{"id":261,"date":"2018-11-29T19:38:17","date_gmt":"2018-11-29T18:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/?p=261"},"modified":"2018-12-08T15:09:18","modified_gmt":"2018-12-08T14:09:18","slug":"wenn-der-schulweg-zur-eisbahn-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kulturweit.blog\/fernwehstillerukraine\/2018\/11\/29\/wenn-der-schulweg-zur-eisbahn-wird\/","title":{"rendered":"Wenn der Schulweg zur Eisbahn wird"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Endlich fand das langersehnte Zwischenseminar statt, das so sch\u00f6n war, dass es danach erst mal einen kleinen Tiefpunkt bei mir ausl\u00f6ste.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Wir haben erst in Lviv, wo ich die anderen Freiwilligen schon am Sonntag getroffen habe, einen sch\u00f6nen Tag verbracht. Ich war schon einige Male dort, aber die anderen waren so begeistert von der Stadt, dass ich nun nochmal ein anderes Bild auf Lviv bekommen habe und in Zukunft \u00f6fters dorthin fahren m\u00f6chte.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Nach einigen Problemen am Bahnhof beim ersten richtigen Schnellfall und Minustemperaturen ging es f\u00fcr uns dann mit dem Bus nach Iwano- Frankiwsk. Dort fanden dann knapp f\u00fcnf Tage Seminar statt, in denen wir viele neue Unterrichts- und Spielideen erarbeitet haben, uns ausgiebig \u00fcber unsere Einsatzstelle und unser Leben austauschen konnten, uns die Stadt bei einer F\u00fchrung anschauten und einen sehr interessanten und bewegenden Vortrag \u00fcber die Ukraine zu h\u00f6ren bekamen. Ziemlich kaputt, mindestens genauso gl\u00fccklich und auch etwas traurig, dass die Woche schon vorbei ist, ging es dann Freitagmittag zur\u00fcck nach Drohobytsch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Eine Woche voller Menschen, die einem immer mehr ans Herz wachsen und sp\u00e4testens nach dem Zwischenseminar zu echten Freunden geworden sind. Eine sch\u00f6ne Abwechslung zu dem Schulalttag und viel neue Motivation, Inspiration und Ideen sowohl f\u00fcr den Unterricht, als auch f\u00fcr meinen Alltag an der Einsatzstelle. Zur\u00fcck Zuhause war ich erst mal voller Tatendrang noch die letzten Sachen anzupacken, die vielleicht noch nicht so gut laufen auf der Arbeit oder wo ich mich noch mehr einbringen k\u00f6nnte. Die Ruhe tut nach der Woche dann auch mal wieder gut, aber ziemlich schnell habe ich die ganzen \u201eHomies\u201c ziemlich vermisst und habe ich einfach nur alleine gef\u00fchlt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Der erste Tag in der Schule war f\u00fcr mich etwas ern\u00fcchternd. Mein anf\u00e4nglicher Tatendrang ist dann doch wieder schnell verflogen, die Komfortzone ist dann doch zu gem\u00fctlich. F\u00fcr das, was ich ver\u00e4ndern m\u00f6chte, muss ich da eben wieder raus und Sachen direkt ansprechen, anders machen und das, was mir besonders schwer f\u00e4llt, mehr Geduld mitbringen. Montag sa\u00df ich die ganze Zeit nur herum, was ich mir nach dem Seminar und meiner neuen Motivation anders vorgestellt habe. Dann habe ich noch festgestellt, dass die Aufgaben f\u00fcr die DSD-Pr\u00fcfung, die am Mittwoch statt finden sollte, noch nicht da waren. Nach einigen Schrecksekunden (eher Stunden) hatte ich dann die Aufgaben sicher in meinem Rucksack. Damit war zumindest eine Sache gekl\u00e4rt.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Dann ist auch in Drohobytsch der Winter endg\u00fcltig angekommen. Seit einer Woche schneit es und im Unterschied zu Deutschland bleibt der auch l\u00e4nger als einen Tag liegen. Das hat meine Stimmung auch noch bedr\u00fcckt. Etwas leichtsinnig bin ich am Montag noch mit Sneakers zur Schule gegangen, die habe ich nun endg\u00fcltig weggepackt und meine Winterschuhe herausgeholt. Die Mischung zwischen Schnee, Matsch und Eis macht das Laufen auf den B\u00fcrgersteigen oder anderen Wegen noch schwieriger als sonst. Aus deutscher Sicht ist die Situation hier, glaube ich, unvorstellbar. Ich erinnere mich, dass bei uns, sobald der erste Schnee f\u00e4llt, Schneesch\u00fcbe und Salz herausgeholt werden, damit