auch nicht helfen), ich wei\u00df es nicht. Andererseits dramatisiere ich das Ganze aber jetzt mal nicht und gehe einfach davon aus, dass ich mich an alles gew\u00f6hnen werde. Und wer wei\u00df, vielleicht sonne ich mich am Ende nicht nur in der Sonne, sondern auch in der Aufmerksamkeit und werde beides f\u00fcrchterlich vermissen, wenn ich ins kalte Deutschland zur\u00fcckfliege. Das ist der Reiz der ersten Tage: Alles ist m\u00f6glich!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Erste, was mir einf\u00e4llt, wenn ich meine neue Bleibe beschreiben sollte, ist der gute alte Sch\u00fctzenfestkracher: 20m links, 20m rechts, 40m im Quadrat, eingez\u00e4unt mit Stacheldraht, wisst ihr wo ich wohne? 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