{"id":276,"date":"2018-12-08T13:19:28","date_gmt":"2018-12-08T12:19:28","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=276"},"modified":"2018-12-09T13:17:05","modified_gmt":"2018-12-09T12:17:05","slug":"ein-land-ein-bild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/12\/08\/ein-land-ein-bild\/","title":{"rendered":"Ein Land \u2013 Ein Bild"},"content":{"rendered":"<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Dass die Ukraine so ein gastfreundliches Land ist, wie ich es im letzten Blogeintrag angesprochen habe, wissen wahrscheinlich die wenigsten. Mit der Ukraine wird schon seit Jahren, aber besonders in den letzten Wochen, leider etwas ganz anderes verbunden. <i>Ukraine und der Krieg.<\/i> An etwas anderes denken wahrscheinlich kaum welche, und wenn, dann wohl an andere Vorurteile.. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Der Konflikt mit Russland hat sich seit letzter Woche versch\u00e4rft. Hier einmal eine kurze Zusammenfassung, was vorgefallen ist:<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Am Sonntag, dem 25. November, wurde ein ukrainisches Marineboot von einem russischen Schiff in der Meerenge Kertsch gerammt. Ukrainische Soldaten wurden verletzt und festgenommen. Der ukrainische Pr\u00e4sident Poroschenko hat daraufhin am Montag in verschiedenen Gebieten am Meer das sogenannte Kriegsrecht f\u00fcr 30 Tage ausgesprochen. <\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\"><i>Kriegsrecht bedeutet nach ukrainischem Recht die M\u00f6glichkeit zur Einschr\u00e4nkung einer Reihe b\u00fcrgerlicher Rechte (u.a. Demonstrationsverbot, M\u00f6glichkeit der Einschr\u00e4nkung der Bewegungsfreiheit, M\u00f6glichkeit des Verbots von Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen, Durchsuchungsrechte, Beschlagnahmungsrechte und M\u00f6glichkeit zur Heranziehung zur Arbeit im Staatsdienst) und ein Verbot der Durchf\u00fchrung von Wahlen.\u201c<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Dazu muss man aber auch wissen, dass im n\u00e4chsten Jahr der\/die neue Pr\u00e4sidentIn gew\u00e4hlt wird. W\u00e4hrend das Kriegsrecht ausgesprochen ist, k\u00f6nnen kaum Wahlen stattfinden. Durch das Kriegsrecht m\u00fcssen einige Kommunalwahlen, die im Dezember h\u00e4tten sein sollen, verschoben werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\">\u201e<span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Die Ukraine verh\u00e4ngt ein Verbot der Einreise von russischen M\u00e4nnern.\u201c oder \u201ePutin schlie\u00dft Frieden mit der Ukraine aus.\u201c So lauteten die \u00dcberschriften in der letzten Woche. Dabei wurde viel auf Deutschland und seine Hilfe gesetzt. Mittlerweile hat sich die Situationen wieder etwas beruhigt, aber von einer Einigung ist man weiterhin weit entfernt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Letzte Woche hatte ich ein paar kurze Gespr\u00e4che mit Lehrerinnen \u00fcber das Thema. Sch\u00fclerInnen haben erz\u00e4hlt, dass ihre V\u00e4ter noch im Osten sind. Aber das war es dann auch. Krieg herrscht in der Ukraine schon seit einigen Jahren, trotzdem wird die derzeitige Ver\u00e4nderung besonders in den Medien als starke Versch\u00e4rfung des Konfliktes angesehen. Meine Einsatzstelle liegt im Westen, mit dem Auto etwas mehr als eine Stunde von Polen entfernt und die Ukraine ist ein gro\u00dfes Land. Geografisch f\u00fchlt sich der Krieg weit weg an. Und trotzdem ist es politisch und geschichtlich das selbe Land. Ich pers\u00f6nlich habe den Eindruck, dass es f\u00fcr die Leute hier, obwohl es im selben Land passiert, immer noch sehr weit weg ist. Ich kann von keinen gro\u00dfen Ver\u00e4nderungen bei den Leuten durch die Eskalation berichten, die ich in den letzten zwei Wochen in der Schule oder in der Stadt bemerkt habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Auch wenn ich seit einigen Monaten hier wohne, kann ich nicht behaupten, dass ich die Situation der Einheimischen ansatzweise nachvollziehen kann. Ich habe schlie\u00dflich einen deutschen Pass und sobald sich die Situationen weiter versch\u00e4rft, bin ich in der Lage, zur\u00fcck nach Deutschland zu fliegen. Ich habe keine Verwandten oder kein Zuhause hier, das ich in dem Fall verlassen m\u00fcsste. Ich habe alle Informationen von deutschen Medien, und bekomme daher ganz automatisch die deutsche Sicht auf das Geschehen. Auch wenn ich gerade in der Ukraine bin, also im Land des Konfliktes, kann ich nicht behaupten, mich in die Lage der Bev\u00f6lkerung hineinversetzten zu k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Und das ist ein Gedanke, der mich auch in anderen Situationen besch\u00e4ftigt hat. Egal wie lange ich in einem Land bin, ich kann nie behaupten, das Leben und die Situation der Einheimischen wirklich nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Was f\u00fcr viele Alltag ist, ist f\u00fcr mich entweder noch Abenteuer oder eben etwas, was ich ein paar Monate mal machen muss oder aushalten muss. Ich habe immer im Hinterkopf, dass ich nach Deutschland zur\u00fcck gehen und dort wieder bessere Lebensbedingungen vorfinden werde. All das sind Gr\u00fcnde, weshalb ich glaube, dass man als \u201eAusl\u00e4nder\u201c, das echte Leben in einem Land zwar miterleben und kennen lernen kann, aber mehr eben auch nicht. Egal, wie sehr ich mich versuche zu integrieren und das vielleicht auch schon geschafft habe, in manchen Dingen bin und bleibe ich Au\u00dfenseiter in einer Gruppe Ukrainer. Ich kann mich eben in bestimmte Situationen nicht hineinversetzen. Wie es ist in einem Land zu <i>leben <\/i>und<i> <\/i>aufgewachsen zu sein, in dem Krieg herrscht, das mit Vorurteilen und Perspektivlosigkeit zu k\u00e4mpfen hat, in dem die Sch\u00fclerInnen jeden Tag zur Schule gehen mit dem gro\u00dfen Traum in Deutschland studieren zu k\u00f6nnen, der aber teilweise so weit weg ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Sich das bewusst zu machen, ist gar nicht so leicht. Erst da wird einem bewusst, was man selber wirklich f\u00fcr Privilegien hat. Der Spruch \u201edie Welt steht einem offen\u201c bekommt f\u00fcr mich hier nochmal eine ganz neue Dimension. Damit verstehe ich jetzt nicht mehr unbedingt, dass ich die Welt bereisen kann (was ich <i>theoretisch<\/i> auch k\u00f6nnte), sondern, dass ich eben alle M\u00f6glichkeiten habe, das mit meinem Leben anzufangen, was ich m\u00f6chte. Und dass das leider nicht selbstverst\u00e4ndlich ist und f\u00fcr viele ein weit entfernter Wunsch ist. <\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Ukraine so ein gastfreundliches Land ist, wie ich es im letzten Blogeintrag angesprochen habe, wissen wahrscheinlich die wenigsten. Mit der Ukraine wird schon seit Jahren, aber besonders in den letzten Wochen, leider etwas ganz anderes verbunden. 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