ja kein Glatteis entsteht. Davon kann ich hier nur tr\u00e4umen. Die Stra\u00dfen und B\u00fcrgersteige sind alle, ganz egal ob im Zentrum oder au\u00dferhalb, fast vollst\u00e4ndig vereist. In der letzten Woche bin ich schon dutzende Male ausgerutscht, aber bis jetzt zum Gl\u00fcck noch nicht hingefallen, mal sehen wie lang das noch dauert. Das alles hat mich die ersten Tage deprimiert, ich konnte weder drau\u00dfen trainieren noch vern\u00fcnftig in die Stadt gehen. Nach einigen Tagen habe ich mich aber ziemlich gut an diese Situation gew\u00f6hnt, kann immer besser auf Glatteis laufen und versuche mich einfach, so gut es geht, an dem Schnee zu erfreuen. Trainieren kann ich nat\u00fcrlich immer noch nicht drau\u00dfen, aber ins Zentrum gehe ich trotzdem, eben nur etwas langsamer und vorsichtiger.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">In der Schule habe ich meinen inneren Schweinehund auch \u00fcberwunden, habe wie vorgenommen einige Sachen umgesetzt und f\u00fchle mich jetzt auch wieder fast so wohl an meiner Einsatzstelle wie vor dem Seminar. Die ersten im Seminar neu erlernten Spiele habe ich auch schon ausprobiert, die aber sehr viel Geduld erfordern und bei weitem nicht so gut funktionieren wie mit der Homezone. Aber das wird sich bestimmt mit der Zeit noch \u00e4ndern.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Heute hat mich meine Schulleiterin mit den Worten begr\u00fc\u00dft: \u201eIm Lehrerzimmer liegt ein neuer Stundenplan f\u00fcr dich, andere Sch\u00fcler wollen dich jetzt auch mal im Unterricht haben.\u201c Auch wenn es an sich ziemlich belanglos ist, habe ich mich dar\u00fcber irgendwie sehr gefreut. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">Am Mittwoch fand, wie gesagt, die DSD-Pr\u00fcfung statt, bei der ich, wie die anderen Freiwilligen in der Ukraine, Pr\u00fcfungsvorsitzende war. Die letzten Jahre kam daf\u00fcr immer ein Externer, dieses Jahr wurde wohl Geld gespart, sodass wir es \u00fcbernehmen mussten. Es lief \u00e4hnlich ab wie das Abitur, nur dass ich diesmal eben auf der anderen Seite stand. Etwas aufgeregt war ich am Morgen trotzdem, schlie\u00dflich war ich daf\u00fcr verantwortlich, dass alles reibungslos abl\u00e4uft. Und das tat es dann auch zum Gl\u00fcck. Ich konnte mich ziemlich gut in die Rolle der Sch\u00fcler hineinversetzten, vor etwas mehr als einem Jahr sa\u00df ich auch dort. Wie schnell sich das \u00e4ndern kann:) Deswegen war es f\u00fcr mich auch ganz interessant, das alles von der anderen Seite zu sehen. F\u00fcr die Sch\u00fclerInnen und Lehrerinnen lief es leider nicht ganz so reibungslos ab. Sie gingen mit gro\u00dfer Sicherheit davon aus, dass das Thema Migration abgefragt werden w\u00fcrde. Ein halbes Jahr Vorbereitung auf dieses Thema, ich habe in den letzten Wochen auch einige Pr\u00e4sentationen und Arbeitsbl\u00e4tter dazu erstellt, war alles umsonst. Ein anderes Thema kam wider Erwarten dran, auf das sich keiner nur ansatzweise vorbereitet hat. Dementsprechend sank die Stimmung ziemlich schnell und ich konnte nur noch schockierte, frustrierte und verzweifelte Gesichter erkennen. Auch das hat mich etwas an mein Abitur erinnert.. In wenigen Wochen findet die M\u00fcndliche Pr\u00fcfung statt, ich hoffe sehr, dass es da f\u00fcr die Sch\u00fclerInnen besser laufen wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, sans-serif\"><span style=\"font-size: large\">F\u00fcr mich bedeutet das Zwischenseminar auch gleichzeitig, dass die H\u00e4lfte meines Freiwilligendienstes vorbei ist. So wirklich dar\u00fcber nachdenken, was das bedeutet, will ich noch gar nicht. Schon in drei Wochen geht mein Flieger nach Hause. Auch wenn ich Anfang der Woche am liebsten sofort abgereist w\u00e4re, versuche ich jetzt wieder die verbleibenden Wochen bis Weihnachten nochmal voll zu genie\u00dfen.<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich fand das langersehnte Zwischenseminar statt, das so sch\u00f6n war, dass es danach erst mal einen kleinen Tiefpunkt bei mir ausl\u00f6ste. 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